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Gewalt gegenüber Lehrkräften: Polizeigewerkschaft sieht Erziehungsdefizite – „Daher muss man an die Eltern ran, an das Zuhause“

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DÜSSELDORF. Gewalt gegen Lehrkräfte nimmt zu – sichtbar in Polizeistatistiken, spürbar im Schulalltag, politisch umkämpft in der Deutung. Nordrhein-Westfalen liefert mit stark steigenden Fallzahlen ein Beispiel für eine Entwicklung, die Schulleitungen und Verbände bundesweit beobachten: mehr Bedrohungen, mehr Übergriffe, mehr Verunsicherung. Während Landesregierungen auf Prävention und Ordnung setzen, verweisen Lehrkräfteverbände und Gewerkschaften auf hohe Dunkelziffern, strukturelle Hürden beim Melden von Gewalt und einen Mangel an Unterstützung für Betroffene.

Bedingt abwehrbereit (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Heiko Mewes unterrichtet seit 25 Jahren an einer Gesamtschule. „Es ist schon so, dass ich des Öfteren nicht mehr ganz so entspannt in die Schule gehe“, sagt er in einem Interview mit dem SWR. Schülerinnen und Schüler seien „gewaltbereiter geworden“. Was ihn besonders belastet, ist aber etwas anderes: „Ein neues Phänomen ist hinzugekommen, das ist die Elternarbeit.“ Eltern tauchten unangekündigt in der Schule auf, stünden plötzlich im Klassenraum und wollten „Dinge sofort klären – und das auf ihre Art und Weise“. Mewes berichtet von bedrohlichen Situationen, von Ängsten, mit denen Lehrkräfte umgehen müssten. „Ich erlebe ja auch tatsächlich bedrohliche Situationen. Das ist natürlich unschön. Und das sind auch Ängste, die vorhanden sind.“

Was der Lehrer aus Rheinland-Pfalz schildert, wird derzeit in Nordrhein-Westfalen politisch diskutiert – gestützt auf aktuelle, besorgniserregende Zahlen. Laut dem aktuellen Lagebild der Polizei zur Jugendkriminalität, über das die Rheinische Post berichtet, wurden im vergangenen Jahr in NRW 837 Lehrerinnen und Lehrer an ihren Schulen angegriffen. Im Jahr zuvor waren es 628. Das entspricht einem Anstieg von gut 33 Prozent. „Damit setzt sich der steigende Trend der Vorjahre fort“, teilte das Landesinnenministerium mit.

„Ist das gut für unsere Schule, wenn solche Dinge nach außen dringen?“

Der Präsident des Lehrerverbandes NRW, Andreas Bartsch, fordert dem Bericht zufolge Konsequenzen. „Wir brauchen bei den Bezirksregierungen eine Stelle, an die Lehrkräfte sich vertraulich wenden können“, sagt er. „Jeder Fall sollte bei der Bezirksregierung registriert werden.“ Bartsch hält die offiziell bekannten Zahlen für unvollständig. Seiner Einschätzung nach ist die Dunkelziffer weiterhin hoch. „Jeder Lehrer wird erstmal versuchen, ein Problem selber zu regeln“, sagt er. Erst wenn das nicht mehr gelingt, gehe man zum Schulleiter. Schon dieser Schritt sei für viele eine emotionale Hürde. Hinzu komme die Sorge, der eigenen Schule zu schaden. Die unausgesprochene Frage laute oft: „Ist das gut für unsere Schule, wenn solche Dinge nach außen dringen?“

Auch die Landesregierung räumt ein, dass die Zahlen nicht eindeutig zu interpretieren sind. Bildungsministerin Dorothee Feller erklärt, man habe „das Thema fest im Blick“. „Hier darf es keine falsch verstandene Toleranz geben“, so die CDU-Politikerin gegenüber der Rheinischen Post. Lehrkräfte würden ausdrücklich ermutigt, bei Gewaltvorfällen konsequent einzuschreiten und Ordnungsmaßnahmen strikt anzuwenden. Im Schulministerium verweist man darauf, dass eine gestiegene Sensibilität für Gewalt und eine höhere Anzeigebereitschaft ebenfalls zu den steigenden Fallzahlen beitragen könnten. Entscheidend sei Transparenz. Vorfälle dürften nicht übersehen werden.

In NRW wurden inzwischen verschiedene Maßnahmen angestoßen: Leitfäden für den Umgang mit Gewalt, zusätzliche Mittel für Schulsozialarbeit, Programme zur Stärkung sozialer Kompetenzen und Pilotprojekte mit Polizeipräsenz an Schulen. Gleichzeitig warnen Polizeigewerkschaften vor überzogenen Erwartungen. „Wir können als Polizei Versäumnisse in der Erziehung nicht auffangen“, sagt der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus. Es werde nicht nur schwieriger, mit Kindern umzugehen, sondern auch mit den Eltern. „Daher muss man an die Eltern ran, an das Zuhause.“

„Das soziale Klima ist in den letzten Jahren spürbar rauer geworden, das spiegelt sich auch an den Schulen wider“

Was sich in NRW zuspitzt, ist kein regionales Phänomen. Bundesweit berichten Schulleitungen von einer zunehmenden Gewaltproblematik. Das zeigt eine vom Verband Bildung und Erziehung in Auftrag gegebene forsa-Umfrage unter Schulleiterinnen und Schulleitern, die im vergangenen Januar veröffentlicht wurde (News4teachers berichtete). Demnach gaben 60 Prozent der Befragten an, dass körperliche und psychische Gewalt an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren eher zugenommen habe. Nur vier Prozent beobachteten einen Rückgang.

„Das soziale Klima ist in den letzten Jahren spürbar rauer geworden, das spiegelt sich auch an den Schulen wider“, erklärt der VBE dazu. Schulleitungen berichteten von Beschimpfungen, Bedrohungen, Beleidigungen, Mobbing und Belästigungen gegenüber Lehrkräften. Knapp zwei Drittel der Befragten erinnerten sich an entsprechende Fälle in den vergangenen fünf Jahren. An mehr als jeder dritten Schule wurden Lehrkräfte über das Internet bedroht oder körperlich angegriffen. Die Werte liegen deutlich höher als noch 2018.

Wie groß das Ausmaß tatsächlich ist, darüber wird seit Jahren gestritten. Uwe Schledorn, ehrenamtlicher Experte der GEW NRW für das Thema Gewalt an Schulen, spricht von einem massiven Dunkelfeld. Gewalt gegen Beschäftigte im Schuldienst sei vielfältig und reiche von körperlichen Angriffen über psychische Gewalt, Bedrohungen und Nötigung bis hin zu sexueller und sächlicher Gewalt. Die medial besonders präsenten Messerangriffe seien „nur die Spitze“.

Eine Onlinebefragung des Bezirkspersonalrats in Münster aus dem Frühsommer 2023 zeigt, wie verbreitet Übergriffe sind: 86 Prozent der teilnehmenden Beschäftigten gaben an, im Dienstalltag bereits mehrfach Opfer verbaler oder physischer Gewalt geworden zu sein. Gleichzeitig erklärten mehr als 70 Prozent, dass das Vorgehen bei Gewalt gegen Lehrkräfte an ihren Schulen nicht transparent oder uneinheitlich geregelt sei. Vielen seien bestehende Handreichungen und Notfallordner nicht einmal bekannt.

„Die meisten Kinder, die wir haben, die sind auch wirklich in Ordnung“ – aber…

Dass viele Vorfälle nicht gemeldet werden, ist aus Sicht der GEW kein Zufall. Schledorn verweist auf strukturelle und institutionelle Hürden – aber auch auf politische Gründe. In einer Studie der Hochschule für öffentliche Verwaltung Speyer wurde 2022 ein Dunkelfeld von 72 Prozent festgestellt. Viele alltägliche Übergriffe fänden keinen Eingang in Statistiken. Der Konfliktforscher Andreas Zick wird mit den Worten zitiert: „Das Thema wird öffentlich diskutiert, berührt den Alltag an Schulen und doch fehlt es am Willen, Fakten zu erzeugen und das Thema umfangreich zu untersuchen.“

Hinzu komme, dass Gewalt häufig unterschiedlich definiert werde und psychische Gewalt von Betroffenen selbst heruntergespielt werde. Gewalt sei zudem nach wie vor ein Tabuthema. Manche wollten nicht als schwach gelten, andere wollten dem Ruf ihrer Schule nicht schaden. Es entstehe eine „Kultur des Schweigens, der Zensur und der Selbstzensur“.

Die GEW NRW fordert deshalb einen ehrlichen Umgang mit dem Thema, realistische und ungefilterte Zahlen, ein vereinfachtes, digitales Meldesystem sowie eine klare Opferorientierung. Betroffene dürften nicht alleingelassen werden, Gewalttaten müssten dokumentiert und als Arbeits- oder Dienstunfälle ernst genommen werden. Prävention brauche Zeit, Personal und Entlastung.

Für Lehrer wie Heiko Mewes bleiben die Probleme prägend. Er erinnert sich an einen Fall eines befreundeten Kollegen, der bis heute nachwirkt. Ein Schüler habe Feuerwerkskörper gezündet, der Lehrer sei hinausgegangen – und mit einer Holzlatte ins Gesicht geschlagen worden. „Das ist auch ein Fall, der beschäftigt mich eigentlich heute immer noch“, sagt Mewes. „Denn ich nehme das auch selbst wahr, dass die Bedrohungen zugenommen haben in der Schule.“

Trotzdem macht er deutlich, dass es nicht um eine pauschale Verurteilung gehe. „Die meisten Kinder, die wir haben, die sind auch wirklich in Ordnung.“ Es seien wenige, die den Schulalltag eskalieren ließen. „Nur leider sind das die fünf Prozent, die so einen Laden auch auseinandernehmen können.“ News4teachers 

Umfrage: Sieben von zehn Lehrkräften haben verbale Gewalt erfahren, jede fünfte Lehrkraft sogar körperliche

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Kleopas
1 Monat zuvor

“Daher muss man an die Eltern ran, an das Zuhause.” (aus der Überschrift)

Wenn bisher jemand her in der Diskussion auf die Rolle und die Verantwortung der Eltern hinwies, gab es gleich belehrende Schelte, nein, von den Eltern könne man nichts mehr verlangen, die können das nicht, sie können ja kein Deutsch und sind auch sonst zu allem psychisch oder sonst unfähig, sie können sich auch nicht benehmen, die Kinder auch nicht, Staat und Gesellschaft müssten die Erziehung von sich aus übernehmen. Und das trotz Art. 6 GG.

Ich bin verwirrt. Wie stellt sich denn die Rechtslage dar, und was wäre aus pragmatischer Sicht geboten, ohne einen Riesenaufwand zu treiben und jeder Familie einen Sozialpädagogen zuzuordnen? Sind wir ein Volk geworden, bei dem die eine Hälfte die andere sozialpädagogisch “betreuen” muss?

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Kleopas

Hier mal ein Auszug aus §42 des Schulgesetzes NRW
beteiligen.
„(3) Schülerinnen und Schüler haben die Pflicht daran mitzuarbeiten, dass die Aufgabe der Schule erfüllt und das Bildungsziel erreicht werden kann. Sie sind insbesondere verpflichtet, sich auf den Unterricht vorzubereiten, sich aktiv daran zu beteiligen, die erforderlichen Arbeiten anzufertigen und die Hausaufgaben zu erledigen. Sie haben die Schulordnung einzuhalten und die Anordnungen der Lehrerinnen und Lehrer, der Schulleitung und anderer dazu befugter Personen zu befolgen.
(4) Eltern wirken im Rahmen dieses Gesetzes an der Gestaltung der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schule mit. Sie sorgen dafür, dass ihr Kind seine schulischen Pflichten erfüllt. Eltern sollen sich aktiv am Schulleben, in den Mitwirkungsgremien und an der schulischen Erziehung ihres Kindes beteiligen. Zu diesem Zweck haben Eltern, die Kommunikationsunterstützung benötigen, die Rechte aus § 8 Absatz 1 des Behindertengleichstellungsgesetzes Nordrhein-Westfalen vom 16. Dezember 2003 (GV. NRW. S. 766) in der jeweils geltenden Fassung in Verbindung mit der Kommunikationsunterstützungsverordnung Nordrhein-Westfalen vom 15. Juni 2004 (GV. NRW. S. 336) in der jeweils gültigen Fassung.
(5) In Bildungs- und Erziehungsvereinbarungen sollen sich die Schule, Schülerinnen und Schüler und Eltern auf gemeinsame Erziehungsziele und -grundsätze verständigen und wechselseitige Rechte und Pflichten in Erziehungsfragen festlegen.
(6) Die Sorge für das Wohl der Schülerinnen und Schüler erfordert es, jedem Anschein von Vernachlässigung oder Misshandlung nachzugehen. Die Schule entscheidet rechtzeitig über die Einbeziehung des Jugendamtes oder anderer Stellen.“

Eltern und Schüler haben sehr wohl Pflichten……

unfassbar
1 Monat zuvor

Nur hat Schule kaum Handhabe, Verstöße gegen die Mitwirkung wirkungsvoll zu ahnden. Erstens ist die Sanktionsmöglichkeit viel zu lange viel zu lasch, zweitens ist der Aufwand für die Schule viel zu hoch, weil viele Gerichtsverfahren aus formalen Gründen (Dokumentation!) zugunsten der Schüler ausgehen, drittens belassen die Dezernate die schwarzen Peter bei den Schulen.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Aber, und das finde ich beruhigend, steht es hier festgeschrieben und wir Lehrer können uns darauf berufen und es einfordern.
Und ich werde nicht müde, Eltern darauf hinzuweisen, damit sie begreifen, dass auch sie etwas beitragen müssen….
Wie an einzelnen Schulen damit umgegangen wird, ist sehr unterschiedlich, aber wir könnten uns durchaus wirkungsvoll darauf berufen, wenn wir denn wollen.

dickebank
1 Monat zuvor

Die Instrumente sind da, sie müssen nur entsprechend genutzt werden.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Ist das tatsächlich so? Letztendlich entscheiden doch die Schulen, wenn sie diese ausgeschöpft haben, gar nicht mehr. Was da entschieden wird, ist sehr oft nicht hilfreich.
Und bevor eine Ebene höher oder das Jugendamt tätig werden, muss man dokumentiert nachweisen, dass man alle Instrumente auch wirklich ausgeschöpft hat. In SH hat man die Dokumentation gerade noch mal verschärft. Unsere Stufenleitungen arbeiten Fälle ab, an die sich die Kids kaum mehr erinnern, weil sie inzwischen zig neue Verstöße begangen haben.

Aus dem Artikel entnehme ich auch, dass immer öfter Eltern während des Schultages unangemeldet auftauchen. Das ist bei uns inzwischen auch so. Man müsse da etwas klären.
Gerade erzählte mir eine Kollegin, wie die Mutter eines Fünftklässlers aufgetaucht war, um auf einen anderen Fünftklässler loszugehen. Das konnte eine andere Kollegin dann wagemutig verhindern.
Ernsthaft. Welche Instrumente sollen Schulen da jetzt noch entsprechend nutzen, frage ich mich. Meint hier irgendwer, dass da etwas auf der schulischen Ebene zu bewerkstelligen wäre? Sicher nicht. Hausverbot? Dann kommt eben Onkel X.
Was den Straftatbestand angeht, da kann man sich über Entscheidungen oft nur wundern. Auch hier, von wegen Instrumente …

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Bei unerlaubtem Eindringen vom Hausrecht Gebrauch machen. Ggf. die 110 wählen, um sich Unterstützung bei der Umsetzung mit körperlichem Zwang zu holen. Hängt natürlich immer davon ab, ob die SL einen Hintern hat, der zur Hose passt. Wenn an dieser Stelle andauernd auf den “guten Ruf” geachtet werden muss, wird natürlich jedes Durchgreifen verhindert. Was soll denn die Öffentlichkeit denken. Handeln wird vermutlich Auswirkungen auf die neuanmeldungen haben. Hat es natürlich auch. Macht Schule etwas, zieht das ebenso besorgte Eltern an, wie wenn sie nichts macht und damit die Falschen kommen.
Folglich ist es sinnvoll hin und wieder in gravierenden Fällen das gesamte Paker der ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen bis zur Entlassung von der eigenen Schule umzusetzen, auch wenn die Bez.-Reg. die Schule zwingt die Androhung mehrfach auszusprechen. Dies setzt auch voraus, dass bei der wahl der Mitglieder der teilkonferenz über einen längeren Zeitpunkt eine gewisse Kontinuität herrscht und die Mitglieder nicht andauernd ausgewechselt werden.
Die Beschlüsse der teilkonferenz müssen dann aber auch von allen mitgetragen und umgesetzt werden. Um einen Rüpel zu erziehen braucht es eben das gesamte Dorf …

Was mich immer genervt hat, war: ” … aber bei mir verhält er/sie sich ganz anders …”. Wenn der Satz von Eltern kam, habe ich dafür ein gewisses Verständnis gehabt. Nur ganz wenige sind so ehrlich gewesen, zu sagen, dass sie ebenfall überfordert sind. Aber wenn konfliktscheue Kolleg*innen so angefangen haben, hat das unweigerlich “stiff upper lips” bei mir hervorgerufen.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Eine schulfremde erwachsene Person verschafft sich Zutritt zu einem Schulgebäude, um auf ein fremdes Kind zuzugreifen.
Das ist ganz klar ein Fall für die Polizei und für eine Strafanzeige. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder in der Schule sicher sind. Da geht es nicht (nur) um wagemutige Verhinderung durchzuführen eine Lehrkraft, sondern um eine strafbare Handlung in einem besonders sensiblen Bereich.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

… und die konsequente Nutzung darf von den übergeordneten Behörden, wie z.B. Schulämtern, BzRs usw. nicht blockiert werden.
Mir sind Fälle bekannt, bei denen LuL durch SuS bzw Eltern physische Gewalt angetan wurde und die übergeordneten Behörden die dienstliche Anzeige abgewiesen haben – also die Verfolgung der Straftat im dienstlichen Rahmen und stattdessen die LuL aufgefordert haben, privat Strafanzeige zu stellen, da z.B. das Brechen des Nasenbeins durch den Faustschlag eines wütenden Vaters im laufenden Unterricht, in den dieser gestürmt war, “sicherlich auf einem privaten und daher persönlichen Konflikt basierte”.

In der Öffentlichkeit werden ständig Lippenbekenntnisse seitens der Schulbehörden abgesetzt – sobald es faktisch passiert und eine unterstützende dienstliche Reaktion erwartet wird, tauchen die feige und konfliktscheu ab.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Die Waffengleichheit ist nicht gegeben. Die Eltern oder volljährige SuS können ggf. gegen die verhängten Ornungs- und Erziehungsmaßnahmen klagen, wenn das Schulamt oder die Bez.-Reg. einen Widerspruch niederschlägt. Gibt die Behörde dem Widerspruch statt, hat die Schule aber keine Möglichkeit dagegen vorzugehen. Sie muss die Entscheidung der vorletzten Dienstelle klaglos mittragen.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Jepp, das lässt mich auch immer wieder fassungslos zurück und verzweifeln …

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Mit dieser Haltung „bringt ja eh Nix“ veranschaulichen Sie, warum so manches scheitert.
Die Strategie oder nennen Sie es Haltung muss doch eigentlich eine andere sein…..so früh eingreifen wie möglich, dann kommt es wahrscheinlich nicht zum Äußersten (Verweis von der Schule)….
– Gespräche (mit Eltern und Schülern), sobald ersichtlich wird, dass sich etwas zusammenbraut. Oft kristallisiert sich da schon heraus, wo die Ursache für das Fehlverhalten zu suchen ist. Hier ist ein guter Anlass, sich ausgiebig zuzuhören und Vereinbarungen zu treffen (immer mit Protokoll)…und ganz manchmal ist nach so einem Gespräch auch schon eine deutliche Verbesserung zu spüren….
– Bei wiederkehrendem Fehlverhalten und einigen (aber nicht viele) pädagogischen Einwirkungen später, halten wir es so, dass wir unsere Eskalationsampel (reicht von Grün [alles tutti] bis rot [Ergreifen der Ordnungsmaßnahmen]) mit den Eltern besprechen und Ihnen verdeutlichen, wo wir gerade stehen…..nämlich tieforange und wenn sich jetzt nichts ändert wir ab sofort zu den Ordnungsmaßnahmen übergehen.
– bei konkreten Vorfällen (Schüler schlägt Lehrer / Erzieher, Schüler verhält sich auf Exkursion daneben, Schüler folgt nicht den Vorgaben beim Schwimmunterricht, Schüler vermöbelt anderen Schüler,…..) Greifen wir in der Regel sofort zu Ordnungsmaßnahmen, die angemessen, verhältnismäßig und folgerichtig sind.
– immer den Handlungsleitfaden (ja, so etwas haben wir tatsächlich seit kurzem…..da hat sich die Schulaufsicht wirklich Mühe gegeben) beachten und die Dokumente müssen auch rechtssicher sein, dann ist man halbwegs auf der sicheren Seite….

Wo ich Ihnen absolut Recht gebe, ist der krasse Zeitaufwand, der so sinnlos vorkommt und je nach Größe der Schule, kann ein SL schon einige seiner Verwaltungsstunden dafür verbraten….

mama51
1 Monat zuvor

Eltern und Schüler haben sehr wohl Pflichten……

Tja, guter Witz! Denn leider wissen das zu viele nicht, ignorieren es oder es wird als nicht opportun deklariert.
Arme Schullandschaft 🙁

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  mama51

Man kann Eltern über Ihre Pflichten aufklären. Wir tun das im Rahmen des ersten Elternabends für die Schulanfänger sehr umfassend. Wir klären in diesem Rahmen auch über unsere Schulregeln auf.
Wir bereits geschrieben, warten wir nicht lange, wenn Kinder ein sozial unverträgliches Verhalten an den Tag legen und laden Eltern (ggf. mit Dolmetscher) zum Gespräch ein….
In diesen Gesprächen wollen wir erfahren, warum gewisse Dinge so schief laufen und vereinbaren auch Regeln der Zusammenarbeit.
Spätestens dann sind Eltern informiert, auch über unsere gängigen Erstmaßnahmen….
Aussagen wie „mein Kind macht sowas nicht….“, „der hat aber auch…“, „warum behandeln Sie X anders?“, „Zuhause ist alles gaaaanz anders“, lassen wir gar nicht erst gelten, indem wir genau dokumentieren, was genau wann vorgefallen ist.

Wir stellen grundsätzlich nicht an den Pranger, vermeiden Schuldzuweisungen, machen auch klar, dass das Kind ganz viele positive Seiten hat und legen aber auch den Finger in die Wunde, sind immer auf Augenhöhe unterwegs. Unserer Erfahrung nach öffnen sich Eltern nach einiger Zeit und signalisieren, dass ihnen an einer Zusammenarbeit durchaus etwas liegt.
Manchmal ist es zäh, manchmal ist es leicht, manchmal braucht es seeeehr viel Geduld und ganz manchmal ist auch Hopfen und Malz verloren (ja, gibt es leider auch)…..

Kleopas
1 Monat zuvor

“Eltern und Schüler haben sehr wohl Pflichten……”
Auf dem Papier. Aber ich lese hier doch ständig die Meinung (auch von der Redaktion), dass viele die eben nicht erfüllen KÖNNEN und damit wohl einfach davon entbunden sind. Aber wo ist die Grenze zwischen KÖNNEN und WOLLEN? Es sieht so aus, als hätten manche Leute de facto nur Rechte, aber eben keine Pflichten. Die Lehrer haben dann nur Pflichten, aber keine Rechte.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Kleopas

Ich meine, Sie beziehen sich hier auf meine früheren Aussagen, dass Eltern nicht immer in der Lage sind, den Anforderungen von vor 50 Jahren zu genügen.
Ich bleibe dabei, meine aber nicht, Familien zu pampern und nicht einzubinden.

Wie jemand es sehr viel besser schrieb:
“Wir stellen grundsätzlich nicht an den Pranger, vermeiden Schuldzuweisungen, machen auch klar, dass das Kind ganz viele positive Seiten hat und legen aber auch den Finger in die Wunde, sind immer auf Augenhöhe unterwegs”
(https://www.news4teachers.de/2025/12/gewalt-gegenueber-lehrkraeften-polizeigewerkschaft-sieht-erziehungsdefizite-daher-muss-man-an-die-eltern-ran-an-das-zuhause/#comment-764504)

Aber wenn Sie lieber fruchtlos heulen wollen, dass es früher besser war …
Ich schätze das Internet ist wohl ein gutes Ventil dazu…

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Gerne dürfen Sie mich zitieren…..
Aber ich glaube Sie waren nicht gemeint, sondern die Redaktion, die immer wieder darauf hinwies, dass nicht deutschsprachige Eltern ihren Kindern leider zuhause kein Deutsch beibringen können….

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Ungeachten meines Größenwahns tragen Sie den Nagel auf dem Kopf 🙂

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Danke für das lustige Kopfkino! Habe ich bei Ihnen nicht so oft!

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Zum allerersten Mal freue ich mich, dass die Redaktion keine Korrektur ermöglicht ^^

Guten Rutsch!

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich trage keine Nägel auf dem Kopf…..sondern Haare….
😉

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Kleopas

“Man” sind natürich die Lehrer. Hausbesuche sollten schon drin sein.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

“Hausbesuche” – das kenne ich noch von früher. Einmal im Jahr war Pflicht. Es war auch immer ganz interessant, weil die Eltern in ihrem eigenen Umfeld oft entspannter und damit “zugänglicher” waren, als in einem Klassenraum, auf viel zu kleinen Stühlen (Lehrersprechtag) und ohne die Anwesenheit anderer Eltern (Elternabend). 🙂

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Weil das Jugendamt das mangels personeller Ressourcen nicht (mehr) schafft, müssen mal wieder die f… S… ran, die ja sonst nichts zu tun haben???

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

… aber dann sollten die LuL in den kritischen Situationen auf jeden Fall einen Baseballschläger und Verstärkung mitnehmen.
Sicher ist sicher….

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Aggressionskreislauf scheitert sicher.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Tscha, alte Weisheit: Manche Elternbesuche, oder Gespräche sollte man nicht allein durchführen. Wir haben uns schon immer, wenn wir ein “komisches Gefühl” hatten , kollegial unterstützt.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Ist aber blöd, zu ner Schießerei mit nem Baseballschläger zu erscheinen.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Blöder ist, sich mit Waffen statt Worten wehren zu wollen.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Am blödesten ist, wer sich sehendes Auges zum Opfer macht – und das für (in der Regel) nichts messbares.

Wer das tun will – nur zu.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Danke, zwei Teenager in einem Mantel versteckt.
Aber vielleicht wollen wir gaanz langsam das Feld der Actionfilme und Filmzitate verlassen und uns ECHTEN Menschen widmen, bevor irgendwelche Baseballschlägerphantasien am Ende noch mit ernsthafter Sorge verwechselt werden 😉

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Vielleicht wollen Sie sich da lieber professionell beraten lassen, wenn Ihr erster Gedanke an Elterngespräche/ Hausbesuche der ist, sich bewaffnen zu wollen.
Was die Eltern wohl umgekehrt über den offensichtlich nervösen, vielleicht gewaltbereiten Lehrer denken, denen sie ihren Nachwuchs anvertrauen…

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Es seien wenige, die den Schulalltag eskalieren ließen. „Nur leider sind das die fünf Prozent, die so einen Laden auch auseinandernehmen können.”

Früher war es vielleicht 1%… jetzt sind es 5% und in ein paar Jahren sind es 10%. Meines Erachtens hat die Politik auf diese Entwicklung nicht wirklich eine Antwort. Man sieht, wie die ADD in Rheinland-Pfalz mit den Problemen der Gräfenau-Grundschule und der Karolina-Burger-Realschule Plus in Ludwigshafen umgeht: Gar nicht. Man versucht eher, das Personal ruhigzustellen und Kontakte mit der Öffentlichkeit zu vermeiden.

Sicher schreien einige wieder nach den “multiprofessionellen Teams” und verkennen, dass so viel Personal überhaupt nicht vorhanden ist und dass man aus Schulen eben keine Therapiezentren machen sollte. Wenn Bildungspolitik in den vergangenen Jahren und in der aktuellen Diskussion eines geschafft hat, dann immer mehr zahnlose Tiger zu kreieren, die jegliche Verantwortung von Schülern und Eltern nimmt. Diese (faulen) Früchte können nun geerntet werden. Jede Wette, dass die Meldungen aus Ludwigshafen und neuerdings Bad Kreuznach nicht die letzten Brandbriefe sind, die in den kommenden Wochen an die Öffentlichkeit dringen. Mir sind auch Schulen in und um Mannheim bekannt, wo wirklich der Busch brennt.

Die einzig korrekte Antwort wäre die, solche Kinder und deren Eltern nicht weiter in Watte zu packen, sondern bestimmter – und ja – auch autoritärer aufzutreten, zum Beispiel mit knallharten Geldbußen bzw. Kürzungen von Leistungen wie dem Kindergeld, mit Strafversetzungen in andere Klassen oder gar Schulen und mit einem (vorübergehenden) Aufgebot an Sicherheitspersonal, um Lehrkräfte und lernwillige Schüler zu schützen. Unpopulär, aber eventuell nötig, um eine Kehrwende einzulegen. Ja, ich bin Sozialarbeiter. Vielleicht weiß ich genau deshalb, wo hier unsere Grenzen liegen und wo man mit gutem Zureden alleine nicht weiterkommt.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

“Früher war es vielleicht 1%… jetzt sind es 5% und in ein paar Jahren sind es 10%.”
Als würden Sie Studien lesen, geschweige aufgreifen! 😀

447
1 Monat zuvor

Ihre Antwort ist zu realistisch, daher ist sie querschwurbelextremismusverdächtig. 😉

Merke:
Richtige Antwort lautet “multiprofessionelle Teams”, “Kiiiiiiiiindaaaa”, “Angebote”, “Zuwendung”, “Evaluation”.

HuGo
1 Monat zuvor

Too bloody late! Die “gesellschaftliche Transformation” mit ihrem ausufernden Freiheitsdrang, bei dem Respekt und Verantwortung vermehrt auf der Strecke bleiben, hat ein Mass erreicht, mit dem immer mehr Eltern und Kinder nicht mehr umzugehen vermögen. Wieder mal die Defizite auf der Eltern zu übertragen und Politik aussen vor zu lassen geht völlig fehl, wobei dann die Lehrer als Lückenbüsser das Nachsehen haben. So macht sich Politik wieder einmal einen schlanken Fuss.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Heftig.
Ich erinnere mich daran, wie manche im Forum klagten, der Unterrichtsausschluss als Maßnahme wäre zu kompliziert, das Aufsuchen der Schulleitung zu müßig.
Ich hoffe, dass diese Kollg:innen die Kraft und Unterstützung finden, den genannten Gewalt- und Straftaten angemessen zu begegnen und sich nicht unterkriegen zu lassen :/

Realist
1 Monat zuvor

“Schleswig-Holstein übernimmt künftig zu 100 Prozent die Kosten einer stichfesten Schutzweste für Gerichtsvollzieher. Hintergrund ist ein tödlicher Angriff auf einen Gerichtsvollzieher im Saarland.”
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/sh-zahlt-schutzwesten-fuer-gerichtsvollzieher,schutzweste-102.html

Wird bei Lehrern natürlich nie passieren, da “nicht sein kann, was nicht sein darf”

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Interessant.
Gehen Sie nur davon aus, sich ausschließlcih mit Menschen zu beschäftigen, denen etwas zur Last gelegt wird, oder meinen Sie, dass alle schuldig und gefährlich sind?

Aber fragen Sie doch gerne den Polizist:innen, die in Schulen und Kindergärten Verkehrsregeln erklären, warum sie keine stichfesten Schutzwesten tragen – vielleicht unterscheidet sich eine Schülerschaft (minimal) von Menschen deren Wohnung zwangsgeräumt wird.
Zumindest machen Sie sich aufrichtige Sorgen um Ihr Leben und schlachten nicht den Tot eines Mannes aus. Solche Niedertracht traue ich Ihnen nicht zu

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Impliziert die schleswig-holsteinische Landesregierung, dass alle Schuldner “schuldig und gefährlich” sind, wie sie es so andeuten?

Nebenbei: Es sind wohl in den letzten Jahren mehr Lehrkräfte durch Schülerangriffe ums Leben gekommen als Gerichtsvollzieher und Sozialpädagogen durch deren Klientel.

Verkehrsregeln erklären die Polizisten übrigens maximal Sechstklässlern. Dass sich in den Schulen mittlerweile auch viele Schüler tummeln, die psychsisch gestört sind, gewaltbereit sind und (fast) erwachsen sind, kommt in ihrem Sozialpädagogen-Bullerbü wohl nicht vor. Was würden Sie eigentlich machen, wenn so jemand einmal bei Ihnen auftaucht? Sich erst einmal drei Monate krank melden, bis jemand anders sich darum gekümmert hat?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

“Impliziert die schleswig-holsteinische Landesregierung, dass alle Schuldner “schuldig und gefährlich” sind, wie sie es so andeuten?”
Meines Wissens verteilen die keine stichsicheren Westen an die Lehrkräfte.

Was wollten Sie eigentlich ausdrücken?

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Würden Sie sich mit dieser Weste sicherer fühlen?