Start Politik Sprachprobleme als (eine) Ursache: 20-Jahres-Hoch bei Schulabgängern ohne Abschluss

Sprachprobleme als (eine) Ursache: 20-Jahres-Hoch bei Schulabgängern ohne Abschluss

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BERLIN. Ohne Schulabschluss wird es auch mit der beruflichen Karriere schwer. Der Anteil der Jugendlichen, die ihre Schulzeit ohne Abschluss beenden, erreicht den höchsten Wert seit mehr als 20 Jahren.

Perspektive Lieferdienst. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

und weitere Studien zeigen seit einigen Jahren, wie es mit den Schulleistungen in Deutschland bergab geht. Die Auswirkungen werden auch am Ende der Schulzeit deutlich: Der Anteil der Schulabgänger ohne mindestens einen Hauptschulabschluss in der Tasche ist auf den höchsten Wert seit mehr als 20 Jahren gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt lag er im Schuljahr 2024/2025 bei 8,4 Prozent. Höher war der Anteil zuletzt 2002/2003 mit 8,9 Prozent.

In absoluten Zahlen verließen 65.000 Jugendliche im Schuljahr 2024/2025 die Schule ohne Abschluss, nach 62.000 im Vorjahr und 56.000 im Jahr davor – bei etwa 770.000 bis 800.000 Schulabgängern insgesamt. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren, im Schuljahr 2014/2015, lag die Quote bei 5,6 Prozent.

Das Bundesbildungsministerium äußerte sich besorgt. «Diese Zahlen müssen uns beschweren», sagte eine Sprecherin auf Nachfrage vor Journalisten in Berlin. Sie verwies auf politische Gegenmaßnahmen wie das sogenannte Startchancen-Programm. Darüber werden Schulen mit vielen Kindern mit Lernschwierigkeiten und aus Schülern ärmeren Familien extra gefördert. Eine Trendwende in der Bildung solle zudem ein neues Kita-Gesetz einleiten, über das der Bundestag am Freitag erstmals beriet.

Prien nennt frühkindliche Bildung «entscheidende Stellschraube»

Es sieht bundesweite Sprachtests in Kitas für vierjährige Kinder vor. Auch mathematische und soziale Fähigkeiten sollen erhoben werden, um im Bedarfsfall gezielt zu fördern, bevor Kinder in die Schule kommen. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) nannte das eine «entscheidende Stellschraube». «Wer die deutsche Sprache nicht erlernt bis zur Einschulung, wird große Schwierigkeiten haben, überhaupt im Bildungssystem anzukommen. Alles, was dann passiert, wird immer mehr zum Reparaturbetrieb», sagte sie dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2).

Auch der Deutsche Lehrerverband sieht Sprachprobleme als eine Ursache. «Wer die Sprache nicht beherrscht, verliert in der Schule oft den Anschluss; wer keine Perspektive sieht, verliert die Motivation», sagte Verbandspräsident Stefan Düll. Sprachförderung, Schulsozialarbeit und starke Netzwerke mit außerschulischen Partnern müssten deshalb zum Baustein eines ausgebauten Startchancen-Programms werden.

Grüne: Finanzierung stimmt hinten und vorne nicht

Im Bundestag kritisierten die Grünen aber eine aus ihrer Sicht fehlende finanzielle Unterstützung für die Länder, denn für die Pläne brauche es auch genug Personal. Für Kitas sind die Länder zuständig. Die Finanzierung stimme hinten und vorne nicht, sagte die Grünen-Bildungspolitikerin Anja Reinalter. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe eine große Kraftanstrengung für Bildung versprochen, wenn er das ernst meine, dürfe er nicht an der falschen Stelle kürzen.

Die schlechten PISA-Ergebnisse hatten zuletzt besorgte Reaktionen ausgelöst. Die 15-Jährigen in Deutschland hatten dabei so schwach abgeschnitten wie nie zuvor. Getestet worden waren Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Aber auch andere Vergleichstests bei jüngeren Schülerinnen und Schülern hatten in der Vergangenheit einen Abwärtstrend gezeigt. Merz hatte nach PISA gesagt, er wolle den Ländern ausdrücklich anbieten, noch einmal gemeinsam zu einer «großen Kraftanstrengung» zu finden, um die Situation der Bildung in Deutschland zu verbessern.

Experte wenig überrascht von den Zahlen

Der Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Prof. Kai Maaz, zeigte sich von den Schulabgängerzahlen nicht überrascht. «Wir sehen seit Jahren, dass mehr Jugendliche grundlegende Kompetenzziele verfehlen. Der Anstieg der Schulabgänge ohne Abschluss passt zu dieser Entwicklung», sagte er. Die 65.000 dürften aber nicht pauschal als Schulabbrecher bezeichnet werden. «Ein erheblicher Teil der Jugendlichen kommt aus Förderschulen; darunter sind auch junge Menschen, die ihren Bildungsgang erfolgreich abgeschlossen haben, aber keinen ersten allgemeinbildenden Schulabschluss erhalten.»

Schulen müssten früher und verlässlicher fördern können – besonders dort, wo viele Kinder unter schwierigen Bedingungen aufwachsen, forderte er. «Schulen mit vielen sozial benachteiligten Kindern brauchen bessere Bedingungen, um grundlegende Kompetenzen zu sichern.» News4teachers / Von Jörg Ratzsch, dpa

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7 Kommentare
SchadeMarmelade
1 Tag zuvor

Das Hauptproblem sind die Sprachprobleme der Eltern.

Die sind zweierlei Natur.

Wir bieten zu wenig Anreize und zu wenig Unterstützung beim Lernen der Sprache.
Die Eltern haben zu wenig Interesse? Lust? Druck? die Sprache zu lernen und sich an Schule, Gesellschaft und Bildung zu beteiligen.
Eltern sind das Vorbild für ihre Kinder. Wenn die Eltern nicht vorleben wie wichtig es ist zur Schule zu gehen, zu lernen und in Kontakt zur Lehrkraft zu bleiben/zu sein wird es der Schüler niemals lernen. Von wem auch?

Ich habe Eltern, die kein Deutsch sprechen aber über offensichtlich mit KI geschriebene E-Mails wenigstens permanent Kontakt zu mir als Lehrkraft suchen und fragen, wie es läuft.

Andere Eltern habe ich in 4 Jahren vielleicht einmal gesehen.

Dreimal darf man raten welche Kinder in der Schule erfolgreich sind und welche Probleme haben und Ende des Jahres wohl keinen Abschluss schaffen werden.

DienstnachVorschrift
1 Tag zuvor
Antwortet  SchadeMarmelade

Zusätzlich gibt es viel zu wenig Deutschkurse, vor allem weiterführende. In ländlichen Regionen sieht es mit dem Angebot teilweise ganz düster aus.

ed840
1 Tag zuvor

„Die 65.000 dürften aber nicht pauschal als Schulabbrecher bezeichnet werden. „

Sehe ich auch so. Vor allem da für die meisten die Schulkarriere längt nicht beendet ist, sondern in den Berufsschulen weitergeht und oft noch der ESA erreicht wird.

Laut Bildungsmonitor 2026 betrug z.B. die Erfolgsquote im BVJ je nach Bundesland zwischen 30,9% und 81,7%.

DerechteNorden
1 Tag zuvor

Wie viele dieser Kids sind Ukrainer*innen?

Realist
1 Tag zuvor

Alle schauen immer auf die Schule!

Dabei ist das Problem an den Unis doch viel schlimmer. Da gibt es Fächer, wo 80% der Studierenden die Uni ohne Abschluss verlassen.

Die Universitäten sollten ihre Lehre dringend reformieren: Individuelle Förderung, Inklusion und Heterogenität sind die Erfolgsrezepte, sagen zumindest Bildungswissenschaftler…

Hansjoachim
6 Stunden zuvor

«Wer die Sprache nicht beherrscht, verliert in der Schule oft den Anschluss; wer keine Perspektive sieht, verliert die Motivation», sagte Verbandspräsident Stefan Düll. 

Eine total überraschende Erkenntnis. Das konnte man vor 50 Jahren natürlich noch nicht wissen 🙂