Start Nachrichten Schülerproteste: „Gen Z regelt“ kritisiert Fokus der Öffentlichkeit auf Thema Gewalt

Schülerproteste: „Gen Z regelt“ kritisiert Fokus der Öffentlichkeit auf Thema Gewalt

19
Anzeige

KÖLN. Bei den Demonstrationen am Samstag wollen junge Menschen unter anderem für Klimaschutz und bessere Bildung auf die Straße gehen – doch die Inhalte drohen unterzugehen, befürchten die Veranstalter. Spekulationen über die Möglichkeit, dass es wie in Frankreich zu Ausschreitungen komme, okkupierten die öffentliche Wahrnehmung. Das Bundesinnenministerium sieht tatsächlich keine Hinweise auf geplante Gewalt – warnt aber vor einer möglichen Vereinnahmung.

Protest. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Vertreter der Initiative «Gen Z regelt» kritisieren, dass sich die öffentliche Diskussion zu den für Samstag geplanten bundesweiten Protesten vorwiegend auf die Sorge vor Gewalt konzentriert. «Das zeigt ja, dass unser Punkt, dass wir nicht ernst genommen werden und nicht gehört werden, auch stimmt. Denn keiner will sich mit uns um die Inhalte kümmern, sondern es ist immer nur das Thema Gewalt auf der Agenda», sagte Steve, der die Demonstration in München mit organisiert, bei einer Pressekonferenz in Köln.

Die Bewegung habe eine klare Leitlinie, wonach die Proteste ohne jegliche Gewalt ablaufen sollten, erklärte der 18-Jährige. Man werde «friedlich protestieren». Zugleich betonte er, dass die Demonstrationen dezentral organisiert seien. Die Teilnehmer der Pressekonferenz könnten nur für die Veranstaltungen in Köln, München, Berlin und Frankfurt sprechen, in denen es offizielle Ortsgruppen von «GenZ regelt» gebe.

Demonstrationen als «Hilferuf der Jugend»

Auf der Website von «GenZ regelt» sind Demonstrationen in 34 Städten angekündigt, an denen sich bundesweit insgesamt mehr als 160.000 Menschen beteiligen wollen. Dabei wollen junge Menschen unter anderem für bessere Bildung, Gesundheitsschutz, mehr Klimaschutz und gegen eine Wehrpflicht auf die Straße gehen.

Der Grund für die vielen verschiedenen Forderungen sei, dass es «einfach an jeder Ecke brennt», erklärte Steve. Die Proteste seien ein «Hilferuf der Jugend».

Enttäuscht über Distanzierung der Bundesschülerkonferenz

«Für politischen und sozialen Fortschritt brauchen wir junge Menschen, die gehört werden und die auch eine Chance bekommen, Politik mitzugestalten», sagte Emma Hübner von der Kölner «Gen Z regelt». «Als „Gen Z“ sind wir eine Generation junger Menschen, die wie nie zuvor in Deutschland aufgrund der alternden Gesellschaft zu wenig politische Macht haben.» Dabei seien junge Menschen entscheidend, um die Zukunft einer Gesellschaft zu sichern.

Hübner äußerte sich enttäuscht darüber, dass sich die gewählten Schülervertretungen von den geplanten Protesten distanziert haben. «Wir waren alle ziemlich irritiert und überrascht, weil wir die Bundesschüler*innenkonferenz schon früh kontaktiert haben und an einem Austausch interessiert sind.» Dieses Angebot stehe nach wie vor. Die Schülerkonferenz hatte sich wegen «unklarer» Organisationsstrukturen bei «Gen Z regelt» distanziert – und eine eigene Demonstration für Mitte November in Berlin angekündigt.

Ministerium: Linksextremisten greifen Aufrufe auf

Die Sicherheitsbehörden des Bundes haben keine weitergehenden Erkenntnisse zu Gewaltaufrufen oder geplanten gewalttätigen Ausschreitungen bei den für diesen Samstag geplanten Jugendprotesten. Das sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin. «Die öffentlich bekannt gewordenen Mobilisierungsaufrufe betonen vielmehr den friedlichen Charakter dieser Proteste, und sie distanzieren sich tatsächlich ausdrücklich von den gewaltsamen Auseinandersetzungen im Ausland.»

Gleichwohl griffen auch «Teile der linksextremistischen Szene sowie vereinzelt Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus» die Aufrufe auf, um sich an der Mobilisierung zu beteiligen, so die Sprecherin. Mit auslandsbezogenem Extremismus meinen Sicherheitsbehörden Ideologien, die sich auf politische Konflikte im Ausland beziehen wie zum Beispiel den Nahost-Konflikt.

Es sei zu unterscheiden zwischen den angekündigten friedlichen Schülerprotesten und einer gewaltbereiten extremistischen Szene, «die möglicherweise die Proteste nutzen möchte, um Gewalt zu verbreiten», sagte die Sprecherin. Bei Bedarf unterstütze die Bundespolizei die Länder. Falls nötig, würden auch Personen an den deutschen Landesgrenzen zurückgewiesen. News4teachers / mit Material der dpa

Geht „Gen Z regelt“ die Luft aus? Schülervertretungen zweifeln an Organisatoren der Proteste – und planen eigene Demonstration

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
19 Kommentare
Edy
3 Tage zuvor

Gegen sich sich selbst zu demostrieren, finde ich persönlich interessant, denn beim Thema: Klimaschutz macht ihr das tatsächlich.

Es ist ja kein Geheimnis, dass eure Generation mit die meisten Treibhausgase produziert – Milliarden unnützer Pakete x-mal um den Erdball schickt, retourniert und verbrennen lasst, unter anderem.

Sich mal an die eigene Nase fassen ist nicht eureres.

Vielleicht sollte man mal politisches Eingfreifen fordern, gegen diesen Wahnsinn, den ihr mit fördert, immer mit dem Handy vor der Nase, um kein Schnäppchen zu verpassen bzw. die neueste Mode.

Nächsten Sommer haben wir wieder ein Grad mehr, usw. usf., aber Einsicht: Fehlanzeige!

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Jau, die armen GenZler, die von Ihren Eltern in den Ferien auch immer auf diese klimaschädlichen Langstreckenflüge gezwungen wurden, um in den Urlaub zu flüchten oder auf beschneite Abhänge in den Alpen gescheucht worden sind. Und dann mussten die noch im Winter Erdbeeren oder Ananas essen.

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Das die GenZ aufhört rumzuheulen.
Gut dass uns Boomern alles zugeflogen ist und uns Sorgen um die Zukunft tangential an der Gesäßebene vorbei gehen konnten. Ausbildungsplätze und Lehrstellen waren auch im Überfluss vorhanden. Der einzige Vorteil war, dass sich ein Großteil der Altvorderen gegenseitig in die ewigen Jagdgründe befördert hatten. Somit hatten wenigsten die Alt-68er (übrigens definitiv keine Boomer) freie Bahn beim Marsch durch die Institutionen und alle Schaltstellen in Politik und Wirtschaft vor den Boomern besetzt. Ergo war das Boomerleben das reinste Zuckerschlecken in Relation zur GenZ. Und dann vermiesen die Alten den Jungen auch noch das Gapyear.

Na ja- ohne mich
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Die Senioren sind die, die am wenigsten AfD wählen.

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Vor allem von den Boomern selbst verursacht. Die Generation davor, die z.B. den Pfusch an der Infrastruktur verursacht hat, ist selbstverständlich aussen vor.
Ganz abgesehen davon dass in der Zwischenzeit schon Nachfolgegenerationen zu den Entscheidungsträgern gehören, da die Boomer in Rente gehen.

Jerunda
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Generation Boomer: 12 Fakten, die überraschen
Übrigens sind die bösen Boomer auch größtenteils schuld am digitalen Wandel, den die jüngeren nur ungern nutzen. 🙂
Der Beitrag der Baby Boomer für die Digitale Transformation 
„Babyboomer prägten als Fach- und Führungskräfte in Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Technik maßgeblich den digitalen Wandel mit.“
Aber auch da haben diese dummen Boomer nicht daran gedacht, dass diese Digitalisierung auch schlimme Nebenwirkungen auf die jüngere Generation haben kann. Die hatten/ haben leider keine hellseherischen Fähigkeiten.

Edy
22 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Finde ich schon mal gut, dass jemand erwähnt, dass die Erde kollabieren wird.

Die anderen Probleme würden sich damit ja quasi von selbst erledigen…

Wieso leben denn alle, als gäbs kein morgen – weils keins gibt oder weil man keins will?

Und wer will Kinder, wenn die Erde irgendwann kollabiert?

Ich kann ja auch nicht alles auf die Politik projizieren und auf Superreiche und auf die Chinesen.

Ich muss doch mal bei mir selbst anfangen, mich zu mäßigen.

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Nein, ich war nie bemüht. Hat auch niemals in einem meiner diversen Arbeitszeugnisse gestanden. Die genutzte Paraphrasierung lautete immet „stets zur vollsten Zufriedenheit“.

Opossum
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Sind die jungen Menschen bereit auf KI und die neusten Smartphones zu verzichten, um die Erde vom Abgrund zurückzubringen? Fahren sie keine Autos und fliegen nicht freiwillig um die Welt?
Die neue Generation wird genau so viele Fehler machen, wie alle anderen vor ihnen. Ob sie es schaffen, Demokratie zu erhalten, bleibt zu hoffen. Einige Arten von „Diskussionen“ heute sind von der Demokratie weit entfernt.

Edy
22 Stunden zuvor
Antwortet  Opossum

Die sollten erst mal eine Demokratie erschaffen. Und zwar mit sämtlichen Grundpfeilern.

Edy
23 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

„Klimaneutralität“, sollte sowieso zum Unwort des Jahres gekürt werden…

Sicher kann man alternativ leben, im Sinne von nicht täglich ein halbes Schwein vertilgen bzw. drei mal Mäces, den ganzen Müll auf der Straße lassen und täglich jeden Müll bestellen und wieder zurückschicken.

Das ist halb Business und keiner will es mäßigen. Jede Generation und so wirds unaufhaltsam…

Ich persönlich war noch nie besonders habgierig – und genau die Habgier ist das Problem, das niederste aller Motive.

Und das sollte man auch nicht auf Regierungen schieben – die spiegeln nur uns selber wider.

Dass es in der Generation viele vernünftige Leute gibt, will ich auch nicht außen vorlassen, aber in der Masse siehts leider anders aus.

Genau so, dass man eben gegen sich selbst demonstriert.

Erhard Schoppengerd
2 Tage zuvor

Vor einer möglichen „Vereinnahmung“ der Jugendproteste wird gewarnt. Wie sehr die Interessen der Überreichen und Vermögensbesitzenden längst die Politik bestimmen, wird dagegen selten gefragt. Wer viel besitzt, findet Gehör. Junge Menschen, die bessere Schulen, bezahlbares Wohnen und eine lebenswerte Zukunft fordern, müssen sich erst einmal gegen Verdächtigungen wehren.

Warren Buffett sagte schon 2006: „Es herrscht Klassenkampf, […] aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

Viele junge Menschen erleben genau das: Bestehender Besitz wird geschützt, für ihre Zukunft fehlt angeblich das Geld. Wenn sie dagegen friedlich demonstrieren, nutzen sie ihre demokratischen Rechte. Dazu sollten wir sie ermutigen und uns mit ihren Forderungen auseinandersetzen. Die ständige Diskussion über mögliche Gewalt lenkt davon ab, warum sie überhaupt auf die Straße gehen. Das ist demokratieschädlich.

Teacher Andi
1 Tag zuvor

Besitz ist Besitz, den man sich meist durch Fleiß und Motivation selbst erarbeitet hat. Das Ganze hakt nur an den immer noch nicht gelösten Problemen der Steuerhinterziehung, dem unkontrollierten Aktienhandel mit Gewinnen ohne Sozialabgaben und niederigeren Steuern als bei Einkommen, und was man meiner Meinung nach nicht vernachlässigen sollte, die Umwandlung von tausenden von Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in Bauland, das nach einer Wartezeit so non chalance die Bauern zu Multimillinären gemacht hat.
Hier ist die Ungerechtigkeit gegeben, und nicht im Enteignen und Verteilen des Besitzes auf alle anderen, denn dann geht es bald allen gleich schlecht.

ed840
11 Stunden zuvor

Die Forderung nach mehr Investitionen in Bildung ist m-M- schon berechtigt.

Wäre aber auch interessant, wenn man mal die relative Entwicklung der Bildungsausgaben pro Bildungsteilnehmer in den 1970er und 1980er mit denen in den 2020er vergleichen würde.

Bildungsausgaben in Deutschland im Zeitraum 1975–2010. Eine kritische Betrachtung vor dem Hintergrund der Generationengerechtigkeit | Springer Nature Link

IW-Kurzbericht_72_2017_Bildungsausgaben_seit_1995.pdf