
Separate Förderklassen für lernschwache Schüler wird es in Mecklenburg-Vorpommern auch in Zukunft geben. Das hat Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) zugesichert. «Das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern bleibt erhalten», sagte sie in Schwerin, wo sie die Neuausrichtung der Inklusionsstrategie vorstellte, auf die sich nach ihren Worten Landesregierung, Kommunen und Bildungspartner geeinigt haben.
Die Eltern könnten immer entscheiden, ob ihre Kinder mit Förderbedarf gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern in einer Klasse lernen oder ob sie eine eigenständige Förderschulklasse besuchen. Das gelte auch nach 2035. «Die Schülerinnen und Schüler werden nicht auf andere Klassen aufgeteilt», versicherte Oldenburg. Die Kritik am bisherigen Vorgehen in MV, Förderschüler möglichst umfassend in Regelklassen zu integrieren, war zuletzt immer lauter geworden. Bis 2035 sollen die Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen als eigenständige Einrichtungen aufgelöst sein.
Über 3.300 Schüler an Förderschulen Lernen
Aktuell lernen nach Angaben des Bildungsministeriums mehr als 3.300 Kinder und Jugendliche an solchen Förderschulen. Rund 1.500 Schüler mit diesem Förderbedarf besuchen demnach herkömmliche Klassen in den Regelschulen.
Ziel bleibt es laut Oldenburg, die Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen bis zum Jahr 2035 mit anderen Schularten zu verbinden – und trotzdem separate Klassen zu erhalten. Erst vor wenigen Tagen hatte sie das Ziel der Aufhebung dieser Förderschulen von 2030 auf 2035 verschoben (News4teachers berichtete).
Kritik an bisherigen Inklusionsbemühungen
Viele Lehrkräfte fühlen sich aktuell mit der Inklusion in den Regelklassen überfordert. Es fehle an Personal und Räumen, kritisieren Lehrer-Gewerkschaften. Und nicht wenige Eltern wünschen sich eine geschützte, ruhige Umgebung mit speziell ausgebildeten Lehrkräften für ihre Kinder mit Förderbedarf.
Politiker von CDU, AfD und FDP verlangten zuletzt massiv den Erhalt der Förderschulen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Peters (CDU) sagte Ende Januar, die Landtagswahl im Herbst werde zu einem «Plebiszit über die Zukunft der Förderschulen».
Maßnahmen für mehr Schulabschlüsse in MV
Oldenburg kündigte außerdem an, die Förderung von Schülern mit Lernproblemen zu stärken, damit mehr Jugendliche die Schule in MV mit einem bundesweit anerkannten Abschluss verlassen. Das ist mindestens der Hauptschulabschluss, auch Berufsreife genannt.
So soll es künftig an den Förderschulen Lernen Englisch- und Informatik-Unterricht geben. An den Regelschulen sollen Jugendliche, deren Abschluss gefährdet ist, stärker unterstützt werden. So werden die Schulwerkstätten für Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung um die Jahrgangsstufen acht und neun erweitert, wie die Ministerin ankündigte. An Grund- und weiterführenden Schulen soll zusätzliches sonderpädagogisches Personal eingesetzt werden.
Im vergangenen Jahr verließen laut Statistischem Amt des Landes 10,4 Prozent aller Schulabgänger die Schule in MV, ohne zumindest die Berufsreife in der Tasche zu haben. Das war der höchste Wert in den letzten zehn Jahren. News4teachers / mit Material der dpa
Inklusion: Neue Förderschule beschlossen – Sozialverbände legen Aufsichtsbeschwerde ein









Man darf doch auch mal umdenken, wenn man merkt, etwas hat sich nicht bewährt. Wie bei der Handschrift:
https://www.spektrum.de/news/wie-das-erlernen-der-schreibschrift-das-gehirn-trainiert/2308167
Nein, das steht im Grundgesetz.
Aber wir können – nach bald 20 Jahren – langsam mal “umdenken” und die Inklusion ernsthaft angehen 😉
Inklusion ist doch längst landesweite Praxis.
Schreiben Sie das mal Milalena 😉
https://www.news4teachers.de/2026/02/inklusion-foerderschulen-lernen-werden-perspektivisch-aufgeloest-foerderklassen-bleiben/#comment-777981
Wenn Sie meinen, die Inklusion würde derzeit ernsthaft und gut umgesetzt, Glückwunsch dazu! Ich sehe noch viel Luft nach Oben
Nein, ist es nicht. Die Schüler, die Probleme haben werden ” aussortiert”, weil die Lehrer Inklusion nicht umsetzen können. Denn dazu müsste man ” Pädagoge” und nicht nur ” Wissensvermittler” sein. Die wenigen Lehrer an den Förderschulen versuchen es. Ja, eine schwierige Aufgabe, aber jeder junge Mensch wird gebraucht, auch für die Arbeiten für die man kein Abitur braucht.
In Schweden soll es auch Förderklassen in Regelschulen geben, und das seit Einführung der Inklusion. Nur wissen das manche nicht.
N4T hat vor einiger Zeit darüber berichtet:
https://www.news4teachers.de/2016/01/inklusionsexperte-im-interview-was-wir-von-schweden-lernen-koennen-und-was-nicht/
Danke für diesen interessanten link bzw. Rückblick, auf den Stand der Inklusionsdiskussion (die Kommentare damals zum Artikel) vor mittlerweile 10 Jahren! Läuft!
Was denn? Alle wollen doch mehr Zeit, bevor etwas in der Inklusion verbessert wird. 😉
“Schweden hat natürlich eine längere Tradition der gemeinsamen Schule.”
“Anders als in Deutschland spielt die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in der schwedischen Schuldebatte nur eine untergeordnete Rolle.”
Zum Glück haben wir das gesetzlich festgemacht, UM Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.
“Nicht das Kind hat ein Problem, sondern es geht um die Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülerin oder Schüler. Die Herausforderung besteht in der Harmonisierung von hohen Leistungserwartungen und Anerkennung von Unterschiedlichkeit.”
(Nochmal) lesenswert, Danke für Ihre Empfehlung! 😀
Hat Schweden die UN-Konvention nicht auch unterzeichnet? Und was haben WIR nun gesetzlich festgemacht? WIR haben beschlossen, die Inklusion müsse kostenneutral sein. Das war kein Ruhmesblatt.
“WIR haben beschlossen, die Inklusion müsse kostenneutral sein.”
Steht – anders als die Inklusion selbst – ja nicht im Grundgesetz.
Aber vorsicht, nicht dass Sie am Ende linksgrünversiffte Ideologiepolitik wählen müssen, um die Inklusion zu verbessern 😉
Das heißt, wir müssen nur beginnen, wahnsinnig viel umsetzen, um das schwedische Niveau zu erreichen. 😉
Zudem wüsste ich nicht, dass Schweden behaupten würde, die Inklusion nicht weiter verbesern zu wollen.
Ist halt Dimensionen von uns entfernt, wo manche das Rad an der Stelle bis auf Weiteres festhalten wollen – läuft gerade ja auch – und andere immer noch phantasieren, die Inklusion würde irgendwie verschwinen :/
“Die Kritik am bisherigen Vorgehen in MV, Förderschüler möglichst umfassend in Regelklassen zu integrieren, war zuletzt immer lauter geworden.”
Ich lese dauernd, alle würden sich in Umfragen FÜR die Inklusion* aussprechen 😉
Interessant, dass es da bisher kein Englisch und … sagen wir mal Computer-Unterricht gibt. Das haben wir in BW, wobei ich persönlich da den Wirkungsgrad von 1 WS Englisch in Klasse 4 nicht ganz sehe…
Aber hatten wir nicht erst letztes Jahr die Diskussion gehabt, verstärkt auf Deutsch und Mathematik zu fokussieren, um hier fehlende Grundlagen nachzuholen? Hatte Mecklenburg diese Diskussion/ Probleme nicht?
Auf welche Förderschüler in MV beziehen sich Ihre Kenntnisse? Meines Wissens wird dort an Fö-Schulen/Lernen sowohl Englisch als auch Umgang mit Computern unterrichtet. An Förderschulen – Geistige Entwicklung gibt es meines Wissens keinen En-Unterricht (finde ich persönlich auch für nicht zwingend notwendig), Computer werden aber auch dort in verschiedenen Bereichen zur Unterstützung und zum Lernen eingesetzt.
Aber ich lasse mich gern von Ihnen mit Quellen vom Gegenteil überzeugen:
Bezog mich auf den Artikel: “So soll es künftig an den Förderschulen Lernen Englisch- und Informatik-Unterricht geben.”
Danke, das habe ich tatsächlich überlesen.
Wer sagt denn, dass das “böse” ist? Herzliche Grüße Die Redaktion
“Kids mit diesem Förderbedarf, die in Regelklassen mithalten können”
Also Kinder ohne Förderbedarf? Oder meinen Sie solche, die von Sozial- und Arbeitsverhalten her mitlaufen können, aber andere /differenzierte Lernangebote erhalten?
Kinder mit den Fö-Bedarfen kö-mot, Sehen, Hören, Sprache … können oft im Regelunterricht mithalten, deshalb werden sie auch meist zielgleich unterrichtet. Bei Schülern, die zieldifferent unterrichtet werden, sieht das anders aus. Den Unterschied zwischen zielgleich und zieldifferent sollten Sie als Sonderpädagoge eigentlich wissen. Ebenso sollten Sie einen Überblick über die verschiedenen Fö-Bedarfe und deren “herausforderungen” zumindest im Groben haben (das wird ja schließlich auch von Regellehrern ständig verlangt)
Mann, oh Mann!
Dann warten wir mal ab, ob DerechteNorden das meinte.
Kinder mit den von Ihnen gennanten Förderbedarfen haben z.T. ziemlich hohe Ansprüche was die Versorgung/ Differenzierung/ Technik betrifft. Bin gespannt, ob die mitgemeint sind, obwohl die Sonderschulen doch “viel besser ausgetattet” sind…
Wenn es aber für Sie klar ist, dass die Regellehrkraft das Material sowie das Tagelbild für Kinder mit dem FSP Sehen aufbereitet, den Einsatz eines Mikrofons in der Unterrichtsplanung für das Kind mit FSP Hören berücksichtigt, bei der Lernstoffverteilung Pflege- oder Therapiezeiten des Kindes mit FSP KöE im Hinterkopf hat und/ oder Material und selbstredend Tafelbilder für blinde Schüler*innen aufbereitet, sind wir bei der Inklision deutlich weiter, als ich dem Forum bisher entnahm. Danke 😀
Kinder, die differenzierte Lernangebote erhalten, laufen per def nicht mit, bestenfalls nebenher.
Mit Verlaub, Sie sehen die Kinder hier ggf. aus der Perspektive des Bildungsplans der Regelschule, nicht unbedingt dem der Sonderschule.
Durchaus gibt es Herausforderungen, besonders beim Tempo, in dem die Themen geschafft werden müssen – und alle sind meines Wissens glücklich damit 😉 – aber meiner Meinung nach fehlt es den Kolleg*innen der Regelschule oft an Unterstützung und Ressourcen – ein Scheitern ist nicht vordefiniert, sondern politisch und gesellschaftlich gewollt 🙁
Wenn die Regelschüler eine zentrale Prüfung zu absolvieren haben, kann ich aufführen Inklusionsschüler leider nur wenig Rücksicht nehmen. Außerdem habe ich auch sehr viele Schüler, die ohne fachlichen Input nicht ausgelastet sind und dann unerträglich werden.
Dem widerspreche ich nicht.
Aber es ist Ihr Job, IHRE Schüler*innen zu inkludieren.
Wenn Sie sich da – völlig zurecht – bessere Rahmenbedingungen und mehr Unterstützung einfordern, bin ich ganz bei Ihnen. Aber das ist kein Argument gegen Inklusion selbst
Sie meinen die SuS in G-Kursen. Ein Hoch auf die Fachleistungsdifferenzierung.
Regelschüler in g-Kursen und Inklusionsschüler laufen auch nicht zwingend parallel.
Ich wollte nur nachfragen, was Sie genau meinen.
Also “fitte” Schüler*innen in Inklusionsklassen, die übrigen in Förderklassen unter dem selben Dach?
Es klingt für mich persönlich nach einem Fortschritt, ich wollte Sie nur nicht missverstanden haben