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Deutscher Lehrkräftepreis: „Es bringt nichts, nur mehr vom Gleichen zu machen“ – Schulleiterin Roswitha Malewski im Interview

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RAVENSBURG. Geht nicht, gibt’s nicht – so beschreiben die Kolleginnen und Kollegen von Roswitha Malewski die Haltung ihrer Schulleiterin. Die Rektorin der Grundschule Kuppelnau, Baden-Württemberg, wurde vergangenes Jahr mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet – auf Empfehlung ihres Teams. In der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ belegte sie den zweiten Platz. Im Gespräch mit News4teachers erklärt sie, warum Schulleitung und -entwicklung Teamaufgaben sind und wieso das Bildungssystem ein großangelegtes Update braucht.

„Eine Schule kann man niemals allein leiten“, sagt Schulleiterin Roswitha Malewski. Die Preisträgerin des Deutschen Lehrkräftepreises setzt daher auf Transparenz und Partizipation. Foto: Heraeus Bildungsstiftung

News4teachers: Frau Malewski, Sie sind offiziell eine „vorbildliche Schulleitung“: Was heißt das denn für Sie, Schulleiterin zu sein?

Roswitha Malewski: Puh, erst mal bedeutet Schulleiterin zu sein eine sehr große Umstellung. Darauf bereitet einen das Lehramtsstudium nicht vor, und eine Ausbildung zur Schulleitung gibt es ja auch nicht. Wenn man dann Schulleitung ist, bekommt man zwar Unterstützung in Form von verschiedenen Modulen, aber das meiste lernt man, indem man es einfach macht.

Schulleiterin zu sein, macht mein Leben sehr abwechslungsreich und vielfältig – es ist einfach großartig.

News4teachers: Insgesamt sind Sie nun schon seit zehn Jahren als Schulleiterin tätig. Was gab damals den Ausschlag für den Wechsel?

Malewski: Tatsächlich bin ich zuerst vom Lehrerinnendasein in die Fortbildung gewechselt. Damals gab es in Baden-Württemberg den großen Aufbruch rund um die Gemeinschaftsschulen und den Schulstrukturveränderungen. Da wollte ich gern dabei sein und habe Schulen beraten. So habe ich unheimlich viele Schulen kennengelernt und gesehen, was gut läuft. Immer mal wieder habe ich gedacht: „Ach, das könnte ich auch“ oder „Das würde ich als Schulleiterin so und so machen“.

Als dann die damalige Schulleitung meiner jetzigen Schule in den Ruhestand gegangen ist, dachte ich: Das ist der Moment, noch mal etwas anderes zu machen – und irgendwie hat das geklappt.

News4teachers: In der Nominierung für den Deutschen Lehrkräftepreis, die Ihr Kollegium verfasst hat, wird deutlich, wie viel Wert Sie als Schulleiterin auf Partizipation legen. Eltern, Schüler:innen, Lehrkräfte – alle können sich beteiligen, etwa über Arbeitsgemeinschaften, Fördervereine oder Beiräte. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Malewski: Eine Schule kann man niemals allein leiten, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Schule ist wie ein sehr träger Tanker, eine einmal eingeschlagene Richtung lässt sich nicht so schnell verändern. Deshalb ist es sinnvoll, die Menschen mitzunehmen. Je mehr Menschen Teil des Prozesses sind, desto eher kann man gemeinsam etwas bewegen. Das gilt auch für die Kinder: Die haben oft so viele gute Ideen und setzen die unglaublich gut um. Die erreichen bei der Stadt manchmal viel mehr als ich.

„Man müsste das viel größer denken“

News4teachers: Die Partizipationsmöglichkeiten erstrecken sich bei Ihnen an der Schule auch auf den Bereich der Schulentwicklung. Warum muss sich Schule weiterentwickeln?

Malewski: In vielen Punkten ist Schule noch so, wie man sie sich um die Jahrhundertwende vorgestellt hat – und zwar die vor 120 Jahren, nicht die vor 20. Aber Kinder haben sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert, Eltern haben sich verändert, also muss Schule sich ebenfalls verändern.

Die PISA-Ergebnisse sind schlecht, die Vera-Ergebnisse sind schlecht. Und trotzdem doktern wir immer nur im Klein-Klein herum: hier noch eine Förderstunde, dort noch zusätzlicher Matheunterricht. Ich glaube, man müsste das viel größer denken. Man müsste von den Besten lernen – und nicht nur ins Ausland fahren, sich das anschauen und dann sagen: „Ja, interessant, aber wir lassen lieber alles so, wie es ist.“

Kultuspolitik ist natürlich schwierig, weil Bildung Ländersache ist und deshalb alles sechzehnmal unterschiedlich geregelt wird. In meinen Augen ergibt das aber überhaupt keinen Sinn.

Deutscher Lehrkräftepreis – die neue Runde

Die Bewerbungsphase für den „Deutschen Lehrkräftepreis – Unterricht innovativ“ 2026 läuft. Machen Sie mit! Empfehlen Sie (als ehemaliger Schüler bzw. ehemalige Schülerin) Ihre frühere Lehrkraft! Würdigen Sie (als Kollegium) Ihre tolle Schulleitung! Oder bewerben Sie sich als Lehrkräfte-Team mit Ihrem innovativen Unterrichtskonzept! Einsendeschluss ist der 30. Juni 2026.

Gesucht werden engagierte Lehrkräfte, Lehrkräfte-Teams und vorbildliche Schulleitungen aller deutschen Schulformen (auch im Ausland). Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auch auf den Grundschulen. Schülerinnen und Schüler der Abschlussjahrgänge 2025/2026, Lehrkräfte-Teams und Kollegien können ihre Vorschläge bzw. Bewerbungen unter www.lehrkraeftepreis.de bis zum 30.6.2026 einreichen.

Über die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger des „Deutschen Lehrkräftepreises – Unterricht innovativ“ entscheidet nach einer intensiven Gutachterphase eine hochkarätig besetzte Jury. Die Träger des Wettbewerbs, der Deutsche Philologenverband und die Heraeus Bildungsstiftung, wollen mit der Auszeichnung die Leistungen von Lehrkräften und Schulleitungen würdigen und in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rücken. Schirmherrin ist Bundesbildungsministerin Karin Prien.

News4teachers: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, das Bildungssystem zu verändern – wo würden Sie als Erstes ansetzen?

Malewski: Ich würde erst mal die Vielfalt der vielen verschiedenen Schularten reduzieren und die Kinder länger gemeinsam lernen lassen, bis zur 8. oder 9. Klasse. Danach könnten sie selbst entscheiden, wie es weitergeht. Außerdem würde ich viel stärker die Bereiche in den Mittelpunkt stellen, die immer gekürzt werden: Sport, Kunst, Theater – all das, was Kinder brauchen.

Natürlich sind Lesen, Schreiben und Rechnen elementar wichtig. Aber es bringt nichts, immer nur mehr vom Gleichen zu machen. Ein Kind lernt doch auch, sich auszudrücken, zu lesen und zu schreiben, wenn es beispielsweise Theater spielt, Briefe verfasst oder mit alten Menschen in Kontakt kommt. Ich glaube einfach, wir müssten viel größer denken.

Theater als reguläres Unterrichtsfach

News4teachers: Gerade diesen kulturellen Bereich haben Sie an Ihrer Schule stark ausgebaut, durch das Theaterprofil. Wie hat sich Schule dadurch verändert?

Malewski: Ein Theaterprojekt gab es an der Schule tatsächlich schon, als ich vor zehn Jahren Schulleiterin geworden bin. Um die Ecke steht ein kleines städtisches Theater, dessen Theaterpädagoginnen schon damals ein Projekt mit unseren Zweitklässlern organisierten. Sechs Wochen lang arbeiteten sie mit den Kindern an einer eigenen Aufführung, die zum Abschluss im Theater präsentiert wurde. Das war natürlich großartig – die Eltern kamen ins Theater und sahen ihre Kinder auf der Bühne.

Dann hatten wir das Glück, eine Kollegin zu bekommen, die Theaterpädagogin ist und selbst am Theater arbeitet. Gemeinsam haben wir das Theaterprofil aufgebaut. Jetzt wird schon in Klasse 1 Theater gespielt, in Klasse 2 folgt das erwähnte Projekt mit dem Theater Ravensburg und in Klasse 3 und 4 haben die Kinder jede Woche zwei Stunden Theaterunterricht fest im Stundenplan verankert. Das ist keine freiwillige AG, sondern regulärer Unterricht.

Theater heißt daher bei uns nicht: Kostüme anziehen und Dornröschen spielen. Die Kinder entwickeln eigene Stücke, machen Improtheater, bespielen das ganze Schulhaus, erstellen Podcasts – das ist unglaublich vielfältig. Und das macht so viel mit den Kindern. Weiterführende Schulen sagen uns oft, dass unsere Kinder sich unglaublich gut ausdrücken und präsentieren können und selbstbewusst auftreten.

News4teachers: Inwiefern passt dieser Schwerpunkt zu Ihrer Forderung, dass Schule sich verändern muss? Also: Was muss Schule Kindern heute bieten, um sie gut auf das Leben vorzubereiten?

Malewski: Ich glaube ehrlich gesagt gar nicht, dass wir Kinder auf das konkrete Leben vorbereiten können, das sie erwartet, weil sich alles so schnell verändert – Stichwort KI. Von daher ist es sinnvoller, Kinder so zu stärken, dass sie selbstbewusst sind, Dinge hinterfragen können, wissen, wo sie etwas nachschauen und wem sie vertrauen können – gerade im Netz. Hinzu kommt, dass sie lernen sollten, wie sie Beziehungen aufbauen, im Team arbeiten und ihr Wissen flexibel auf Probleme anwenden können. Wir brauchen einen umfassenderen Bildungsbegriff, der sich nicht darauf beschränkt, dass Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen können. Die Kinder müssen später in einer Welt zurechtkommen, die so komplex sein wird, dass wir sie uns heute kaum vorstellen können.

„Wir brauchen einen umfassenderen Bildungsbegriff“

News4teachers: Sie selbst versuchen ja schon, Schule entsprechend zu verändern. Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten einer Schulleitung?

Malewski: Nach zehn Jahren als Schulleiterin muss ich leider feststellen, dass die eher gering sind – zumindest, wenn es um grundsätzliche Fragestellungen geht. Was ich aber in meiner Position sehr stark beeinflussen kann, ist die Atmosphäre an der Schule. Wenn ich als Schulleiterin die Kinder mag, die Eltern und Kolleginnen mag und einfach gerne hierherkomme, dann macht das etwas mit der Schule. Heute Morgen kam eine Schülerin und hat mich gleich umarmt, als ich mit dem Fahrrad auf den Schulhof gefahren bin. Früher hätte doch niemand seine Schulleiterin umarmt. Niemals.

Für die Kinder ist diese vertrauensvolle Atmosphäre aber selbstverständlich. Genauso selbstverständlich kommen sie zu mir ins Büro, wenn sie ein Pflaster oder ein Kühlpack brauchen. Ich laufe mit Kindern auch nach Hause, wenn sie nicht abgeholt werden, oder hole sie morgens ab, wenn sie niemand bringt. An diesen Punkten kann ich aktiv ansetzen.

Was ich nicht verändern kann, ist die Kultuspolitik. Da bleibt einem nur, selbst politisch oder gewerkschaftlich aktiv zu sein. Aber das ist zäh; es geht immer wieder vor und zurück.

Wir als Schule beteiligen uns zum Beispiel am Schulversuch „Lernförderliche Leistungsrückmeldung“. Das heißt, wir haben uns entschieden, auf Noten zu verzichten und stattdessen Rückmeldungen zu den Kompetenzen der Kinder zu geben. Durch die Einführung der teilweise verbindlichen Grundschulempfehlung und den damit verbundenen Tests liegt der Fokus aber wieder stärker auf Noten. Das bestätigt wiederum die Eltern, die ohnehin lieber Noten hätten, weil sie die für aussagekräftiger halten als eine Rückmeldung darüber, was ein Kind konkret kann.

News4teachers: Das konterkariert den Schulversuch natürlich.

Malewski: Ja, genau. Solche Veränderungen sind unglaublich zäh, besonders, wenn ein Ministerium nicht mutig genug ist zu sagen: „Wir führen das landesweit ein“, sodass einzelne Schulen nicht allein auf verlorenem Posten mit den Eltern diskutieren müssen.

Und wenn Eltern unbedingt eine bestimmte Schule für ihr Kind wollen, dann wird plötzlich um jede Zehntelnote gekämpft. Dabei kennen die Lehrerinnen und Lehrer die Kinder doch eigentlich sehr gut und können sie einschätzen. Aber solange diese Drei-, Vier- oder Fünfgliedrigkeit im Schulsystem existiert und die weiterführenden Schulen unterschiedlich bewertet werden, bleibt dieser Druck bestehen. Ein Gymnasium gilt immer noch als „besser“ als eine Realschule oder Gemeinschaftsschule. Das macht alles unglaublich schwierig.

„Es ist unbeschreiblich wertschätzend“

News4teachers: Trotzdem versuchen Sie, Schule zu verändern – ein Aspekt, den auch Ihr Kollegium sehr schätzt. In der Nominierung zum Deutschen Lehrkräftepreis beschreibt Ihr Team Sie etwa als „Ermöglicherin“ mit der Grundhaltung „geht nicht, gibt’s nicht“. Was bedeutet Ihnen diese Rückmeldung und die damit verbundene Auszeichnung?

Malewski: Das rührt mich einfach sehr. Es ist unbeschreiblich wertschätzend. Ich bin überzeugt, dass ganz viele Schulleitungen diesen Preis verdient hätten. Ich bin ja nicht toller als andere. Aber dass sich meine Kolleginnen und Kollegen hingesetzt und sich die Zeit genommen haben, diese Bewerbung zu schreiben – das ist einfach großartig. Das ist wie eine warme Dusche, die gar nicht aufhört. Anna Hückelheim, Agentur für Bildungsjournalismus, führte das Interview. (cdef)

Hier geht es zum News4teachers-Spezial zum Deutschen Lehrkräftepreis – mit Interviews mit Preisträgern und Hintergründen.

Deutscher Lehrkräftepreis: „Guter Unterricht ist möglich – auch unter schwierigen Bedingungen!“ Schulleiterin Andrea Franke im Interview

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60 Kommentare
Berni
7 Tage zuvor

” ..Ein Gymnasium gilt immer noch als „besser“ als eine Realschule oder Gemeinschaftsschule. Das macht alles unglaublich schwierig. .. “

Ach, warum denn bloß? Eltern möchten eine passende Schule für ihre Kinder und die Schulwahl ist dann in hohem Maße davon abhängig, was da jeweils für eine Klientel unterwegs ist. Viele ziehen sogar um, damit ihre Kinder eine gute Schule besuchen können. Wobei, so sollte man meinen, die Anforderungen gar nicht so hoch sind. Das wären erstens, keine Schule mit Gewaltproblem und zweitens keine Schule die den Kindern die Lust am lernen nimmt.

Stiller Beobachter
7 Tage zuvor
Antwortet  Berni

Das Problem ist, dass es damit individuell vielleicht sogar besser, insgesamt aber schlechter wird.

Die Tendenz sehe ich aber auch.

Dabei ist die frühe Trennung wissenschaftlich auch mehrfach belegt völlig negativ zu bewerten. Scheint nur niemanden zu interessieren…

ed840
7 Tage zuvor

Mich würde das schon interessieren.

Aber ohne diese wissenschaftliche Belege gelesen zu haben, kann man dazu kein Beurteilung abgegeben.

Ich kenne z.B. keine Studien aus DE, in denen nachgewiesen wurde, dass die Kompetenzlevel von SuS aus der unteren Schicht und mit Migrationshintergrund bei längerer gemeinsamer Grundschule steigen würden und der Anteil abnehmen würde, der ohne ESA oder SEK-II-Abschluss bleibt.

Hans Malz
7 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Ich befürchte, dass niemand solche Studien machen möchte, allerdings lasse ich mich gerne belehren.

Wenn man jetzt anfangen würde, dann hätte man in 6-10 Jahren die ersten Ergebnisse. Allerdings müsste das eine Riesenstudie sein, die verschiedenste “Lebensräume” berücksichtigt und auch eine entprechende Schülerzahl hat.
Wenig Ruhm, aber viel Arbeit.

447
5 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

Eine ungeschminkte Studie dieser Art wäre vermutlich berufliche Selbstvernichtung.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  447

Wenn man von Verschwörungen phantasiert, ganz bestimmt!
Jetzt bloß nicht nach Bildungsschaftler*innen, die wegen ihrer “ungeschminkten” Fakten gecancelt wurden 😉

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

“Ich befürchte, dass niemand solche Studien machen möchte, allerdings lasse ich mich gerne belehren.”
Sie haben nichts, was dies begründet außer Ihren eigenen Verschwörungsglauben.
Bittschön.

Aber vom Gegenteil auszugehen, weil irgendjemand anonymes im Internet Ihre Meinung bestätigte, sollte wohl ausreichen -___-

ed840
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Es gibt ja jemand hier, der regelmäßig behauptet “wissenschaftliche Nachweise” zu kennen, dass sich eine längere Grundschulzeit in den Bundesländern mit bisher 4 Jahren GS für alle SuS nur vorteilhaft auswirken würde.

Diese Nachweise sind dann aber vermutlich so geheim, dass sie sonst niemand hier kennt.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Jaja, das ist wahrlich umstritten…

https://www.news4teachers.de/2024/12/das-ungerechteste-schulsystem-das-ich-kenne-warum-bildungsforscher-hattie-glaubt-dass-deutschland-ohne-bildungsreformen-nie-an-die-pisa-spitze-kommt/

https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/verstaerkt-das-gegliederte-schulsystem-soziale-ungleichheiten/

https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/psychologie/leistungsabfall-durch-aufteilung-nach-der-grundschule-13371833

Als Nächstes heulen Sie herum, dass ich nicht die Studien selbst, sondern die Ergebnisse der Studie verlinkte,
weichen aus, wenn ich Sie nach konkreten wissenschaftlichen Informationen frage, und weichen mit PISA oder sonst was aus, was sich nicht dieser Fragestellung widmet.
Ich antworte dann wie immer, dass dies eine bessere Leistung bedeuten kann, auf das Sie nichts mit Substanz antworten können.
Dann weichen Sie gewohnheitsgemäß auf Geschlechterfragen aus, als wären die bei bisherigen Konzepten besser – was sie nicht belegten – oder unter einer längeren gemeinsamen Grundschulzeit schlechter – was sie nicht belegen.

Spannend wie immer, bis zum nächsten Mal bei einem Thema, wo Sie sich nicht für gesellschaftliche Werte aussprechen müssen 🙂

ed840
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Was bezwecken Sie mit dem link auf die Meinung von Herrn Hattie zum deutschen Schulsystem, wenn es um “wissenschaftliche Nachweise” für positive Effekte längerer Grundschulzeit in den Bundesländern geht?

Die Studie von Esser / Seuring ist relativ aktuell und basiert auf einem großen Datensatz. Daran hätte ich jetzt nichts zu kritsieren.

Die zweite Studie ist 20 Jahre alt und vergleicht nur die PISA-Ergebnisse der Übergangsjahre 2003 zu 2006. Ein Vergleich mit Bundesländern die längere Grundschulzeit haben, fand dabei nicht statt. Dass es beim Systemwechsel in der Übergangsphase zu Problemen kommen kann, würde ich als nicht ungewöhnlich ansehen. Deshalb wäre eine längerfristige Betrachtung aufschlussreicher.

Bei PISA 2003 erreichten die SuS aus Bayern mit damals etablierter 4 stufiger Realschule 533 Pkt in Mathematik, also +30 Pkt mehr als der DE-16-Schnitt.

Bei IQB-2024-Mathematik lagen die Ergebnisse aus Bayern mit etablierter 6-stufiger Realschule +27 Pkt über dem DE-16-Schnitt. Also praktisch keine signifikante Veränderung zu 2003.

Auch der Anteil “low-perfomer”, die nicht die Mindestpunktzahlen erreichten, war in Bayern nach Sachsen bundesweit am geringsten und deutlich niedriger als in BL mit 6 Jahren GS. .

Wenn man bedenkt, dass in Bayern bundesweit der geringste Anteil 9- Klässer an Gymnasien unterrichtet wird, können die überdurchschnittlich guten IQB-Ergebnisse eigentlich auch nicht allein auf den Ergebnissen der Gymnasiasten beruhen.

Beim Bildungsmonitor Schulqualität hat Bayern im Langzeitvergleich mit – 12,7 Pkt, den geringsten Rückgang zu verzeichnen, bei Bildungsarmut mit -7,1 Pkt ebenfalls .

In Bundesländern mit 6-stufiger Grundschule waren die Rückgänge doppelt bis dreimal so hoch.

ed840
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

“Dann weichen Sie gewohnheitsgemäß auf Geschlechterfragen aus, “

So wie hier?

https://www.news4teachers.de/2026/06/studienergebnis-das-alter-entscheidet-mit-ob-schueler-auf-einer-foerderschule-landen/#comment-810482

Das sollte beim Thema SPF-Diagnose eigentlich niemand überraschen, der hier regelmäßig angibt an einem SBBZ tätig zu sein.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Welche Studien kennen Sie sonst dazu? 🙂

ed840
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich kennen keine Studien, dass eine längere Grundschulzeit in Sachsen und Bayern zu höheren Kompetenzleveln bei allen SuS führen würde.

Kennen Sie welche?

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Sie haben also gar keine Grundlagen, eine Grundschulzeit von vier Jahren zu rechtfertigen. Danke für die Ehrlichkeit 🙂

ed840
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Gerne.

Ist auch gar nicht meine Aufgabe die Entscheidungen der 14 KuMis zu rechtfertigen.

Lera
7 Tage zuvor

Liebe Anna, liebe Sophie,
leider könnt ihr keine Schule besuchen, die euch fördert oder fordert, da wir euch dringend als Puffer, Sozialpädagogen, Lernhelfer und Retter des Notenschnitts brauchen, um mit Kevin und Chantalle die Tragödie “Früher hieß es Unterricht” aufzuführen. Macht euch nichts draus, ihr dürft weitere fünf Jahre eure Expertise für Furz-Apps und Energy-Drinks ausbauen, dafür habt ihr doch sicher Verständnis. Na klar, auf der Homepage steht, das wir alle Kinder individuell fördern – aber das ist halt gelogen. Ihr wisst ja wie es läuft: einfach weiter gute Mine zum bösen Spiel machen. Viel Glück und alles Gute!
Euer Schulsystem

ed840
7 Tage zuvor
Antwortet  Berni

Ein Gymnasium gilt immer noch als „besser“ als eine Realschule 

Ist wie so oft vermutlich regional verschieden.

Bei uns im Bundesland wechseln z.B. nur ca. 73% der Kinder mit Gymnasialempfehlung dann auch aufs Gymnasium.

Weiterhin stammen auch ca. 40% der Absolventen mit AHR/FHR nicht vom Gymnasium.

Die 73% sind aber ein Durchschnittswert. In Großstädten ist der Anteil z.B. höher als in ländlichen Gebieten.

Susanne M.
7 Tage zuvor

Der Ansatz in der Schule gefällt mir persönlich gut. Er erscheint mir umsetzbar, nicht abgehoben oder dass einmal eine Menge Gesetze geändert werden müssen.

Stiller Beobachter
7 Tage zuvor

“In vielen Punkten ist Schule noch so, wie man sie sich um die Jahrhundertwende vorgestellt hat – und zwar die vor 120 Jahren, nicht die vor 20”

Man kann es ja nicht besser auf den Punkt bringen.

Es gibt kein System, das so in sich geschlossen und gegenüber jeglichen äußeren Einflüssen resilient ist wie die Schule.

Und das liegt daran, dass im Referendariat Konformität zählt, danach stehts individuell um sich selbst gekreist wird, in den Ministerien gerne auch die sitzen, die zwar die Annehmlichkeiten des Jobs schätzen, aber bitte bloß keinen Kontakt mit Kindern haben wollen und das ganze geleitet von 16 Personen, die da aus reinem Parteigeklüngel aber bitte bloß nicht wegen der Kompetenz sitzen.

Und wenn dann Leute wirklich was bewegen wollen – siehe Interview, oder auch andere gut dokumentierte Beispiele wie Ruppaner – dann wird alles getan um das zu unterbinden.

Auswege? Ich bin inzwischen auch ein wenig ratlos. Zermürbt von einem sich selbst erhaltenen – aber bloß sich nicht verändernden – System.

Canishine
7 Tage zuvor

“In vielen Punkten ist Schule noch so, wie man sie sich um die Jahrhundertwende vorgestellt hat – und zwar die vor 120 Jahren, nicht die vor 20”
Vielleicht liegt ja auch das Problem darin, dass manche ein Schulsystem reformieren wollen, das nur noch in ihren Vorstellungen existiert, hin zu einem Schulsystem, was hauptsächlich ihren Vorstellungen entspricht.

Lera
7 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Schön formuliert.

GBS-Mensch
6 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Rein pragmatisch gesehen, müsste man sich nur entscheiden, in welche Richtung man reformiert und das dann kompromisslos, “radikal” umsetzen.
Inzwischen scheint es mir, dass die Richtung ziemlich egal ist. Es würde so oder so Verbesserungen bringen.

Was wir erleben, ist dass einige links zerren und einige rechts zerren und dann bekommt man einen Mischmasch aus Verschlimmbesserungen.

Gesamtschulsystem mit Gymnasium oder dreigliedrig ohne Förderschule etc.

Und natürlich das Sahnehäubchen des letzten Jahrzehnts:

DaZ-Schule ohne DaZ-Kompetenzen oder -Ressourcen.

447
5 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

So ist es.

Selbst eine totale Fühli-fühli-Schule wäre mir immer noch lieber als der “schlechtestmögliche Kompromiss”, der die Schulverwaltung/Dauerpseudoreform der letzten Jahrzehnte prägt.

Lera
7 Tage zuvor

“Es gibt kein System, das so in sich geschlossen und gegenüber jeglichen äußeren Einflüssen resilient ist wie die Schule.”

Wäre das Schulsystem doch nur in den letzten 30 Jahre resilient gegenüber äußeren Einflüssen gewesen – es stünde heute gewiss sehr viel besser da. Die meisten Probleme, die wir haben, sind DURCH äußere Einflüsse überhaupt erst entstanden:

Früher wurde die Schulreife untersucht, wer nicht schulreif war, ging zur Vorschule. – Heute wird geguckt, ob das Kind atmen kann, wenn ja: Schulbesuch; wenn nein: auch Schulbesuch.

Früher gingen Kinder mit besonderem Förderbedarf auf eine Sonderschule mit kleinen Gruppen und Sonderpädagogen, die ihre Profession ausübten. – Heute gehen (in SH) alle Kinder mit besonderem Förderbedarf – bis auf krasse GE-Fälle – zur Regelschule mit großen Klassen und homöopathisch anwesenden Sonderpädagogen, die gelegentlich mal nen Tipp haben, ansonsten aber auch viel Zeit auf der Landstraße und im Lehrerzimmer verbringen.

Früher gab es (in vielen Ländern) eine verbindliche Grundschulempfehlung sowie vier funktionierende Schulformen nach Klasse 4, auf die die Kinder dann guten Gewissens gehen konnten. – Heute haben wir fast überall nur noch unverbindliche Empfehlungen sowie eine (noch) halbwegs funktionierende Schulform plus fifty shades of Resteschulen. Klar, dass dann viele ans GY gehen, die früher auf einer Realschule sehr glücklich geworden wären, nun aber über Stress, Notendruck und psychische Probleme klagen.

Früher hatten Lehrer effiziente und effektive Erziehungsmittel. – Heute haben wir … ein Gespräch. Und noch eins. Und dann nochmal. Dann eine Klassenkonferenz, gefolgt von Gesprächen und ganz wichtig: Dokumentation. Datum, Uhrzeit, Zeugen. Hat man über Wochen genug belastendes Material gesammelt, kann man es wagen, eine “schriftliche Missbilligung” auszusprechen, was verhaltensoriginelle Schüler meistens sehr beeindruckt.

Früher gab es Jahrgänge, die Sinn ergeben haben: Wer in Klasse 4 sitzt, hat den Stoff von Klasse 1-3 (zumindest grob) gemeistert. – Heute ist Sitzenbleiben “schulorganisatorisch” schwierig, sodass in Klasse 4 haufenweise Kinder sitzen, die keinen geraden Satz schreiben oder einen einfachen und kurzen Text sinnentnehmend lesen können. Zynische Bildungsforscher werfen dann gerne ein, dass homogene Lerngruppen doch sowieso nie existiert haben. Auch früher waren Kinder schon unterschiedlich. Ach nee. Warum man dann auf Teufel komm raus versuchen soll, die Unterschiede zu maximieren. hat leider noch keiner schlüssig erklärt. Die zynische Antwort der zynischen Bildungswissenschaftler ist dann: Sieh es doch einfach als Bereicherung, Yoga hilft.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele dafür anführen, dass es gerade die Veränderungen der letzten 30 Jahre waren, die Schule so sch… gemacht haben, wie sie heute ist.

Lera
7 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Joah, ist verkürzt, aber weitgehend korrekt.

Aussondern, aussortieren und rausschmeißen hatten wir aber drei mal, da muss ich zwei abziehen.

Korrigierte Version:

Förderschule für Förderschüler
Vorschule für nicht schulreife Kinder
Klassenwiederholung, wenn Klassenziel nicht erreicht

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  Lera

“Förderschule für Förderschüler
Vorschule für nicht schulreife Kinder
Klassenwiederholung, wenn Klassenziel nicht erreicht”
Ich weiß nicht, ob Sie das in den letzten 15 Jahren mitbekamen, aber Kinder mit Behinderung haben ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft und der Inklusion an Regelschulen.
Vielleicht möchten Sie sich in den kommenden 15 Jahren – ganz langsam – mit dem Thema beschäftigen 🙂

Lera
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Definiere Förderschule als Regelschule
—> Problem gelöst

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ach, dafür gibt es Werbeagenturen, die gegen Honorar eine öffentlichkeitswirksame Imagekampagne auf den Weg bringen.
Raider heißt Twixx

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Es gibt halt Produkte, die unverkäuflich sind.

Lera
4 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Macht Bayern seit Jahren. Prophezeiungen daher nicht mehr nötig.

Herzlichste Grüße

Bla
4 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Und so klappt das gut?
Wenn man sich ehrlich macht klappt das so oder so halt nicht ohne Ressourcen.
Und da spreche ich in vielen Fällen noch nicht mal von “Inklusionsressourcen”, sondern absoluten Basics für Schule/Unterricht.
Genau genommen gibt es auch hier nämlich eine gewaltige “Übergreifung” der Bereiche.

Fangen wir mal an mit:
– Zeit/Deputat
– Grundausstattungen/Sanierung/
– Personal [Qualifikation und Anzahl]
– Klassenstärke/-teiler

Darüber kann man nämlich nahezu alles andere regulieren.
Und da sieht es wirklich … Wirklich nicht gut aus.

Wie kommt man denn dann auf die Idee noch “zusätzlich” ohne Ressourcen bestimmte Förderbereiche “reinzuquetschen”?
Also ich kenne die politische Idee. Spart kosten mitunter.
Aber mal im Ernst … Welcher vernünftig rational denkende Mensch kommt auf die Idee der “Umsetzung ohne Stellung der Ressourcen”?
Und wer denkt sich dann nach einigen Jahren: Ach scheiß drauf, eh schon egal – ziehen wir noch mehr Ressourcen raus! (?)

Ein Verarsche ist es doch so oder so ohne Ressourcen – meinen Sie nicht?

Also meine Prophezeiung dagegen: Mit aktuellen Bildungstrend [wobei Inklusionsbedingungen genommen werden] wird das auch nicht klappen.

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Aber vor der Förderung kommt die Gewinnung und danach die Aufbereitung.

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Au Scheiße, zur Aufbereitung gehört ja auch die Klassierung – also pure Segregation.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Außer für die Lehrkräfte mit Inklusionsklassen, aber die gehen Ihnen offensichtlich am Arsch vorbei —> Problem gelöst

Und so nen Schwachsinn wählen dann die Leute, anstatt Probleme zu LÖSEN? ^^

Bla
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Versprochen wurden Ressourcen … Bekamen taten wir “Sie”.

[Kleiner Scherz … Komm schon, bisschen Humor haben Sie hoffentlich.]

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Rescue me. Anstelle “dessen Hilfe” ist mir ein Bernhardiner tausendmal lieber.

unfassbar
4 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Es gibt reichlich Ressourcen. Bekannt als “Sondervermögen”.

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Streiche “Sonder” sesetz”Un”.

Alese20
7 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich kann Leras Sichtweise schon verstehen. Unser System lebt von möglichst homogenen Klassen/Schulen. Das ist kein Nice-to- habe, sondern ein Must-have. Der Gleichschritt kann nur dann gut funktionieren. Alles, was sich in den letzten Jahren geändert hat, bringt das System an den Rand des Machbaren. Man hätte nicht nur auf Heterogenität setzen dürfen, ohne das ganze System vorher umzukrempeln oder mit Personal auszustatten, um Individualisierung innerhalb dieses Systems überhaupt ermöglichen zu können. Das jetzt ist ein einziges Drama für alle Beteiligten: LuL, SuS inklusive I-SuS und Eltern. Viele leiden, werden krank, brechen ab, geben auf.
Die Einzigen, die profitieren sind die Kassen – ist jetzt bestimmt billiger als vorher.

Es muss sich also dringend was ändern: entweder zurück zur Homogenität oder zur vollkommenden Individualisierung -gerne auch beides parall in unterschiedlichen Schulkonzepten. So darf es auf jeden Fall nicht weitergehen!

Lera
6 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Vielen Dank 😉

GBS-Mensch
6 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Die Frage ist nicht Homogenität oder Heterogenität sondern Homogenität oder Heterogenität worin?

Ich brauche keine Homogenität bei Talenten, Neigungen, Persönlichkeiten, Hautfarben, Haarfarben, Nationalitäten, Religionen etc.

Wenn jemand in Deutsch stärker, aber in Mathe schlechter ist und es beim nächsten umgekehrt ist, ist das eine verkraftbare Heterogenität.

Ob der eine besser beim Fußball ist und der andere besser beim Zeichnen, ist eine verkraftbare Hetsrogenität.

Ob der eine Christ und der andere Moslem ist, ist eine verkraftbare Heterogenität.

Ob der eine schwarz und der andere Weiß ist, ist eine verkraftbare Heterogenität.

Was nicht verkraftbare Heterogenitaten sind, sind signifikant unterschiedliche Sprachniveaus, signifikant unterschiedliche Levels frühkindlicher und vorschulischer Bildung etc.
Vorgenanntes ist noch nicht einmal das schlimmste, wenngleich auch sehr nachteilhaft.
Was wirklich schlimm ist, ist eine Heterogenität in der Einsicht oder der Fähigkeit, Regeln zu befolgen.

Je nach Alter ist Einsicht einigermaßen schwierig, aber da reicht im Zweifel auch schlichter, altmodischer Gehorsam.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

“Wenn jemand in Deutsch stärker, aber in Mathe schlechter ist und es beim nächsten umgekehrt ist, ist das eine verkraftbare Heterogenität.”
“Was nicht verkraftbare Heterogenitaten sind, sind signifikant unterschiedliche Sprachniveaus […]”

Hmm… Vorsicht! Nicht, dass Sie individuelle Förderung jener guter Mathematiker*/ Deutschschüler*innen fordern, das geht nahe der Ink… Sie wissen schon 😉

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

“Unser System lebt von möglichst homogenen Klassen/Schulen. Das ist kein Nice-to- habe, sondern ein Must-have. Der Gleichschritt kann nur dann gut funktionieren.”
Es gab keine Homogenität und diese wird es nie geben, Kinder wurden homogen BEHANDELT. Fragen Sie die starken Schüler*innen, welche sich langweilten, ihre Potenziale nicht ausschöpften und zum großen Tisch im kleinen Teich wurden bzw. sich Unterrichtsstörungen zuwanden oder den schwächeren, deren Mütter unbezahlt (!) als “Nachhilfe” das Potenzial diese Kinder freilegten oder – bei entsprechenden Vermögen – andere dafür bezahlten.

Wir haben gefühlt jährliche Studien dazu, die den jämmerlichen Zustand darstellen, dass das Vermögen von Familien einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf den schulischen Erfolg haben.

Das Problem sind jene, welche eine frühere “Homogenität” damals für real halten, diese unteralistischerweise für heute Fordern und Kinder sowie deren Familien für schlechte Rahmenbedingungen und Leistungen verantwortlich zu machen versuchen 🙁

Alese20
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich bin ja bei Ihnen. Ich bin daher ja grundsätzlich gegen dieses Gleichschrittssystem.
Da es das aber weiterhin hauptsächlich gibt und die Heterogenität deutlich zugenommen hat durch Inklusion, Migration, nicht schulreife Grundschulkinder kombiniert mit Fachkräftemangel, zu große Klassen und fehlenden Sozialpädagogen, entstehen immer größere Probleme und dadurch ist es nicht möglich, so weiter zu machen.
Ich finde es verständlich, dass sich viele LuL die alte Zeit zurück wünschen, auch wenn ich persönlich diesen Weg für falsch erachte.

Bla
4 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Ist er. Der “alte” Weg ist falsch.
Jedoch ist der aktuelle Weg eben auch nicht richtig.
Bin ich vollkommen bei Ihnen.

Und entweder man stellt Ressourcen – was man nicht genügend macht als Staat. Oder man geht halt unter. 10-15 Jahre und wir haben den Systemkollaps meiner (und vieler anderer) Einschätzung(en) nach.
Die Fragen sind halt nur:
– Und dann? Sind wir dann darauf vorbereitet?
– Geht man hier (zeitnah) entgegen? [Aktuell: Ne, ganz im Gegenteil]
– Wie ertragbar werden die 10-15 Jahre?

Ich würde “sogar” Rainer recht geben … Machbar ist so einiges. Aber halt weder “wirklich gewollt”, noch “gestellt”.
Und natürlich kann man auch SuS mit “kein Deutsch” in einem System fördern, wo dieser in einer Klasse mit 10-15 SuS ist und man Multiprofessionelle Teams hat.
Selbstverständlich kann man einige I-Kinder auch mit “härteren Förderbedarfen” inkludieren, wenn die Klasse 10 SuS hat und man den Rahmenplan und -erwartungen zusätzlich anpasst. Dann ist die Erwartung halt nicht “muss Abi machen”. Oder “muss Quali schaffen”. Nene. Realistisch. Manche werden das nicht schaffen, außer man “reduziert” dies.

Vielleicht sind wir auch irgendwann mal so weit, dass man gar keine Noten mehr braucht, da andere Faktoren viel wichtiger sind.
Die Unternehmen sowieso immer weniger auf Noten gehen und man interne Testungen/Prüfungen eben stellt.

Und doch … Manche lernen prima ohne Noten. Gerade deshalb sogar.
Manche lernen trotz Noten gar nichts. Und manche lernen gerade durch Noten.
Und dementsprechend kann man das ganze ja auch im Idealfall steuern und streuen systemisch.

Aber all das ist nicht erwünscht und gewollt. Und daher wird das nicht gemacht.
Und wir leben halt in der Realität:
– Was haben wir zur Verfügung
– Was ist machbar und v. A. “realistisch zumutbar”

Und dann kommt man auf “Ihr Ergebnis”.
Rainer hängt noch bei “theoretisch machbar, unter Aufopferung und/oder perfekten Bedingungen”. Daher hat er auch absolut gute und erstrebenswerte Punkte. Er schafft nur den Sprung in die Realität nicht.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

“Ich finde es verständlich, dass sich viele LuL die alte Zeit zurück wünschen, auch wenn ich persönlich diesen Weg für falsch erachte.”
Was spricht DAFÜR, nichts zu tun, sich zu beschweren und Verbesserungsversuchd zu torpedieren?

Was Sie (wie ich es verstehe) wohlmeinend als Nostalgie deuten wollen, nehme ich als Reaktionismus wahr.
Es ist meines Erachtens kein konstruktiver Kurs, es gibt keine Lösungen – geschweige solcher, die in die heutige Zeit passen 🙁

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Und dann regen wir uns auf, dass Sonderschulen und Inklusion voller werden – müssen die “faulen” Eltern schuld sein!

Wo soll da ein Denkfehler sein?

Bla
4 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sonderschulen dürfen hier ablehnen.
Der Mittelschulsprengel fängt dann auf.
Kennen Sie solche? Ich schon.
Wie “zufrieden” sind diese denn?
Da haben die Eltern gar nichts mit zu tun. Das ist systemisch gemacht und gewollt.
Die Eltern leiden sogar oft darunter.
Manche müssen an die (Brennpunkt)Sprengelschule und gehen dort [wie viele andere … yay “Inklusion” funktioniert] unter. Toll.

Was meinen Sie, wie viele Anfragen wir deshalb haben:
– Förderschule erwünscht – nimmt aber nicht auf [da zu voll + darf ablehnen]
– Mittelschulsprengel absolut nicht geeignet

Bisschen in der Praxis und Realität mal bleiben.
Und ja … Unser Privilge. Richtig.
Das was Sie als Inklusion erleben ist das absolute Maximum der aktuellen Zeit. Glauben Sie mir nicht? Sehen Sie sich um. Ihre Region/Kommune stellt theoretisch traumhafte Bedingungen. Sie erleben eine Musterinklusion aktuell. Arbeiten auch dort.

Andere halt nicht.
Und der Schritt zu “wie bei Ihnen” wäre schon ein wahnsinniger Schritt. Wahnsinnig gut.
Auch das müssen Sie bedenken.
Mache ich auch bei meiner Privatschule …

GBS-Mensch
6 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Das meiste würde ich unterschreiben und dennoch:

Probleme kommen sehr häufig von außen und damit ist es eine politische Fragestellung und keine schulsystematische oder bildungswissenschaftliche.

Einerseits an Bahnhöfen mit Teddybären zu werfen oder am Balkon oder im Vorgarten Flaggen zu hissen, und sich dann andererseits zu wundern, dass die irgendwann in den Schulen (den eigenen beruflichen oder die der eigenen Kinder) landen, ist schon arg naiv.

Das ist dann die normative Kraft des Faktischen und auch das schönste Nostalgieschulsystem hätte das nicht gepackt.

Über andere kontroverse “Details” muss man sich da schon gar nicht mehr unterhalten. Ob man den Kopf 90 Zentimeter oder 95 Zentimeter unter Wasser hat, spielt da keine Rolle mehr.

Lera
6 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Mit DAZ-Zentren, die es anfangs ja sogar gab, wäre es definitiv leichter als ohne. Jetzt machen die Grundschulen DAZ „nebenbei“ – also eher nicht. Ohne systematischen Erwerb der Zweitsprache wird das natürlich nix, das kann kein „Sprachbad“ ausgleichen.

GriasDi
7 Tage zuvor

Autofreien auch noch so aus wie vor 100 Jahren. 4 Räder, Karosserie, …

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  GriasDi

Sie haben Verbrennungsmotoren vergessen!
Sie wissen schon: Was wir früher sehr gut konnten, jahrzehntelang nichts taten und nun völlig ins Hintertreffen geraten und von vielen überholt werden, WÄHREND uns die negativen Folgen des alten Systems auf die Füße fallen, die wir zuvor immer verdrängten? 😀

GriasDi
7 Tage zuvor

“Autos sehen” sollte das zu Beginn heißen

Nova
6 Tage zuvor

Das ist ein sehr beeindruckendes Interview. Glückwunsch an Frau Malewski – tolle Leistung. Es wird immer gesagt, dass viele Eltern Noten wollen, ich gehöre zu den Eltern, die sofort einverstanden gewesen wären, wenn Noten erst später erteilt worden wären. Auch brauchen wir verschiedene Schulformen nicht wirklich meiner Meinung nach, in anderen Ländern geht es auch anders. Und was ich mir besonders wünschen würde, wäre, dass man Kinder nicht zwingt, stundenlang stillzusitzen, mehr Bewegung jeglicher Art fördert die körperliche Fitness und damit auch das Gehirn und den Lernprozess. Unser modernes bewegungsarmes Leben entspricht eigentlich überhaupt nicht unserer menschlichen Natur.

Ich bin gespannt, wie die Schule der Zukunft aussehen wird, wahrscheinlich wird es 1000 Jahre dauern, bis sich bei uns was ändert, weil wir Deutschen einfach reformunwillig sind, sieht man ja gerade an der gesamten Politik:-), vielleicht muss es erst die Riesenkatastrophe geben, bis sich was ändert.

447
5 Tage zuvor
Antwortet  Nova

Ihr letzter Satz.

Genau das.

Bla
4 Tage zuvor
Antwortet  Nova

“Es wird immer gesagt, dass viele Eltern Noten wollen, ich gehöre zu den Eltern, die sofort einverstanden gewesen wären, wenn Noten erst später erteilt worden wären.”

Und das “könnten Sie ertragen”? Also sich (mehr oder weniger komplett) auf die Schule zu verlassen.
Wie sieht es dann mit der “späteren Erwartung” aus? Wenn man doch erfährt, dass “kein Abi” empfohlen wird oder das Kind das nicht schafft?

Das sind durchaus Fragen, welche man sich dann stellen sollte.
Bekomme ich ständig auch mit.
Anfangs ist das “egal, hauptsache Spaß”. Wenn es dann auf den Abschluss zugeht … “Erwartet man aber schon …”.
Es würde allen besser tun, wenn man sich diese Fragen und weitere stellt.
Wenn man sagt: Abschluss nicht so wichtig, hauptsache inkludiert und Kind geht es gut … Dann so festhalten. Und realistisch bleiben. Auch wenn es “nahbar” ist.

In welchen Ländern geht es denn anders? Und wie sieht dort die Sozialisierung aus?
Möchten Sie dies wirklich?

Das mit der Bewegung ist richtig. Aber auch dazu braucht es halt leider Ressourcen. Zeit, Klassenstärke, Raum und Rahmen.
Ich kann bspw. “den ADHSler” einfach mal paarmal die Treppen bei uns laufen lassen oder mit anderen [Klassen] raus schicken.
Ich kann auch mal eine Gruppe in den Nebenraum schicken.
Das wäre an meinen alten Schulen nicht denkbar gewesen.

So lange wird es nicht dauern. Das System bröckelt schon gewaltig.