BERLIN. Schulen in Deutschland übernehmen zunehmend Aufgaben, die weit über Unterricht hinausgehen. Gesundheitliche Versorgung, psychosoziale Unterstützung und Prävention gehören längst zum Alltag, ohne dass dafür flächendeckend Strukturen vorhanden sind. Eine aktuelle Befragung von Schulleitungen zeigt nun, welche Rolle Schulgesundheitsfachkräfte dabei spielen können. Die Ergebnisse deuten auf spürbare Verbesserungen für Schüler:innen und Lehrkräfte hin.

„Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) – international als School Nurses etabliert – sind fester Bestandteil vieler Bildungssysteme, z. B. in Skandinavien, Großbritannien oder den USA“, erklärt Julian Schmitz, Professor für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und Psychotherapie an der Universität Leipzig. „In Deutschland hingegen steckt ihr Einsatz noch im Modellprojekt-Status und ist bisher nicht flächendeckend etabliert.“ Eine aktuelle Befragung von Schulleitungen, deren Schulen Erfahrungen mit dem Einsatz von SGFK haben, liefert nun neue Daten zur Wirkung dieser Fachkräfte – ziemlich eindeutige.
Schulgesundheitsfachkräfte übernehmen im Schulalltag eine Vielzahl von Aufgaben. „Schulgesundheitsfachkräfte sind die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Fragen im Schulalltag: Sie versorgen akute Beschwerden und Verletzungen, begleiten Schüler:innen mit chronischen Erkrankungen (zum Beispiel Asthma oder Diabetes) und behalten deren Gesundheitsverläufe im Blick“, so Schmitz auf Linkedin. Darüber hinaus „beraten sie bei psychischen Belastungen, Stress oder sozialen Problemen und vermitteln bei Bedarf an weiterführende Hilfsangebote“.
„Schulen übernehmen zunehmend auch gesundheitliche und psychosoziale Aufgaben – oft ohne ausreichende strukturelle Unterstützung“
Der Bedarf für diese Funktion ergibt sich aus strukturellen Entwicklungen im Schulsystem. „Schulen übernehmen zunehmend auch gesundheitliche und psychosoziale Aufgaben – oft ohne ausreichende strukturelle Unterstützung“, sagt Schmitz. Genau hier setzten Schulgesundheitsfachkräfte an: „Sie sind direkt vor Ort, niedrigschwellig erreichbar und verbinden Gesundheitsversorgung, Prävention und Beratung im Schulalltag.“
Die Ergebnisse der Befragung fallen aus Sicht der Schulleitungen deutlich aus. „Über 90 Prozent der Schulleitungen bewerten den Einsatz als (sehr) positiv“, berichtet Schmitz. Rund 80 Prozent sehen eine verbesserte gesundheitliche Versorgung der Schüler:innen, mehr als 70 Prozent berichten von einer Entlastung für Lehrkräfte und Schulpersonal.
Die im Bericht dokumentierten Detailergebnisse stützen diese Einschätzung. So geben 93 Prozent der Schulleitungen an, dass sich die Akutversorgung verbessert habe, bei chronisch erkrankten Schüler:innen liegt der Wert bei 96 Prozent. 98 Prozent berichten von einer Entlastung des Schulpersonals bei fachfremden gesundheitlichen Aufgaben. Zudem sieht eine Mehrheit der Befragten Fortschritte bei der Früherkennung gesundheitlicher und psychischer Probleme.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Reichweite der Unterstützung. „SGFK erreichen Kinder und Jugendliche frühzeitig, bevor sich Probleme verfestigen – ein entscheidender Vorteil im Umgang mit steigenden psychischen Belastungen“, so Schmitz. Tatsächlich berichten rund 75 Prozent der Schulleitungen von einer häufigen Früherkennung entsprechender Problemlagen. Auch Hinweise auf sinkende Fehlzeiten bei Schüler:innen werden genannt.
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Lehrkräfte am Limit, zunehmende psychische Belastungen bei Schülerinnen und Schülern, wachsende Anforderungen an Schulen insgesamt: Gesundheit ist längst kein Randthema mehr, sondern eine zentrale Voraussetzung für gelingende Bildung.

Wie können Schulen Orte werden, die Lernen ermöglichen und zugleich die Gesundheit aller Beteiligten stärken? Diesen Fragen widmet sich News4teachers im Mai 2026 mit einem eigenen Themenmonat „Gesunde Schule“.
Der Themenmonat bietet Raum für Impulse aus der Praxis und aus der Bildungslandschaft. Organisationen, Initiativen und Anbieter, die sich mit gesunder Schule beschäftigen, können ihre Ansätze als Advertorials oder mit Info-Anzeigen im passenden Kontext darstellen.
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Neben den unmittelbaren Effekten auf Versorgung und Entlastung zeigen die Daten auch Veränderungen im schulischen Angebot. Viele Schulen berichten von zusätzlichen gesundheitsförderlichen Projekten sowie einer Ausweitung präventiver Maßnahmen. Gleichzeitig geben große Mehrheiten an, dass durch den Einsatz der Fachkräfte keine zusätzlichen administrativen Belastungen entstehen.
„Während School Nurses international längst Standard sind, zeigen die Daten nun auch für Deutschland: Ihr Einsatz wirkt – und sollte strukturell verankert werden“
Die Studie weist jedoch auch auf strukturelle Grenzen hin. Der durchschnittliche Stellenumfang liegt bei rund 33 Wochenstunden, während der von Schulleitungen wahrgenommene Bedarf im Schnitt bei über 43 Stunden pro Woche liegt. Besonders an Grundschulen ist die Differenz ausgeprägt. Zudem ist die Aussagekraft der Ergebnisse aufgrund der kleinen und selektiven Stichprobe eingeschränkt, wie die Autorinnen und Autoren selbst festhalten. Gleichwohl zieht Schmitz eine grundsätzliche Schlussfolgerung: „Während School Nurses international längst Standard sind, zeigen die Daten nun auch für Deutschland: Ihr Einsatz wirkt – und sollte strukturell verankert werden.“
Die genannten Daten stammen aus dem Projekt „Monitor Bildung und Psychische Gesundheit“ (BiPsy-Monitor), das von der Universität Leipzig und der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover durchgeführt und von der Robert Bosch Stiftung gefördert wird. Grundlage ist eine Befragung von 44 Schulleitungen aus sechs Bundesländern im November und Dezember 2025. News4teachers
Gesundheitsfachkräfte an Schulen: Wirksame Unterstützung für Lehrkräfte (sagen Lehrkräfte)









Ein Hoch auf multiprofessionelle Teams! 😀
Da der offensichtliche Effekt auch für Deutschland nachgewiesen wurde (Shout Out an Frau Hurrelmann!), kann die Politik – wie auch bei Schulsozialarbeit Zielvorgaben machen, Stellen ausschreiben, Nachfrage erzeugen!
Wenn die Stellen dann genauso gut dotiert sind wie IT-Stellen, wird man sich vor Bewerbern kaum retten können. Das Profil sieht jedenfalls ähnlich aus: Experte für alles, von Eisbeutel auf den Arm bis Früherkennung psychischer Probleme, mit überschaubarer Bezahlung.
Ansonsten einfach als drei Tage vor Ort plus zwei Tage Homeoffice ausschreiben, das wirkt immer.
Man könnte auch sagen: Das Konzept vom örtlichen Betriebsärtzen im Schulgebäude möchte nicht finanziert werden.
Das Konzept Betriensärzte ist nicht unbekannt, nur insbesondere in Schulen nicht gelebt.
Lehrkräfte sind das einzige multiprofessionelle Team mit nur zwei Beinen.
Nicht den Artikel gelesen, hm?
Oder den zur Schulsozialarbeit?
Alleine bist du schneller, aber gemeinsam kommen wir weiter 🙂
(sage ich normalerweise Kindern…)
Ein Blick in die Geschichte …
”
Die Eingliederung von Ärzten in das Schulsystem begann Ende des 19. Jahrhunderts. In
Berlin wurden am 1. April 1900 die ersten Schulärzte eingestellt. Ursprünglich war unter
dem in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts entstandenen Begriff „Schulhygiene“
die Überwachung der Auswirkungen des Schulbetriebes auf die Gesundheit der Kinder
verstanden worden. Schulärzte überprüften die hygienischen Bedingungen der Schulhäuser
und des Unterrichts. So sollten Schülerinnen und Schüler vor ansteckenden Krankheiten,
Haltungsfehlern oder geistiger Überanstrengung geschützt werden.
”
Zitat aus
2.1 „Vom Schularzt zum Schülerarzt“ – Historische Eckpunkte der Schulgesundheitspflege für Jugendliche
https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/7386/3_kap2.pdf?sequence=4&isAllowed=y
Wir hatten sogar noch den Schulzahnarzt. War Ende der Siebziger Jahre.