Start Leben Erfolgreiches Gleitzeit-Modell: Wenn Schüler den Beginn ihres Unterrichts selbst bestimmen

Erfolgreiches Gleitzeit-Modell: Wenn Schüler den Beginn ihres Unterrichts selbst bestimmen

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GÖTTINGEN. Später anfangen, früher gehen – und trotzdem verbindlich lernen: Eine berufsbildende Schule in Göttingen baut nach einer erfolgreichen Testphase ihr Gleitzeitmodell aus. Künftig können Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 11 und 12 einen Teil ihres Unterrichtsbeginns und -endes selbst bestimmen. Die Schule berichtet von höherer Motivation, besserem selbstorganisierten Lernen und einer überraschend konzentrierten Arbeitsatmosphäre; auch die Eltern ziehen eine positive Bilanz.

Schlafender Junge unter der Bettdecke
Weiterschlafen? Ja, bitte. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Den Unterrichtsbeginn selbst festlegen – das können ab dem neuen Schuljahr noch mehr Schüler einer Göttinger Schule. Nach einem aus Sicht der Einrichtung erfolgreichem Test im vergangenen Jahr wird die Gleitzeitregelung vom 11. auf den 12. Jahrgang ausgeweitet, wie die berufsbildende Arnoldi-Schule mitteilte.

«Die Jugendlichen melden zurück, dass sie die neuen Freiheiten schätzen. Sie fühlen sich motivierter, kommen lieber zur Schule und organisieren sich besser», berichtete Lehrer Michael Mahl-Kipshagen. Er ist für das Projekt zuständig. Nach der Berufsbildenden Schule in Rinteln hat seine Schule als zweite in Niedersachsen das sogenannte Cool-flex-Modell eingeführt. Einige weitere Schulen haben noch ähnliche Modelle, etwa Betreuungsangebote am Morgen.

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In Göttingen bedeutet «Cool-flex», dass die ersten und teilweise letzten ein bis zwei Stunden im Stundenplan «Cool-Stunden» sind. Welche dieser Stunden die Schülerinnen und Schüler besuchen, ist ihnen selbst überlassen – je nach Jahrgang und Fächerkombination ist der Besuch von vier bis sechs dieser Stunden aber Pflicht. Unter Aufsicht von Lehrkräften bearbeiten die Schüler in dieser Zeit Aufgaben in den Fächern Deutsch, Englisch oder Mathematik.

Die Schule in Rinteln arbeitet im Großen und Ganzen bereits seit 2023 mit dem gleichen Modell. In Göttingen wurde «Cool-flex» im vergangenen Schuljahr eingeführt – zunächst für den Jahrgang 11. Dieser behält das Modell nun auch im 12. Schuljahr; der neue Jahrgang 11 kommt hinzu. Um die Schulgemeinschaft zu stärken und voneinander zu lernen, besuchen die älteren und jüngeren Schüler dieselben Stunden.

Bei einer Befragung gaben den Angaben nach alle Schüler Fortschritte beim selbstorganisierten Lernen an. Mehr als 80 Prozent gaben an, mehr Motivation für die Teilnahme am Unterricht zu haben. Zudem lobten sie die hohe Ansprechbarkeit der Lehrkräfte. Die Lehrer wiederum hätten von einer überraschend ruhigen und konzentrierten Atmosphäre in den «Cool-Stunden» berichtet.

Wissenschaft für späteren Schulstart

Bereits zum Start des Projektes vor einem Jahr hatte die Göttinger Schlafmedizinerin Elisabeth Yoshida-Stiksrud gesagt, dass wissenschaftlich bereits lange klar sei, dass ein späterer Schulbeginn hilfreich für ältere Schüler sei. Ihre Aktivität verlagere sich in der Pubertät in die Abendstunden, so dass am Morgen mehr Schlaf benötigt werde.

Als Richtwerte für den Schulbeginn seien in der Wissenschaft bereits vor rund zehn Jahren 8.00 Uhr für die Grundschule, 9.00 Uhr für die Mittelstufe und 10.00 Uhr für die Oberstufe formuliert worden. Zudem sei ein gleichbleibender Schulbeginn wichtig. Das Kultusministerium macht dazu übrigens keine Vorgaben – in Niedersachsen ist lediglich festgelegt, dass der Unterricht nicht vor 7.30 Uhr beginnen darf.
Eltern: Flexibler Schulplan passt besser zum Alltag

In Göttingen sind laut Lehrkraft Mahl-Kipshagen auch die Eltern zufrieden. Der Pädagoge berichtet von Rückmeldungen, bei denen Eltern bekräftigten, dass die Flexibilität besser zum Alltag ihrer Kinder passe. So hätten Schüler nun die Möglichkeit, vor der Schule Fahrstunden zu absolvieren oder nach der Schule pünktlich zum Vereinssport aufzubrechen. Auch längere Schulwege oder Nebenjobs seien nun besser mit dem Schulalltag vereinbar.

Probleme etwa bei der Abstimmung mit dem Schulbusverkehr oder Schülern, die das Angebot nutzten, um die Schule zu schwänzen, gebe es kaum. «Schwänzen ist durch die Pflicht zur Führung von Anwesenheitsjournalen nahezu ausgeschlossen», sagte Mahl-Kipshagen.

Tatsächlich biete «Cool-flex» den Schülern auch die Möglichkeit, häufiger als nötig in die Schule zu kommen. Lehrkräfte könnten in den «Cool-Stunden» als sogenannten bunte Stunden etwa Yoga-Kurse oder Fahrradreparatur-Kurse anbieten. Auch könnten die Stunden für Projekte, eine Schulredaktion oder Präventionsprogramme genutzt werden. News4teachers / mit Material der dpa

Gleitzeit für Schüler im Modellversuch – begleitender Lehrer: „Für die Klasse und für mich ein Erfolg“

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33 Kommentare
Walhai
29 Tage zuvor

Die Schule soll ja auf das Leben vorbereiten. Für die Berufe, in denen man auch in Gleitzeit arbeiten kann, ist das also eine Vorbereitung.

Ich als Lehrer möchte auch gerne in Gleitzeit arbeiten. Geht das?

unfassbar
29 Tage zuvor
Antwortet  Walhai

Ich auch. Ich würde immer die letzten beiden Stunden ausfallen lassen, dafür immer zur ersten Stunde kommen. Endlich wieder vormittags recht haben, nachmittags korrigieren und abends Schluss haben. So wie in den Zeiten vor der Umstellung auf den Ganztag.

Mucho Marx
29 Tage zuvor
Antwortet  Walhai

Ja, das geht auf jeden Fall. Du könntest z.B. an eine dieser neoliberalen ich-ich-ich-Schulen gehen, in denen gemeinschaftlicher Unterricht als „aller Übel Anfang“ gilt, und die damit werben, dass sie den Lehrer überflüssig gemacht haben. Wenn Du Dich zum Lernbegleiter herabstufen lässt, dem es reicht, ab und zu mal ein Input zu droppen, und ansonsten zu schauen, dass die kleinen angehenden Arbeitskraftunternehmer ihre selbstorganisierte Zeit mit dem personalisierten Coaching am Apple-Tablet auch effizient nutzen… dann sollte das klappen mit der Gleitzeit YOLO-Style.

447
28 Tage zuvor
Antwortet  Mucho Marx

Sign me up!

Endlich kein böser Lehrer mehr sein, sondern human re-sauce manager!

Susanne M.
29 Tage zuvor
Antwortet  Walhai

Ich dachte das auch gleich: Dürfen die Lehrer auch?
Es gibt auch unter Lehrern Eulen und Lerchen. An meiner ersten Schule wurde da sogar noch darauf Rücksicht genommen bei der Planung.

Ute
28 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

klar, für Zufriedenheit und Attraktivität des Berufes. Wenn wir mit Gleitzeit und Homeoffice werben können, dann kommt auch wieder wer.

Thomas
28 Tage zuvor
Antwortet  Ute

nur mit mehr Gehalt und verbesserten Bedingungen wie 35 Stunden Woche, Deputat 18.

PetraOWL
29 Tage zuvor
Antwortet  Walhai

aber bitte doch und Homeoffice!!

Canishine
28 Tage zuvor
Antwortet  Walhai

Jaaa, bitte stellt doch endlich auf easy-teach oder flex-support um, Millionen von Lernbegleiter werden begeistert sein. Und entspannte Begleiter sind nachweislich bessere Begleiter. Endlich zu Zeiten zur Schule fahren, in denen der Verkehr nicht so dicht ist, noch schnell ein Tennismatch vor der Arbeit und der Yoga-Kurs zwischendurch (damit ich den Kurs für Schüler anbieten kann), Garten-Pflege, wenn die Pflanzen es brauchen, Arzt-Termine für meine angepeilte Dauerkrankschreibung werden einfacher (oder vielleicht unnötig) und endlich auf Klassenfahrten ausschlafen.Vielleicht kann ich mir die zu begleitende Schüler auch noch aussuchen? Damit die Chemie (bei mir eher die Physik) stimmt, das vereinfacht die Beziehungsarbeit.

Thomas
28 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

im Homeoffice ist sowas schon heute möglich und kann flexibel in den Tageskalender eingepflanzt werden, glauben Sie mal.
Schule ist von gestern

Realist
28 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

easy-teach“
„flex-support“

Sind das die neuen Gütesiegel für innovative Schulen? Machen sich bestimmt gut neben dem Hauoteingang und auf der Schulhomepage!

Die Balkon
29 Tage zuvor

Die Erfolgskriterien sind Zufriedenheit von Schülern und Eltern? Da lässt sich doch mehr draus machen.

unfassbar
29 Tage zuvor
Antwortet  Die Balkon

Zufriedenheit der Lehrer ist nicht erforderlich.

Leider klingt mir der Artikel zu positiv. Bei einer berufsbildenden Schule in den Jahrgängen 11 und 12 kann man allerdings von Schülern ausgehen, die keine Schulpflicht mehr haben, das Abitur aber freiwillig ablegen wollen. Somit kann man von einer gewissen intrinsischen Motivation ausgehen. Bei Berufsvorbereitungskursen würde ich das Programm so frei nicht durchführen.

Canishine
29 Tage zuvor

Wie cool und flexibel müssen denn die Kollegen für das neue cool-flex sein?

Realist
28 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Wahrscheinlich genauso „cool“ wie der Kollege, der bei welt.de vor kurzem geschrieben hat, dass er seinen Schülern jede Woche 300 Magnum Eis zur Belohnung ausgibt und schlechtestens eine Drei vergibt (und gleichzeitig die Inflation der 1er-Noten beim Abitur kritisiert…)

Canishine
28 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Na Na, keine Schleichwerbung … die Al..i-Version tut‘s auch.

PetraOWL
29 Tage zuvor

Ja, das wird immer mehr kommen und gehört zum Thema Freiheit und Flexibilität. Später ist es im echten Berufsleben auch so. Mein Hasi liebt es und ist daran vollkommen gewöhnt, während ich bei jedem Wetter den Wagen rausfahre. Das Leben da draußen hat sich geändert, die Arbeitsbedingungen der Lehrer aber nicht. Keine 35 Std, kein Homeoffice, keine Zulagen.
Gleitzeit, Homeschooling und Digitales sind ein erster Anfang 🙂 Endlich

Ute
28 Tage zuvor
Antwortet  PetraOWL

Einen Digitaltag kann ich mit durchaus vorstellen. Ich glaub, manche Schule hat das schon längst. Dieses Homeoffice.

Thomas
28 Tage zuvor
Antwortet  Ute

ja, gibt es 😉

Antoniatony
28 Tage zuvor
Antwortet  PetraOWL

Die ganzen Konzerne , die es während Corona gefeiert haben, gehen gerade wieder weg vom Home Office
Für Schüler hat sich sich gezeigt, sie lernen nicht im Home-Office, sie schlafen

Realist
28 Tage zuvor
Antwortet  Antoniatony

Perfekte Vorbereitung auf die „freie“ Wirtschaft, würde ich sagen…

dickebank
28 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Ja, lieber ein wackeliger Stehtisch in der „Wirtschaft“ umme Ecke als ein fester Arbeitsplatz

Realist
28 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

„Nach fest kommt ab“

„-ordnung“ wäre im schulischen Kontext noch zu ergänzen.

Thomas
28 Tage zuvor
Antwortet  Antoniatony

Das ist so nicht richtig, es wird nur zurückgefahren!
Z.B. von 4 oder 5 Tagen Homeoffice auf 2 oder 3.
Die Masse genießt sogar mindestens einen vollwertigen Homeofficetag pro Woche und kann den PKW stehen lassen!

Küstenfuchs
28 Tage zuvor
Antwortet  Thomas

Nur ca. 23-25% aller Arbeitnehmer haben überhaupt gelegentlich Homeoffice, da gehören Lehrer übrigens dazu. Wieso ist das die Masse?

vhh
28 Tage zuvor
Antwortet  Thomas

Es ist ja richtig, dass die Realwirtschaft (produzierend) in D immer kleiner wird, aber ‚die Masse‘? Bau, Chemie, Maschinenbau, Handwerk….was sind denn dann diese ‚Arbeiterberufe‘ im sekundären Sektor (ca.25% ohne Gastgewerbe)? Der restliche Pöbel? Der Homeofficeanteil liegt über alle AN bei ca. 25% aller Erwerbstätigen, die dürften alle aus dem tertiären Sektor (75% aller AN), Dienstleistung u.ä. kommen. Das bedeutet, etwa 1/3 aller dafür in Frage kommenden AN hat in irgendeiner Form eine Homeofficemöglichkeit. Die restlichen 2/3 nicht!
Wer in der Schule arbeitet, sollte vielleicht zu etwas mehr Differenzierung und Realitätssinn in der Lage sein. Man sollte die Lebensrealitäten seiner Schüler und Eltern halbwegs einschätzen können.

Realistin
28 Tage zuvor
Antwortet  Antoniatony

4-Tage Woche
30 % Homeschooling
und Gehälter um 17 % rauf

dizzy
28 Tage zuvor
Antwortet  Antoniatony

Also, die „ganzen“ Konzerne schon mal sicher nicht.
Hier in der Gegend haben nach der Corona-Homeoffice-Welle ihre nach und nach zusätzlich angemieteten Büroflächen wieder abgegeben.
Die können ihre Mitarbeiter gar nicht mehr alle zurückholen.
Zumindest nicht, ohne dafür wieder ganz schön was dafür auf den Tisch zu blättern.
Was ich so von Freunden höre, ist es jedesmal eine Katastrophe, wenn aus irgendeinem Grund mal möglichst viele anwesend sein müssen. Die stehen sich dann buchstäblich auf den Füßen, müssen den Laptop wirklich auf dem Schoß balancieren und die Parksituation ist der absolute GAU.

Küstenfuchs
28 Tage zuvor
Antwortet  dizzy

Ist ja schön, wenn Sie mir gefühlten Wahrheiten und putzigen Anekdoten argumentieren. Aber warum nicht einfach Fakten recherchieren (geht mit KI ganz einfach) und dann faktenbasiert Beiträge jenseits der Peinlichkeit posten?

Küstenfuchs
28 Tage zuvor
Antwortet  PetraOWL

Und mal wieder ist die Schülerhasserin am Start. Wenn Sie Kinder nicht mögen, wechseln Sie doch bitte den Beruf.

unfassbar
27 Tage zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Sogar mit ihren ganzen Persönlichkeiten Realistin, Thomas und Ute. Tanya, Tanyas Frau, Schnucki und Hasi genießen den freien Tag wohl auf der Terasse.

Teacher Andi
27 Tage zuvor

Wenn jede individuelle Befindlichkeit von Schülern in Betracht gezogen werden muss, dann gibt es eigentlich nur eine Lösung: die Lehrer zeichnen ihren Unterricht auf und schicken ihn den Kindern nach Hause, wo sie dann je nach Lust und Laune daran teilnehmen dürfen. Oder noch besser: wir brauchen keine Lehrer mehr, Lehrroboter und Internet genügen. Kommt unserer Regierung zugute, das spart Geld, das woanders ver(sch)wendet werden kann.
Die Schüler sollen ja zu mehr Eigenverantwortlichkeit erzogen werden und sind sicherlich ganz heiß darauf, ihre Lernzeit selbst einzuteilen und brav ihre 6 Stunden pro Tag flexiblen Distanzunterricht zu absolvieren. Das hat man ja während Corona durchaus beobachten können.
Bei beruflichen Schulen mag das Modell in der Regel funktionieren, in allgemeinbildenden eher nicht.

Rainer Zufall
26 Tage zuvor

„Bereits zum Start des Projektes vor einem Jahr hatte die Göttinger Schlafmedizinerin Elisabeth Yoshida-Stiksrud gesagt, dass wissenschaftlich bereits lange klar sei, dass ein späterer Schulbeginn hilfreich für ältere Schüler sei.“
Die Vorteile späterer Zeiten sind erstmal kein Argument für oder wider flexibler Zeiten. Genauso könnte auch für einen spätereren aber verbindlicheren Unterrichtsbeginn argumentiert werden, meine ich