Start Themenmonate Guter Ganztag BNE: Der Ganztag ermöglicht nachhaltiges Lernen – mehr Zeit für Zukunftsfragen

BNE: Der Ganztag ermöglicht nachhaltiges Lernen – mehr Zeit für Zukunftsfragen

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MÜNCHEN. Der Ganztag soll mehr sein als Unterricht am Nachmittag. Er soll Raum schaffen für Projekte, praktische Erfahrungen und Lernformen, die im eng getakteten Schulalltag oft zu kurz kommen. Gerade bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung sehen Fachleute darin eine besondere Chance. Denn wer nachhaltiges Denken und Handeln fördern will, muss mehr vermitteln als Wissen – und genau dafür braucht Schule vor allem eines: Zeit.

Mission Possible (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Bildung für nachhaltige Entwicklung gehört inzwischen zu den zentralen Aufgaben von Schule. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, ökologische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Zusammenhänge zu verstehen und die Folgen ihres Handelns einzuschätzen. Doch genau dieser Anspruch stellt Schulen vor Herausforderungen. Nachhaltigkeitsfragen überschreiten Fachgrenzen, verlangen Perspektivwechsel und leben von praktischen Erfahrungen. Im traditionellen Unterricht lassen sich solche Lernprozesse oft nur begrenzt abbilden.

Nachhaltige Entwicklung wird dabei ausdrücklich nicht als weiteres Unterrichtsthema verstanden. Vielmehr geht es um ein Bildungskonzept, das die Zukunftsfähigkeit gesellschaftlichen Handelns in den Mittelpunkt stellt. Ziel sei es, junge Menschen dazu zu befähigen, die Auswirkungen ihres Handelns auf heutige und künftige Generationen einzuschätzen und Verantwortung für gesellschaftliche Entwicklungen zu übernehmen. Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE, solle Schülerinnen und Schülern helfen, „die Gegenwart und Zukunft kritisch und kreativ im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mitzugestalten“, heißt es in einer Fachinformation der Serviceagentur Ganztag Hessen.

Eine zentrale Schwierigkeit liegt dabei in den Rahmenbedingungen vieler Schulen. Zukunftsfragen lassen sich selten einem einzelnen Fach zuordnen. Wer über Klimawandel, Ernährung, Konsum, Artenvielfalt oder globale Gerechtigkeit spricht, bewegt sich zugleich in naturwissenschaftlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ethischen Zusammenhängen. Genau darin sehen Fachautoren eine Herausforderung für den Schulalltag. Die Serviceagentur Ganztag Hessen verweist darauf, dass insbesondere „die strikte Trennung der Fächer und den 45-Minuten-Takt des Unterrichts“ die Umsetzung handlungsorientierter und interdisziplinärer Lernformen erschwere.

Vor diesem Hintergrund rückt der Ganztag in den Fokus. Mehr Zeit gilt als eine wesentliche Voraussetzung, um komplexe Fragestellungen vertieft zu behandeln und theoretisches Wissen mit praktischen Erfahrungen zu verbinden. Ganztägige Bildungsangebote eröffneten dafür besondere Möglichkeiten. Sie ermöglichten es, Hintergrundwissen zu vermitteln und zugleich konkrete Erfahrungen zu sammeln. Das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) Bayern spricht in diesem Zusammenhang von einem „Mehr an Zeit“, um Wissen zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen zu vermitteln und zugleich „praktisch tätig zu werden“.

Auch fächerübergreifendes Lernen lässt sich unter diesen Bedingungen leichter organisieren. Nachhaltigkeitsfragen sind häufig komplex und bieten keine einfachen Antworten. Sie erfordern längere Lernprozesse und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven. Die Struktur ganztägig arbeitender Schulen erleichtere deshalb „fächerübergreifendes, projektorientiertes Lernen“ und ermögliche „eine Abkehr – oder zumindest eine Ergänzung – vom 45-Takt zu einem Lernrhythmus, der Zeit für selbstorganisiertes Lernen gibt“, heißt es in einer Fachinformation der Serviceagentur Ganztag Hessen.

Nachhaltigkeit in der Grundschule – Projekte und Challenges

  • Arbeitsmaterialien, Projektideen und Mitmachaktionen für Bildung nachhaltiger Entwicklung
  • Motivierende Challenges zu Umwelt, Ernährung und Mobilität für den Grundschulalltag

Dieses Material des Auer-Verlags unterstützt Lehrkräfte dabei, das Thema Nachhaltigkeit nicht nur zu vermitteln, sondern gemeinsam mit den Kindern aktiv zu leben. Das E-Book verbindet Wissensvermittlung mit praktischen Projekten und spannenden Challenges. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich zunächst mit wichtigen Themen nachhaltiger Entwicklung auseinander und wenden das Gelernte anschließend in konkreten Aktionen in der Schule oder zu Hause an. So wird Nachhaltigkeit unmittelbar erfahrbar und Teil ihrer Lebenswelt.

Besonders motivierend wirken die enthaltenen Mini-Challenges, die einen spielerischen Wettbewerbscharakter besitzen und die Kinder dazu anregen, sich aktiv für Umweltschutz, nachhaltige Mobilität oder bewusste Ernährung einzusetzen. Ergänzend dazu fördern gemeinsame Projekte nicht nur nachhaltiges Handeln, sondern stärken zugleich das Klassenklima und das Gemeinschaftsgefühl.

Lehrkräfte erhalten ein umfassendes Materialpaket mit Informationstexten, Wissensseiten, Arbeitsblättern sowie allen benötigten Vorlagen für die Durchführung der Aktionen. Elternbriefe, Reflexionsbögen und Urkunden erleichtern die Umsetzung und machen die Projekte zu einem besonderen Erlebnis für die ganze Klasse. So gelingt Bildung für nachhaltige Entwicklung praxisnah, motivierend und mit direktem Bezug zum Alltag der Kinder.

Hier lässt sich das E-Book (83 Seiten, 24,99 €) kaufen und herunterladen.

Entscheidend ist dabei die Verbindung von Wissen und Handeln. Nachhaltiges Lernen soll nicht bei der Vermittlung von Informationen enden, sondern Auswirkungen auf den Alltag haben. Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit erhalten, eigene Erfahrungen zu sammeln und Handlungsmöglichkeiten zu erproben. „Es reicht nicht, über Inhalte der BNE zu sprechen. Bildung für nachhaltige Entwicklung erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn das Gelernte (im Idealfall) im täglichen Handeln gelebt wird“, heißt es dazu in einer Fachinformation des ISB Bayern.

Nachhaltigkeit soll deshalb nicht auf einzelne Unterrichtsstunden oder Projekttage beschränkt bleiben. Vielmehr könne sie sich durch verschiedene Bereiche des Schulalltags ziehen – vom Unterricht über die Mittagszeit bis zu Freizeit- und Betreuungsangeboten. Die Erziehung zu nachhaltigem Denken und Handeln finde idealerweise jeden Tag statt und könne alle Zeitphasen des Ganztags einbeziehen, beschreibt das ISB Bayern.

Besonders anschaulich wird dieser Ansatz dort, wo Schülerinnen und Schüler Nachhaltigkeit unmittelbar erleben können. Außerschulische Lernorte, Projekte und Kooperationen ermöglichen Erfahrungen, die im Klassenzimmer oft nur theoretisch vermittelt werden können. Schulgärten, Schulwälder, kommunale Einrichtungen oder lokale Initiativen können nach den Fachinformationen zu Orten werden, an denen ökologische Zusammenhänge und gesellschaftliche Verantwortung konkret erfahrbar werden. Gleichzeitig eröffne der Ganztag besondere Möglichkeiten für Kooperationen mit Umweltverbänden, Gemeinschaftsgärten, Imkervereinen oder Waldpädagogen.

Ein weiteres Beispiel für die Verbindung von Lernen und Alltag ist die Schulverpflegung. Fragen nach Lebensmittelproduktion, Ressourcenverbrauch, Transportwegen oder Lebensmittelverschwendung betreffen den Alltag aller Schülerinnen und Schüler. Zugleich verdeutlichen sie, wie eng individuelle Entscheidungen mit globalen Herausforderungen verbunden sind. Nach Angaben der Serviceagentur Ganztag Hessen werden bis zu 25 Prozent der produzierten Lebensmittel ungenutzt entsorgt. Die Schulverpflegung könne deshalb ein geeignetes Feld sein, um nachhaltige Entwicklung praktisch zu thematisieren.

„BNE macht diese Fragen zum Thema, ohne den Lernenden Verhaltensvorgaben zu machen“

Dabei soll BNE ausdrücklich nicht mit Verhaltensvorgaben verbunden werden. Stattdessen geht es darum, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Genannt werden etwa die gemeinsame Zubereitung von Speisen, die Beschäftigung mit saisonalen Lebensmitteln oder die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an Entscheidungen über das Verpflegungsangebot.

Der Ganztag erscheint deshalb nicht als bloße Verlängerung des Unterrichts. Vielmehr wird er als Lern- und Lebensraum verstanden, in dem nachhaltige Entwicklung im Alltag erfahrbar werden kann. Schülerinnen und Schüler erhielten dort die Möglichkeit, sich nicht nur mit nachhaltigen Themen auseinanderzusetzen, sondern Nachhaltigkeit auch zu „leben“. Dadurch entstehe die Chance, nachhaltiges Denken und Handeln als selbstverständlichen Teil gesellschaftlichen Zusammenlebens zu begreifen, heißt es in einer Veröffentlichung des ISB Bayern. News4teachers 

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Guter Ganztag”. 

Ganztag als Chance: Warum Lernen nicht immer im Klassenraum stattfinden muss – Grundschul-Materialien „Auf dem Schulhof und Co.“

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