ZÜRICH. “Mit Sorgen habe ich als langjähriger Ausbilder von Lehrpersonen wahrgenommen, dass man die schriftliche Division abschaffen will” – so schrieb uns Juraj Hromkovic, Professor an der ETH Zürich und Hauptautor der Unterrichtsbücher für Informatik in allen Schulstufen der Schweiz, mit Blick auf den neuen Grundschullehrplan in Niedersachsen (News4teachers berichtete). Sein Vorschlag: einen besseren Zugang zum Stoff finden. Im folgenden Gastbeitrag erläutert er seine Gedanken, “was für die Schule der Zukunft wichtig sei und wie man schriftliche Division so unterrichten kann, dass man alle Involvierten von Kindern bis zu Bildungsministerinnen zufrieden machen kann”. Und das wiederum hat viel damit zu tun, wie Künstliche Intelligenz die Schule verändern wird.

Künstliche Intelligenz – und die Folgen für die Bildung
Künstliche Intelligenz war 2025 eines der meistdiskutierten Themen, und das wird auch 2026 wahrscheinlich nicht anders sein. Diese Diskussion wird jedoch durch eine Vielzahl unsinniger Mythen und Interessen überschattet, die ein falsches Bild zwischen Werbung und Skepsis erzeugen. Hier erklären wir, was sie ist und was man tatsächlich von ihr erwarten kann.
Wenn man die KI fragt, was KI ist, bekommt man die folgende, ganz zutreffende Antwort: Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik, das Maschinen befähigt, menschliche Denkprozesse wie Lernen, Problemlösung, Sprachverständnis und Entscheidungsfindung zu simulieren und zu imitieren, indem sie Daten analysieren, Muster erkennen und autonom lernen, um Ziele zu erreichen.
Es geht also um die Ausübung von Tätigkeiten, die man sonst nur intelligenten Wesen zuschreiben würde. Die Definition sagt aber nichts davon, wie man diese Imitation des menschlichen Handelns erzeugen kann und wo die Grenzen dieses Einsatzes liegen.
Die Wurzel der KI
Wenn man etwas verstehen möchte, sollte man versuchen, die Genesis der Sache nachzuvollziehen und so weit wie möglich in die Vergangenheit zurückzugehen. Das tun wir hier, in dem wir die Gedanken eines der Urgrossvater der künstlichen Intelligenz – Gottfried Wilhelm Leibniz erläutern. Der Ursprung der KI startet mit dem Gedanken über die Mathematik, die man als Forschungsinstrument zur Beschreibung, Erforschung und Gestaltung der Welt versteht.
Die Mathematik wurde im Grunde genommen als Sprache entwickelt – mit zwei Zielen: Erstens, dass alles, was in dieser Sprache formuliert wird, hat eine eindeutige Interpretation (Objektivität im Kommunikationsaustausch in der Wissenschaft) hat, und zweitens, dass jede Argumentation in dieser Sprache überprüfbar ist. Leibniz und sein Verständnis der Arithmetik stellen eine sehr interessante Geschichte dar, aus der man viel lernen kann.
In der Arithmetik haben wir bestimmte Regeln, zum Beispiel gilt für das zum Beispiel gilt für das Produkt a⋅b = b⋅a oder a⋅(b+c) = a⋅b+a⋅c. Diese Regeln bezeichnen wir als syntaktischen Ausdruck der Ideen (Semantik) der Kommutativität der Multiplikation und des Distributivgesetzes. Diese Regeln sind nichts anderes als die Manipulation von Symbolen, man keine eine Seite der Gleichung durch die andere ersetzen. Und wenn wir alle Regeln der Arithmetik zusammennehmen, definieren sie für uns, was eine korrekte Berechnung ist. Denn eine korrekte Berechnung ist eine Abfolge von Schritten, bei denen in jedem einzelnen Schritt eine dieser Regeln jeweils angewendet wird.
Die Manipulation von Symbolen erfordert dabei kein Verständnis der Bedeutung dieser Symbole.
Wenn ich Symbole nach den Regeln manipuliere, rechne ich richtig – unabhängig davon, was diese Symbole bedeuten und ob ich verstehe, was ich tue. Das Verständnis der Bedeutung von Symbolen nennen wir Semantik, und ein sehr interessanter Aspekt von Leibniz’ Ansatz ist sein Bestreben, Semantik in Syntax zu übertragen. Genau deshalb sprach er von Mathematik als der Wissenschaft der Automatisierung. Wenn wir Semantik in Syntax übertragen, können wir diese Semantik vergessen und nur noch im Rahmen der Syntax arbeiten. In diesem Rahmen kann man richtig rechnen, auch wenn ich nicht versteht, was man eigentlich tut.

Ein wichtiger informatischer Gedanke ist dabei, dass wir zur Überprüfung der Richtigkeit einer Berechnung keinen Menschen brauchen, weil dies auf syntaktischer Ebene geschieht. Wenn wir ein System mit syntaktischen Regeln der Arithmetik programmieren, dann ist dieses System in der Lage zu überprüfen, ob eine Berechnung korrekt ist. Und nicht nur das, das System ist auch in der Lage, neue Berechnungen selbst entwerfen und auszuführen. Jetzt kam Leibniz mit der folgenden genialen Idee: »Nun gut, wenn wir syntaktisch definieren können, was korrektes Rechnen ist, warum definieren wir dann nicht syntaktisch, was korrektes Denken (korrekte Argumentation) ist?»
Wenn wir die Regeln der richtigen Argumentation in Syntax umsetzen könnten, könnten wir ein Programm schreiben, das automatisch die Richtigkeit jeder Argumentation überprüft. Und auch ein Programm, das neue Argumentationen generiert. Wir könnten ausprobieren, was sich alles aus dem, was wir bereits wissen, ableiten lässt. Wir könnten neues Wissen generieren. Bei der syntaktischen Manipulation von Symbolen müssen zwei Abstraktionsebenen berücksichtigt werden. Erstens kann ich vergessen, was die einzelnen Symbole in der Realität beschreiben – ob die Länge eines Objekts oder die Kurse an der Börse. Und zweitens kann ich die Bedeutung der einzelnen syntaktischen Regeln vergessen, ich muss sie nur gedankenlos anwenden. Die Grundprämisse dieses Ansatzes ist die Möglichkeit, das Denken auf die Ebene der Syntax, auf die Ebene der Manipulation von Symbolen zu übertragen. Ohne diese Prämisse würde es keine künstliche Intelligenz geben.
Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste, was man in dem Zusammenhang mit KI verstehen muss. Übrigens Leibniz hatte es nicht geschafft, ein vollständiges syntaktisches System für korrektes Denken zu bauen. Es dauerte weitere 200 Jahre, bis George Bool die Regel der ersten Logik gebaut hatte. Die Logik als syntaktisches Modell des korrekten Denkens war der Grund, warum sich im Jahr 1956 einige führende Wissenschaftler wie John McCarthy, Marvin Minsky, Nathaniel Rochester and Claude Elwood Shannon für sechs Wochen in Hanover (New Hampshire, USA, gesponsort von der Rockefeller-Stiftung) getroffen haben und als Resultat das Gebiet der künstlichen Intelligenz gegründet haben.
LLM (Large Language Modell)
Allerdings handelt es sich bei der heutigen künstlichen Intelligenz hauptsächlich um sogenannte große Sprachmodelle, die nicht nach syntaktischen Regeln der Logik gebaut sind. Sie basieren aber weiterhin auf der Symbolmanipulation, nur nach anderen Regeln.
Statt der Logik verwenden wir ein stochastisches System, das das gesamte Internet durchsucht und ableitet, welche Wortfolgen mit welcher Wahrscheinlichkeit vorkommen. Das bedeutet, dass wenn wir einem solchen System einen Text mit ausgelassenen Wörtern geben, das System in der Lage ist, die Lücken mit den Wörtern zu füllen, die mit der größten Wahrscheinlichkeit dorthin gehören. Es handelt sich immer noch um ein syntaktisches Prinzip, auch wenn es auf bedingten Wahrscheinlichkeiten basiert, die aus einer riesigen Menge von Texten im Internet abgeleitet werden. Und es ist äußerst überraschend, was ein auf einem solchen syntaktischen Prinzip basierendes System leisten kann. Man dürfte es auch als ein Rückschritt betrachten, wenn man statt der zuverlässigen Logik das Entstehen von Halluzination fördert. Aber der Vorteil von LLM liegt in dem, dass man über alles Mögliche «sprechen» kann, was in der Sprache der Mathematik nicht unbedingt möglich ist. Auch wenn LLM nicht klüger sein kann als der Inhalt des Internets und kein neues Wissen generieren kann.
Durchbruch der KI dank der Technologie des maschinellen Lernens
Versuchen wir das maschinelle Lernen mit neuronalen Netzen anhand eines Beispiels aus dem Bereich der Spiele zu veranschaulichen. Alle endlichen Spiele, darunter auch Schach und Go, haben eine optimale Strategie – entweder hat einer der Spieler eine Gewinnstrategie, oder beide haben eine Remisstrategie. Diese Strategie existiert immer, und bei einfacheren Spielen können wir sie finden. Im Grunde reicht es aus, ein Graph aller möglichen Konfigurationen, also der Positionen der Figuren auf dem Spielbrett, zu erstellen. Für dieses Diagramm gibt es einen sehr einfachen und effektiven Algorithmus zur Suche nach der optimalen Strategie. Sogar schon Gymnasiasten schaffen es, diese Suche zu programmieren.
Wenn der Graph aller Konfigurationen eines Spieles jedoch riesig ist (z.B. ist die Anzahl der Konfigurationen bei Schach und Go grösser als die Anzahl der Protonen in dem Sonnensystem) können wir das nicht umsetzen. Wir können eine systematische Suche nach der optimalen Strategie programmieren – das heißt, wir wissen, dass diese Spielstrategien existieren und wie man sie im Prinzip findet –, aber aufgrund des enormen Arbeitsaufwands können wir sie praktisch nicht berechnen.
Dennoch gibt es Schachprogramme, die selbst die besten Schachgroßmeister schlagen. Und diese basieren gerade auf maschinellem Lernen. Der Schlüssel zum Erfolg des maschinellen Lernens liegt darin, dass es eine neue Darstellung von Wissen bietet.
Alle alten Systeme der künstlichen Intelligenz stellten Wissen auf eine Weise dar, die wir Menschen klar verstehen konnten. Das bedeutete unter anderem, dass wir von einer solchen künstlichen Intelligenz selbst lernen konnten, wie sie ihre Expertise einsetzt. Neuronale Netze, auf denen heute der Großteil des maschinellen Lernens basiert, repräsentieren Wissen jedoch anders – in Milliarden von Gewichten auf einzelnen Synapsen des Modelles eines neuronalen Netzes.
Künstliche Intelligenz spielt in wenigen Minuten mehr Partien, als ein Mensch in seinem ganzen Leben spielen kann. Das aus diesen Partien gewonnene Wissen wird in einem neuronalen Netzwerk kodiert, d. h. in den Gewichten der Synapsen. Das System, das alle Schachspieler besiegt, hat dabei keine optimale Strategie. Deshalb verliert es manchmal. Aber es hat eine bessere Strategie als die besten Schachspieler. Diese Strategie ist jedoch in den Gewichten der Synapsen kodiert, also in einer Form, die für uns absolut unlesbar ist. Das bedeutet, dass wir ein System zu einer Expertise trainieren können, die wir von ihm nicht lernen können. Und deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als dieses System zu nutzen. Wir können von ihm nicht lernen, Schach zu spielen.
Hier geht es zum zweiten Teil des Gastbeitrags, in dem Prof. Hromkovic erläutert, was KI mit dem Thema “schriftliches Dividieren in der Grundschule” zu tun hat.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Schule der Zukunft“.
Kooperieren, reflektieren, Verantwortung übernehmen: So fördern Schulen Future Skills









“dass man alle Involvierten von Kindern bis zu Bildungsministerinnen zufrieden machen kann”
Quadratur des Kreises.
Nein, meine Aufgabe ist es nicht “alle” zufrieden zu stellen, sondern die von demokratisch gewählten Politikern geforderten Lehrinhalte so umzusetzen, dass sie die Kinder verstehen.
Burnout sollen die anderen haben…
“Wir könnten ausprobieren, was sich alles aus dem, was wir bereits wissen, ableiten lässt. Wir könnten neues Wissen generieren.”
Wie wohltuend klingt das in einer Bildungslandschaft, in der man sich seit Jahren bemüht, logisches Denken durch Kompetenzraster und Abstraktionsebenen durch „Selbstwirksamkeitserfahrungen“ zu ersetzen. Genau deshalb ist dem Herrn Professor grundsätzlich zuzustimmen – schon weil er im Gegensatz zu vielen Bildungsvisionären nicht von einer Schule träumt, in der Kinder „kompetenzorientiert“ durch den Raum schweben, sondern von einer, in der man tatsächlich noch etwas lernt. Endlich wieder logisch‑abstraktes Denken, nicht nur das Nachspielen pädagogischer Rollenspiele.
„Wenn man die KI fragt, was KI ist, bekommt man die folgende, ganz zutreffende Antwort: Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik, das Maschinen befähigt, menschliche Denkprozesse wie Lernen, Problemlösung, Sprachverständnis und Entscheidungsfindung zu simulieren und zu imitieren, indem sie Daten analysieren, Muster erkennen und autonom lernen, um Ziele zu erreichen.“ Ein Satz, der in vielen Klassenzimmern vermutlich nur noch als Wandtattoo über dem Smartboard hängt – denn KI zum Lernen nutzen wollen ja die wenigsten. Warum auch? Unsere Schülerinnen und Schüler haben in der Simulation von Sprachverständnis und Sachkompetenz in den letzten Jahrzehnten beeindruckend aufgeholt, oft mit tatkräftiger Unterstützung von Lehrkräften, denen man die Kompetenzenkompetenzentwicklung als pädagogische Ersatzreligion verordnet hat. Simulation ist schließlich das neue Können.
„Das bedeutet, dass wir ein System zu einer Expertise trainieren können, die wir von ihm nicht lernen können. Und deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als dieses System zu nutzen. Wir können von ihm nicht lernen, Schach zu spielen.“ Wie passend. Die Maschine spielt Schach, wir spielen Bildungsreform – und beide Partien enden zuverlässig mit einem Matt, nur dass im Klassenzimmer niemand mehr merkt, wer eigentlich verloren hat. Ach, könnten Lehrkräfte doch wieder Expertise vermitteln und fachliches Können trainieren, statt Kompetenzraster zu füttern. Dann könnten Schülerinnen und Schüler tatsächlich von uns lernen, fachlich mitzuspielen, ohne nach drei Zügen vom Brett gefegt zu werden – zumindest im gymnasialen Bildungsgang, wo logisches Denken eigentlich noch zum Inventar gehören sollte.
Professor Hromkovic, erinnert daran, dass Lernen etwas ist, das Menschen miteinander tun – nicht Menschen mit Maschinen und schon gar nicht Menschen mit Formularen, die „Kompetenzstufe 2.3.4 – tendenziell erreicht“ ankreuzen.
Aber der Fachlehrer der seine Fächer unterrichtet ist des Teufels
<schweflige Dämpfe steigen hier auf>.
Die Lerncoach ist doch das Maß aller Dinge. Wobei es ja – wie jeder Bayer weiß – die Maß heißen muss und mehrere Maß zu einem Vollrausch führen, womit wir wieder bei visionärer Bildungspolitik sind. Hier stellt sich mir dann immer die Frage, warum Politiker von Bildungspolitik reden, wenn es doch nicht um Bildung sondern den Erwerb von Kompetenzen geht. “Kompetenzerwerbspolitik” halt – KE im Widerspruch zur KI:)
In den Schulen entwickelt sich der Wettstreit zwischen KI und nicht vorhandener menschlicher Intelligenz – also natürliche Dummheit oder kurz ND (nicht verwechseln mit “Neuem Deutschland”)!
Obwohl … führt voraussichtlich zu einer längeren Debatte mit @Mika aus BB und @Potschemutschka
Also jetzt wird mir einiges klar: Während ich noch naiv dachte, wir reden über Kompetenzsimulation, hat @dickebank offenbar längst den Endgegner im pädagogischen Höllenfeuer entdeckt: den Fachlehrer, dieses Relikt aus der Kreidezeit, das sich erdreistet, tatsächlich Fächer zu unterrichten. Pfui! Weg mit dem Schwefel, also her mit der Maß, sonst wird’s ja nix mit der bildungspolitischen Erleuchtung.
Warum über fachliche Bildung reden, wenn man auch einfach Kompetenzen stapeln kann wie Bierkrüge auf dem Oktoberfest? Hauptsache, am Ende hat jeder eine schöne Sammlung an „Ich‑kann‑irgendwas‑irgendwie“-Badges, auch wenn keiner mehr weiß, was ein Satzglied ist. Visionär, sag ich ja!
Der epische Showdown zwischen KI und ND gefällt mir besonders. Wobei ND ja inzwischen so weit optimiert ist, dass sie sogar ohne Algorithmus zuverlässig läuft. Vielleicht sollten wir das als „natürliche Ressource“ schützen lassen – wer weiß, wann die Politik das als innovatives Schulkonzept verkauft. Wobei ND ja auch noch den unschlagbaren Vorteil hat, völlig wartungsfrei zu laufen. Keine Updates, keine Serverkosten, keine Ethikdebatten – einfach zuverlässig präsent. Da kann die KI nur staunen.
Also heben das Glas – äh die Maß.
Wenn schon kein Erkenntnisgewinn, dann wenigstens ein kleiner Kaloriengewinn.
Prost Mahlzeit – und zum Trost noch ’nen Toast.
Nicht “natürliche Ressource” sondern Human Resources aka Arbeitsdrohnen.
Also kurz gesagt:
Im Westen nichts Neues.
Och, die Katze und ich haben, was das neue deutsche Anforderungsprofil an Unterricht (kurz: NDAAU) betrifft, ziemlich ähnliche Ansichten. Sachsen und Brandenburg liegen halt im Osten, ne?
Aber Sachsen ist Freistaat. Und dessen Bewohner oder neudeutsch Inhabitants lästern gerne während der Zugfahrt von Leipzigs Shopping Mall mit Gleisanschluss zum Südkreuz, dass erst ein riesiges Kiefernmeer durchkreuzt wird, dann ein Sandmeer und anschließend gar nichts mehr.
So viel zu den Gemeinsamkeiten.
Aber was den Kompetenzerwerbb angeht, bin ich bei Ihnen und der Katze.
Ich finde es aber nicht falsch, die schriftliche Division etwas nach hinten zu verlagern, also z.B. in Klasse 5, um erstmal die Voraussetzungen zu sichern, die nötig sind, das zu verstehen. Ja, die Kinder konnten das früher auch. Aber konnten sie es denn wirklich? Es wurde bislang schon in Klasse 4 unterrichtet (eher nicht, oder?). Es soll jetzt auf die 5. Klasse verschoben werden? Oder die 6.? Die Schule wird überfrachtet mit vielen Dingen, die sie heutzutage vermitteln soll, da bleibt eben für manches weniger Zeit. Dem muss man Rechnung tragen. Rechtschreiben, Lesen, Rechnen, für all das ist weniger Zeit an den Grundschulen. Nochmal, nur weil es bisher schon in Klasse 4 unterrichtet wurde, heißt das nicht, dass die Kinder es besser verstanden/beherrschten.
Ich möchte diese Logik gerne auf meine Steuererklärung und vieles andere übertragen:
Nur weil es erst später erfolgt und nicht da ist, heisst das doch nicht, dass es nicht da ist!
Ich verstehe nicht, was diese lange Abhandlung über die KI damit zu tun haben soll, dass man die schriftliche Division unbedingt bis Klasse 4 unterrichten MUSS und ab Klasse 5 “alles verloren” ist.
Das Märchen vom Schlaraffenland ist ein Märchen aus Deutschland.
Tatsächlich gibt kein “free lunch”, irgendwer muss bezahlen. Ausgaben müssen Einnahmen gegenüberstehen, weil die Vögel nicht gebraten in der Luft herumfliegen und Technik und Energie kostet. Also meine Frage, wer wird die neue (alte) Schlaraffenwelt in den Schulen bezahlen?
Würden die Länder ihre Anstrengungen bei der Steuerfahndung, der Bankenaufsicht, der Schwarzarbeitkontrolle, der Finanzmarktaufsicht deutlich erhöhen, es wäre kein Problem.
*schaut stumm auf Staatsquote, Steuereinnahmen, gesamte Steuer- und Abgabenquote für AN in BRD*
“Äh, Herr Lehrer, ich glaub ich weiß was…”
Vorlauter Bengel. Schweigst du wohl stille
Ist doch klar: die Boomer!
“wer wird die neue (alte) Schlaraffenwelt in den Schulen bezahlen”
Derselbe, der die Aufrüstung, die Industrie-Subventionen, das Bürgergeld und die EU-Abgaben bezahlt. Wer sonst?
So gerechtfertigt und anerkennenswert es ist, aus Erwachsenen- und Fachwissenschaftlerperspektive die Wünschbarkeit bestimmter (hier schriftliches Dividieren, aber es gäbe hunderte weiterer) Fähigkeiten zu begründen, also “lehrseits” zu denken (!), so bedauerlich, dass nicht auch ‘lernseits’ gedacht wird, im Sinne von Michael Schratz – hier gäbe es noch auf Seiten der Erwachsenen Denken zu lernen, eben “evaluativen Denken” (John Hattie).