FRANKFURT/FREIBURG. Lehrkräfte lernen nicht nur im Studium und Referendariat. Auch viele Jahre später wächst ihr pädagogisch-psychologisches Wissen weiter an. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie von Forschenden der Universitäten Freiburg, Potsdam und der Humboldt-Universität Berlin sowie des DIPF Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Die Wissenschaftler begleiteten Mathematiklehrkräfte über einen Zeitraum von 15 Jahren.

„Unsere Ergebnisse sind ermutigend“, erklärt Studienleiterin Prof. Dr. Thamar Voss von der Universität Freiburg. „Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrkräfte sich auch lange nach dem Studium weiterentwickeln. Selbst in der späteren Berufsphase, in der formale Lerngelegenheiten oft weniger strukturiert sind, bauen viele ihr professionelles Wissen weiter aus.“
Grundlage der Untersuchung ist das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsprogramm „COACTIV-expeRt“. Dafür wurden ursprünglich 746 angehende Mathematiklehrkräfte im Referendariat untersucht. Ein Jahr später nahmen noch 567 Personen teil, nach rund 15 Jahren im Beruf waren es 116 Lehrkräfte.
Gemessen wurde das sogenannte pädagogisch-psychologische Wissen. Dazu gehören Kenntnisse über Klassenführung, Unterrichtsmethoden, Leistungsbewertung und den Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern.
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Kompetenzzuwachs. Der durchschnittliche Testwert stieg von 16,4 Punkten zu Beginn des Referendariats auf 20,3 Punkte nach einem Jahr und erreichte nach 15 Jahren im Beruf 23,4 Punkte. Mehr als die Hälfte des gesamten Wissenszuwachses entfiel auf das Referendariat, doch auch danach nahm das Wissen statistisch signifikant weiter zu.
Dabei entwickelten sich die Lehrkräfte keineswegs alle gleich. Während zwischen dem ersten und zweiten Messzeitpunkt knapp 70 Prozent ihre Testergebnisse verbessern konnten, verschlechterten sich 23 Prozent. Auch im weiteren Berufsverlauf legten rund zwei Drittel der Lehrkräfte zu, während etwa 30 Prozent niedrigere Werte erreichten als zuvor.
„Wer guten Unterricht und Unterrichtserfolge will, muss die professionelle Entwicklung von Lehrkräften langfristig begleiten“
Besonders wichtig erwies sich die Reflexion des eigenen Unterrichts. Lehrkräfte, die ihr Handeln regelmäßig hinterfragten, Erfahrungen auswerteten und daraus Konsequenzen für kommende Unterrichtsstunden ableiteten, bauten ihr Wissen stärker aus als Kolleginnen und Kollegen, die dies seltener taten. Die Forschenden sehen darin einen zentralen Hebel für die professionelle Entwicklung von Lehrkräften. Zu den Reflexionsformen gehörten etwa das Nachdenken darüber, was in einer Unterrichtsstunde gut oder schlecht gelaufen war, das Überprüfen eigener Ziele sowie die Anpassung künftiger Unterrichtsplanung auf Grundlage der gemachten Erfahrungen.
Die Wissenschaftler betonen allerdings, dass solche Lernprozesse nicht automatisch entstehen. Viele Lehrkräfte würden während ihrer Ausbildung und im Berufsleben nur selten systematisch darin geschult, Unterrichtserfahrungen auszuwerten und daraus gezielt Konsequenzen für die eigene Praxis abzuleiten. Aus Sicht der Autoren sollten deshalb Mentoring, kollegiale Beratung und andere Formen strukturierter Reflexion stärker gefördert werden.
Interessant ist auch ein weiterer Befund: Lehrkräfte, die zu Beginn des Referendariats vergleichsweise geringe Wissensstände aufwiesen, holten im Laufe der Jahre besonders stark auf. Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass das Referendariat eine zentrale Phase für die professionelle Entwicklung von Lehrkräften darstellt.
Für die Lehrkräftebildung ergibt sich daraus eine klare Botschaft, betont Studienleiterin Voss: „Wer guten Unterricht und Unterrichtserfolge will, muss die professionelle Entwicklung von Lehrkräften langfristig begleiten. Lehrkräfte können ein Berufsleben lang weiterlernen und sollten darin unterstützt werden. Davon profitieren am Ende vor allem ihre Schülerinnen und Schüler.“ News4teachers
Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Contemporary Educational Psychology“ unter dem Titel „They keep on learning: Teachers’ pedagogical/psychological knowledge increases over 15 years in the teaching profession“.
Mathe-Unterricht neu ausrichten: Uni startet ambitionierte Fortbildung für Lehrkräfte









Das Ergebnis halte ich nicht für überraschend und auch nicht nur gültig für Mathelehrer. An der Uni lernt man nur den aktuellen Forschungsstand laut Hochschule und nicht zwingend mit konkretem Schulbezug. Im Referendariat lernt man überwiegend zu funktionieren, im Berufsalltag danach lernt man den Beruf inkl. seiner Veränderungen erst richtig.
Absolut! Mein Studium war sehr berufsfern. Klassenführung, Unterrichtsmethoden, Leistungsbewertung und den Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern war nie (!) ein Thema. Im Studium habe ich lediglich gelernt, wie ich mir selbst Themen aneignen kann.
Meine päd.Kompetenz zog ich aus jahrelanger Arbeit als ehrenamtlicher Jugendgruppenleiter und später im Job selbst.
Ich denke, das kann ich so unterschreiben. Momentan versuche ich echt nur das Ref zu überleben und freue mich schon tierisch darauf, mit einer größeren Gelassenheit im Berufsalltag weiter zu wachsen. Noch fühle ich mich nicht so professionell als Lehrkraft, wie ich mich gerne fühlen würde und wie man manchmal den Eindruck von anderen Referendaren bekommt, die am selben Punkt in der Ausbildung sind. Ist alles immer noch sehr neu, obwohl ich schon vorher als Vertretungslehrerin gearbeitet habe und Berufserfahrung sammeln konnte. Bestimmte Dinge habe ich schon lange drauf durch meine jahrelange Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vor meinem Ref. Aber mache Herangehensweisen muss man dann doch echt noch üben und ich finde es schwierig, das alles im Ref unter einen Hut zu bekommen. Man soll sich ja jetzt im Ref professionalisieren, aber irgendwie ist man mit so vielen Dingen gleichzeitig beschäftigt, da finde ich es schwierig zu sagen „ja, du bist jetzt fertig ausgebildet“. Ich glaube, selbst nach meiner UPP, die bald auch anstehen wird, werde ich immer noch das Gefühl haben, „neu“ im Job zu sein, obwohl ich dann schon 3 Jahre im Schulkontext gearbeitet habe. Ich finde gerade als Lehrkraft hat man sich soooo viel anzueignen, das geht halt weder im Studium, noch im Ref komplett.
Berufserfahrung wird das in anderen Bereichen genannt.
Und ich lerne jeden Tag dazu…..was Wunder….
Habe ich geschrieben, dass Erfahrung statisch ist?
Aber dazu gibt es keine Zerifikate. Also kann man das nicht.
Wie immer, alles im Fluss. „Panta rhei!“
@dickebank
“Panta rhei!”
Boah ey, kennisch nich Panta, aber kennisch:
– Manta (voll schnell)
– Panda (voll süüüüß, ey)
Oder gibbet schon widda ne neue Partei? So als Alternative zu … Kanzlertausch statt Frauentausch?
Kerl Kerl Kerl, jedn Tach watt neuet … 😉
Abba is langet Woch’nändä, draußen nur Kännchen und ’n hochgeistigen Spruch für zum Anstoßen:
„Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln. PROST!“
Gönn dir – das Kännchen Cognac nach Erbeerkuchen mit viel Sahne.
Aber immer im Auge behalten:
Nach ner Buddel Korn
kippst du leicht nach vorn:)
Manta Hai? Versteh ich nicht.
Manta Platte
oder
Manta Rochen
Ich kenn nur die Ostrock-Band diesen Namens. 🙂
Dass Sie aber auch immer auf Ihrer Ost-Sozialisierung herumkauen müssen.
Wären Sie so lange DDR-Bürger gewesen wie wiedervereinigter Gesamtdeutscher, wären Sie ja mittlerweile 72. Wann ist denn der nächste Geburtstag?
Sagen Sie bloß, Sie kennen die Ostrock-Band Panta Rhei!
Alle Achtung!
Im Ernst:
Ich finde Ihren Kommentar höchst unangemessen!
Was für Westdeutsch-Sozialisierte völlig selbstverständlich ist und nie hinterfragt wird, sollte Ostdeutsch-Sozialisierten mehr als 36 Jahre n. M. (nach Mauersturz) endlich auch als völlig selbstverständlich zugestanden werden: Nämlich über ihr Leben, ihre Erfahrungen, Erinnerungen etc. frei reden / schreiben zu dürfen, ohne ständig gemaßregelt zu werden.
Oder noch schlimmer: …unter Generalverdacht gestellt zu werden, staatsnah oder was auch immer gewesen zu sein und / oder sich schuldig gemacht zu haben.
Diese Diskriminierung muss endlich aufhören!
Sauerländer und Duisburgerinnen dürfen doch auch mitteilen, wie es bei ihnen im Sauerland und in Duisburg lief…!
Und…
Über Menschen mit Osthintergrund – Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Musikerinnen, Sängerinnen usw. – wird bis heute besonders in den Medien mit dem Zusatz „Ost“ berichtet, sofern sie dort überhaupt Erwähnung finden.
Peinlich!
Warum ziehen Sie sich den Schuh an? Warum mischen Sie sich in das Geplänkel mit @potschemuschka und mir ein? Fragen Sie Sie doch, wie die meinen Post einordnen.
Und nein, ich kenne die Ost-Rockband nicht, obwohl ich in unmittelbarer Nähe zum antiimperialistischen Schutzwall mehrere Jahre auf höchsten Niveau mit Brockenblick studiert habe.
Das pädagogische Wissen nach dem Studium weiter zu entwickeln ist fast keine Kunst. Meine Pädagogikvorlesungen waren nur Zeitverschwendung. Bei mir war auch das Referendariat die Zeit, in der ich am meisten gelernt habe. Auch in Bezug auf Didaktik – das war in der Uni auch Müll hoch 3.
„15-Jahres-Studie: Lehrkräfte entwickeln pädagogisches Wissen lange nach dem Studium weiter“
Ach was…! Sag bloß…!! Wer hätte DAS gedacht…
Sind doch alles „faule Säcke“…
Ironie off
(Lehrerin seit 1987)
Ich staune immer wieder, wofür in D Geld zur Verfügung steht!
Und wofür nicht.
Dazu passend:
„Bei fröhlichen Lehrkräften lernen die Kinder besser“
Hallelujah!
https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/studie-bei-gluecklichen-lehrkraeften-lernen-die-kinder-besser/
Nur eine …überraschende Erkenntnis dieser Studie:
„Es sei wichtig, die positive Haltung von Lehrkräften zu fördern, schließen die Forschenden aus ihren Ergebnissen. Die wichtigste Schlussfolgerung für die Praxis ist, dass die Förderung des emotionalen Wohlbefindens von Lehrkräften nicht nur ein ‚nettes Extra‘ ist – sie ist entscheidend für den Lernerfolg der Schüler, so Pfeifer. Schulen und politische Entscheidungsträger sollten der Reduzierung von Lehrerstress daher Priorität einräumen.„
Ich erweitere dieses Ergebnis auf alle Berufsgruppen, die mit Menschen zu tun haben.
So ganz ohne Studie…
In jedem Beruf sollte man tagtäglich weiterlernen. Das ist ja wohl selbstverständlich. Ich halte keine einzige Unterrichtsstunde mehr so wie vor 20 Jahren.
Und dafür brauchte es tatsächlich eine umfangreiche Studie..?
Die Studienmacher wollten eben auch mal was dazu lernen:)
Na doch, das ist das vorherrschende Bild, welches die Studie nun entkräftet hat. Nur Anfangs hat die Junglehrerin Arbeit, doch dann hat lehrer für jeden Jahrgang in seinem Fach X Arbeitsblätter zusammen, die er bei Bedarf austeilt. Ansonsten braucht er/sie nie wieder etwas tun. Wenn er/sie ganz bemüht ist, ändert er/sie mal die DM in Euro, und die Schallplatten in Kassetten? CDs? Spotify….um…..
Und Sie glauben, dass diejenigen, die das Vorurteil der faulen, überbezahlten Lehrerschaft aufrechterhalten, solche Studien lesen?
Ich nicht.
Ich hoffe doch, dass zumindest Politiker so etwas lesen.
Ich auch nicht. Meine damaligen Stunden würden die heutigen Schüler fachlich überfordern, meine heutigen Stunden würden die damaligen Schüler unterfordern — und all das auch ohne die Lehrplanänderungen.
In welchem Beruf ist es dann so, dass man immer nur exakt das Gleiche macht, was man vor Jahren mal gemacht hat, ohne irgendwas Neues zu lernen? – Und warum ist es überraschend, dass jemand, der einen Beruf ausübt, dabei Berufserfahrung gewinnt?
Im Gespräch mit Kollegen merkt man doch ständig, dass sie schlechte(re) Stunden oder Ergebnisse permanent hinterfragen und überlegen, was sie für eine bestimmte Lerngruppe anders machen könnte.
Mit solchen Studien und Artikeln befeuert man m.E. die Sichtweise, dass Bildungsforscher an den Universitäten abgehoben in ihrem Elfenbeinturm leben und nichts von der realen Schulwelt mitbekommen – und erweist damit den Bildungswissenschaften einen Bärendienst.
Seitdem ich diese Leute im Studium erlebt habe, halte ich nicht viel von „Bildungsforschern“. Und seit ich an Schulen immer wieder ungefragt deren „Erkenntnisse“ bekomme, die bestenfalls als weltfremd und naiv zu bezeichnen sind, noch weniger.
Und jetzt erfahre ich, dass Bildungsforscher 15 Jahre lang forschen müssen für die bahnbrechende Erkenntnis, dass ein Schreiner mit jahrzehnterlanger Berufserfahrung mehr Ahnung hat als ein Neuling direkt nach der Lehre….