SCHWERIN. Das Bildungsministerium in Mecklenburg-Vorpommern will den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Schulalltag systematisch steuern. Neben neuen Vorgaben für die Leistungsbewertung und konkreten Handreichungen für Lehrkräfte setzt das Land auf Fortbildung, Unterrichtsentwicklung und erste praktische Anwendungen – verbunden mit dem Anspruch, Chancen und Risiken gleichermaßen im Blick zu behalten.

Mecklenburg-Vorpommern baut seine Strategie für den Einsatz Künstlicher Intelligenz an Schulen weiter aus. Im Zentrum steht nach Angaben des Bildungsministeriums ein „kompetenter und reflektierter Umgang“ mit der Technologie. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte sollen gleichermaßen befähigt werden, KI sinnvoll zu nutzen und ihre Grenzen kritisch zu hinterfragen.
Bereits seit dem Schuljahr 2019/2020 ist das Fach „Informatik und Medienbildung“ ab der Jahrgangsstufe 5 an allen weiterführenden Schulen verbindlich eingeführt. Es wird einstündig unterrichtet und soll grundlegende Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien vermitteln. Dazu zählen nach Darstellung des Ministeriums Mediennutzung, Mediengestaltung und Medienkritik. Diese Grundlagen sollen es ermöglichen, digitale Werkzeuge auch in anderen Fächern gezielt einzusetzen und dort stärker inhaltlich zu arbeiten.
Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) verweist auf die wachsende Bedeutung von KI im Unterricht. „In der Schule wird Künstliche Intelligenz zur individuellen Lernförderung von Schülerinnen und Schülern eingesetzt. Aber KI hilft auch Lehrkräften beim Erstellen von Unterrichtsmaterialien“, sagte sie. Zugleich betont sie die Voraussetzungen für einen sinnvollen Einsatz: „Wie wir diese neuen Möglichkeiten gewinnbringend einsetzen können, ist vor allem eine Frage der Medienkompetenz.“
Vor diesem Hintergrund hat das Land eine Handreichung für Lehrkräfte entwickelt. Der Leitfaden mit dem Titel „Gemeinsam die Welt der generativen KI-Systeme erkunden“ erläutert Grundlagen generativer KI und zeigt Einsatzmöglichkeiten für die Unterrichtsvorbereitung auf. Gleichzeitig geht es um didaktische Anpassungen. Lehrkräfte sollen Aufgabenformate entwickeln, die nicht ohne Weiteres vollständig durch KI bearbeitet werden können.
„Sofern bei der Erstellung von Hausaufgaben und Hausarbeiten externe Hilfen oder Quellen verwendet wurden, sind diese vollumfänglich anzugeben und kenntlich zu machen“
Parallel dazu wurden die Regelungen zur Leistungsbewertung angepasst. Der Fokus liegt auf Transparenz und der eindeutigen Zuordnung von Eigenleistungen. Oldenburg erklärte: „Bei Hausaufgaben und bei Hausarbeiten muss deutlich werden, wo die Eigenleistung der Schülerin bzw. des Schülers liegt und die Urheberschaft muss klar erkennbar sein.“ In der entsprechenden Verordnung heißt es wörtlich: „Sofern bei der Erstellung von Hausaufgaben und Hausarbeiten externe Hilfen oder Quellen verwendet wurden, sind diese vollumfänglich anzugeben und kenntlich zu machen. Dies gilt auch für die Nutzung generativer Anwendungen im Rahmen der Künstlichen Intelligenz.“
Neben regulatorischen Anpassungen setzt das Ministerium auf Qualifizierung. Fortbildungen, Webinare und digitale Materialien sollen Lehrkräfte in die Lage versetzen, KI-Anwendungen fachlich und rechtssicher einzusetzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die jüngst durchgeführte Fachtagung „KI in MV“ in Rostock. Nach Angaben des Ministeriums nahmen 750 Personen teil, darunter rund 300 Vertreterinnen und Vertreter von Schulleitungen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI pädagogisch sinnvoll, rechtssicher und verantwortungsvoll in Schule integriert werden kann.
Auch bestehende Kommunikationsformate werden aufgegriffen. So soll sich der Podcast „IQ M-V trifft“ künftig unter anderem mit dem ersten KI-Gesetz sowie mit Deepfakes beschäftigen – Themen, die über den unmittelbaren Unterricht hinausreichen und auf gesellschaftliche Entwicklungen verweisen.
Ein praktisches Beispiel für den Einsatz von KI im Schulalltag ist das Feedbacksystem „FelloFish“, das derzeit in einem Pilotprojekt erprobt wird. Das Tool gibt Schülerinnen und Schülern automatisierte Rückmeldungen zu ihren Aufgaben. Ziel ist es, Lernprozesse zu unterstützen und individuelle Entwicklung sichtbar zu machen. Oldenburg sagte dazu: „Kinder und Jugendliche brauchen Feedback beim Lernen. Das verleiht ihnen Sicherheit im Anwenden ihrer Lernstrategien. Hier bietet KI eine große Hilfestellung.“ Nach Angaben des Ministeriums erhalten die Lernenden Hinweise zur Verbesserung ihrer Schreibkompetenzen sowie motivierende Rückmeldungen. Das System sei datenschutzkonform ausgestaltet.
Oldenburg betonte die pädagogische Zielsetzung über den Technologieeinsatz hinaus: „Künstliche Intelligenz kann eine große Hilfe sein und eröffnet beim Lernen neue Möglichkeiten. In der Schule geht es jedoch in erster Linie um die Vermittlung einer guten und soliden Allgemeinbildung. Die Bereitschaft, sich anzustrengen und eigenständiges Arbeiten gehören weiterhin dazu.“ News4teachers








