
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch hat sich bei dem schwulen Lehrer Oziel Inácio-Stech entschuldigt, dessen Fall im vergangenen Jahr für Schlagzeilen sorgte. «Ich kann jetzt besser verstehen, in welcher Situation Sie sich an der Carl-Bolle-Grundschule befunden haben», heißt es in dem Schreiben der CDU-Politikerin an Inácio-Stech, der als pädagogische Unterrichtshilfe an der Schule in Berlin-Moabit angestellt war und über wiederholtes Mobbing wegen seiner Homosexualität berichtet hatte.
«Ich möchte Ihnen noch einmal versichern, dass mir der Umgang mit den Verdachtsmomenten gegen Sie sehr leidtut.» Sie entschuldige sich ausdrücklich dafür, dass selbst, nachdem die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingestellt habe, weiterhin schulintern gegen ihn ermittelt worden sei und die Konfliktsituation an der Carl-Bolle-Grundschule im Interesse aller Kolleginnen und Kollegen nicht habe gelöst werden können, heißt es weiter in dem Brief von Günther-Wünsch, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Kein dienstliches Fehlverhalten und keine Pflichtverletzung
«Ich möchte noch einmal klarstellen, dass Ihnen kein dienstliches Fehlverhalten, keine Pflichtverletzung und kein disziplinarisch relevantes Verhalten zur Last gelegt wird. Ich bedauere, dass die Auseinandersetzungen Sie weiterhin stark belasten.»
Der schwule Pädagoge war im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gegangen und hatte berichtet, an der Grundschule in Moabit wegen seiner Homosexualität über einen längeren Zeitraum von Schülerinnen und Schülern immer wieder gemobbt, beschimpft und beleidigt worden zu sein.
Außerdem beklagte er sich über Mobbing und falsche Verdächtigungen durch eine Kollegin und kritisierte Schulleitung, Schulaufsicht und Bildungsverwaltung, ihm trotz seiner Bitten nicht geholfen zu haben. In dem Zusammenhang sprach er von einem «kompletten Systemversagen». Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) wies das damals zurück.
Inácio-Stech hatte angekündigt, er werde kämpfen, bis er rehabilitiert sei. Der Pädagoge wurde nach den Vorkommnissen an der Grundschule krankgeschrieben. Er litt nach eigenen Angaben unter anderem an Panikattacken.
Günther-Wünsch hatte zu den Vorgängen an der Grundschule im vergangenen Jahr zunächst mehrfach erklärt, es handle sich um einen «komplexen Sachverhalt» und gesagt, es sei ein Fall, der von gegenseitigen Mobbing- und Diskriminierungsvorwürfen, von gegenseitigem Fehlverhalten oder Vorwürfen des Fehlverhaltens gekennzeichnet sei. News4teachers / mit Material der dpa
Mobbing gegen schwulen Lehrer unterschätzt? Druck auf Günther-Wünsch steigt








