BERLIN. Während bundesweit für den 5. März Demonstrationen gegen das neue Wehrdienstgesetz vorbereitet werden, sind in Hamburg bereits Hunderte Schülerinnen und Schüler auf die Straße gegangen. Die Proteste richten sich gegen die verpflichtende Musterung junger Männer und die Möglichkeit einer Rückkehr zur Wehrpflicht.

Schüler und andere junge Menschen wollen erneut gegen den neuen Wehrdienst und eine mögliche Reaktivierung der Wehrpflicht demonstrieren. Für den 5. März ist ein bundesweiter Schulstreik angekündigt. Unter anderem in Berlin sowie in Potsdam und Cottbus sollen Kundgebungen stattfinden. Initiativen gegen die Wehrpflicht rufen in sozialen Netzwerken zu den Protestaktionen auf.
„Am 5. März ist unser Platz auf der Straße und nicht im Klassenzimmer“, schreiben die Organisatoren bei Instagram. In einem weiteren Aufruf zu einer Kundgebung vor dem Landtag in Potsdam heißt es: „Wir lassen uns nicht kleinkriegen (…).“
Bereits im Dezember hatten nach Angaben der Initiatoren mehr als 55.000 junge Menschen bundesweit protestiert, vor allem in großen Städten. Anlass war die Verabschiedung des neuen Wehrdienstgesetzes am 5. Dezember. Mehrere Tausend Schülerinnen und Schüler gingen damals auch in Berlin und Brandenburg auf die Straße.
Das Gesetz ist seit Anfang des Jahres in Kraft. Es sieht vor, dass alle Männer und Frauen, die ab dem 1. Januar volljährig werden, zunächst einen Fragebogen erhalten. Damit sollen Eignung und Motivation für einen Dienst bei der Bundeswehr erhoben werden. Mitte Januar wurden nach Angaben der Bundeswehr die ersten Schreiben verschickt. Rund 60.000 18-Jährige haben inzwischen einen entsprechenden Fragebogen erhalten. Durchschnittlich würden jede Woche 12.500 Briefe versendet, teilte die Bundeswehr auf Nachfrage mit.
Junge Männer sind verpflichtet, den Fragebogen innerhalb eines Monats auszufüllen. Grundlage ist das Grundgesetz, das eine Wehrpflicht nur für Männer vorsieht. Für junge Frauen ist die Beantwortung freiwillig. Ab Juli 2026 sollen alle jungen Männer verpflichtend gemustert werden. Zunächst werden nur diejenigen des Jahrgangs 2008 gemustert, die freiwillig dienen wollen.
Der Wehrdienst selbst ist nach derzeitiger Gesetzeslage freiwillig. Sollte die Zahl der Freiwilligen nicht ausreichen, kann politisch über eine Reaktivierung der 2011 ausgesetzten Wehrpflicht entschieden werden. Die Bundesregierung begründet die Neuregelung mit der sicherheitspolitischen Lage und der Bedrohung durch Russland. Vor dem Hintergrund veränderter Nato-Ziele soll die aktive Truppe von zuletzt mehr als 180.000 Soldatinnen und Soldaten um rund 80.000 auf 260.000 wachsen.
„Zwang ist falsch, niemand sollte zum Wehrdienst genötigt werden“
In Hamburg fand eine Demonstration bereits am gestrigen 20. Februar statt. Hintergrund sind die dortigen Schulferien; ein Streik während der unterrichtsfreien Zeit wäre faktisch wirkungslos. Nach Polizeiangaben beteiligten sich in der Spitze rund 1.200 junge Menschen an dem Protestzug, der am Hauptbahnhof startete und zum Rathaus führte. Viele folgten dem Aufruf des Bündnisses „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Adrian Lapidus von der Schüler*innenkammer Hamburg sagte bei der Kundgebung: „Zwang ist falsch, niemand sollte zum Wehrdienst genötigt werden.“ Die Politik müsse zuhören. Für diese Worte erhielt er Applaus.
Viele Teilnehmende äußerten die Sorge, dass der Wehrdienst langfristig nicht freiwillig bleiben könnte. Die geplante verpflichtende Musterung aller jungen Männer ab Juli 2026 wird von ihnen als möglicher Zwischenschritt hin zu einer erneuten Wehrpflicht interpretiert.
Die Hamburger Schulbehörde kündigte an, dass Schülerinnen und Schüler, die während der Unterrichtszeit an der Demonstration teilnehmen, unentschuldigte Fehlzeiten erhalten. Wer eine Klausur verpasse, bekomme null Punkte, sagte eine Sprecherin vor Ort. Zugleich sollten die Schulen das Thema Wehrdienst im Unterricht aufgreifen und diskutieren.
Bundesweit werden nach Angaben der Initiatoren derzeit in rund 90 Städten Vorbereitungskomitees für den 5. März aufgebaut. In Göttingen fand am vergangenen Wochenende ein Vernetzungstreffen statt. Beobachter ziehen Parallelen zu früheren Schulstreiks, etwa zu den Protesten von „Fridays for Future“, an denen einige der jetzigen Organisatoren beteiligt waren. Ob sich aus den Aktionen eine dauerhafte Jugendbewegung entwickelt, ist offen. News4teachers / mit Material der dpa
Wehrdienst-Streit: Union warnt Schulen davor, Schüler bei ihrem Schulstreik zu unterstützen









“Viele Teilnehmende äußerten die Sorge, dass der Wehrdienst langfristig nicht freiwillig bleiben könnte.”
Ich schätze, die Regierung wird die Befürchtungen der besorgten Bürger*innen ernstnehmen, Irrtümer auf Augenhöhe klarstellen und entkräften, bspw. über die Information bezüglich der Verweigerungsmöglichkeit zum Dienst an der Waffe…
Hm? Nur Schüler*innen? Von Oben herab behandeln, nichts erklären und mit Strafen drohen! -___-
Schon mal für den Kampf im urbanen Umfeld trainieren? Warum denn nicht gleich im professionellen Umfeld?
Meinen Sie mit dem “urbanen Umfeld” Berlin oder Teile des Ruhrgebiets?
“Die Hamburger Schulbehörde kündigte an, dass Schülerinnen und Schüler, die während der Unterrichtszeit an der Demonstration teilnehmen, unentschuldigte Fehlzeiten erhalten. Wer eine Klausur verpasse, bekomme null Punkte, sagte eine Sprecherin vor Ort.”
Ich finde es schade, dass die sogenannte vierte Gewalt solche Aussagen immer unwidersprochen übernimmt und nicht kritisch nachbohrt. Die Befreiung von Schüler*innen ist immer eine Ermessensentscheidung – und es gibt gewichtige Gründe, die für eine Befreiung (Entschuldigung) für diese Veranstaltung sprechen.
Außerdem ist vollkommen widersinnig, demokratiebildung fördern zu wollen – die Monstranz der Schulpflicht hervorzuholen, wenn die Schüler*innen ihre Grundrechte wahrnehmen wollen – und gleichzeitig ganz selbstverständlich permanent ein Vielfaches an Schulstunden wegen Lehrkräftemangels, Konferenzen, pädagogischen Tagen, Dauererkrankungen, schlechter Organisation etc. ausfallen zu lassen.
Man kann auch außerhalb der Schulzeiten demonstrieren, wenn man es wirklich ernst meint. Dies hier sehe ich mehr als eine Einladung der Veranstalter, eine hohe Zahl an Schülern nennen zu können, die an diesem Tag nicht in der Schule erscheinen. Nicht alle davon haben dann wirklich vor, gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren, sondern sich zuhause einen faulen Lenz zu gönnen.
Schule gehört ebenso wie die Wehrpflicht zum Staat. Wenn ein verbeamteter Lehrer also zum Schulstreik gegen Musterung oder Wehrpflicht aufruft, klingt das meiner Meinung nach nicht unbedingt nach der geforderten Staatstreue. Eine gewählte Regierung hat die Musterung nun einmal festgelegt. Eine neue Regierung kann diese auch wieder abschaffen. SO funktioniert Demokratie nun einmal auch. Ich bin nach wie vor für die komplette Wiedereinführung der Wehrpflicht (mit der Möglichkeit zum Ersatzdienst natürlich).
In den Schutzbereich des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit fällt grundsätzlich auch der Zeitpunkt der Versammlung/Demonstration. Einen Verweis auf das Wochenende würde den Wesensgehalt des Zwecks der Versammlung vereiteln und wäre daher verfassungswidrig. Eine Gewissensprüfung der Teilnehmer*innen von Demonstrationen (auch wenn es Streik genannt wird, so ist es materiell eine Demonstration und kein Streik) findet aus gutem Grund nicht statt. Daher ist es irrelevant, ob der primäre Zweck von Einzelnen der Ausfall von Unterricht ist. Außerdem: Was sagt es denn über ein Schulsystem aus, bei dem es Beteiligte cool finden, wenn Unterricht ausfällt?
Außerdem: Was sagt es denn über ein Schulsystem aus, bei dem es Beteiligte cool finden, wenn Unterricht ausfällt?
…und was sagt es über die Arbeitsmoral von AN im öffentlichen Dienst, wenn sie die Arbeit niederlegen, sie es also Ihrer Meinung nach “cool finden”, nicht arbeiten zu müssen? Wobei die Auswirkungen auf die Bevölkerung insgesamt bedeutend krasser sind, als wenn ein paar Schulstunden ausfallen. Meine Güte! 🙁
Kennen Sie denn ein Schulsystem, in dem sich jeder Schüler einen Ast freut, wenn die Ferien vorbei sind und er endlich wieder lernen darf? So mit Büchern, Aufgaben und Klassenarbeiten und so? Gehen Sie täglich mit breitem Grinsen auf die Arbeit?
Das Schulsystem, an dem Beteiligte einen Ausfall NICHT cool finden, ist weltweit noch nicht erfunden worden – Einzelfälle unter der Schülerschaft mal ausgenommen. Es soll ja Menschen geben, die selbst bei verstopften Toiletten noch einen gewissen Grad an Freude empfinden können.
Man kann auch außerhalb der Schulzeiten demonstrieren, wenn man es wirklich ernst meint.
Die Metaller, die Flugzeugpiloten, das dazugehörige Bodenpersonal, Lokführer u. v. a. könnten doch dann auch außerhalb der Arbeitszeit demontrieren bzw. streiken?
Eine Demo / ein Streik (= Arbeitsniederlegung) macht nur dann Sinn, wenn sie von der Öffentlichkeit auch so richtig krass wahrgenommen wird.
Und die SuS, die das altersmäßig betrifft, haben eh oft bis in den späten Nachmittag hinein Unterricht (=Schulpflicht?) Und würde sich die Öffentlichkeit für das (oder überhaupt irgendein) Problem interessieren, wenn die Demo samstags/ sonntags stattfindet? Wahrscheinlich nicht oder kaum! (Die Frage der Teilnehmerzahl lasse ich hierbei bewusst außen vor.)
Es ist mMn durchaus wichtig, dass die jungen Leute sich Gehör verschaffen! Was soll also das Gedöns der Drohung mit unentschuldigten Fehltagen, die am Ende des Tages eh niemanden mehr interessieren…
Tatsächlich bin ich, trotz meiner Fürsprache, jedoch auch Ihrer Meinung:
“Ich bin nach wie vor für die komplette Wiedereinführung der Wehrpflicht (mit der Möglichkeit zum Ersatzdienst natürlich).”
Interessante Zeiten:
Gen Z und Co. haben offensichtlich weder vor, die Renten zu bezahlen noch das Land zu verteidigen.
Ich hoffe, alle hier haben vorgesorgt.
Und anderswo:
“Gen Z und Co. haben offensichtlich weder vor, die Renten zu bezahlen noch das Land zu verteidigen.”
Nicht alle, nur ein Teil.
siehe z.B. Meldung vom April 2025
“19 Prozent mehr Interessenten: Bundeswehr erhält deutlich mehr Bewerbungen”
oder Januar 2026:
“Personalstärke Januar 2026: Größte Bundeswehr seit 2013“
Ich war schon immer überrascht von der Selbstverachtung, die deutschen Medien oft gezeigt haben, wenn sie über Heimat geschrieben haben. Warum sollen junge Menschen motiviert sein, diese Heimat dann zu verteidigen? Oder verteidigen sie nicht die Heimat, sondern Demokratie?
Heimat ist tabu, teilweise auch gut so, wenn man bedenkt, wie der Begriff missbraucht wird. Und eine Demokratie ist Deutschland auch nur unzureichend, es ist eher eine Oligarchie. Von daher kann ich mangelnden Kampfeswillen nachvollziehen.
Bullshit, sorry: https://www.demokratiematrix.de/ranking
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ach, SIE sind diese Person voller Verachtung von Deutschland, von der Opossum schrieb.
Hatte mich schon gewundert 😀
“Ich war schon immer überrascht von der Selbstverachtung, die deutschen Medien oft gezeigt haben, wenn sie über Heimat geschrieben haben.”
Quellen dazu?
Verachtung der Heimat kenne ich nur von Rechtsextremen und populistischen bzw. Fakenews-Medien ^^
https://taz.de/Hoecke-will-nicht-fuer-BRD-kaempfen/!6136447/
https://www.dw.com/de/kulturleben-ein-dorn-im-auge-der-rechten-afd/a-70215404
https://www.welt.de/debatte/plus239590339/Deutschland-halb-Weltmacht-halb-Failed-State.html
https://m.bild.de/politik/warum-deutschland-schlappmacht-der-staat-belohnt-leider-die-faulen-6980c78b78c88161f9da4d64?t_ref=https%3A%2F%2Fduckduckgo.com%2F
https://www.volksverpetzer.de/faktencheck/thw-notstrom-fake-berliner-zeitung/
Ich bin gespannt was passiert, wenn sie die Wehrpflicht wirklich wieder durchsetzen. Als ich Wehrpflichtiger war, sind die Kinder der wohlhabenden Eltern für ein paar Jahre fürs Studium nach Westberlin umgezogen, weil dort aufgrund des 4-Mächte Abkommens niemand eingezogen wurde. Die Mitbürger mit doppelter Staatsbürgerschaft (deutsch/türkisch) waren auf einmal alle stolze Türken, die selbstverständlich ihren Wehrdienst in der Türkei ableisten wollten, weil man sich dort damals für umgerechnet 5.000 DM von der Wehrpflicht freikaufen konnte.
Also wenn die Wehrpflicht wieder reaktiviert wird, werden sie nach israelischem Vorbild auch die Frauen einziehen müssen, allein schon um zu verhindern, dass sich auf einmal alle Wehrpflichtigen weiblich fühlen und eine Änderung ihres Geschlechtseintrags im Pass (inkl. eines Erlöschens der Wehrpflicht) einfordern.
Im Ernstfall wird das Geschlecht auf die “traditionelle” Art durch den Arzt beim Kreiswehrersatzamt festgestellt:
Griff an die … und ein “Husten Sie einmal!”
Das einzige was dann hilft, ist mit Strapsen und BH anzutanzen und beim Griff an die … eine entsprechende körperliche Reaktion zu zeigen. Der Eintrag im Ausweis alleine wird nicht reichen…