FLENSBURG. Ein Gymnasium in Flensburg bietet kurz vor den Sommerferien Projekttage zum Thema Vielfalt an – und die Zahl der Krankmeldungen schnellt nach oben. Offenbar kein Einzelfall, wie Diskussionen im Netz nahelegen.

„Hallo, ich habe diese Woche eine Projektwoche, da ich nicht mit auf Klassenfahrt fahre und bin nicht hingegangen. Danach hat die Schule meine Eltern angerufen und jetzt soll ich mich im Sekretariat melden“, so schreibt ein Schüler auf dem Portal gutefrage.net (Fehler und fehlende Kommas im Original). „Deshalb brauche ich einen Rat wie ich es hin bekomme nicht zur Schule zu gehen ohne das es weiterhin auffällt. PS: meine Schule streng.“
Die Antworten fallen wenig verständnisvoll aus. „Eine Projektwoche stellt auch immer die Chance dar, Deine Talente zu beweisen. Warum nutzt Du sie nicht?“, so heißt es. Ein anderer meint: „Das wäre ziemlich ungerecht den anderen Schülern gegenüber, die zur Klassenfahrt gehen müssen und du dafür machen kannst, was du willst.“ Eine Lehrerin schreibt kurz und knapp: „Chronische Unlust entschuldigt nicht.“
Mitunter aber offenbar schon, zumindest aus Elternsicht. Ob Selbstverteidigungskurs, Ballett für Jungs oder Gebärdensprachkurs – an einem Gymnasium in Flensburg standen in der vergangenen Woche, also kurz vor den Sommerferien, Projekttage rund um das Thema Diversität auf dem Programm. Dämpfer für die Organisatorinnen, wie der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag berichtet: Etwa 130 Schülerinnen und Schüler, knapp ein Fünftel der potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wurden von ihren Eltern an den Projekttagen krankgemeldet.
„Wir wollen die Themen sichtbar machen. Sie sollen nicht einfach wieder verpuffen“
Viele seien kurzfristig krankgemeldet worden, die meisten für genau die beiden Tage, an denen das Projekt stattfindet. Die Lehrerin, die die Projekttage zusammen mit einer Schulsozialarbeiterin, der Gleichstellungsbeauftragten und einer Referendarin zusammen organisiert hat, betont: „Das sind so viele, das ist nicht mehr normal. Es ist erschreckend, aber nicht überraschend.“ Die Zahlen müssen die vier erstmal sacken lassen, heißt es. Die Gleichstellungsbeauftragte meint: „Wir werden evaluieren, was das für uns bedeutet.“
Die projektleitende Lehrerin fügt hinzu, dass man einige Schülerinnen und Schüler vielleicht nie erreichen könne. Sie hofft aber, dass alle anderen von den Projekttagen etwas mitnehmen können: „Wir wollen die Themen sichtbar machen. Sie sollen nicht einfach wieder verpuffen.“
Weitere Angebote in der Projektwoche waren zum Beispiel Ballett für Jungs, ein Debattierclub, eine Einführung in die Gebärdensprache oder ein Deutschrap-Workshop. Schon seit etwa anderthalb Jahren gibt es an der Schule ein Projekt mit dem Titel „For Fairness“. Einmal pro Monat können sich Schülerinnen und Schüler hier treffen, um sich über verschiedene Themen auszutauschen – auf Initiative einer Schülerin hin. Der Anlass: Eine Lehrkraft habe eine gute Freundin von ihr aus dem Unterricht verwiesen, weil sie ein kurzes Oberteil trug und die Jungs damit ihrer Aussage nach „ablenken“ würde.
Aufgearbeitet worden sei diese Situationen nicht, so berichtet die Schülerin gegenüber der Zeitung. Sie wollte sich gegen Diskriminierung einsetzen – und so entstand die Gesprächsrunde „For Fairness“. Bisher sei das Angebot noch nicht so gut angenommen worden, räumt die Lehrerin ein. „Und die, mit denen man sich unterhalten müsste, kommen nicht.“ Deshalb sei die Idee entstanden, das Thema mit Projekttagen breit aufzuziehen und an alle Schülerinnen und Schüler heranzutragen.
Rechtspopulistische Medien überschlagen sich mit Häme: Projekttage für Vielfalt? Die fehlenden Schülerinnen und Schüler hätten sich der „rot-grünen Indoktrinierung“ entzogen, heißt es.
Dass allerdings beileibe nicht nur politische Gründe Pubertierende davor zurückschrecken lassen, sich an für sie ungewohnten Formaten zu beteiligen, macht folgender Dialog auf gutefrage.net deutlich (Fehler im Original): „Also an meiner Schule gibt es jedes Jahr kurz vor den Sommerferien eine Projektwoche. Letzte Woche hat dann jeder fünf Projekte gewählt und heute beginnt jetzt die Projektwoche. Mein Problem ist das mein 5.Wunsch genommen wurde als Projekt – also Tanzen halt und ich das eigentlich gar nicht wollte. Hab das auch der Lehrerin gesagt, die hat sich auch bemüht mich in einen Kurs den ich möchte zu stecken. Problem ist, die sind alle voll und ich habe absolut kein Talent und auch keine Lust für das Tanzen. Werde heute auf jeden Fall hingehen und einmal mitmachen. Aber meint ihr, dass wäre theoretisch schlimm, die restlichen 4 Tage dann zu Schwänzen?“
Eine Lehrkraft antwortet diplomatisch: „Es ist ein kurzes Projekt, das du selbst gewählt hast. Warum auch immer. Was wäre denn so schlimm daran, einfach hinzugehen und mitzumachen? Es gibt keinen Druck, keine Noten, und du kannst selbst entscheiden, ob du dich mies fühlst, weil andere talentierter sind, oder dich einfach drauf einlässt und Spaß hast. Je weniger du vorher kannst, desto mehr kannst du lernen!“
Ob der Schüler dann doch teilnahm, ist nicht dokumentiert. News4teachers









Ja, das ist normal – leider! Das beobachte ich an meiner Schule auch. Projekttage zu verschiedensten Themen, Wandertage, etc. – erstaunlich viele in einer Klasse sind krank. Und nicht nur das: Auch an Tagen vor Klassenarbeiten sind oft sehr viele krank (manchmal kommt dann ein Kommentar von denen, die da sind: Ja, der muss für Mathe lernen…). Und die Eltern machen das mit, was ich nicht verstehen kann!
Ja, das ist normal, zum Glück. Wir haben dadurch weniger Arbeit mit den Unlustigen, die den anderen die Freude und Motivation nehmen.
Sehe ich anders. Der Organisationsaufwand ist sehr hoch und wenn im Extremfall dann nur die halbe Klasse da ist, lohnt es sich ja kaum. Dann kann man auch Unterricht bis zum Ende des Schuljahres machen.
Ja, Unterricht bis zum Ende des Schuljahres sollte auch wieder gängige Praxis werden und nicht die Ausnahme darstellen.
Gute Idee. Bin ich auch dafür.
Ich stimme euch beiden zu. Ich mache das und darf mir von meinen lieben Herrschaften aus der Schülerschaft anhören, dass das ungerecht sei, weil die anderen ….. Nö nicht ungerecht, mache meinen Job. Das Schuljahr geht nun mal bis zur Vergabe der Zeugnisse. Also solange keiner sein Zeugnis in der Hand hat, ist alles noch möglich.
Wäre traumhaft wenn die Erziehenden unserer Schülerschaft das auch mal endlich wieder einsehen würden. Ein Großteil kennt das wohl nicht mehr.
Das finde ich auch unmöglich! Auch gern genommen: Klassenarbeit angekündigt. Schüler fehlt am angekündigten Termin. Nachschreibtermin angekündigt, Schüler fehlt plötzlich doch länger. Einige Eltern versgen in ihrem Erziehungsauftrag aktuell dermaßen!
Da gibt es bei uns (BY) zum Glück die Möglichkeit der Ersatzprüfung (wenn auch der Nachtermin verpasst wird). Darauf habe ich einmal aufmerksam gemacht und angekündigt, dass ich davon auch Gebrauch machen werde (extreme Sonderfälle ausgenommen) – schwupps kam es nicht mehr vor!
Leider ist der Zeitungsartikel hinter der Paywall versteckt.
Fragen:
Wie groß war die Abwesenheitsquote bei anderen Projekttagen?
Wie groß war die Abwesenheitsquote bei den Lehrern?
Welche Schülerklientel besucht die Schule insgesamt? Welche Schülerklientel hat gefehlt?
Welche Angebote gab es? Die genannten Angebote wie Deutschrap, Selbstverteidigung oder Debattierclub können bei jeder anderen Projektwoche auch stattfinden.
Wie wurde der Vorschlag der Projekttage in der Lehrerkonferenz aufgenommen?
Ihre letzte Frage ist in der Tat unfassbar. Wieso erwarten Sie eine Antwort? Normalerweise wird ein Abstimmungsverhalten in einer Lehrerkonferenz nicht veröffentlicht und unterliegt zudem dem Dienstgeheimnis.
Mir geht es nicht um das konkrete Abstimmungsverhalten, mit geht es um die Diskussion während der Konferenz, als das Thema erstmals präsentiert wurde. Wie viele sind engagiert vorgegangen bei Themen, die zur aktuellen Auslegung von “Vielfalt” passen? Deutschrap oder Selbstverteidigung haben nicht zwingend etwas damit zu tun.
Eine Lehrkraft habe eine gute Freundin von ihr aus dem Unterricht verwiesen, weil sie ein kurzes Oberteil trug und die Jungs damit ihrer Aussage nach „ablenken“ würde.
Bei uns wurde mal eine Kollegin von einer Abteilungsleitung darauf hingewiesen, dass “bauchfrei” nicht angebracht sei. Die betroffene Kollegin war Ende 50 und der Bauch nicht mehr in bester bzw. fester Form.
Eine Realschule, so stand es im Lokalteil unserer Zeitung, hat sich jetzt eine Kleiderordnung für Schüler gegeben. Der Brustansatz muss mindestens eine Handbreit verdeckt sein. Mein erster Gedanke? Wessen Hand? Bloß nicht noch so einen bereits verlorenen Kampf beginnen.
Wenn Vielfalt das Thema der Projekttage war, dann kann Abwesenheit ein Beitrag dazu sein.
Vielleicht war die Organisation und Kommunikation zu den Projekttagen nicht sonderlich gelungen.
Was haben Alter und Physiognomie der Lehrkraft mit dem Für und Wider bauchfreier Oberteile zu tun?
Ob deren Angemessenheit bei Amtspersonen, die Lehrkräfte auch sind, lässt sich trefflich streiten. Aber diese Erläuterung ist redundant, sexistisch und altersdiskriminierend und deshalb abzulehnen.
Ganz einfach: Unangebrachte Kleidung gibt es auf beiden Seiten des Pults.
Problem nicht erkannt? Schade.
Eben, da können Sie sich den anderen Anwurf sparen.
Wenn’s nicht aussieht, sieht’s nicht aus!
Auch Sie wollen nicht verstehen?!
Außer dem letzten Satz verstehe ich den Zusammenhang zum Artikel nicht.
Aus Elternsicht und aus meiner eigenen Schulzeit kann ich nur sagen: blöd, aber nachvollziehbar. Die Schule soll sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, die sie heute dank Lehrermangel, irrsinniger Wohlfühldidaktik und Schülern in falschen Schulformen immer öfter nicht zufriedenstellend erfüllt. Das soll keine Kritik an den Lehrern sein! Generell darf in der Schule auch wieder mehr Unterricht und weniger Halligalli stattfinden. Mit der wertvollen Lernzeit der Kinder und Jugendlichen sollte das Bildungssystem sorgsamer und effizienter umgehen.
Vielfalt, Toleranz, Respekt, Demokratie, Haltung, Diversität. Das sind die Schlagworte unserer Zeit und es ist durchaus wünschenswert, dass die Schüler das LEBEN. Das wird man aber nicht mit einer Art Trichter oder Bestrahlung von oben herab erreichen können und je schriller diese “Angebote” werden, umso größer wird der Widerstand dagegen. So funktioniert das einfach nicht.
Da haben Sie aber etwas ganz Grundlegendes nicht verstanden: Werte wie
„Vielfalt, Toleranz, Respekt, Demokratie, Haltung, Diversität“ zu vermitteln, IST Teil unserer Kernaufgaben – und nur als Ergänzung: Das ist keine Meinung, sondern eine Tatsache; kann man in Bildungsplänen nachlesen!
Ja, aber man vermittelt Werte, indem man sie im Alltag lebt, indem man Probleme sieht und angeht, sexistische Beleidigungen hört und thematisiert, indem man auf homophobe Witze eingeht statt mitzulachen…
Das ist eine völlig andere Sachen als z.B. Jungs in Strumpfhosen Ballett tanzen zu lassen.
Das ist doch kein „Entweder-oder…“: Solche Projekttage werden doch nicht anstatt sondern zusätzlich veranstaltet – sie sind Teil eines Gesamtkonzepts, das selbstverständlich auch im Schulalltag relevant und präsent ist.
Und sorry, „Jungs in Strumpfhose, die Ballett tanzen“ ist zum
einen äußerst ungewöhnlich und zum anderen (wenn überhaupt) nur ein Angebot! Sicher wurde niemand in Strumpfhosen gezwängt!
Das Problem ist hier m.E., dass man plakativ Klischees bedient:
Ist es normal, dass Jungs Ballett machen? – Ja, natürlich! Ein Schüler meiner Klasse macht bspw. auch Ballett und es ist schön, dass ihm das Spaß macht. Aber das gehört doch nicht in einer Projektwoche zur Vielfalt, so nach dem Motto: “Jetzt könnt ihr Jungs mal was total Unmännliches machen und Ballett tanzen!”
Mädchen sollten gerne Selbstverteidigung bzw. Selbstertüchtigung lernen, das ist eine tolle Sache. Aber bitte doch nicht, weil es so wenig mädchenhaft wäre, dass man es jetzt plakativ in einer Projektwoche zu Vielfalt machen müsste.
Wir haben – wie an jeder Schule – mehrere offen schwule, lesbische und transsexuelle Kinder und Lehrkräfte. In einer einzelnen Klasse gab es jetzt ein trans-Kind und einen schwulen Schüler. Denen war es wichtig, eine ganze Reihe von Dingen “für” ihre Klasse zu machen: Jemanden zum Thema einladen, einen passenden Film schauen, einen Vortrag, noch ein Plakat usw.
Irgendwann hatte der Rest der Klasse einfach die Nase voll davon. Nicht, weil sie es schlimm fanden, schwule und transsexuelle Mitschüler zu haben, sondern weil es immer wieder aufgeworfen und in den Mittelpunkt gestellt werden musste.
Klar, wir leben in einer hetero-normativen Gesellschaft. Aber wenn ich etwas als “normal” ansehe, dann sollte man es auch nicht jedes Mal wieder als “Besonderheit” herausstellen. Und dieses Herausstellen geschieht auch, wenn man normale Sachen wie Ballett oder Selbstverteidigung unter “Vielfalt” als etwas ganz Besonderes darstellt.
“Aber das gehört doch nicht in einer Projektwoche zur Vielfalt, so nach dem Motto: „Jetzt könnt ihr Jungs mal was total Unmännliches machen und Ballett tanzen!“”
Das sehe ich komplett anders. Jeder Fachunterricht und auch jedes Projekt lebt von der Schwerpunktsetzung.
Entgegen Ihrer Eingangsrelativierung
“Ist es normal, dass Jungs Ballett machen? – Ja, natürlich!”
sieht die Realität in dieser Haltung anders aus.
Dabei sei anekdotisch ein eigene Erfahrung genannt. Grundschule meines Sohnes. Meine Frau steht mit unserem Sohn im Gespräch mit einer anderen Mutter, die ihre Tochter dabei hat. Nach einiger Zeit sagt meine Frau: “So, wir müssen jetzt schnell los zum Balletttraining unseres Sohnes!”. Antwort andere Mutter: “Aber da wird EUER SOHN DOCH SCHWUL!”
Folge: Unser Sohn ist seit dem nie wieder zum Ballett gegangen. Ich bin mir sicher, er wäre ein super Tänzer geworden.
Leider reicht die elterliche Fürsorge. Liebe, Zuversicht und das Zutrauen in den eigenen Sohn nicht aus, um solche leichtfertigen aber schwerwiegenden Aussagen zu kompensieren.
Offenbar bekommen weder viele Eltern noch viele Kinder ohne gezielte Aufforderungscharakter mit, dass Ballett eine normale Sache für Jedermann und -frau und dazwischen ist.
“Mädchen sollten gerne Selbstverteidigung bzw. Selbstertüchtigung lernen, das ist eine tolle Sache. Aber bitte doch nicht, weil es so wenig mädchenhaft wäre, dass man es jetzt plakativ in einer Projektwoche zu Vielfalt machen müsste.”
Auch diesen Einwand kann ich persönlich nicht nachvollziehen.
Fehlende Vielfalt in der Gesellschaft ist doch eine Ursache für Diskriminierung auch und vor Allem gegen Frauen.
Es geht auch nicht darum, ob SV eine spezifische Frauensportart sei.
Es geht darum, dass es noch immer ein zu großes Machtgefälle zwischen Mann und Frau gibt, welches sich zu oft in Gewalt gegen Frauen äußert.
Natürlich ist die Beseitigung des gesellschaftlichen Machtgefälles zwischen Mann und Frau zu priorisieren, auch in einer thematisch angelehnten Projektwoche . Das schließt jedoch nicht aus, dass parallel Frauen/ Mädchen auch dazu befähigt werden, sich zunächst gegen die Folgen daraus zur Wehr setzen zu können.
Offensichtlich ist in diesem Kontext wohl oftmals Gewalt gegen Frau “normal”.
“Nicht, weil sie es schlimm fanden, schwule und transsexuelle Mitschüler zu haben, sondern weil es immer wieder aufgeworfen und in den Mittelpunkt gestellt werden musste.”
Bei all den Beispielen, die unsere Gesellschaft uns leider serviert, ist es mMn komplett irrig (von SuS) anzunehmen, Hinweise, Aktionen, Events und Projekte zu diesen Thematiken seien nervig, überflüssig und würden zu oft in den Mittelpunkt gestellt.
Es ehrt Sie, dass sie all diese Dinge völlig normal finden. Tue ich auch.
Dabei darf man jedoch nicht verkennen, dass es leider noch immer in unserer Gesellschaft von einer Vielzahl noch nicht als normal angesehen wird.
Sehr geehrter Fresch L,
Ihre Annahme, es sei komplett irrig anzunehmen, diese Thematiken seien nervig, muss ich aufgrund meiner Erfahrungen mit meinen eigenen Kindern und deren Freunden widersprechen.
Keiner dieser Jugendlichen ist vielfältigen Lebensentwürfen/-läufen/-entscheidungen negativ gegenüber eingestellt. Das von Sepp beschriebene Herausstellen wird jedoch als enorm nervend und belastend beschrieben. Vergleichbar ist diese Überfrachtung beispielsweise mit dem Thema Nationalsozialismus, das ebenfalls den Jugendlichen zum Hals heraushängt, da es über mehrere Schuljahre hinweg thematisiert wurde.
Irgendwann ist bei jedem ein Kipppunkt erreicht. Wenn dann noch organisatorische Gründe hinzukommen, Kinder an Projekttagen dem 3. oder 4. Wunsch zugeordnet werden, braucht man sich über die im Artikel beschriebenen Reaktionen nicht wundern.
Als Elternteil kann ich da diese Reaktionen durchaus verstehen und wäge eigenverantwortlich ab, ob eine Teilnahme für meine Kinder sinnvoll ist.
Aber wenn ich etwas als „normal“ ansehe, dann sollte man es auch nicht jedes Mal wieder als „Besonderheit“ herausstellen. Und dieses Herausstellen geschieht auch, wenn man normale Sachen wie Ballett oder Selbstverteidigung unter „Vielfalt“ als etwas ganz Besonderes darstellt.
Soooo ist es!
Richtig! Ich verstehe das Herausstreichen der Sonderaktivitäten und Sonderprofile von Schulen auch nicht. Dadurch entsteht nur der Eindruck, hier würde Absonderliches gepflegt und nicht Sebstverständliches.
Welcher Eindrück entstünde wohl, wenn eine Schule sich “Schule für Lesen, Schreiben und Rechnen” nennen würde?
Das möchte ich auch nicht bestreiten, es bleibt aber die Frage des Wie. Ich bin der Überzeugung, dass das am besten implizit funktioniert, und nicht wenn man plakativ schon die ganze Woche mit “Vielfalt” überschreibt. Viele Menschen fühlen sich von diesem zunehmendem Haltungsfuror übergriffig drangsaliert, noch dazu, wenn sie innerhalb der Schulpflicht (!) dazu gezwungen werden sollen. Die Schüler sind ja nicht doof und haben längst bemerkt, dass dieser Aktionismus z.B. direkt mit bestimmten Wahlergebnissen zusammenhängt.
Früher standen bei der Projektwoche die Themen und der Spaß im Vordergrund. Da ging es um Musik (auch internationale), Theater, Technik, Natur, Sport (z.B. Paralympics), Gesellschaft (z.B. Zeitzeugen befragen im Altersheim), Literatur usw. usf… die oben genannten Schlagwörter konnten da überall implizit adressiert werden. Das geht heute natürlich nicht mehr, denn da muss in der Schule gleich die Demokratie, das Klima oder die ganze Welt gerettet werden.
„Vielfalt“ ist keine Meinung oder eine politische Haltung, sondern eine Tatsache!
Die Schule IST vielfältig und zwar in jeglicher Hinsicht: Alter, Geschlecht, kulturelle und soziale Herkunft, Interessen, Fähigkeiten, pol. Überzeugungen(!), familiärer Hintergrund, körperliche Voraussetzungen uvm.
Der Umgang mit dieser Realität hat nichts mit Wahlergebnissen zu tun, sondern mit dem Bedürfnis und der Notwendigkeit gut miteinander auszukommen, sich kennenzulernen und vielleicht auch voneinander zu lernen….
Und das war früher nicht so? Da waren alle gleich oder wie?
H. F. schrieb es doch … Es geht um das “Wie” für viele Leute und nichtmal direkt um das “ob”.
Wir grenzen diese Vielfalt aber durch Lernleistungsgrenzen (Grundschulempfehlung, Benotung), durch Unterricht in Jahrgangsklassen, Gliederung in Schuljahren,… ein, damit wir effizienter mit den Kindern arbeiten können. Es beginnt im Kiga mit der Schulfähigkeitsuntersuchung.
Daher ist eine gewisse Vielfalt, wie sie es beschreiben, zwar gegeben, sie hält sich aber die Waage mit dem Vereinheitlichungsgedanke. Wir normieren auch die (Verhaltens-)Regeln in der Schule, da eine vielfältige Auslegung dieser Regeln zu Chaos führen würde. Sie beschreiben das mit der Notwendigkeit gut miteinander auskommen zu müssen.
Deshalb sollte meiner Ansicht nach zwar das Thema Vielfalt thematisiert werden, aber meine Erfahrung zeigt, dass dies in so großem Maße erfolgt, dass es mittlerweile kontraproduktiv ist.
Das hat H F. durchaus verstanden.
Er hat es sogar verinnerlicht, was daran deutlich wird, dass er sagt, diese Werte müssten gelebt und vorgelebt werden.
Meine vollste Zustimmung dazu!
Der Anruch von von oben verordneter Gesinnungsbildung ist in meinen Augen in der Regel kontraproduktiv, (vollkommen unabhängig davon, was so in Bildungsplänen zu lesen ist oder nicht.)
So ist es. Die Schule hat kann daraus übrigens aus etwas lernen – und zwar in Sachen Demokratie.
Letztlich ist das Beschriebene Verhalten eine Art “Abstimmung mit den Füßen”
Mich würde interessieren, ob Projekttage zur Vielfalt als einziges Loblied auf die Vielfalt gedacht sind oder ob auch begründete Bedenken gegen eine grenzenlose Vielfalt und Toleranz erlaubt sind, ohne dafür schief angeguckt und beschimpft zu werden.
Ich kann mir gut vorstellen, dass einige SuS und Eltern den Eindruck haben, die Kinder und Jugendlichen sollten bei diesem Projekttag nur indoktriniert werden und den Mund zugeklebt bekommen für Gedanken, die unerwünscht sind und bestraft werden sollen durch Ausgrenzung und Ächtung.
Insofern stimme ich Ihnen zu, wenn Sie von „Abstimmung mit den Füßen“ sprechen.
Wo genau sehen Sie “Indoktrination” bei dem beschriebenen Projekt? (Oder geht’s Ihnen mehr ums Grundsätzliche – gegen Vielfalt, für Einfalt?)
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das Gegenteil von Vielfalt wäre nicht Einfalt, sondern Wenigfalt (als Substantiv), und vielfältig steht gegen einheitlich. Das Wort „Einfalt“ bzw. Einfältig ist doch stark wertend konnotiert, bringt zwar den Lacher (siehe Christian Wulff), aber wird dem Thema nicht gerecht.
Und ich kann mir gut vorstellen, dass Sie hier populistischen Bullshit absondern.
PS: zu den Lernzielen gehört auch, sich argumentativ mit Meinungen auseinander setzen zu können, die der eigenen widersprechen. Das reflexhaft geäußerte „ nicht die Kinder und Jugendlichen sollten bei diesem Projekttag nur indoktriniert werden und den Mund zugeklebt bekommen für Gedanken, die unerwünscht sind und bestraft werden sollen durch Ausgrenzung und Ächtung.“ ist ein deutliches Zeichen dafür, sich solchen Auseinandersetzungen zu stellen.
Wer hat denn Lust oder Mut, “sich solchen Auseinandersetzungen zu stellen”, wenn dafür meist prompte Abstempelungen als “populistischer Bullshit” oder demokratiefeindliche (rechtsextreme) Einstellung droht?
Leider werden ja Sachbeiträge oft gar nicht mehr ohne moralische Überheblichkeit diskutiert, sondern sofort in unterste Schubladen gesteckt und für persönliche Beschimpfungen benutzt.
Loblied. Die Gründe habe ich schon vorher genannt.
In unserer Klasse haben bei einem Projekt – bzw. Versuch 80% Klasse für AfD abgestimmt. Würde danach mit den Kinder darüber gesprochen? Nein. Würde irgendwelcher Workshop organisiert? Nein. In irgendwelchem Fach das Thema angesprochen? Nein.
Es gibt sogar ein Chat mit rechtsextremen Inhalten – viele aus anderen Klassen sind auch dabei. Wenn meine Kinder darüber Bescheid wissen und sie sind nicht dabei, komisch dass die Schule keine Ahnung davon hat. Es sind zu viele Kinder dabei. Außerdem Beleidigungen in dem Sinne sind an der Tagesordnung – in der Pause, im Klassenzimmer, am Schulhof, im Sport.
Wie gesagt – eine Projektwoche für solche Themen ist einfach lächerlich.
Wie schon gesagt: private Chats gehen die Schule nichts an. Das ist Ihre Aufgabe, Mutti.
Eine so erstaunlichen “Argumentation” mit sehr kreativem Satzbau in einem Bildungsblog ist schon bemerkenswert.
Was ist denn “unsere Klasse” und was hat das mit dem Thema zu tun? Und wer ist wie und wo “dabei”?
Und was hat Ihr unzusammenhängendes Geschreibe damit zu tun, dass angeblich eine Projektwoche für solche Themen lächerlich sei?
Es wäre schön, wenn innerhalb einer Diskussion wenigstens die ausgetauschten Argumente in halbwegs nachvollziehbaren Sätzen artikuliert würden.
Selten so eine … Antwort gelesen.
Projekttage, Sporttage, Wandertage, usw sind in jeder Schulform vor den Ferien üblich. Die Noten stehen fest. Die Luft ist raus. Man macht nochmal etwas anderes mit den Schülern.
All das wussten Sie, wenn Sie Lehrer wären oder/und schulpflichtige Kinder hätten.
Aber es gibt halt leider Personen in diesem Land, die überall den Kampf gegen Nazis sehen.
Andererseits wäre ich auch für folgende Änderung. Die Schüler erhalten die Zeugnisse an Ende der oder in den Sommerferien. So könnten Klausuren bis zum Beginn der Sommerferien geschrieben werden. Wir hätten eine Woche Korrekturzeit und dann die Zeugniskonferenzen. Sommerferien auf vier Wochen verkürzt und die beiden fehlenden Wochen als persönlich individuell planbare freie Tage.
Demokratie: Lasst die S*S doch einfach immer über alles abstimmen, egal, was am Ende dabei herauskommt.
Ach, nee, lieber nicht, vielleicht stimmt die Mehrheit dann doch für das Thema “Vielfalt”, stimmt’s?
Oder dagegen. Aus dem Grund wird über so etwas ja nicht abgestimmt, weil das Risiko zu groß ist.
Vielleicht aber auch doch.
Ich denke nämlich, dass man das Thema sehr gut präsentieren kann.
Die Kids, die nicht an der ProWo teilnehmen, nehmen aus anderen Gründen nicht teil.
Wir hatten keine Thema-ProWo, zu der aber auch sehr viele Kids fehlten, obwohl es viele spannende Projekte gab und die meisten Kids ihre Erstwahl erhalten hatten.
Das Problem ist also ein anderes. Es liegt doch wohl daran, dass die Eltern ihren Kindern vermitteln, dass die letzte Schulwoche eh unwichtig ist, da die Zeugnisse bereits fertig sind.
1. Die letzte Schulwoche ist unwichtig
2. Ob ein Projekt aus Sicht der Kids spannend ist, kann ein Lehrer schlecht beurteilen
Zu 1.: Nein, ist sie eben nicht.
Zu 2.: Das ist der falsche Ansatz, der uns alle in Teufels Küche bringt.
Meinen Kindern vermitteln die Lehrer selbst, dass die letzten Wochen unwichtig sind. Während ich mit meinen Grundschülern noch Stoff bearbeitete und wiederholte, genossen meine eigenen Kinder fast täglich Videos. O-Ton: „Jetzt will auch noch Frau/Herr XY mit uns Film gucken. Dann schauen wir von der ersten bis zur 3. Stunde Filme, dann kommt eine Stunde Unterricht und in der letzten Stunde will XYZ mit uns noch ein Gespräch führen. Da könnte ich auch ins Freibad, wäre sinnvoller.“
Mir scheint es, dass die Lehrer in den letzten Wochen erschöpfter sind als ihre Schüler.
Wenn es wirklich eine demokratische Abstimmung ist (also gleich, geheim und frei, ohne indirekte “Haltungsbegleitung” durch Lehrkräfte) – was da dann rauskommt bei der Abstimmung zu einer Indoktrinationswoche, wo Jungs noch Ballet tanzen sollen…also DAS kann sich wohl jeder ausmalen.
Hm,…. Da wäre ich etwas vorsichtiger.
Ich kann mir (leider) sehr gut vorstellen, dass einige (mdws) den Jungen ganz doll eins auswischen wollen und für das Jungenballett stimmen….
Wo steht etwas von Indoktrination und einer Pflicht für Jungen, Ballett Tanzen zu müssen.
Als Lehrkraft sollten Sie in der Lage sein, differenziert, ergebnisoffen, konsensorientiert und unvoreingenommen zu argumentieren. Stattdessen unterstellen Sie (nicht nur hier) gerne Dinge, die nicht belegt sind bzw. verallgemeinern Sonderfälle, um Ihre doch sehr einseitig wirkende Weltsicht zu stützen.
Andere Sichtweisen lassen sich dann natürlich indoktriniert bzw. indoktrinierend bezeichnen, um die eigene aufzuwerten.
Ich denke nicht.
Das Thema “Vielfalt” hört sich schon genauso an, als sei es den gutmeinenden Gedanken einer Lehrerin, einer Sozialpadagogin, einer Gleichstellungsbeauftragten und einer Refrendarin (das ist ja SO klischeehaft) entsprungen.
Die Vorstellung, dass eine Schülerschaft, die ja mit Sicherheit so viel vielfältiger und heterogener (sic!) als obengenanntes “Tresmulierat” ist, sich genauso entscheiden würde, ist doch naiv.
Es ist eigentlich wie immer schon: Da meint die mittlere Generation, genau zu wissen, was die nachfolgende braucht und interessiert, und die nachfolgende verdreht genervt die Augen und sagt “Ihr habt aber auch so was von keine Ahnung von uns…”.
Alles wie gehabt, da wiederholen Leute quasi die “Sünden” ihrer Eltern – nur unter umgedrehten Vorzeichen – und merken es nicht einmal.
1. Dabei ist interessant, dass die Eltern sehr oft recht hatten/haben. Merkt man meistens, wenn man älter ist.
2. Viele Kids sind heute mit Eltern/Älteren befreundet. Dazu kann ich sagen, dass ich persönlich auch mit Ü50 große Übereinstimmungen mit meinen S*S habe.
Von daher finde ich solche Aussagen nicht wirklich zutreffend.
Entschuldigt bitte, ich meinte “Quattourmulierat”.
Ach nee, ich dachte, die Schulpflicht heißt so, weil es eine Pflicht gibt, die Schule zu besuchen? Kann ich mir das als Elternteil jetzt aussuchen, ob ich mein Kind schicke oder nicht? „Heute macht Ihr Mathe, das brauchst Du eh nicht, kannste daheim bleiben“. So in etwa?
In der Realität ist die Antwort eindeutig „ja“! Nur Mathe wird von den allermeisten Eltern als wichtig erachtet, im Gegesatz zu Reli, Ethik, Kunst, Musik. Hört sich zwar nicht schön an, aber weshalb sollte man lügen?
Vielleicht aber (und hoffentlich!) auch nur zu den Angeboten und nicht zum Oberthema!
Volle Zustimmung bezüglich Ihrer Elternsicht.
“Generell darf in der Schule auch wieder mehr Unterricht und weniger Halligalli stattfinden.”
So sollte es sein. Es wird zu Recht auch von Elternseite kritisiert, dass viel Unterricht ausfällt und im stattfindenden Unterricht kaum Zeit zum Üben und Festigen von Fachinhalten bleibt. Trotzdem ist es schon seit Jahren nicht mehr möglich, in der letzten Schulwoche Fachunterricht durchzuziehen.
Es gibt keinen Druck mehr, denn die Noten sind ja fertig und es ist den chronisch Unlustigen und permanent Unmotivierten ein derartig anstrengender Schuljahresabschluss nicht zuzumuten. So argumentieren sogar Schulleitungen.
In unserer diesjährigen Abschluss-Spaß- und Spielwoche war sogar ein Sporttag integriert,
natürlich ohne Anstrengung und frei von jeglichem Wettbewerb.
Das Wort “Projektwoche” löst bei vielen Kollegen auch schon emotionale Verstimmtheit aus,
denn selbst im vielfältigen Kollegium funktioniert mancher zeitgeistkonforme “Trichter” nicht mehr. Auch zunehmend mehr LuL sind der Meinung:
“Mit der wertvollen Lernzeit der Kinder und Jugendlichen sollte das Bildungssystem sorgsamer und effizienter umgehen.” Das ist notwendiger denn je.
“Die Schule soll sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, die sie heute dank Lehrermangel, irrsinniger Wohlfühldidaktik und Schülern in falschen Schulformen immer öfter nicht zufriedenstellend erfüllt.”
Ich bin überrascht! Denn eigentlich hört man heutzutage immer, die Schule soll nebst ihren Kernaufgaben alles Mögliche andere machen, aufs Leben vorbereiten, Suchtprävention betreiben, Medienerziehung machen – und vieles mehr! Und die “Wohlfühldidaktik” wird ja von den allermeisten Eltern genau so gefordert. Wehe, man macht mal eine Ansage, dann stehen die Eltern bei der Schulleitung… (klar sind es nie alle, aber doch die überwiegende Mehrheit).
Aber dennoch würde ich als Mutter nicht auf die Idee kommen, mein Kind krankzumelden, wenn es nicht krank ist. Es gibt in Deutschland nunmal eine Schulpflicht und das gilt i.d.R. auch für alle schulischen Veranstaltungen, die nicht Unterricht sind. Man muss sich ja auch mal überlegen, dass da ein Planungsaufwand dahintersteckt, und was das Kind dadurch lernt (Wenn ich keinen Bock habe, melde ich mich einfach krank). Machen die Eltern dieser Kinder das auch so?
Absentismus ist nicht okay und sollte auch nicht toleriert werden.
Trotzdem sollte sich auch die andere Seite die Frage stellen, ob vielleicht die Projekte wirklich so schülernah und aktuell wichtig sind, wie von den “Projektleitenden” als geradezu selbstverständlich angenommen werden. Auch dieses unisono und mit überbordener Begeisterung vorgetragene “Super, wir veranstalten ach so tolle Projekttage (im Gegensatz zum “langweiligen Normalunterricht”) sollte durchaus mal kritisch hinterfragt werden.
Es ist manchmal wie Nichtwählen, eben auch eine Wahl und eine Abstimmung
Vieles ist Bequemlichkeit, aber so manches auch ein Statement.
Ich erinnere mich, dass ich zwischen meiner 8. und 10. Klasse alle Wandertage “geschwänzt” habe. Jedesmal ist die Klasse in irgendeine Stadt gefahren, zum Schoppen. Und jedesmal wurde das vorher “demokratisch” abgestimmt. Nur blöd, dass die Präferenzen meiner damaligen Klasse alle halbe Jahre mehrheitsmäßig exakt die gleichen waren.
Man könnte ja einen Besuch im Freizeitpark als Angebot anbieten.
Oder eine Kanufahrt.
Oder eine Woche lang Fußballschule mit angeheurten Fußballtrainern.
Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere Schüler dann nicht schwänzen würde
Es ist über 40 Jahre her, ich weiß leider gar nicht mehr, was als Alternativen zur Diskussion standen. Doch, an eines erinnere.ich mich: Dass einmal zur Abstimmung stand, in einem nahegelegenen NSG Müllsammeln zu gehen. Das hätte ich richtig toll gefunden, so als idealistischer Jungök, aber keine Chance…
Ich denke auch nicht, dass die Lösung nun besonders tolle und ausgefallene Freizeitaktivitäten sein sollten. Ich reagiere aber bis heute ziemlich allergisch auf Pauschalbehauptungen, dass Klassenfahrten, Wandertage, Sportfeste o.ä. automatisch gut für das Klassenklima sind. Ich fand und finde solche Veranstaltungen oftmals sehr “erkenntnissreich”, allerdings gerne in eine andere Richtung als die propagierte.
(Sorry fürs OT.)
Ich kann mir in dem oben beschriebenen Fall eigentlich recht gut die genervt nach oben verdrehten Augen vieler Lehrer, Schüler und Eltern vorstellen, als das Thema bekannt wurde. (Obwohl, als Lehrer hat man ja hier den Vorteil, dass quasi alles zu dem Thema passen kann, angesehen vielleicht von einem Designworkshop zum Thema Schuluniformen 🙂 .)
Mich stört ein wenig, dass ja von vielen projektbegeisterten Kollegen gerne das selbstorganisierte Lernen der Schüler propagiert wird, dass aber bei Abstimmung mit den Füßen bei vorgesetzen Themen dann doch eher fassungslose Ernüchterung darüber herrscht, dass die Schüler das Themo wohl doch nicht so super spannend und wichtig fanden, wie sich das das engagierte Orgateam so gedacht hat.
Es erinnert mich an eine Tendenz aus der jüngeren Politik: Wenn Wähler eine Partei abstrafen, hieß das früher, man müsse verstärkt Politik FÜR die Bevölkerung machen, eben die, welche sich die Bevölkerung wünscht. Heute hört man allenhalben, dass man doch der Bevölkerung die eigene Politik nur noch besser erklären müsse.
Irgendwie fehlen mir im obrigen Artikel Ansätze zur Selbstkritik: Könnte es vielleicht sein, aber nur ganz vielleicht, dass das, was SL und bestimmte Lehrer sich vorstellen, was Schüler wohl toll und wichtig finden, gar nicht das ist, was ein Großteil der Schüler wirklich toll und wichtig findet?
Vielen Dank für Ihren Beitrag! Sie schreiben mir aus der Seele.
Zitat: “Könnte es vielleicht sein, aber nur ganz vielleicht, dass das, was SL und bestimmte Lehrer sich vorstellen, was Schüler wohl toll und wichtig finden, gar nicht das ist, was ein Großteil der Schüler wirklich toll und wichtig findet?”
Das weiß die Schule, nehme ich sehr stark an. Sie veranstaltete anscheinend Projekte zu den Themen, von denen sie _will_, dass die Schüler sie gefälligst toll und wichtig finden. Und wundert sich dann, dass so viele Kids sich dieser Manipulation entziehen.
Ich vermute, es ist während des Schuljahres nicht gelungen, die Schülerinnen und Schüler von Vielfalt & Co. zu überzeugen. Vielleicht wird sie dort auch im Alltag gar nicht wirklich gelebt und unterstützt. Dann ist so eine Projektwoche natürlich weder glaubwürdig noch attraktiv. Meiner persönlichen Einschätzung nach ist das das eigentliche Problem.
Alles, was kurz vor den Ferien stattfindet hat die Aura des “Zeittotschagens”. Wandertag, Projekttage, Gesundheitstage. Nachdem die Kinder in den letzten Wochen wie die Sau durchs Dorf getrieben wurden ist jetzt die Bereitschaft für halbherzige Initiativen und Aktionen sehr gering. Anstatt einmalig zwei Tage zu verplämpern, sollten wichtige Themen (wie Vielfalt, ich spreche hier nicht vom u.g. Perlenfädeln) in kürzeren Sequenzen eingebaut werden. Z.B. in die Klassenlehrerstunden. Diese werden hier zum Montagsmalerspielen oder zum Auslosen einer neuen Sitzordnung missbraucht.
Leider sind die Projekttage in der Regel lieblos und wischiwaschi vorbereitet und durchgeführt. Ich finde das Thema Vielfalt sehr gut, da ist die erwähnte Schule der meiner Kinder weit voraus. Hier gab es Angebote wie “Pappmachemächen basteln”, “Steine bemalen”, “Perlen fädeln”. Ich spreche von einem Gymnasium. Und der Mittelstufe. Ich kann sehr gut verstehen, dass das Engagmenet der Kinder das der Lehrer nicht übersteigt, wobei Luft nach unten nur wenig vorhanden ist.
Dass Eltern aber Entschuldigungen für sowas schreiben kann ich nicht nachvollziehen. Aber auch hier scheinen Schulen zu lax und zu willfährig sein. Nunja, jeder bekommt das Kollegium und die Schülerschaft die er verdient.
Ach so, kreative Angebote sind nur für die doofen Real- oder Hauptschüler:innen?
Und der Anwurf des Zeitschindens- na ja. Die Kinder haben keine Schulbücher mehr, weil geliehen und zurückgegeben, die organisatorischen Schuljahresabschlussarbeiten sind auch nicht von Pappe. Aber die Motivation der Kinder ist unbeschreiblich…
Ich meinte: die Angebote sind eher was für Grundschüler….
“die organisatorischen Schuljahresabschlussarbeiten sind auch nicht von Pappe”
Als wenn das die Kinder interessieren würde?!
Was erwarten Sie, dass die Kinder sagen.
“Och ja, kann ich schon verstehen, dass die Lehrer keinen Nerv auf was richtig Gutes haben. Müssen halt jetzt noch so viel organisieren und Zeugnisse ausdrucken. Wißt Ihr was, wir hängen und mal richtig ins Zeug und tun so, als würden wir das alles hier MEGA finden. Haben sie sich verdient, die Lehrer. Und weil wir keinen Unterricht mehr machen (sind zwar mit dem Stoff nicht durchgekommen, aber was solls), keine Noten mehr bekommen (dauert halt bis so ein Zeugnis geschrieben wird) und niemand weiß, was man sonst machen könnte, kommen wir und tun hoch motiviert. Auch wenn es niemanden interessiert, wofür wir uns wirklich interessieren”
Die Motivation der Lehrer für die Projekttage scheint auch unbeschreiblich, wenn man sich die Themen ansieht.
Wir finden vieles schon lange nicht mehr MEGA. Zunehmend mehr KuK tun auch (heucheln) nicht mehr so.
Viele von uns sehen unser Kerngeschäft (Bildungsauftrag) nicht in aufgeblasenen (oft wenig effektiven) Schuljahresabschlussaktionen und würden lieber auch in den letzten Tagen vor den Ferien differenzierten Fachunterricht anbieten. Interessiert aber nicht!
Dazu müsste man aber als sinnvolles Gegenprogramm sehr motivierenden Unterricht ohne die Möglichkeit des Notendrucks anbieten, was aber auch Arbeit bedeutet, für die viele ausgepowerte Lehrer vor den Ferien nicht mehr sonderlich bereit sein dürften. Es sei denn, die Nachhaltigkeit dieses Fachunterrichts ist nur noch zweitrangig.
Das von intrinsisch motivierten Schülern und fachkompetenten Lehrkörpern favorisierte Gegenprogramm und Kerngeschäft heißt agiler Frontalunterricht. Dieser powert uns nicht aus, sondern fordert Lehrer und Schüler intellektuell gleichermaßen.
Denn nach der letzten Note ist vor der ersten Note des neuen Schuljahres. Auf geübtes und gefestigtes Grundlagenwissen bauen die neuen fachlichen Inhalte (noch gibt es diese zum Glück) auf.
Es soll sogar noch Schüler geben, die das begriffen haben und am Schuljahresende folgendes äußern:
“Och nee, schon wieder so ein Zeittotschlag-Blablub-Projekt. Bringt uns nichts. Warum machen wir keinen Unterricht zum Üben?
„Mit der wertvollen Lernzeit der Kinder und Jugendlichen sollte das Bildungssystem sorgsamer und effizienter umgehen.“
(Zitat H.F. aus Elternsicht).
Eine solche verabsolutierende Behauptung wie Ihre ist Teil des Problems und wenig lösungsorientiert. Es gibt durchaus noch andere Methoden, um Schüler zu interessieren. Insbesonders intrinsische motivierte Schüler werden nicht nur von “agilem Frontalunterricht” profitieren. Es soll sogar noch Lehrer geben, die das begriffen haben und nicht nur auf eine einzige Methode setzen.
Auch wenn gut gemachter Frontalunterricht sehr motivierend und herausfordernd sein kann, reduziert er Schüler doch auf eine eher passive Rolle, da er ihnen nur wenig Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
Für Lehrkräfte, die nur auf reine Wissensvermittlung setzen (und im Gegenzug sogar suggerieren, Inhalte seien den “anderen” nicht mehr relevant) ist das vermutlich irrelevant und Kompetenzvermittlung unnötig.
Und die Betonung “Denn nach der letzten Note ist vor der ersten Note des neuen Schuljahres” lässt mich auch zweifeln, inwieweit es sich dann um intrinsische Motivation handelt.
Ich habe zum Schuljahresschluss in der Tat weder Zeit noch Lust für diesen Schnack. Gerade die(se) wichtigen Themen sollten gebührend im Schuljahr verortet werden. Das klappt aber meistens nicht aus Gründen, die jede Lehrkraft kennt. ‘Normaler’ Unterricht bis unmittelbar vor den Ferien wäre mir allemal lieber.
Nicht nur dabei ist mir Hemd näher als Rock.
Es muss auch nichts Besonderes sein..Viele Kinder sind geistig eh schon in den Ferien. Bei den Jüngeren funktioniert auch noch ” Es ist schon immer so gewesen, am letzten Tag wird vorgelesen” Ich war aber ein wenig erstaunt, dass mich vor fünf Jahren auch eine siebte Klasse darum gebeten hatte. Ob sie jetzt sehr aufmerksam waren , weiß ich nicht, aber einigermaßen ruhig war es.
Sie klingen wie ein Kollege von mir. Der redet so wie Sie, die Kids sind von ihm aber nicht so angetan. Ist halt ‘n Schnacker.
Was ein Kriterium…sagt ein seit ca. 1 Jahr bei zunehmender Freizeit immer beliebter werdender Bildungsroboter (bei dem halt jetzt auch brav “Kompetenzunterricht” gemacht, also einfach nicht mehr so richtig gelernt wird).
These: Dann machen Sie den “Kompetenzunterricht” auch “einfach nicht mehr so richtig”, denn Inhalte sollten dabei eigentlich nicht auf der Strecke bleiben.
Hinter mir liegt gerade der letzte unserer drei Projekttage, die unter keinem Motto standen, und die ich sehr schön fand. Vor allem die Situation, dass die Schüler genau das tun konnten, was sie wollten, habe ich sehr genossen. Es war eine ganz andere Atmosphäre konzentrierter Stille als sonst im Unterricht. Und was ich so von anderen Kollegen mitbekommen habe, haben sich etliche sehr in die Vorbereitung hineingehängt, um den Schülern wirklich interessante, vielfältige Projekte zu bieten. Zumindest in meinem Projekt hat bis auf den ersten Tag, wo jemand krank war, niemand gefehlt.
Top, alles richtig gemacht, würde ich sagen 🙂 .
Jepp, bei uns waren die Fehlzeiten in der ProWo letzte Woche auch exorbitant hoch.
Wir überlegen deshalb gerade, sie abzuschaffen und stattdessen etwas anderes zu organisieren, das für die LK dann weniger Arbeit macht.
Im Ernst, wenn die Kids vor den Ferien keinen Bock mehr haben und die Eltern das entschuldigen, dann ist es nur konsequent, wenn man z.B. noch Unterricht abhält. Für LK wäre das stressfreier.
Zur Schlagzeile: Das hatte nichts mit dem Thema zu tun, denn auch Sup & Sail und andere beliebte Projekte wurden bei uns schlecht “besucht”.
Kann ich bestätigen. Normaler Unterricht statt Projektwoche ist erheblich weniger Arbeit in der Vorbereitung und stressfreier in der Durchführung — selbst an meiner Schule mit überwiegend motivierten und disziplinierten Schülern.
Sie sehen es genau richtig, es ist ein Problem, wenn man vor den Ferien keinen sinnvollen Unterricht mehr macht. Teilweise kommen schon 2 Wochen vor den Ferien so Fragen wie “Können wir nicht einen Film gucken oder spielen?“.
Spannend wird es, wenn man die Kinder dann mal reflektieren lässt: “Wenn ihr die ganze Woche nur Filme schaut oder spielt, ist das nicht total langweilig und warum seid ihr dann überhaupt noch in der Schule?“. Das sehen die meisten Schüler ein und machen dann auch lieber doch noch sinnvollen Unterricht. Denn sinnlos in der Schule abzuhängen ist wirklich langweiliger, als doch noch mal ein bestimmtes Thema aufzugreifen, das besondere Experiment noch zu machen usw.
Ich hatte auch schon in der letzten Stunde eine 10. Klasse gefragt, ob sie ein Eis essen gehen wollten. Und sie waren so “übersättigt” vom ständigen Eisessen-Gehen, dass sie lieber in der Schule gelieben sind.
Ich befürchte, dass die Kids, die zur ProWo fehlen, würden auch bei Unterricht fehlen.
Es ist klar, dass es kaum Sanktionsmöglichkeiten gibt. Die Fehlzeiten tauchen nicht im Zeugnis auf. …
Das sehe ich anders. Wahrscheinlich kommt es auch auf die Schulart an. Kinder machen sich ihren eigenen Kopf und wägen durchaus ab, ob ihnen das unterbreitete Angebot (Eisessen, Film,… vs. Unterricht) sinnvoll erscheint. Viele Kinder machen sich intensiv Gedanken darüber und sprechen dann ihre Eltern an.
? Habe ich geschrieben, dass die sich keinen Kopf machen?
“Sich einen Kopf machen” bedeutet aber nicht automatisch, dass dabei die richtigen Schlüsse gezogen werden.
Auch due Tatsache, dass die Kids ihre Eltern ansprechen, ist nicht per se positiv. Wie oft musste ich mit Eltern sprechen und feststellen, dass die Kids nur die halbe Wahrheit erzählt oder sogar geligen hatten.
Ich persönlich ziehe durch, lediglich in der letzten Unterrichtsstunde vor den Ferien bin ich entspannt. An meiner Schule sind die Kinder total verrückt nach Kahoots. In der Oberstufe mache ich mitunter auch PowerPoint-Karaoke.
Wie geht ppt-Karaoke? Eine Spielanleitung würde mich sehr interessieren.
Beliebige ppt aus dem Netz ziehen, gern zu völlig abstrusen Inhalten, und einen SuS dazu reden lassen.
Die Wertungskriterien (falls es als Wettkampf laufen soll) vorher mit den SuS besprechen. Möglich sind Kreativität, Redefluss, Showfaktor…
Ich mache beim Powerpoint-Karaoke gerne selbst mit. Einen Wettkampf habe ich bislang noch nicht durchgeführt, weil die Qualität des Vortrages mit dem Thema steht und fällt.
Danke, lustige Idee.
Gibt eine Seite dafür:
KAPOPO – Das Portal für Powerpoint Karaoke
So handhabe ich das auch! Ich komme doch nicht in die Schule, um sinnlos Zeit totzuschlagen.
Unsere fragen inzwischen, ob man auch mal was anderes machen kann als Filme zu gucken 🙂
Lernen wollen sie zwar auch nicht, aber das Gucken geht ihnen doch gehörig auf den Langweilig-Keks.
“Wenn ihr die ganze Woche nur Filme schaut oder spielt, ist das nicht total langweilig ?”
Schüler: ” NEIN!!!! ” 😀
Ist halt auch eine Einstellungssache. Wenn Schule sowieso kaum einen Stellenwert hat, dann Projekttage erst recht nicht. Wenn man so schone keinen Bock auf alles hat, dann auf so etwas auch nicht. Wenn Eltern das mitmachen, dann zeigt das auch die Haltung der Eltern, warum sollten die Kids also besser sein? Traurig, dass man keine Angenbote mehr wahrnehmen will und nicht einfach mal schaut, ob man Spaß haben könnte. Und die Haltung, dass man nur hingeht, wenn man seinen Erstwunsch bekommt, ist auch etwas schräg. schließlich durfte man mehrere Sachen angeben, warum gibt man etwas an, was man eh nicht mag? Hier wird nur fortgeführt, was das ganze Jahr läuft, entweder man bekommt seinen Willen und das Rundumwohlfühlpaket oder man hat eben keine Lust und lässt sich auf andere Sachen nicht ein. Wenn man Wandertage etc. schwänzt, dann schließt man sich einfach selbst aus Aktivitäten aus. Was das Thema Vielfalt betrifft, leider haben wir hier auch Eltern, die an solchen Tagen ihre Kinder krankmelden, damitsie von diesem Thema nichts hören müssen/dürfen/sollen, wie auch immer.Da bekommt man schon böse Mails, wenn man das Thema im Unterricht anspricht. Nicht auszudenken, was für ein Shitstorm käme, wenn das mal Thema einer Projektwoche wäre (dabei hätten das eingige sowas von nötig). Soviel dazu, welche Einflussmögichkeiten Schule überhaupt hat, nämlich so gut wie keine, wenn Eltern sowieso dagegen arbeiten.
Mich überrascht die Situation in vielerlei Hinsicht:
Weil es Probleme mit den Aussagen einer Lehrkraft gab, wurde nicht einfach ein klärendes Gespräch durchgeführt, sondern eine Gesprächsrunde „For Fairness“ angesetzt, für die sich seit 1,5 Jahren aber kaum jemand interessiert hat, also offenbar kein Bedarf daran besteht.
Weil das so traurig ist, wurden Projekttage für die ganze Schule angesetzt, was von einer (!) Lehrerin, der Schulsozialarbeit, der Gleichstellungsbeauftragten und einer Referendarin organsisiert wurde. Allein die Tatsache, dass sich genaue eine Lehrkraft für die Orga gefunden hat, wirft viele Fragen auf…
Diese vier Personen haben dann offenbar ganz tolle, abgefahrene Angebote wie Deutschrapp, Ballett für Jungs, eine “Laberrunde” – sorry – einen Debattierclub, Selbstverteidigung und Gebärdensprache angeboten. Die Begeisterung bei Schülern und Eltern war so unfassbar groß, dass 130 Kinder und Jugendliche krankgemeldet wurden, um sich das nicht antun zu müssen.
Zunächst sollte man sich also fragen, ob vielleicht die gut gemeinten “Angebote” an einem guten Teil der Schülerschaft vorbeigehen:
Verkrampft Deutschrapp zu machen, weil das ach so cool ist, würde mir nicht einfallen. Ballett, vielleicht noch in Strumpfhosen, wäre mir als pubertierendem Jungen auch mega peinlich. Selbstverteidigung könnte spannend sein, bringt bei 2 Tagen aber nicht viel. Auch Gebärdensprache könnte interessant sein, wenn ich das danach z.B. an der Schule als AG weitermachen kann. Aber selbst dann ist es schon exotisch und wird nicht viele Anhänger finden.
Neben den Angeboten scheint auch die Kommunikation mit den Eltern auch nicht sehr gelungen zu sein. Wenn den Eltern klar wäre, dass es sinnvolle Angebote gibt, dann würden sie ihre Kinder nicht einfach entschuldigen.
An sich kann man den Themenbereich Vielfalt ganz gut vermitteln: Man kann auf verschiedene Religionen und deren Gemeinsamkeiten eingehen. Wie feiern wir Weihnachten, welche besonderen Feste haben unsere türkischen und arabischen Mitschüler? Man kann z.B. in reinen Jungs- und Mädchen-Gruppen spielerisch feststellen, dass wir eigentlich ähnliche Wertevorstellungen haben, man kann auf geschlechtliche Vielfalt eingehen usw.
An der Schule in Flensburg scheint aber insgesamt eine ganze Menge schiefgelaufen zu sein…
Ich glaube, wir sollten eher darüber reden, was mit der Erziehung der Eltern der Schwänzer*innen nicht stimmt, wenn die erstens ihren Kindern nichts mehr abverlangen und zweitens für ihre Kids lügen, indem sie auch Entschuldigungen schreiben.
Ich fürchte, da können wir seeeehr lange reden…
Oder es lassen.
Bringt nichts.
Ich persönlich (als Lehrkraft) empfinde Projekttage – wie auch Klassenfahrten, Sportfeste, Sponsorenläufe etc. – in gewisser und m.E. unangemessener Weise als übergriffig.
Die Schüler haben in der Realität kaum Mitbestimmungsrecht, welche Projekte angeboten werden und in welches sie am Ende zugeteilt werden.
Wirkliche “freie Arbeit an frei gewählten Themen” gibt die Personalsyituation nicht her – das ist in der Realität nicht wie es klingen soll.
Außerdem denke ich, für einige SuS überschreiten derartige “Angebote” – die viele Kollegen “toll” finden, die persönliche Schmerzgrenze.
Man sollte m.E. gerade wenn es um Diversität geht akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind, einige sich nicht gerne in fremden Gruppen, mit ihnen unbekannten Lehrern und Mitschülern, unter für sie nicht einzuschätzenden Rahmenbedingungen wohl fühlen und dem aus dem Weg gehen.
Einige sind vielleicht auch einfach nur lustlos oder faul, wählen den Weg des geringsten Aufwandes. Das mag sein.
Für mich brauchen Projekte, vor allem wenn sie persönlichen Einsatz fordern oder die persönliche Empfindungswelt betreffen, eine ganz große, stabile, gewachsene Vertrauensbasis.
Die gibt es nicht in großen Schulen, in denen die Lehrkräfte stündlich von Klasse zu Klasse rennen, Schüler nicht vertrauen, dass sie nichts machen müssen, was sie nicht “können” (an sichran lassen können, was ihnen zu nah geht).
Pädagogen sind disbezüglich oftmals wenig einfühlsam, sondern sehr überzeugt von dem “tollen” Abgebot, das SuS mindestens genauso toll finden müssen.
Es ist nicht richtig, dass wir SuS nicht richtig finden, die sich aus irgendeinem Grund entziehen.
Mehr Basisarbeit im Alltag, dann könnten sich “echte” Projekte entwickeln, die SuS dann auch von sich aus wollen…
Ich als Elternteil stimme Ihnen vollständig zu.
Das sehe ich auch so. Und zum fehlenden Vertrauen, dass man in solchen Projekten nicht der Lächerlichkeit preisgegeben wird*, kommt noch die Reaktanz, wenn einem schon aus dem Titel der Veranstaltung die pädagogische Absicht entgegen quillt wie Bauschaum aus einer explodierten Dose.
Jene Absicht mag noch so ehrenwert sein, aber so kriegt man Schüler eben nicht eingefangen. Im Gegenteil. Die merken doch, dass es gar nicht um sie und ihre echten Interessen geht. Es riecht penetrant nach emotionaler Manipulation. Je nach Gemüt macht man dann halt höflich, lustlos, augenrollend, zähneknirschend oder eben gar nicht mit. (Und Deutschrapp mit dem Lehrer ist ja auch eher “cringe”, wie die Jugend heute sagt. Das funktioniert nur mit einem Künstler, den die Kids auch als solchen anerkennen.)
*) Hat die Schule auf dem Schirm, was einen Ballettjungen spätestens auf dem Nachhauseweg blühen kann, und zwar über lange Zeit? Oder den Teilnehmern eines Gebärdensprachkurses? Schützt die Schule die Teilnehmer davor? Wenn ja, wie und wie lange? Weil “Haaalt, stop, ich fühle mich gemobbt” nämlich außerhalb des Schulgeländes nirgendwo funktioniert.
// Das sehe ich auch so. Und zum fehlenden Vertrauen, dass man in solchen Projekten nicht der Lächerlichkeit preisgegeben wird*, kommt noch die Reaktanz, wenn einem schon aus dem Titel der Veranstaltung die pädagogische Absicht entgegen quillt wie Bauschaum aus einer explodierten Dose.
Jene Absicht mag noch so ehrenwert sein, aber so kriegt man Schüler eben nicht eingefangen. Im Gegenteil. Die merken doch, dass es gar nicht um sie und ihre echten Interessen geht. Es riecht penetrant nach emotionaler Manipulation. //
Das haben Sie sehr, sehr treffend beschrieben.
Vielen Dank. Dieses Problem hat man übrigens auch häufig in der dedizierten (deutschen) Jugendliteratur. Waren die Bücher für jüngere Kinder noch spannend, informativ oder lustig, trieft bei den Büchern für die Zielgruppe ab ca. 12 Jahren zunehmend die erzieherische Absicht aus jeder einzelnen Seite. Ich habe als Mutter oft den Kopf geschüttelt. (Extrembeispiel: “Papierklavier” von Elisabeth Steinkellner.)
Im Nachgang möchte ich noch anmerken, dass ich persönlich meine Kinder für jene Projektwoche nicht von der Schule entschuldigt hätte. Aus Prinzip.
Wenn es jedoch grundsätzlich so einfach ist, ein Fernbleiben zu ermöglichen, dann wundert mich die Anzahl der Krankmeldungen allerdings auch nicht. Auch mir wäre bei so viel Unterrichtsausfall unter dem Jahr normaler Unterricht für meinen Nachwuchs lieber gewesen als “Wir machen jetzt mal ‘ne Woche lang verkrampft einen auf sozial”.
Danke.
Ich hatte gerade eine erhellende Unterhaltung mit dem Sprössling über (kind,- und jugendgerechte?) Bücher, Geschichten und Theaterstücke. Er fasste es so zusammen: Da gibt es eine (eher langweilig homogene) Gruppe. Kommt ein Neuer dazu, ist “anders” und wird ausgeschlossen, ist aber in Wirklichkeit natürlich ganz toll und nett und nie, nie irgendwie problematisch. Dann tritt ein Problem auf, und der Neue kann es lösen, bevorzugt durch Anwendung seiner “Andersheit”. Die Gruppe ist geläutert und alle leben glücklich bis ans Ende der Zeit.
An unseren Projekttagen dürfen Eltern und auch Schülerinnen Projekte anbieten. Meist gibt es ein SchülerInnen- Projekt, da nicht mehr angeboten werden. Eltern bieten verständlicherweise nie welche an.
Ich finde Sie haben das super beschrieben. +like
Vorausgesetzt, es gibt keine tatsächliche Krankheitswelle in der Schule:
Das wäre eine gute Gelegenheit, die vielseits gewünschte gegenseitige Wertschätzung und den Respekt gegenüber den organisierenden, vorbereitenden und durchführenden Kolleginnen und Kollegen, sowie Schülerinnen und Schülern zu praktizieren und dabei (bzw. deswegen), bei gleichzeitiger Erfüllung der Schulpflicht, sogar noch etwas zu lernen.
Tscha, nicht mal 40% der Eltern halten Gemeinschafts- und Sozialkunde für wichtig. Und wenn diese der Meinung sind, das, was die Schule macht, ist eh Kokolores, dann schreiben sie eben „Sorry, Kind ist krank“. Schulpflicht bedeutet für diese Eltern wohl eher „Mach halt, wenn Du Bock drauf hast“. Klappt wohl nicht so recht mit „…und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“.
“Mach halt, wenn Du Bock drauf hast”
Genau so laufen auch die Gruppenprojekten ab. Vielleicht 3-5 Kinder einer Klasse machen es richtig oder wollen es richtig machen und dafür kassieren sie regelmäßig schlechte Noten oder Vorwürfe, oder Beleidigungen und. und, da keiner sonst richtig darauf Bock hat.
Ich finde es an den Projekttagen immer schade, dass man als Schüler kaum Adressen bekommt, bei denen man das Thema vertiefen kann. Ich selbst hätte wahrscheinlich Gebärdensprache gewählt, aber nicht gewusst, wo ich meine neu erworbenen Kenntnisse nach Ende der Woche vertiefen kann. Aber es gibt natürlich Kurse im Internet, bei denen man weitermachen kann.
Egal, wie man’s macht – man macht’s verkehrt. Betreibt man Regelunterricht, heißt es: muss das jetzt noch sein – bei der Hitze? Bietet man Projekttage ab, sagen andere: wegen Corona ist eh schon so viel Unterricht ausgefallen, braucht es diesen Firlefanz?
Und dann kommt noch das dazu, was ich als “Netflix-Mentalität” bezeichne. Ein Anspruchsdenken, genau das zu dem Zeitpunkt serviert zu bekommen, der einem persönlich passt. Die Lehrer werden ja dafür bezahlt.
Da kann es vielfältige Gründe geben, warum man da fehlt.
Ich hätte als Kind auch keinen Bock drauf gehabt. Lasst doch die Jungs Fußball spielen und die Mädels Ballett tanzen.
Wieso?
… weil alle Jungs generell gerne Fussball spielen und alle Mädchen generell gerne Ballett tanzen???
Altertümliches Schubladendenken!
Vielleicht gibt es ja Mädchen, die lieber Fussball spielen und – auch wenn Sie das nicht für möglich halten – Jungs, die gerne tanzen oder stricken würden, wenn dann nicht alle anderen Jungs lachen würden. Wo kommen denn die Ballettänzer an den Opernhäusern her und wieso sind die meisten Modeschöpfer männlich … es gibt auch sehr viele Köche – die mit den Sternen sind ebenfalls sehr oft männlich?
Nur, weil Sie sich das nicht vorstellen können oder es auch nicht einmal ausprobieren möchten, heißt das noch lange nicht, dass andere nicht anders denken!
Genau darum geht es: Andersartigkeit zu akzeptieren und nicht Minderheiten an die Wand stellen, weil sie eben anders sind und aus unserer mode- und ticktockgelenkten Gesellschaft ausbrechen und daher “untypische” Dinge gerne tun.
Ich stelle immer wieder fest, dass viele Kinder sich nicht trauen, das zu tun, was sie gerne tun würden, aus Angst vor der Häme der anderen Kinder (5. Klasse aufwärts).
In ganz besonderen Momenten schafft man es, dass Jungs (vor der Klasse) zugeben, dass sie auch gerne mal mit Barbies spielen oder spielten und sich Mädchensachen zum Verkleiden anziehen oder dass Mädchen mit Werkzeug und Autos oder Fussball spielen (5. und 6. Klasse). Hierzu ist allerdings eine Vertrauensbasis in der Klasse nötig.
Viele Dinge stellt man sich anders vor, als sie wirklich sind. Deshalb ist es wichtig, dass man Neugiede weckt und dass Kinder Dinge ausprobieren, die sie nie von selbst ausprobieren würden. Plötzlich stellen sie fest, dass es doch Spaß macht, wenn man sich darauf einlässt und man sicher sein kann, dass die anderen keine blöden Kommentare abgeben, weil die das ja ebenfalls ausprobieren.
Achso, stimmt. Logisch aber auch.
Also doch die Jungs einfach in Tutus zwin…zwengen.
Die Mädels müssen dann aber auch mindestens Fußball spielen. Wenn nicht gar dabei noch über Autos spre.. schreiend “diskutieren” und auf den Boden rotzen.
Bedient Stereotypen? Ja … Allerdings eben irgendwie beidseitig, oder?
Kann man nicht einfach beide “Extremformen” des “Aufzwingens” lassen? Oder sie ebenwürdig behandeln? Alle Fußball und alle Ballett … Ist jetzt auch nicht so schlimm.
Freie Wahl – egal wie sich jeweiliges Geschlecht entscheidet? Hat dann eben seinen Grund und (vllt. sogar berechtigten) Platz an der Stelle. Und sei es nur der sozialen Teilhabe. Auch das muss man im Leben eben lernen?
… nein, sicher nicht in Tutus zwingen – das ist völlig daneben und das steht auch nirgends.
Von irgendwas Aufzwingen steht auch nirgends etwas! Das wird aber ständig dazuinterpretiert!
Schon die simpelsten persönlichen Freiheiten sind den Genderkriegern halt zuwieder…wie wäre es ganzbschlicht und unaufgeregt, den SuS die FREIE WAHL zu lassen?
Die 2%-Balletjungs wählen dann halt Ballet, die 3%-Fußballmädels spielen Fußball?
Wo ist das Problem – ausser man will gesellschaftspolitisch indoktrinieren?
… bitte lesen Sie richtig: die Kinder hatten die freie Wahl!!!
Wenn aber ein Kind Ballet wählt und das dann nicht machen möchte, das ist dann eben blöd gelaufen! Das sollte man vorher überlegen, was man ankreuzt.
In Projektwochen ist es ganz normal, dass unbeliebte Projekte zwangsaufgefüllt werden. Nicht von mir, bin da strikt dagegen.
Sie haben natürlich Recht! Deswegen sind Angebote sehr gut, man sollte sich aber auch nicht wundern, wenn sie nicht angenommen werden, weil sie an der Lebensrealität von 80% der Schüler vorbeigeht. Wie hier bereits jemand schrieb: wenn schon aus den Titeln die Intention quackert wie Bauschaum, dann wird es Cringe und Krampf.
Vielleicht wünscht Ihr es euch das anders, aber für die überwiegende Mehrheit der Kinder ist Fußball=männlich und Ballett=weiblich. Eine Familie besteht aus Mutter, Vater und Kindern und Hautfarbe/Idendität ist egal. Die Geschlechter harmonieren im Einklang miteinander. Statt diesem Umstand Rechnung zu tragen, wird aus gewissen Kreisen permanent dagegen angearbeitet. Und so kommt es zu einer Projektwoche “Vielfalt” — organisiert von Sozialarbeitern und Gleichstellungsbeauftragten aus ihrer Bubble — mit Ballett für Jungs, Kampfsport für Mädchen und in der Folge vielen Krankmeldungen.
Ein ähnliches Phänomen sehen wir übrigens beim ÖR: “genießt” man dort die Jugendformate, bekommt man den Eindruck, die ganze Jugend wäre beseelt von den Themen Diversität, Klimawandel, Social Justice und natürlich Migration. Dieses Zerrbild führt unweigerlich zur Entfremdung vom ÖR.
Ich finde Ihren Gedanken, den Horizont der Kinder zu erweitern und einen vertrauensvollen Rahmen zu schaffen, in dem sich jeder ohne Häme ausprobieren kann, sehr schön, aber bezogen auf die Schule auch sehr ambitioniert. Es gibt ein Leben außerhalb der Schule und der bekannten Gruppe, wo das vielleicht einfacher ist.
Nein, es ist nicht ambitioniert, einen vertrauensvollen Rahmen in der Schule zu schaffen.
Was glauben Sie denn, wie Klassenführung funktioniert.
Eine Klasse sollte lernen zusammenzuhalten, auch wenn nicht alle sich gegenseitig zu 100% mögen. Sie können aber lernen, sich zu 100% gegenseitig zu akzeptieren. Dann wird auch die gemeinsame Zeit für niemanden zum Spießrutenlauf.
In der Klasse meines Sohnes wurde vor Wochen recht spontan, aber durchaus aus Anlass gewisser klasseninterner Reibungen, ein von den zwei Schulsozialpädagoginnen ausgearbeiteter Sozialtag (so mit gruppendynamischen Spielchen und so) abgehalten.
Als mein 12jahriger Sprössling mir anschließend davon erzählte, habe ich im Nachhinein gedacht, ich hätte sein Statement dazu aufnehmen und anschließend den Sozialpädagoginnen zur Reflexion zukommen lassen sollen. Ich glaube manchmal, dass viele Erwachsene eine falsche Vorstellung davon haben, was Kinder und Jugendliche manchmal durchschauen.
Dieses Bild von der wie Montageschaum hervollquellenden Intention finde ich übrigens auch sehr gelungen.
Wieso?
Dann müssen sich nicht so viele krankmelden.
Wie sie bemerkt haben gibt es bereits männliche Balletttänzer und weibliche Fußballer. Es ist also völlig unnötig die anderen auch dazu zu drängen Ballettänzer und Fußballerinnen zu werden.
Es ist regelrecht übergriffig, den Kindern solche Angebote vorzugehen und diese dann zur Teilnahme zu nötigen.
Übertragen Sie das.einfach mal auf sich selbst. Suchen Sie sich 3 Aktivitäten aus, die sie nicht machen wollen. Ich will ihnen nicht zu nahe treten, nehme aber an, dass sie diese 3 Dinge nicht mögen. Zur Auswahl stehen:
1. Montagsmarsch mit Pegida
2. Eimersaufen am Ballermann
3. Gesichtstätowierung machen lassen
Ich finde es schon interessant, dass hier immer wieder das Wort “Zwang” auftaucht.
Wenn man wählen darf, so sehe ich nicht, dass es ein Zwang wäre.
Es geht auch nicht darum, dass irgendwer “umgepolt” werden soll oder einer Gehirnwäsche unterzogen wird.
Ich weiß ja nicht, was Sie in Ihrer Kindheit erlebt haben, aber es hat anscheinend Aversionen gegen Schulen und Ängste hinterlassen.
In jedem Fall ist es nicht korrekt, die Kinder einfach krank zu melden.
Als Elternteil würde ich meinem Kind helfen, das Gespräch mit dem zuständigen Lehrpersonal zu suchen und das Problem zu lösen. An unserer Schule wäre das überhaupt kein Problem. Da wird kein SuS gezwungen zwischen völlig abstrusen Themen zu wählen, so wie Sie es vorschlagen. Da gibt es immer etwas, was gerne genommen wird.
Das Problem sind allerdings auch häufig völlig unmotivierte Kinder, egal was vorgeschlagen wird. Diese Kinder haben oft keine Hobbies außer Zocken, sie ernähren sich oft hauptsächlich von Chips, Cola und anderem Kram. Wenn das Thema jetzt “gesunde Ernährung” wäre, würde es auch sagen, dass es darauf keinen Bock hat, denn Äpfel und Co schmecken nicht. Lassen sie es dann zuhause mit Pizza, Schokolade und Fernseher?
… und weshalb müssen Kinder sich überhaupt im Netz Ratschläge holen? Da stimmt doch zuhause etwas nicht.
Kinder sollten lernen, wie man richtig kommuniziert.
Zuerst mit den Eltern, dann mit Hilfe der Eltern.
Wenn allerdings die Eltern das auch nicht können … ja dann hilft nur noch weglaufen …
arme Kinder, die solche Eltern haben.
Da Sie es scheinbar noch immer nicht verstehen:
Hiermit erhalten Sie eine suuuuper frrrrreeeiie Wahl:
1. Geländelauf mit Drohne 447 und seinen bekloppten Freunden.
2. Besuch des örtlichen Schützenfestes (unter 50 ist man ‘der/die Jungspund’) mit Zwangsbiersaufen.
3. Chilliburger-Wettessen ohne vegetarische Option mit den freundlichen Jungs von Banditos Hamm-Herringen, es treten auch “Ballet”(höhö)-Tänzerinnen auf!
Was denn?
Was haben Sie denn?
Das sind doch soooooo tollle Angebote, ganz diiiivveeeerrrs und soooo unterschiedlich!
Wenn Sie fernbleiben, sind sie ne ganz ganz böse Verweigerin!!!!111einself 😉
… ich weiß ja nicht, an welcher Schule Sie unterrichten, aber wenn dort Vorschläge dieser Qualität gemacht werden, wundern mich Ihre Reaktionen hier im Chat nicht! Das tut mir leid für Sie!
Das tut mir auch leid für Ihre Schüler!
Nur aus Interesse:
Welches Thema hat denn ihre hypothetische Projektwoche mit drei Vorschlägen, von denen man vermutlich drei wählen soll?
Ich kann Ihnen dazu nur folgendes mitteilen:
Wenn Projektwoche ist frage ich virher “meine” SuS kurz ab, ob sie sich von meinen Projektideen was virstellen können oder ob sie das doof finden. Ehrlichkeit ausdrücklich erwünscht.
Kriege ich zu einer Idee gutes feedback, biete ich das an. Wenn nicht, dann schliesse ich mich den Projekten von KuK an.
Bei Gutefrage ist es in der Tat erschreckend, wie viele verzweifelte Kinder und Teens dort schreiben. Lässt tief blicken, dass es keinen Erwachsenen im Umfeld zu geben scheint, dem sie vertrauen.
Aber die Eltern, die ihren Kindern Entschuldigungen schreiben, dürften sich ja von den Kindern weichklopfen lassen, ergo mit ihnen kommunizieren..
“… und weshalb müssen Kinder sich überhaupt im Netz Ratschläge holen?”
Wie gesagt, die Menschen funktionieren nicht auf Knopfdruck. Schon ab Grundschule werden die Kinder dazu gebracht und gefordert im Netzt Informationen suchen, im Netz zu recherchieren.
Dabei holen sich auch viel mehr natürlich.
“Diese Kinder haben oft keine Hobbies außer Zocken, sie ernähren sich oft hauptsächlich von Chips, Cola und anderem Kram. Wenn das Thema jetzt „gesunde Ernährung“ wäre, würde es auch sagen, dass es darauf keinen Bock hat, denn Äpfel und Co schmecken nicht. Lassen sie es dann zuhause mit Pizza, Schokolade und Fernseher?”
Schauen wir nur, was in der Schule als Essen angeboten wird. Pizza, Muffins, Donuts, Spagetti ohne Soße für 5,20 Euro kleine Portion, die nicht einmal schmecken, oder für 7 Euro mit überzuckerter Soße, Sandwiches mit übresüßten Zeug drauf, Automaten mit Süßkram und Chips usw. Salat, Obstsalat oder irgendwas gesundes kann man in der Schule nicht bekommen, sogar nicht kaufen, aber Angebot gibt es natürlich und sogar wir es von der Schule gefordert das Angebot anzunehmen.
Im Grundschule kann man das Essen noch kontrollieren, aber später nicht mehr. Besonders nicht in höheren Klassen, wo die Kinder bis Spätnachmittag in der Schule bleiben.
Alleingang gegen ganze Gesellschaft funktioniert auch leider nicht. Meine Kinder essen gesund, aber zu Hause, wenn sie zu Hause sind. Regelmäßig nehmen sie ganz spontan ein Paar Kilo in der Sommerferien ab. Und sie gehören zu diesen dünnen. Viel sitzen, viel lernen, Stress in der Schule, Stress in der Klasse, Mangel an Schlaf – und Gesellschaft hilft dabei definitiv nicht tagtäglich ein ausgewogenes und gesundes Klima zu schaffen. Das gleiche gilt auch für die Erwachsene, Eltern und Lehrer.
Das Geld ist oberste Priorität in unserer Gesellschaft. Alles wird für das Geld und um die Wirtschaft anzukurbeln getan und den Preis bezahlen sie oft gerade Familien mit den Kindern. Warum wohl haben wir 6 statt früher 8 Wochen Sommerferien? So kurz hat kein Land Sommerferien.
Ein so oft genanter Grund ist Klima in Südländer. Naja…Finnland hat 13 Wochen, Schweden 10 Wochen, Norwegen 8 Wochen, Österreich 9 Wochen, Tschechien 9 Wochen usw.
Geld hat oberste Priorität – vor allem für die Lehrer.
Und klar, dass die nach noch längeren Ferien rufen.
Ganz ehrlich: alle 6 Wochen mal ein Päuschen und im Sommer sehr lange. Was solls denn noch sein? Es finden sich auch Länder, in denen es ganz ohne Schulpflicht geht. Wie wärs damit?
Anstatt die Belastung für die Kinder übers Jahr zu strecken – bei weniger Ferien und mehr Zeit für den Stoff – plärren alle nach noch mehr Leerlauf.
“Es finden sich auch Länder, in denen es ganz ohne Schulpflicht geht. Wie wärs damit?”
Für uns wäre das ein Heiliger Gral 😀
Wir haben 2 und halb Jahr (Corona) Homeschooling durchgezogen, trotz allen Drohungen. Die schönste Zeit für unsere Familie. Die Kinder hatten hervorragende schulische Leistung (Klassenarbeiten in der Schule geschrieben, mündlich online abgefragt), gesunde Ernährung jeden Tag, ausreichender Schlaf jede Nacht, viel unterwegs, jeden Nachmittag, die Zeit für alles hatten wir und trotzdem, die Kinder waren nie so gut in der Schule, notenmäßig (1,0 Schnitt), wie damals.
Also ja, die Zeit ist dafür reif.
Unser Sohn wusste es in HS nicht, was Minecraft, oder Fortnite sind, er hat gelesen, gebastelt, gemalt, den Wälder und Bäche erkundigt… Sobald in der Schule angekommen – der gesellschaftliche und soziale Druck ist enorm die Computer-Spiele zu spielen. Das Hauptthema, das Minestream sind die Spiele.
So viel darüber, wie die Gesellschaft und Schulpflicht so sehr den Kindern gut tut.
Das ist eine Scheinwahl, wenn alle alternativen unattraktiv sind.
Kinder wissen schon, was sie wollen und was nicht. Man muss nicht alles probieren zu wissen, dass man es nicht mag.
Na, na, wir wollen es mit der “Vielfalt” doch auch nicht übertreiben 🙂 ….
Interessant, dass niemand daran denkt, wie die Kinder einfach schon müde sind und ihre Ruhe haben wollen. So viele Projekten, so viele Gruppenarbeiten, jeden Tag mit Hunderten in der Schule zu tun haben, den Stoff zu 80% zu Hause alleine bewältigen,in der Schule wird weniger denn je gelernt und beigebracht, non-stop Exen, Klassenarbeiten, Abfragen, ewiger Stundenausfall, ewiger Lehrerwechsel, Dauerstress usw. und so jedes Jahr das ganze Jahr rüber, ganz abgesehen noch von der Mobbing und einigen toxischen Klassen – das ist etwas, was nicht normal ist. Die Kinder sind keine Maschinen und sie funktionieren bestimmt nicht auf Knopfdruck, obwohl genau das in der Schule erwartet wird.
Vielfalt, Demokratie, Gemeinschaft, Kameradschaft und ähnliche Themen funktionieren nicht auf Knopfdruck. Und eine Projektwoche dafür ist wie keine – ändert nichts und wird es zukünftig auch nichts ändern und die Kinder sind sich dessen bewusst.
Ja, ich gewinne den Eindruck je dysfunktionaler die Schulen, desto größer der Druck nach außen hin eine gute Performance darzustellen.
Absolut zutreffend.
Ich weiß es nicht, was ich von allem halten soll. Gerade heute kamen Abitur- Ergebnisse von unserem Gym. Schlecht. Noch letztes Schuljahr war es gut, aber dieses Jahr – einfach schlecht, die Ergebnisse.
“Eine Lehrkraft antwortet diplomatisch: „Es ist ein kurzes Projekt, das du selbst gewählt hast. Warum auch immer. Was wäre denn so schlimm daran, einfach hinzugehen und mitzumachen? Es gibt keinen Druck, keine Noten, und du kannst selbst entscheiden, ob du dich mies fühlst, weil andere talentierter sind, oder dich einfach drauf einlässt und Spaß hast. Je weniger du vorher kannst, desto mehr kannst du lernen!“”
Genau deshalb. Einerseits wird angeblich von den Kindern Vielfalt und Engagement erwartet, andererseits am Ende zählt nur die heilige Kuh Note ohne jegliche individuelle Förderung.
Tja, das Leben ist kein Ponyhof- nicht einmal in Bayern.
Vor allem nicht in Bayern 😀
Was an „es gibt keine Noten“ war für Sie missverständlich?
Bis zu diesem Artikel konnte ich ein Erlebnis, welches ich letzte Woche hatte, nicht so recht verstehen. Aber jetzt vermute ich stark, dass ich “Zeuge” eines Schulprojekts war.
Mit meinem Mann besuchten wir das Musical “Ku´Damm 59” an einem Wochentag. In den Reihen direkt vor und hinter uns saßen ca. 10 junge Männer (geschätzt 16/17 Jahre alt), ein paar Reihen weiter hinten ebensoviele Mädchen gleichen Alters. Die Jungs vor und hinter uns waren die meiste Zeit “unauffällig” mit ihren Smartphones beschäftigt, einer schlief die ganze Zeit und ab und zu hörte man geflüstertes “Ist bald Pause/Schluss!”. Die Mädchen dagegen brachen jedesmal in frenetischen Beifall aus, z.T. auch Zwischenrufe, wenn auf der Bühne eine der Damen den konservativen Herren die Stirn bot.
Wir konnten nicht verstehen, warum Schüler (wir dachten an eine Klassenfahrt) freiwillig in so ein Musical gehen, wenn es sie nicht interessiert (die Jungs). Die Karten sind ja auch nicht gerade billig. Jetzt vermute ich, dass es ein “freiwilliges” Schulprojekt war. Vielleicht zum Thema “Frauenrechte in der BRD der 50er/60er Jahre”, “Feminismus” oder auch um den “§175” – es wurden verschiedene Themen angerissen. Musik und Tanz schienen die Jungs und auch die Mädchen eher weniger zu interessieren oder zu begeistern. Deshalb vermute ich, es war kein Ausflug eines “Musik oder darstellendes Spiel -Leistungskurses”. Es stellt sich mir die Frage: Was hat dieser Abend den männlichen Schülern gebracht? Waren sie nur dabei, weil sie im Theater unbeobachtet waren und nicht “quatschen” mussten, zu einem Thema, was ihnen nicht wichtig war? Waren andere Projektthemen, die sie interessiert hätten, überbelegt und sie mussten dann halt da hin? Wer hat dieses “Projekt” ausgewählt und was sollte damit erreicht werden? …
Vielleicht sollte ich noch ergänzen: Die Schüler hatten alle keinen auf den ersten Blick erkennbaren Migrationshintergrund.
War die Aufführung denn so schlecht, dass die sich Jungen zwangsläufig langweilen mussten?
Wir” Boomer” fanden es sehr gut und als “Ossis” interessant, wie die Situation damals für die Frauen in der BRD war (unsere Mütter hatten es in der Zeit schon leichter). 🙂
Das Musical hat bisher nur gute kritiken bekommen, soweit ich gesehen habe. Aber vielleicht ist das nur was für Ältere und junge Mädels?
Danke für die Antwort, freut mich, dass es Ihnen gefallen hat.
Ich muss gestehen, ich hatte einen Hintergedanken, nämlich, dass ich über Ihre Frage „Was hat dieser Abend den männlichen Schülern gebracht?“ gestolpert bin. Da das Musical ja durchaus sehenswert war, fehlt mir da die Aufgeschlossenheit bei den Jungen. Diese sollte sich meiner Meinung nach zumindest in einer Frage an ihren Lehrer ausdrücken: „Was finden Sie eigentlich an dem Musical interessant?“
Sie (obwohl hier nicht in der Lehrerrolle) mit Ihrem Hintergrund hätten wahrscheinlich interessante Antworten für die Kinder.
Schwierig! Ich weiß ja nicht, welches “Ziel” dieser Musical-Besuch hatte und ob die Schüler wenigstens den 1. Teil “Ku´Damm 56” kannten, also die Vorgeschichte und inwieweit die vielen angesprochenen gesellschaftspolitischen und historischen Probleme dieser Zeit im Unterricht schon Thema waren. Auf jeden Fall muss so ein Musical-Besuch gut vorbereitet werden. Ansonsten ist es, als ob ich, ohne die Bücher von Tolkien gelesen zu haben, beim 2. Teil des Films einsteige.
Ich meine natürlich “Herr der Ringe” von Tolkien
Richtig, so wie Lehrer es sich nicht bequem mit der Vorbereitung machen dürfen, dürfen Schüler sich nicht in der Erwartung einrichten, alles mundgerecht und vorgekaut serviert zu bekommen.
… sich die …
Vielleicht wäre die beste Alternative, Unterricht bis zum letzten Schultag zu machen. Die Noten der letzten 2-3 Wochen eines Schuljahres werden dann einfach in das nächste Schuljahr übertragen. Somit entgeht man dann dieser Pipi Langstrumpf-Einstellung der Schüler, Eltern und einiger Kollegen. Würde das nicht alle Beteiligten entlasten, da die Klausur und LK-Termine etwas entzerrt werden? Ist das schulrechtlich machbar?
Über die Halbjahreszeugnisse möglicherweise (NRW), über den Jahresabschluss hinweg vermutlich, auch praktisch, nicht (Fächer- und Lehrerwechsel).
Ich finde die Idee aber durchaus überdenkenswert, obwohl ich es auch nicht grundsätzlich verkehrt finde, die Zeit nach den Zeugniskonferenzen bewusst etwas anders zu nutzen.
Viele krank, da niemand mehr Bock auf Projekte hat. Ähnlich wie beim Unterricht. Die wenigsten interessieren sich noch für etwas bzw. können noch sich für etwas begeistern.
Man muss ja Flammen sammeln – der neue Lebensinhalt.
Vielleicht sind die Projekte aber auch einfach nur schlecht gemacht. Fragt die Schüler doch mal und zieht eure Schlüsse draus.
Viele (Lehrer) krank, da niemand mehr Bock auf (Arbeit) hat. Ähnlich wie beim Unterricht. Die wenigsten (Lehrer) interessieren sich noch für etwas bzw. können noch sich (oder andere) für etwas begeistern.
Man muss ja (auf die Pension hinarbeiten) – der neue Lebensinhalt.
Vorbild freie Wirtschaft.
Ertappt.
Pawlina, soll man denn trollen?
Das Problem, daß man als Schüler am Ende in irgendwelche Projekte gesteckt wird, die man gar nicht wollte, kann ich aus der eigenen Schulzeit bestätigen. Bei uns gab es damals immer Erst-, Zweit- und Drittwahl und in den neun Jahren am Gymnasium bin ich nie auch nur in die Drittwahl gekommen. Angeblich war immer alles schon voll. Stattdessen wurde man dann irgendwo geparkt. Mein interesse war damit zumeist gleich schon einmal komplett genullt, insb. wo ich gesehen habe, da´ß andere Mitschüler mehrmals ihre Erstwahl bekommen haben.
Da lässt man sich eben mal auf etwas Neues ein. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Oder, um den Kreis zu schließen, man ist halt krank.
… oder man bietet mehr von den Projekten an, die von den Schülern am meisten gewählt werden, anstatt die bei Schülern eher unbeliebten “zwangsweise” aufzufüllen. Oder man verlost die Plätze ganz gerecht.
Vorschlag: nach Noteneintrag bauen wir Überstunden ab. Es finden nur noch die Stunden statt, die zwingend notwendig sind (Busse, Betreuung…), also in etwa 2.-5. Std.ndie restliche Zeit haben alle frei. Sonst kommen wir nie von den Bergen an Überstunden runter.
Unsere Projektwoche z.b. liegt 2.-5. und wenn man es schlau anstellt, ist die auch keine Arbeit. Andererseits taugt sie nicht zum Überstundenabbau, weil sie eben täglich die 2.-5. blockt, womit man auf 20 Stunden kommt, was ja nach Deputat eher mehr sein kann.
Vorschlag: tragt die Noten einfach später ein.
Online Notenauszug sofort verfügbar, das gedruckte Zeugnis gibt es später.
Kann auch sein, dass die Projektwoche das Deputat voll macht. Interessant ist, dass das schon als Vollzeit betrachtet wird und die 40 Stunden keine Rolle spielen. Für mich IST Projektwoche Überstundenabbau. Keine Korrektur, keine Nachbereitung. Einfach nur “dasein”. Das sind 40 Stunden minus 15 . Also 25 Zeitstunden “Überstunden”abbau.
Dass sich das für Schüler völlig unattraktiv gestaltet ist nochmal was anderes.
Aber Hauptsache, man hat mal wieder über die ach so viele Überstunden gejammert.
Das kann man aber nicht pauschalisieren. Für mich bedeutet Projektwoche definitiv keinen Überstundenabbau. Ich bin in Teilzeit beschäftigt (22 Stunden), arbeite aber in dieser Woche ca. 27,5h mit Kindern (Zeitstunden, nicht Unterrichtsstunden). Darüber beklage ich mich – im Gegensatz zu vielen Kollegen – auch gar nicht.
Dazu kommt eine gründliche Vor- und Nachbereitung, die ich zumindest für meine Projektthemen für wichtig halte. Damit erreiche ich aber auch, dass selbst Schüler (hier Grundschule), die sich erstmal darüber beklagen, dass sie eigentlich was ganz anderes machen wollten, am Ende begeistert sind.
Ich kenne ja Ihre Projektwochen nicht, aber bei mir in der Grundschule ist das deutlich mehr Arbeit. Zum einen ist der Vorbereitungsaufwand größer als bei normalem Unterricht, zum anderen muss ich natürlich nachmittags den nächsten Tag neu planen, denn mit einmal planen und dann „laufen lassen“ ist es nicht getan. Außerdem macht man als TZ-Kraft fast immer morgens mehr Stunden als in regulären Wochen und am Ende kommen noch x Stunden Schulfest hintendran, gern am Samstag, die natürlich nicht als Überstunden zählen, von WE-Zuschlag wollen wir gar nicht träumen.
Super Idee. Bin dafür.
Wenn wir das irgendwie “offene Schulwoche” nennen oder so…könnte was werden.
Projekttage leben davon, (1) dass sie eine echte Wahl haben, also für alle Klassenstufen mind 10 Angebote gibt und die meisten ihre Erstwahl, viele die Zweitwahl und nur wenige ihre Drittwahl bekommen. Das funktioniert, wenn viele Projekte auch von Oberstufenschülern geleitet werden und wenig gewählte Projekte wegfallen. (2) SuS müssen in der Planungsphase Projektthemen wünschen können und es muss erkennbar sein, dass diese Wünsche berücksichtigt werden. (3) Anspruchsvolle Themen sind super aber sie funktionieren als echte Projekte nur, wenn jeder Teilnehmer da aus innerer Motivation mitmacht. Sonst fühlt es sich eben nicht mehr als Projekt, sondern wie normaler Unterricht an. (4) Will man also die gesellschaftspolitisch anspruchsvollen Projekte gelingen lassen, muss es auch genügend Bastel-, Sport- und Technikprojekte geben.
Wenn man vorhat, SuS zu irgend etwas zu zwingen, dann macht man wie an den sonstigen 98% der Schultage lieber Unterricht.
Hier finden es einige offenbar okay, dass viele S*S nicht an ProWo teilnehmen, denn es sei aufgezwungen, zweckfrei …
Dann wundert es mich jetzt auch noch weniger, dass immer weniger junge Menschen durchhalten können, wenn es mal anstrengender wird.
Dazu kann man nur sagen, dass das so gar nicht aufs Leben vorbereitet. Die Kids lernen in der Schule, dass alles irgendwie Spaß machen bzw. nach ihren Vorstellungen laufen muss, um eine Berechtigung zu haben.
Daran krankt unser Land bereits jetzt schon.
In Deutschland gibt es ca. 250.000 Menschen zwischen 25 u. 45 Jahren, bei denen absolut nichts dagegen spricht eine Arbeit aufzunehmen.
Teile ich nicht ganz.
Dann soll man halt ehrlich (!) sein und eingestehen:
1. Das Interesse der SuS ist egal.
2. Es geht darum, bei den folgenden “Schulfesten”/”Tag der offenen Tür” gutes fake-Material zur Werbung zu haben.
Aber nicht:
Ständig was von “Freiheit” und “Wahl” daher reden.
Das stört (mich) daran.
Für 1. & 2. kann man such in der Hälfte der Zeit die Sachen erstellen lassen wie im Unterricht und danach frei machen.
? Waren Sie zu lange in der Sonne?
Vielleicht gibt es eine Erklärung: Die Schüler, die ihr Wunsch-Projekt nicht bekommen haben, haben ihre Eltern überredet, sie krank zu schreiben. Die Frustrationstoleranz ist ja bei vielen niedrig.
Oder die Veranstalter sind nicht beliebt und es war sozusagen eine persönliche Watsche.
Leider ist SHZ wie immer hinter einer Bezahlschranke, daher weiß ich nichts Näheres über die Beweggründe. Vielleicht eine anonymisierte Umfrage starten.
“Der Anlass: Eine Lehrkraft habe eine gute Freundin von ihr aus dem Unterricht verwiesen, weil sie ein kurzes Oberteil trug und die Jungs damit ihrer Aussage nach „ablenken“ würde.”
Aus dem Verhalten des Lehrers eine Diskriminierung abzuleiten, aus der dann sogar ein Projekt entsteht, sehe ich schon als, beinahe olympiareife, Gedankenakrobatik.
Klassische Folge davon, unangemessene Teenagergefühle über Schule/Erwachsene entscheiden zu lassen.
Zeitgeist halt.
Slutshaming neudeutsch, der weibliche Körper wird für die ” schlechten Gedanken” der männlichen Bevölkerung verantwortlich gemacht. Schon Imho ein interessantes Thema.
Ursache und Wirkung, @Lisa. Von nichts kommt auch nichts. Und wenn man sich ansieht, was die jungen, weiblich gelesenen Menschen teilweise so tragen, fragt man sich doch schon, ob die Eltern anstatt einer Kontroll- nicht vielleicht doch eher eine reine Platzhalterfunktion bekleiden. Wenigstens wäre dann überhaupt etwas bekleidet. Man kann wohl nicht alles haben, schätze ich.
Der Gedankengang, der hieraus jedoch eine Diskriminierung ableitet, die erwähnenswert wäre, erschließt sich mir jedoch immer noch nicht. Und mittlerweile tendiert meine eigene Meinung auch in Richtung Desinteresse.
Irgendwie scheint das völlige Ausblenden einer real existierenden Welt mit völlig von jeder Befindlichkeit unabhängigen Kausalketten so ein Ding der “slutshaming!!!111” / “bear”-Fraktion zu sein.
Schade. Hoffentlich nimmt sich der Elternbeirat der Situation an und kann vermitteln
Schüler bleiben dann Projekttagen ungerechtfertigt fern, wenn dies keine unangenehmen Folgen für sie hat – via Noten oder Zeugnisvermerk.
Und in dieser Hinsicht sind Schulen doch verdammt großzügig – es gibt höchstens wortreiche Mahnungen. Die Zeugnisse sind ja schon beschlossen & geschrieben 😉
Also weniger klagen, deutlicher handeln!
Na ja … wieso?
Findet an den meisten Schulen ja nicht mal beim Bläuen von Kernfächern statt.
Wieso dann bei Projektwochen?
Wenn A, dann B …