Steuererklärung im Klassenzimmer: Pilotprojekt stößt auf großes Interesse

15

FREIBURG. Schülervertretungen fordern schon länger, mehr Alltagswissen in der Schule zu vermitteln. In Freiburg und Umgebung startete nun das Pilotprojekt «Steuer macht Schule» des baden-württembergischen Kultusministeriums. Mitarbeitende aus den Finanzämtern übernehmen die Wissensvermittlung. Bei den Schulen stößt das Angebot auf Zustimmung: Laut der Oberfinanzdirektion Karlsruhe liegen bereits über 75 Anmeldungen vor.

Mitarbeitende aus den Finanzämtern vermitteln im Zuge des Pilotprojekts ihr Wissen rund um verschiedene Steuerthemen. Symbolfoto: Shutterstock/Mehaniq

«Wie fülle ich nach meinem Sommerjob eine elektronische Steuererklärung aus?» – um diese und andere Fragen geht es bei dem Pilotprojekt «Steuer macht Schule». Bianca Schlatterer und Lars Tisarzik vom Freiburger Finanzamt unterrichteten am Donnerstag gut 20 Berufsfachschülerinnen und -schüler im Alter von etwa 16 bis 18 Jahren.

Der Versuch ist dem Ministerium zufolge zunächst vor allem auf den südbadischen Raum beschränkt – ein landesweites Angebot sei vom kommenden Jahr an geplant. «Es gibt eine extrem hohe Resonanz von Schulen», sagte der Ausbildungsreferent der Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Bernd Bleile. Demnach liegen bereits über 75 Anmeldungen vor.

Ein Schüler zeigte sich bei dem eineinhalbstündigen Kurs erstaunt, dass man auch Arbeitskleidung bei der Steuererklärung geltend machen kann. «Ich hoffe, dass auch andere von dem Unterricht profitieren werden», fügte ein 17-Jähriger hinzu.

Forderung der Schülervertretung des Landes

Die höchste Schülervertretung im Land hatte bereits mehrfach mehr Alltagsunterricht an den Schulen gefordert. «Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass es zumindest eine Schulstunde in der Woche gäbe, in der Steuern, Versicherungen oder Mietrecht thematisiert werden», hatte der damalige Vorsitzende des Landesschülerbeirats, Berat Gürbüz, im September gesagt. Viele Schülerinnen und Schüler bekämen diese Themen im Elternhaus nicht mit, sagte Gürbuz. Die nötige Zeit für den Alltagsunterricht sollte aus Sicht des Beirates beim Religions- oder Ethikunterricht abgezweigt werden.

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) teilte anlässlich des Freiburger Experiments mit, Verbraucherbildung sei als Thema bereits im Bildungsplan verankert. Expertinnen und Experten aus den Finanzämtern würden an den Schulen der grauen Finanztheorie ein Gesicht geben. News4teachers / mit Material der dpa

Schülervertreter fordern mehr lebenspraktische Inhalte im Unterricht – wie Steuerrecht

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

15 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Generische Feminina
1 Monat zuvor

In Rheinland-Pfalz haben wir das schon vor 15 Jahren gemacht. Von wegen Pilotprojekt…

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

Erst, wenn es die eigene Idee ist, wird daraus eine gute Idee!

Ulrika
1 Monat zuvor

Na es ist aber ein Unterschied, ob es sich um Finanzbeamte handelt oder Vertreter von Unternehmen! Wobei man auch mit letzteren umgehen kann/muss, z. B.durch klare Absprachen zur (Nicht-) Datensammelei.

RSDWeng
29 Tage zuvor

In Bayern war das schon zu meiner gymnasialen Schulzeit in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts der Fall. Natürlich nicht digital, aber ohne Finanzbeamte. Der Wirtschaftsleher erledigte das in gekonnter Art und Weise, eben ein Lehrer und kein Lernbegleiter!!

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

Na dann – laden wir doch mal Vertreter der Allianz ein. Oder Mitarbeiter von Vonovia wegen der „Mietgeschichte“. Früher gab’s auch „Girokonto“-Schulungen von der Sparkasse (wegen der Adressen) oder auch Fortbildungen von den Krankenkassen für angehende Auszubildende bzw. baldige Schulabgänger.

Alle rein in die Schule.

Nur halt niemand von der Bundeswehr.

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) teilte anlässlich des Freiburger Experiments mit, Verbraucherbildung sei als Thema bereits im Bildungsplan verankert. Expertinnen und Experten aus den Finanzämtern würden an den Schulen der grauen Finanztheorie ein Gesicht geben.

Das haben sie früher schon, als das Thema noch in den Lehrplänen der kaufmännischen Schulen (z. B.Berufskolleg, Wirtschaftsgymnasium) enthalten war.

Alles rausgestrichen und durch Themen wie „Nachhaltigkeit“ ersetzt. Das Streichen begann, als Kretschmann Ministerpräsident wurde, beim Gymnasium schon vorher, wenn ich mich recht erinnere. Meine Unterlagen habe ich noch 🙂

uwe
1 Monat zuvor

Ich muss nix über Steuern wissen, da kümmert sich ein Steuerberater von einem Lohnsteuerberatungsverein drum. Genauso sinnvoll wie Schüler*innen beibringen ihre Zähne selber zu plombieren oder ihre Gasetagenheizung zu reparieren. Wozu gibt es Experten?

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  uwe

Schüler mit einem Ferienjob sollten ruhig Papas Steuerberater konsultieren. Was, er hat keinen? Bei soviel Armut kann ich auch nicht weiter helfen…..

Ulrika
1 Monat zuvor
Antwortet  uwe

Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  uwe

Oder Programme wie in meinem Fall. Die ausgerechnete Erstattung entsprach seit Jahren immer ungefähr der tatsächlichen Erstattung.

Besseranonym
1 Monat zuvor
Antwortet  uwe

Mann Uwe, die Meiningen an der BS wissen, obwohl sie bereits arbeiten, nicht mal, wie man vom Brutto- zum Nettolohn kommt. Damit fangen wir in der 10ten ganz klein an und schaffen mit etwas Glück ohne Bruchlandung, in der 13ten, die Steuersoftware einzulegen und durchzugehen ( zB von WiSo oder auch Freeware) – gibt da sogar welche, die Spaß macht 😉

RainerZufall
1 Monat zuvor

Mein Problem liegt ehrlichgesagt eher bei der Notwendigkeit der Steuererklärung…
Aber hey, mal schauen, wie es läuft und wie viele Schüler:innen etwas mitnehmen können

Unfassbar
1 Monat zuvor

Bringt meiner Meinung nach nicht viel, weil sich im Steuerrecht viel zu schnell viel zu viel ändert. Außerdem können die Steuerprogramme die Formulare gut ausfüllen (eigene Erfahrung). In komplizierten Fällen erledigen Lohnsteuerhilfevereine oder echte Steuerberater die Arbeit.

Schulmeister
1 Monat zuvor

Sosehr ich den Wunsch vieler Schüler verstehe, ist der Schule möglichst viel zu erfahren, was für sie dann direkt umsetzbar ist, im Artikel als Alltagswissen bezeichnet, sosehr fällt mir gerade in den letzten Jahren auf, wie stark auch bei Schülern im Gymnasium das zurückgeht, was landläufig als Allgemeinbildung bezeichnet wird. Ich habe die Aufgabe von Schule – insbesondere in höheren Klassen – nicht in erster Linie darin gesehen zu vermitteln, wie etwas zu machen ist, sondern darzustellen, was dahinter steckt. Warum zahlen wir Steuern, warum wird dies besteuert und jenes nicht? Um jetzt nur zwei Fragestellungen zu nennen, deren Liste mühelos zu verlängern ist. In gar nicht so langer Zeit werden diese jungen Leute selbst durch ihr Wahlrecht darüber mitentscheiden, wer künftig Steuern erhebt und warum. Das sollten sie auch tun als mündige Wähler, die Bescheid wissen.
Zurück zum berechtigten Wunsch der Schüler. Ideal wäre natürlich, das eine zu tun ohne das andere zu lassen. Das ist natürlich eine Frage der zur Verfügung stehenden Zeit. Aus einem Bundesland kommend, das nun – zwar viel zu spät aber immerhin doch – endlich den Schwenk von G8 nach G9 unternimmt, kann ich nur sagen: Die Hoffnung stirbt zuletzt – und ist im Übrigen elementarer Bestandteil unserer Tätigkeit mit unseren Schülern.

Ceterumcenseo
28 Tage zuvor

Warum wird nicht gelehrt wie man den Bürgergeldantrag ausfüllt?
Dann kann man sich die Unterrichtszeit für die Steuererklärung gleich sparen!
Schöne neue Welt.
Ich verzweifle langsam.
Ceterum censeo KMs nur bei ch mit Fachleuten besetzen.