DÜSSELDORF. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Nordrhein-Westfalen hat eine Petition mit dem Titel „Bildung braucht Zeit! – Fokus Schule“ gestartet und ruft Bürgerinnen und Bürger zur breiten Beteiligung auf. Die Initiative richtet sich mit klaren Forderungen an die Landesregierung. Ziel ist ein verbindlicher Maßnahmenplan, der die Lern- und Arbeitsbedingungen an Schulen nachhaltig verbessert.

Hintergrund ist nach Darstellung des Verbands die zunehmende Überlastung der Schulen. Lehrkräfte und pädagogisches Personal arbeiteten unter Bedingungen von Personalmangel, zu großen Lerngruppen, wachsender Aufgabenvielfalt und unzureichendem Gesundheitsschutz. Der Schulalltag gleiche vielerorts einer Dauerbaustelle: Vertretungspläne bestimmten den Rhythmus, es fehlten Räume für Förderung und Ganztag, digitaler Unterricht finde ohne verlässliche Infrastruktur oder Support statt.
„Schulen stehen seit Jahren unter massivem Druck und verwalten den Mangel. Aufgaben und Erwartungen wachsen stetig, doch Zeit, Personal und tragfähige Strukturen wachsen nicht mit. Gute Bildung braucht Zeit und genau diese fehlt an vielen Stellen“, erklärt Anne Deimel, Landesvorsitzende des VBE NRW.
Die Dauerbelastung bleibe nicht folgenlos. Individuelle Förderung, Beziehungsarbeit und Unterstützung gerieten unter Druck, die Bildungsqualität leide. „Das hohe Engagement der Beschäftigten hält das System derzeit noch am Laufen. Aber Engagement darf kein Ersatz für politische Verantwortung sein. Wer Bildungsqualität sichern will, muss den Menschen in den Schulen Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen geben“, betont Stefan Behlau, ebenfalls Landesvorsitzender des VBE NRW.
Mit der Petition fordert der Verband einen verbindlichen „Bauplan“ für bessere Rahmenbedingungen. „Von verlässlichen Rahmenbedingungen profitieren vor allem Kinder, Jugendliche und ihre Familien, nicht nur die Beschäftigten. Bildung braucht ein stabiles Fundament und keine Dauerbaustelle“, so Deimel.
Kern der Petition sind zwölf konkrete Maßnahmenpunkte:
- Kleinere Lerngruppen: Die Absenkung der Klassengrößen in allen Schulformen, um individuelle Förderung und qualitativ guten Unterricht zu ermöglichen.
- Gesundheitsschutz erhöhen: Wirksame Entlastung und strukturelle Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitsbelastung für Lehrkräfte und pädagogisches Personal.
- Nachhaltige Personalplanung statt kurzfristiger Abordnungen: Abordnungen sollen Ausnahme bleiben, um Kollegien und Schulstandorte zu stabilisieren.
- Mehr Multiprofessionalität für alle Schulen: Ausbau von sozialpädagogischen, verwaltungsbezogenen, IT- und weiteren Fachkräften sowie des schulpsychologischen Dienstes.
- Ganztag gelingend gestalten: Ausreichend Personal, Räume und pädagogische Konzepte für einen qualitativ hochwertigen Ganztag.
- Digitale Ausstattung sicherstellen: Verlässliche Infrastruktur, funktionierende Endgeräte in ausreichender Zahl sowie technischer Support für zeitgemäßen Unterricht.
- Barrierefreiheit als Standard: Barrierefreie Gebäude, Materialien und Unterrichtsbedingungen für inklusive Bildung.
- Gewalt in Schule ernst nehmen: Präventionskonzepte und verlässliche Unterstützung im Umgang mit Gewalt und Konflikten.
- Schulsozialarbeit stärken: Verlässliche und flächendeckende Schulsozialarbeit an allen Schulen.
- Starker Berufsstart statt Praxisschock: Bessere Vorbereitung und Begleitung beim Einstieg in den Lehrerberuf.
- Faire Bezahlung für alle: Angemessene Vergütung entsprechend Verantwortung, Belastung und Aufgabenvielfalt im Bildungssystem.
- Zukunftsfähige Schulen: Langfristige, über Legislaturperioden hinausgehende Planungssicherheit und stabile Rahmenbedingungen.
Zur Begründung heißt es: „Unsere Schulen befinden sich seit Jahren in einem Zustand permanenter Veränderung. Neue Vorgaben, Programme, Reformen und Erwartungen folgen in kurzer Abfolge. Für die Schulen bedeutet das: ständiges Nachjustieren, Umorganisieren und Reagieren. Der Schulalltag gleicht damit einer Dauerbaustelle, Verlässlichkeit fehlt.“
Die Petition soll politischen Druck aufbauen und die Landesregierung zu verbindlichen Zusagen bewegen. Nach Darstellung des VBE geht es dabei nicht nur um bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, sondern um verlässliche Strukturen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Bildung, so der Verband, sei „die wichtigste Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft“ – und brauche deshalb ein stabiles Fundament. News4teachers









Genau! endlich mal bessere Arbeitsbedingungen und angepasst wie woanders auch.
1-2 Tage Homeoffice, online-Unterrichtm flexibles und eigenverantwortliches Arbeiten und digital. Die Arbeitsbedingungen sind weder zeitgemäß noch attraktiv 🙁
Sie konnten dafür streiken. Waren Sie dabei?
Der VBE ist ja niedlich. Geht es um Aufmerksamkeit? Hatten die nicht auch eine Petition für einen fairen Ausgleich für die angestellten Lehrer? Vorbei und vergessen!
Und dann sagen die noch, warum nur verbeamtete Lehrer gute Lehrer sind! Das vergesse ich denen nie!
Die Forderung nach angemessener Bezahlung der angestellten Kollegen taucht oben nicht mehr auf. Das war nur eine PR-Show!
Kommt mir auch so vor. Schade.
Was ist denn die Definition von „angemessene Bezahlung für alle“?
Darunter würde ich auch die Angleichung der Tarifbeschäftigten verstehen.
Petition = eine Bitte, sich mit Problemen zu befassen
Das sind keine Forderungen, das ist viel zahmer, eher Wünsche oder Empfehlungen.
“Gewalt in Schule ernst nehmen: Präventionskonzepte….” – hurra, ein Konzept, zusammen mit den fünfzehn anderen Konzepten ist die Welt dann gerettet. Die Politik freut sich, Konzepte schreiben die Kollegien, die darin vorgesehenen Maßnahmen stemmen sie ebenfalls.
“Faire Bezahlung für alle: Angemessene Vergütung entsprechend Verantwortung, Belastung und Aufgabenvielfalt im Bildungssystem.” – da machen wir doch ganz schnell ‘differenzierte Bezahlung, nach von oben definierten Erfolgskriterien’ daraus.
Dass digitaler Unterricht mit immer jüngeren Klassen inzwischen bei nahezu allen Lehrkräften sehr große Fragezeichen hinterlässt interessiert auch nicht so.
Soll das eine Vorlage für die Politik sein, Antwort ‘ja, sehr gute Anregungen, wird alles schon bearbeitet’?
“Das hohe Engagement der Beschäftigten hält das System derzeit noch am Laufen.” – Nein, es läuft nicht, es stolpert, stürzt und stolpert weiter. Vertretungsstellen nur noch mit 80%, also 5 Dauerkranke/Elternzeit = eine volle Stelle weniger (es sind bei uns zwei, großer Laden). 10% Versetzungsanträge, etwas naiv, als wäre es woanders besser, aber bitte. Vier feste Stellen werden nicht ausgeschrieben, die gibt es nur noch im Ruhrgebiet. Krankenstand 10-15%, sinnfreie Konferenzen, die nur der Verkündung von Vorgaben dienen, strittige Punkte immer am Ende, damit keine Diskussion aufkommt. Das könnte jeder noch lange fortsetzen, aber der Punkt ist: nein, das System und vor allem dessen Beteiligte brechen zusammen. Immer schneller, immer öfter, immer jünger.
Personal, Räume, IT, Konzepte, das alles ist nicht mehr ‘nice to have’, es belastet durch immer neue Koordinationsaufgaben mehr als es entlastet. Wir implementieren uns zu Tode mit immer neuen ‘patches’, die das System flicken sollen, ich denke an so brillante Ideen wie ‘zwei Stunden Lernzeit pro Woche, damit alle gleiche Chancen haben’, schon einmal 30 Kinder fleißig lernen gesehen? Ich wünsche mir genug Zeit, vernünftig zu unterrichten, meinen Schülern bei fachlichen und persönlichen Problemen zu helfen. Ich möchte nicht meine halbe Zeit mit der Dokumentation jedes einzelnen Satzes verbringen oder darüber nachdenken, mit welcher öffentlichkeitswirksamen Aktion wieder ein Bild in der Lokalzeitung landet. Bestimmt können es die 27jährigen Jungkollegen, aber ich kann nicht 20 Baustellen bearbeiten und gleichzeitig das fast vergessene Kerngeschäft am Leben erhalten. Nur warum starten die dann alle mit Teilzeit…?