Start Nachrichten Lehrerin vom Kollegen getötet: Ermittler vermuten Femizid aus verschmähter Liebe

Lehrerin vom Kollegen getötet: Ermittler vermuten Femizid aus verschmähter Liebe

27
Anzeige

TAUFKIRCHEN AN DER PRAM. Eine 28-jährige Lehrerin ist in einer Mittelschule im oberösterreichischen Taufkirchen an der Pram getötet worden. Tatverdächtig ist ein 29 Jahre alter Lehrerkollege, der wenig später selbst tot in seinem Auto gefunden wurde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kannten sich beide aus dem Schulalltag, eine Beziehung zwischen ihnen habe jedoch nie bestanden. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die Tat mit zurückgewiesenen Annäherungsversuchen und Eifersucht zusammenhängen könnte. Der Fall hat in Österreich eine neue Debatte über Gewalt gegen Frauen ausgelöst.

Die Polizei ermittelt (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

An der Mittelschule im oberösterreichischen Taufkirchen an der Pram ist es am Freitag zu einem Gewaltverbrechen gekommen, das weit über die Region hinaus Entsetzen ausgelöst hat. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis wurde eine 28-jährige Lehrerin in der Schulbibliothek getötet. Als mutmaßlicher Täter gilt ein 29 Jahre alter Lehrer derselben Schule.

Wie die Ermittler mitteilten, ereignete sich die Tat in den frühen Nachmittagsstunden. Nach bisherigen Erkenntnissen griff der Mann seine Kollegin mit einem Dolch sowie einer Schusswaffe an. Staatsanwalt Alois Ebner sagte gegenüber österreichischen Medien und der Nachrichtenagentur APA, der Täter habe der Frau zunächst schwere Verletzungen im Halsbereich zugefügt und anschließend mehrfach auf sie geschossen.

PhoneLocker, verschließbare Smartphone-Tasche

Aufgedeckt wurde das Verbrechen durch die Mutter der Lehrerin. Die junge Frau war nicht wie erwartet nach Hause gekommen. Als die Mutter das Auto ihrer Tochter auf dem Schulparkplatz entdeckte, suchte sie gemeinsam mit einem Schulbediensteten das Gebäude ab. In der Bibliothek fanden sie schließlich die Tote.

Der mutmaßliche Täter hatte den Tatort zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Wenige Stunden später entdeckten Einsatzkräfte sein Fahrzeug im rund 20 Kilometer entfernten Freinberg. Das Auto war gegen einen Baum geprallt. Der 29-Jährige wurde tot im Wagen gefunden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gehen die Ermittler davon aus, dass sich der Mann während der Fahrt selbst in den Kopf geschossen hatte. Die Schusswaffe soll sich legal in seinem Besitz befunden haben. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Obduktion beider Leichen an. Die Spurenauswertung und weitere Befragungen dauern an.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Frage nach dem Motiv. Entgegen ersten Berichten handelte es sich bei Täter und Opfer nicht um ein Paar. „Der Täter war nicht der Ex-Freund des Opfers“, stellte die Staatsanwaltschaft gegenüber den „Oberösterreichischen Nachrichten“ klar. Nach bisherigem Ermittlungsstand hatte der Mann der Kollegin Avancen gemacht. Die 28-Jährige soll diese nicht erwidert haben und inzwischen eine andere Beziehung geführt haben.

Staatsanwalt Ebner erklärte gegenüber der APA, das Motiv liege nach derzeitigen Erkenntnissen offenbar in „unerwiderter Liebe“. Hinweise auf frühere Anzeigen wegen Stalkings oder andere polizeiliche Auffälligkeiten habe es bislang nicht gegeben. Der Beschuldigte sei zuvor nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Zum Zeitpunkt des Verbrechens war der Unterricht offenbar bereits weitgehend beendet. Nach Angaben der Ermittler gibt es bislang keine Zeugen, die Schüsse gehört haben.

„Um Frauen wirksam zu schützen, braucht es breite Unterstützung für einen entschlossenen politischen Kurs gegen Gewalt an Frauen“

Die Bildungsdirektion Oberösterreich kündigte umgehend Unterstützungsangebote für Schülerinnen und Schüler sowie für das Kollegium an. Bereits am Freitag wurde die Krisenhilfe Oberösterreich an der Schule eingesetzt. Gemeinsam mit Schulpsychologie, Gemeinde und Bildungsverwaltung soll über die weitere Gestaltung des Schulbetriebs entschieden werden. „Was geschehen ist, macht uns fassungslos und erfüllt uns mit großer Betroffenheit. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei allen Angehörigen sowie der Schulgemeinschaft“, erklärten Bildungslandesrätin Christine Haberlander und Bildungsdirektor Alfred Klampfer in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Auch auf Bundesebene löste der Fall Reaktionen aus. Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Justizministerin Anna Sporrer sprachen von einem weiteren Fall tödlicher Männergewalt. In einer gemeinsamen Erklärung betonten sie: „Wieder wurde ein Leben durch Männergewalt ausgelöscht. Um Frauen wirksam zu schützen, braucht es breite Unterstützung für einen entschlossenen politischen Kurs gegen Gewalt an Frauen.“

Der Begriff Femizid wird zunehmend für Tötungsdelikte verwendet, bei denen Frauen aufgrund geschlechtsspezifischer Macht- und Besitzvorstellungen getötet werden. Nach Angaben von Amnesty International wurden im Jahr 2026 bis Ende Mai bereits 13 Femizide in Österreich registriert, im vergangenen Jahr 16. Die Menschenrechtsorganisation verweist darauf, dass die Täter häufig aus dem persönlichen oder sozialen Umfeld der Opfer stammen.

Auch aktuelle Auswertungen zu Femiziden in Deutschland und Österreich zeigen, dass zurückgewiesene Annäherungen, Trennungen oder der Verlust von Kontrolle über eine Frau zu den häufig genannten Tatmotiven gehören. Experten verweisen seit Jahren darauf, dass tödliche Gewalt gegen Frauen häufig nicht aus dem Nichts entsteht, sondern Ausdruck von Besitzdenken und mangelnder Akzeptanz weiblicher Selbstbestimmung sein kann.

Im Fall von Taufkirchen an der Pram werden die genauen Hintergründe nun durch die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei untersucht. Die Ergebnisse der Obduktionen sowie die Auswertung der sichergestellten Spuren sollen weitere Aufschlüsse über den Ablauf der Tat geben. News4teachers 

Hilfe bei Suizidgedanken

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

Femizid im Gymnasium: 18-Jähriger wegen Mordes zu elf Jahren Haft verurteilt

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
27 Kommentare
unfassbar
1 Monat zuvor

Also eher eine Beziehungstat oder Liebeskummer oder Ehrverletzung.

Die Definition laut Amnesty ist mir zu allgemein. Für mich wäre es ein Femizid, wenn jemand eine Frau nur aufgrund ihres Geschlechts und ohne eine wie auch immer geartete Beziehung zwischen Täter und Opfer tötet.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Dann halt Liebeskummer oder Ehrverletzung. Da sich Täter und Opfer kannten, gibt es wie auch immer geartete Beziehung zwischen den beiden. Wenn sie sich nicht gekannt hätten, dann ließe ich den Femizid gelten, wenn das Geschlecht der Frau das überwiegende Mordmotiv war..

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Einen Femizid gelten lassen…sowas kann nur von einem weltfremden Mann kommen, den der allgemein zunehmende Frauenhass nicht betrifft.

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Femizid bedeutet auch immer Machtausübung der Frau gegenüber. Wenn ein Mann einer Frau mit zwei Waffen gegenüber tritt, was soll es denn dann bitte sein außer ein Femizid?

Hannah
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Unfassbar, dass sie beim Mord an einem Menschen, hier mal wieder einer Frau, darüber lamentieren ob es ein Femizid ist oder nicht. Bei ihnen ist der Name auch Programm.

Natürlich ist es ein Femizid, einer von vielen. Frauen sind nirgends sicher, es ist zum Kotzen. Und das Problem sind immer Männer!

Eachoneteachone
1 Monat zuvor
Antwortet  Hannah

Wie auch immer man es nennen will, die arme Frau ist tot. Wer es Femizid nennen mag, soll das tun.

Ein juristischer Begriff ist es aber nicht und ihn zu einem zu machen, wäre Blödsinn.

Vor Gericht gibt es bereits Mord aus niederen Motiven. Ob man jemanden tötet, weil er eine Frau, ein Ausländer, schwarz, weiß oder ein Mann ist, ist dabei (zurecht) gleich schlimm.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Eachoneteachone

Da beinahe jeden Tag in Deutschland eine Frau umgebracht wird, weil sie eine Frau ist und sehr viele Frauen verletzt werden, weil sie Frauen sind und eine sehr hohe Anzahl Frauen bedroht sind und werden, weil sie Frauen sind, bin ich hier für einen eigenen Straftatbestand.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Eachoneteachone

Es ist vielmehr höchste Zeit, dass für weltweit ansteigende Morde an Frauen auch juristisch der korrekte Begriff verwendet wird .
Hier wird Gewalt an Frauen beschönigend zu einem Partnerschaftsmord oder Verbrechen am Leben. Gleicht einer Verhöhnung all der Opfer, dass Ihr Mörder als Partner definiert wird. Diese unzähligen Verbrechen zielen auf weibliches Leben, das sollte bitte auch sichtbar benannt werden dürfen. Andernfalls gleicht die höchst ungenaue Ausdrucksweise einem männlich gewolltem Schleiertanz.

Unverzagte
1 Monat zuvor

Wird über die leider zunehmende Frauenfeindlichkeit in Schulen gesprochen ?

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Natürlich wird darüber gesprochen. Aber Schulen können nicht alles auffangen, was in Familien und in der Gesellschaft falsch läuft.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

So natürlich kann ich das leider nicht finden. Freut mich umso mehr, dass Sie das so erleben.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Wie würden Sie das denn konkret ansprechen, ohne in ein Wespennest zu treten?

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Wespennest?

Schotti
1 Monat zuvor

Wenn das Motiv Zurückweisung ist, dann liegt allerdings kein Femizid vor. Das ist dann eine klassische Beziehungstat.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Können wir gerne machen. Immerhin haben wir dann eine saubere Definition des Femizids und somit nur noch wenige Fälle davon.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Apropos gerne, sauber und wenig:

J e d e n (!) Tag geschieht allein in Deutschland Mord, Gewalt oder Sexualverbrechen an Frauen.

Wann fangen insbesondere akademische Männer an, diese zunehmende Problematik zumindest wahrzunehmen?

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Beziehungstat – Wikipedia
Die Kriminalstatistik registriert als „Beziehungstaten“ aber nicht nur häusliche Gewalt, die in Ehe, Partnerschaft und Familie begangen wird, sondern bezieht auch Delikte in formellen sozialen Beziehungen (Schule, Unternehmen, Behörde) und in informellen sozialen Beziehungen mit ein, wenn Opfer und Täter befreundet oder miteinander bekannt waren.[5]

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich habe nicht gewertet! Ich habe nur die derzeitige Definition Ihrer Aussage gegenübergestellt! Natürlich haben Sie Recht, aber die Definition, was eine Beziehungstat ist, sieht nun mal anders aus, als Sie in Ihrem Kommentar, auf den sich mein Link bezieht, schrieben. Sie bestehen doch sonst auch immer auf korrekte Aussagen.

Hannah
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

Zurückweisung ist natürlich ein ganz starkes Mordmotiv. Hört sich an als hätten sie Verständnis für den armen, zurückgewiesenen ‚Mann‘.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

Ok. Allmählich beginne ich das Ausmaß der Unfähigkeit, Frauenrechte anzuerkennen, zu begreifen.
Da möchte irgendein Kerl irgendeine Frau höflich umschrieben in Besitz nehmen. Sie sagt Nein. Er bringt sie um. Und schon ist es eine Beziehungstat und nicht etwa ein Femizid? Die Voraussetzung für den Mord ist doch, dass sie eine Frau ist und dass er sie als sexuell für sich nutzbar eingeschätzt hat, was sie ihm verweigert hat.

Allein in diesem kurzen Thread in einem anspruchsvollen Forum sind es zwei Personen, die den Zusammenhang von Sexualität und Femizid nicht begreifen und stattdessen von Beziehung reden. Das macht mich jetzt doch sehr betroffen.

TaMu
1 Monat zuvor

Staatsanwalt Ebner erklärte gegenüber der APA, das Motiv liege nach derzeitigen Erkenntnissen offenbar in „unerwiderter Liebe“.

Wenn ein Staatsanwalt in diesem Zusammenhang von „unerwiderter Liebe“ spricht, springt mir der Abgrund hinsichtlich der Frauenrechte, eigentlich der Menschenrechte, im deutschen Justizsystem förmlich entgegen.
Das Wort „Liebe“ hier auch nur zu verwenden ist infam.
Gier, Besitzdenken, sexuelle Lust und Phantasie… das ist keine Liebe! Sie hatte dazu Nein gesagt. Und nun wird ihm stattdessen staatsanwaltlich das Wort „Liebe“ geschenkt. Wer möchte ihn, den Liebenden, jetzt noch für Mord verurteilen?
Willkommen im Paradies der Incels!

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Seh ich ganz genauso. Derartige Verklärungen eines Staatsanwaltes zeigen das erschreckende Ausmaß an Ignoranz kombiniert mit problematischer Solidarität, die Hauptbestandteil des weltweiten Problems darstellt .