DRESDEN. Der Freistaat Sachsen braucht Lehrkräfte vor allem dort, wo der Personalmangel besonders groß ist – häufig außerhalb der Ballungsräume. Doch offenbar zieht es nicht alle Berufseinsteiger an diese Schulen. Nachbarländer registrieren ein wachsendes Interesse von Absolventinnen und Absolventen aus Sachsen. Die Staatsregierung hält dennoch an ihrer bisherigen Linie fest und will neue Lehrkräfte weiterhin gezielt in Mangelregionen einsetzen.

Der Lehrkräftemangel bleibt in Sachsen ungleich verteilt. Während insbesondere ländliche Regionen dringend Personal suchen, bewerben sich Lehramtsabsolventinnen und -absolventen offenbar zunehmend auch in den Nachbarländern Thüringen und Sachsen-Anhalt. Hintergrund ist nach einem Bericht der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung, dass manche Berufseinsteiger Stellenangebote im Freistaat ablehnen, weil sie nicht an Schulen in der sächsischen Provinz arbeiten möchten.
Belastbare Hinweise auf eine größere Abwanderungsbewegung gibt es allerdings bislang nicht. Thüringen registrierte seit dem 1. August 2025 insgesamt 75 Bewerbungen von Lehrkräften mit einem in Sachsen erworbenen Lehramtsabschluss. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 54. Das Thüringer Bildungsministerium spricht deshalb von einem grundsätzlich zunehmenden Interesse. Zugleich schränkt es jedoch ein, dass die vorliegenden Daten keine belastbaren Aussagen über tatsächliche Einstellungen zuließen.
Besonders in Ostthüringen, vor allem im Raum Altenburg, beobachtet das Ministerium ein wachsendes Interesse von Bewerberinnen und Bewerbern aus dem Raum Leipzig. Dieses richte sich vor allem auf Grundschulen. Landesweit liegt der Schwerpunkt der Bewerbungen dagegen beim gymnasialen Lehramt.
Noch dünner ist die Datenlage in Sachsen-Anhalt. Dort wird die Herkunft der Lehramtsabschlüsse grundsätzlich nicht erfasst. Nach einer stichprobenartigen Auswertung stammte zwar etwa ein Drittel der Bewerbungen aus Sachsen. Das Bildungsministerium betont jedoch ausdrücklich, diese Auswertung sei statistisch nicht abgesichert und deshalb kaum repräsentativ.
„Wir wollen die Bewerber gerne einstellen, aber dort, wo wir sie dringend brauchen. Wir bleiben bei unserem Kurs: Bildung darf nicht von der Postleitzahl abhängig sein“
An seiner bisherigen Einstellungspolitik will Sachsen ungeachtet dessen festhalten. Kultusminister Conrad Clemens (CDU) sagte: „Wir wollen die Bewerber gerne einstellen, aber dort, wo wir sie dringend brauchen. Wir bleiben bei unserem Kurs: Bildung darf nicht von der Postleitzahl abhängig sein.“
Nach Darstellung des Kultusministeriums erhalten Bewerberinnen und Bewerber grundsätzlich mehrere Stellenangebote. Ziel sei es, möglichst alle Lehrkräfte für Sachsen zu gewinnen. Für welche Stelle sich die Bewerber letztlich entschieden, liege jedoch in ihrem eigenen Ermessen. Es sei zudem selbstverständlich, dass sich Absolventinnen und Absolventen auch in anderen Bundesländern bewerben. Umgekehrt kämen jedes Jahr Lehrkräfte nach Sachsen, die ihre Ausbildung anderswo absolviert hätten.
Die laufende Einstellungsrunde sei noch nicht abgeschlossen. Nach Angaben des Ministeriums wurden bislang bereits mehr als 800 Arbeitsverträge geschlossen. Darunter befänden sich auch Absolventinnen und Absolventen aus anderen Bundesländern sowie Leipziger Lehrkräfte, die Stellen im Erzgebirge angenommen hätten – ebenso wie Bewerber für zahlreiche weitere Schulstandorte im Freistaat. News4teachers / mit Material der dpa
Angehende Lehrkräfte: Mit Prämie aufs Land gelockt und dann plötzlich gestrichen?










Auch wenn es den älteren DDR-Kollegen & Kolleginnen nicht gefällt, sollte sich Sachsen wirklich Gedanken über die Zukunft der Verbeamtung und der mit den Pöbeleien des Kultusministers einhergehenden PR-Schäden für das Bundesland auseinandersetzen. Wer hat schon Lust in irgendwelchen abgehängten und rechtsverseuchten Gegenden wie Bautzen etc. zu arbeiten, während genannter Minister bereits über die mögliche Einsparung der besetzten Stelle nachdenkt.
Andere Bundesländer bieten nunmal bessere Konditionen und erscheinen auch nicht derart unflexibel.
Wenn die Flucht vor der Provinz und die Bevorzugung der Großstädte und Ballungsräume anhält, dann müsste ja demnächst in Berlin der Lehrermangel Geschichte sein.
Mit dem „sicheren“ Job auf dem Kuhdorf lockt man heute keinen Jung-Akademiker hinter dem Ofen mehr hervor. Heute ist echtes Homeoffice gefragt (und kein tägliches über die Dörfer pendeln bei immer weiter steigenden Spritpreisen) und man will da, wo man lebt, auch ein kulturelles, vielfältiges Angebot haben.
Die Wirtschaft hat sich gewandelt, die Gesellschaft hat sich gewandelt. Nur die Schule scheinbar nicht. Da herrscht immer noch preußisch-kaislerliches Obrikeitsdenken vor: „Sei froh und dankbar, dass du für dein Geld da arbeiten darfst, wo es dem Dienstherrn gefällt.“ Da sagen sich viele: Dann doch lieber auf die lebenslange Fesselung verzichten. Man lebt schließlich nur einmal.
Wie stellen Sie sich das in der Realität in den Schulen vor?
Die Erstklässler werden dann digital einem Unterricht in der nächsten Uni-Stadt zugeschaltet?
Ne, da macht dann Lehrer Hoecke DU und alle hören zu.
Sorry, @Palim, das musste jetzt sein. Ohne Abordnungen und selbst dann wird das schwer zu lösen sein.
Aber wer will schon blaue Wunder erleben 🙁
Und auch AfDler dürfen Lehrer werden und dann wird Selbstregulation unnötig, da es dann ja „Regulation“ gibt.
Es muss sehr deutliche Anreize geben, Stellen an sehr unattraktiver Orten anzunehmen.
Das können finanzielle Anreize sein. Es könnte sich aber auch um eine Reduzierung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich handeln. Oder Personen- und Rechtsschutz in AfD- Hochburgen.
Sonst regelt das Arbeitsmarkt im Sinne einer Nichtbesetzung der Stellen.
Wie hoch sollen denn der finanzielle Zuschlag oder die Stundenentlastung sein? Die bisher angebotenen Brennpunktzuschläge für echte soziale Brennpunkte von 200€ oder so sind für das Land teuer, für den individuellen Lehrer lächerlich wenig.
Eigentlich gibt es immer auch ein paar Leute, die die Vorteile des Dorfes, besonders des Kuhdorfes, auch zu schätzen wissen – wie ich etwa, so lange das heilige Internetz da ist.
Da steckt doch mehr dahinter…
Ich denke, dass hier eher Sachsen das Problem ist.
Gut möglich. Oder eben (wie so oft) nicht direkt statistisch in Zahlen abbildbare Dinge.
Ob das Streichen der Zulage im Ref da vielleicht seinen Anteil dran hat.
Eventuell, will ich nicht in Abrede stellen. Nur der wesentlich größere Einfluss dürfte die Entfernung zum „Studienseminar“, der gegen die Aufnahme des Vorbereitungsdienstes an einer Schule am adW spricht. Die Rferendare und lehramtsanwärter sind nämlich während des Vorbereitungsdienstes beim „Seminar“ beschäftigt und werden lediglich an die Ausbildungsschule abgestellt. Im Regelfall hat man zwei Seminartage. Das führt zwangsläufig zu unnötig vergeudeter zeit, die man zwischen Seminar- und Schulstandort verbringen muss. Und wenn man dann noch auf den ÖPNV im ländlichen Raum angewiesen ist, weil man selbst kein Auto hat, dann ist klar warum sich alle Schulen in den Ballungsgebieten suchen.
Ja, würde man das im Home Office machen können, würde schon die Suche nach Mitfahrgelegenheiten vom Dörfchen ins Seminar entfallen. Das war sehr unangenehm, besonders im Winter.
Mir blüht der Spaß anders herum… Ich muss zum Seminar mit hoher Wahrscheinlichkeit an den adW
Wo ist denn der Seminarort in der Pampa? Bis auf Arnsberg und Paderborn fällt mir da nix ein.
Gut an PB war nur die Parkplatzsituation und die Nähe zur Kantine des HNF
Lehrerseminar Freudenstadt:)
In ländlichen Gebieten sind oft die Schüler – relativ – braver, das spricht dafür, sich zumindest am Anfang der Laufbahn willig dorthin zu begeben. Da man aufgrund der umfangreichen Unterrichtsvorbereitung und der Korrekturaufgaben ohnehin kaum Freizeit hat, ist auch ein Sparen für spätere Anschaffungen möglich. An meine Zeit in Niederbayern denke ich eigentlich ganz gern zurück.