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Positive Spiralen – oder Teufelskreise: Wie stark Emotionen von Lehrkräften den Lernerfolg im Unterricht beeinflussen

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MÜNCHEN. Im Klassenzimmer können sich positive Spiralen entwickeln – oder negative. Begeisterte Lehrkräfte gestalten ihren Unterricht erfolgreicher, ihre Schülerinnen und Schüler lernen motivierter und erzielen bessere Leistungen – was die Freude am Unterrichten weiter stärkt. Umgekehrt droht ein Teufelskreis aus Frust, nachlassender Unterrichtsqualität und ausbleibenden Lernerfolgen. Eine internationale Studie mit Daten von mehr als 17.500 Jugendlichen untersucht nun erstmals im großen Maßstab, wie stark die Emotionen von Lehrkräften den Bildungserfolg beeinflussen können.

Steckt an. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Die Stimmung von Lehrkräften wirkt sich unmittelbar auf den Lernerfolg ihrer Schüler aus. Das zeigt eine internationale Studie mit Daten von mehr als 17.500 Jugendlichen in acht Ländern. Demnach macht es einen immensen Unterschied, ob die Lehrkräfte im Unterricht Freude oder Ärger empfinden. Lehren sei nicht nur eine intellektuelle, sondern auch eine emotionale Tätigkeit, meint dazu Marina Elena Pfeifer von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Hauptautorin der Studie.

„Wir wollten die gesamte Kette von Ereignissen verstehen, die die Gefühle einer Lehrkraft mit den Leistungen der Schüler verbindet“, erklärte Pfeifer. Die Forschenden gingen davon aus, dass die Emotionen von Lehrkräften wie ein Dominoeffekt im Klassenzimmer wirken und über die Qualität des Unterrichts die Lernergebnisse beeinflussen.

Wenn Lehrkräfte Freude an ihrem Tun empfinden, bieten sie demnach qualitativ hochwertigeren Unterricht, der das Selbstvertrauen der Schüler in ihre Fähigkeiten, ihr Interesse und ihre schulischen Leistungen stärkt. Verärgerte Lehrkräfte hingegen gehen mit schlechterem Unterricht und schlechteren Lernergebnissen der Schüler einher, wie das Team im „Journal of Educational Psychology“ berichtet.

Daten unter anderem aus Deutschland, China und Mexiko

Die Forschenden hatten Daten von 679 Mathelehrern und mehr als 17.500 um die 15 Jahre alten Schülern in acht Ländern zusammengetragen. Einbezogen wurden Schulen in Chile, China, Kolumbien, Deutschland, Japan, Mexiko, Spanien und Großbritannien. Alle Klassen bearbeiteten für eine gute Vergleichbarkeit dieselbe Mathematiklektion – die Einführung quadratischer Gleichungen.

Die Lehrkräfte wurden mit Hilfe der sogenannten „Teacher Emotions Scale“ befragt, wie viel Freude sie während des Unterrichts hatten oder wie groß ihre Verärgerung war. Die Wahl sei auf Freude und Ärger gefallen, weil dies nach vorhergehenden Analysen die prägnantesten positiven und negativen von Lehrkräften erlebten Emotionen seien. Die Kinder wurden gebeten, die Unterrichtsqualität ihrer Lehrer zu bewerten sowie über ihr Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten und ihr Interesse am Fach zu berichten. Zudem absolvierten sie einen Leistungstest.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten dabei drei zentrale Merkmale guten Unterrichts: die Klassenführung, unterstützende Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern sowie die sogenannte kognitive Aktivierung – also Unterricht, der Schülerinnen und Schüler zum eigenständigen Denken und zur vertieften Auseinandersetzung mit Inhalten anregt.

Lehrkräfte, die mehr Freude empfanden, waren im Mittel eher in der Lage, den Unterricht effektiv zu gestalten, unterstützende Beziehungen zu den Schülern aufzubauen und kognitiv anregende Unterrichtsstrategien anzuwenden. Dies wiederum war mit einem höheren Selbstvertrauen der Schülerinnen und Schüler, größerem Interesse am Lernen und besseren Testergebnissen verbunden. Lehrer, die eher Ärger empfanden, zeigten im Durchschnitt in allen drei Aspekten eine schlechtere Unterrichtsqualität, auch die Lernergebnisse ihrer Schüler waren schlechter.

Die Forschenden fanden zudem einen unerwarteten Zusammenhang: Schülerinnen und Schüler, die ihre Lehrkräfte als besonders unterstützend wahrnahmen, erzielten nicht immer die besten Leistungen. Pfeifer vermutet jedoch keinen negativen Effekt der Unterstützung. Wahrscheinlicher sei, dass Lehrkräfte gerade lernschwächeren Kindern besonders viel emotionale Unterstützung zukommen lassen.

Selbstverstärkende Prozesse laufen ab

Vermutlich geraten Lehrerinnen und Lehrer leicht in selbstverstärkende Kreisläufe, wie Pfeifer erklärt. „Ein verärgerter Lehrer könnte Schwierigkeiten haben, die Klasse effektiv zu führen, was zu schlechten Leistungen der Schüler führt. Das wiederum sorgt dafür, dass sich der Lehrer noch frustrierter und erfolgloser fühlt – ein Teufelskreis.“ Eine fröhliche Lehrkraft dagegen schaffe eine positive Spirale, bei der effektiver Unterricht zum Erfolg der Schüler führe. „Das macht den Lehrer wiederum noch glücklicher und stolzer auf seine Arbeit.“

Am faszinierendsten sei die Übereinstimmung der Ergebnisse in den verschiedenen Ländern gewesen, sagte Pfeifer. „Trotz erheblicher kultureller, wirtschaftlicher und sprachlicher Unterschiede blieben die Mechanismen, durch die die Emotionen eines Lehrers die Unterrichtsqualität und die Schülerleistungen beeinflussen, weltweit bemerkenswert ähnlich.“

Mehr dafür tun, dass Lehrer gute Laune haben

Es sei wichtig, die positive Haltung von Lehrkräften zu fördern, schließen die Forschenden aus ihren Ergebnissen. „Unsere Studie zeigt, dass die Emotionen von Lehrkräften nicht nur ein Nebenprodukt des Bildungsprozesses sind, sondern aktiv dazu beitragen“, sagte Pfeifer. „Die wichtigste Schlussfolgerung für die Praxis ist, dass die Förderung des emotionalen Wohlbefindens von Lehrkräften nicht nur ein nettes Extra ist – sie ist entscheidend für den Lernerfolg der Schüler.“

Schulen und politische Entscheidungsträger sollten der Reduzierung von Lehrerstress daher Priorität einräumen. Die Forschenden verweisen zudem auf Unterstützungsangebote wie Achtsamkeitstrainings und andere Programme zur besseren Emotionsregulation von Lehrkräften. News4teachers / mit Material der dpa

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