
Mit einer umfassenden Kita-Reform und mehr Geld will die nordrhein-westfälische Landesregierung die Betreuung der Kinder in den Kitas auf eine verlässlichere Basis stellen. Der Landtag beschloss am Donnerstag in dritter Lesung die Novelle des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) mit den Stimmen von CDU und Grünen. SPD, FDP und AfD stimmten dagegen.
Umstritten war bis zum Schluss, dass der Einsatz von qualifiziertem Fachpersonal künftig auf Kernzeiten konzentriert werden soll. Randzeiten können mit anderen Betreuern abgedeckt werden, etwa staatlich geprüften Kinderpflegerinnen. Das Gesetz soll im Sommer 2027 zu Beginn des Kitajahres in Kraft treten.
Das sind die Neuerungen:
- Kernzeiten: Der Einsatz qualifizierten Fachpersonals kann in den Kitas künftig auf mindestens fünfstündige Kernzeiten konzentriert werden. Randzeiten können mit anderen Betreuern abgedeckt werden, etwa staatlich geprüften Kinderpflegerinnen und -pflegern. Nach Protesten von Eltern und Trägern wurde die Kernzeit von mindestens 25 auf mindestens 35 Stunden pro Woche erhöht. Damit werden die Randzeiten auf höchstens zehn Stunden pro Woche begrenzt. Das Kernzeitenmodell ist für Kita-Träger freiwillig und wirkt sich nicht auf die Finanzierung der Kitas aus.
- Buchungsschritte: Eltern können Betreuungszeiten für ihren Nachwuchs künftig in Fünf-Stunden-Schritten buchen, also flexibler als bisher. Möglich sind 25, 30, 35, 40 und 45 Wochenstunden.
- Gruppengrößen: Eine dauerhafte Überbelegung, etwa infolge des Zuzugs eines Kindes in einen Stadtteil oder ein Dorf, wird auf maximal zwei Kinder pro Gruppe begrenzt. In Akutsituationen wird die Überbelegung auf maximal zwei Kinder pro Gruppe für maximal sechs Wochen begrenzt. Damit sollen kurzfristige Schließungen einzelner Gruppen etwa bei Personalausfall aufgefangen werden.
- Ältere eingruppige Kitas werden weiterhin mit bis zu 15.000 Euro pro Jahr bezuschusst.
- Finanzmittel: Das Land stellt den Kitas landesweit unbefristet pro Jahr 200 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. 50 Millionen Euro fließen zusätzlich in die Sprachförderung.
- Das Kita-Helfer-Programm zur Entlastung der Fachkräfte von Alltagsaufgaben wird auf alle rund 10.000 Kitas in NRW ausgeweitet und gesetzlich verankert. Dazu plant das Land 37 Millionen Euro zusätzlich ein.
Massive Proteste gegen das Gesetz
Dennoch reißt die Kritik nicht ab. Aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW NRW) bleibt die Kita-Reform hinter den Herausforderungen zurück. Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft das Kern- und Randzeitenmodell. «Qualifizierte pädagogische Arbeit darf nicht auf Kernzeiten reduziert werden», so die Landesvorsitzende Ayla Celik.
Auch aus Sicht der FDP führen die Kernzeiten in Kitas faktisch zu einer Abwertung von Randzeiten. «Der frühkindliche Bildungsauftrag darf nicht in eine wertvolle Kernzeit und eine weniger wertvolle Randzeit zerlegt werden», heißt es in einem Entschließungsantrag. Das Gesetz schaffe keine Verlässlichkeit und entlaste auch Fachkräfte nicht.
Die SPD kritisierte, Ergänzungskräfte sollen nicht mehr unterstützen, sondern Fachkräfte ersetzen. Und das in einer sensiblen Phase des Kita-Tages, wenn Eltern ihre Kinder brächten. Das Modell werde auch keine Kita-Schließungen verhindern, wenn in Kernzeiten weiterhin nicht ausreichend Personal zur Verfügung stehe. «Sie verkaufen den Eltern Stabilität, liefern werden Sie die aber nicht», sagte der SPD-Abgeordnete Dennis Maelzer bereits bei der zweiten Lesung am Mittwoch.
Auch nach Ansicht der AfD senkt die Kita-Reform Standards und ersetzt qualifizierte Fachkräfte durch geringer qualifiziertes Personal. Damit werde kein Fachkräftemangel bekämpft.
Ministerin: Kitas müssen offen bleiben
Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) räumte ein, dass mit dem Gesetz nicht alle Kita-Probleme gelöst seien. Aber mit der Reform des Kinderbildungsgesetzes schaffe das Land mehr Verlässlichkeit in der Betreuung und verbessere die Bedingungen für frühkindliche Bildung. Schon am Mittwoch hatte Schäffer gesagt: «Die Alternative kann doch nicht sein, dass die Erdmännchen-Gruppe schon wieder geschlossen hat. Wir müssen doch dafür sorgen, dass die Kitas offen sind.» News4teachers / mit Material der dpa
Kita-Reform: Künftig gibt es „Kernzeiten“ und (dünner besetzte) „Randzeiten“










Ich finde die Entscheidung richtig, zwischen dem Recht des Kindes auf frühkindliche Förderung gemäß dem SGB VIII und Betreuung zugunsten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterscheiden. Für eine solide Förderung reicht auf jeden Fall ein Stundenumfang von 5 Stunden täglich. In dieser Zeit geht es dann auch um Dokumentation und gezielte Förderung. Zeiten darüber hinaus sehe ich auch im Sinne der Kinder als Freispielzeit, die in gleichem Maß, nur mit anderen Schwerpunkten, alle Sinne der Kinder und ihre Fähigkeiten fördert. In beiden Bereichen kommt es auf die Menschen an, die mit den Kindern arbeiten. Ankommen und Verabschieden sowie Freispielzeit, Spielideen, Malen, Basteln, Singen, Tanzen und Vorlesen können auch Fachkräfte, die keine Ausbildung zur Erzieherin, zum Erzieher haben. Als ehemalige Tagesmutter spreche ich da für mich und meine Kolleginnen, auch für die wenigen Kollegen, dass wir Kindern „ein Zuhause auf Zeit“ geben. Das kann in den Randstunden durch geschultes Personal sehr gut geleistet werden und den Kindern sehr gut tun.
Wichtig fände ich, dass die Eingewöhnung in der Kernzeit mit einer festen Bezugsperson stattfindet. Wenn das Kind gut angekommen ist, möchte es vielleicht sogar freiwillig früher in die Kita, um mit den bekannten Kindern zu spielen, unabhängig von den Betreuungspersonen. Die Eingewöhnung muss sehr sensibel begleitet werden.
Ich bin schon lange dafür, die soziale Komponente nach SGB VIII aus den Sozialkassen zu finanzieren und die reine Betreuung dem Wirtschaftsministerium zu überlassen, da in dieser Zeit Eltern zur Arbeit freigestellt werden. Das würde die Kitas deutlich aufwerten und fördern, da hier entsprechend dem Mehrwert der arbeitenden Eltern Finanzen eingesetzt werden müssten. Ich wundere mich, dass hier nicht über Transferleistungen gesprochen wird.
So fahren Eltern in ihre gekühlten Büros bei Bosch oder Daimler und speisen in einer hochwertigen Kantine, während ihre Kinder einen Arbeitstag in einer überhitzten Kita mit eingeschweißtem Billigessen aus dem Konvektor mit zu vielen Kindern in zu kleinen Räumen mit zu wenig Personal verbringen.
Ich weiß, dass nicht alle Eltern in eine so angenehme Arbeitsatmosphäre fahren. In meiner Region kommt es häufiger vor, deshalb erwähne ich es. Ich empfinde es als Aufgabe der Wirtschaft, die Kinder der arbeitenden Eltern gut zu zu versorgen.
Evtl. sollten die Mitglieder des zuständigen Ministeriums erst einmal ein Praktikum in den Kindergärten und Kitas absolvieren, um ein Gefühl für die Situationen vor Ort bekommen. Aber Bitte das Praktikum nicht in einem Leuchtturm sondern in einer Einrichtung, in der es „brennt“.
Diese Idee bitte gerne auch auf die Bundesebene übertragen. 😉