
Das Handyverbot an staatlichen Schulen wird in Sachsen auf ältere Jahrgänge ausgeweitet. Seit diesem Schulhalbjahr sind private Handys bereits an den Grundschulen tabu. Jetzt kündigte Kultusminister Conrad Clemens an, die Regel auf ältere Schülerinnen und Schüler bis zur achten Klasse zu erweitern.
«Ich kann auf Landesebene dieses Handyverbot ausweiten. Das werde ich auch tun», sagte der CDU-Politiker im Podcast «Thema in Sachsen» von «Sächsischer Zeitung» und «Leipziger Volkszeitung». Das ausgedehnte Handyverbot solle ab dem kommenden Schuljahr nach den Sommerferien gelten, berichteten die Zeitungen.
Clemens sieht in dem Verbot eine Ergänzung zu einem ebenfalls diskutierten Social-Media-Verbot bis 14 Jahren. «Und da finde ich, gehört es ganz gut zusammen: Social-Media-Verbot bis 14 Jahre. Und gleichzeitig Handyverbot bis zur achten Klasse», sagte er.
Minister: Selbstbeschränkung funktioniert schlecht
Die Selbstbeschränkung bei der Handynutzung habe ihre Grenzen – das merkten auch die Erwachsenen, argumentierte der Kultusminister. «Und wir erwarten gleichzeitig von Elfjährigen, dass sie verantwortungsbewusst sagen: Oh, jetzt ist es aber genug mit Insta oder Snapchat. Das funktioniert so nicht.»
Digitale Medien könnten im Unterricht sehr wohl genutzt werden – aber eben nicht für den privaten Gebrauch, erklärte Clemens. Zugleich solle die Medienkompetenz gestärkt werden. Es soll einen Medienpass geben – ein Unterrichtsmodul, in dem die Schülerinnen und Schüler einen verantwortungsvollen Umgang unter anderem mit Social Media und Online-Spielen lernen.
Die GEW sieht den Vorstoß des Kultusministers kritisch. Claudia Maaß, Lehrerin in Leipzig und stellvertretende Landesvorsitzende, sagt: „Das ist reine Profilierungspolitik: Der Minister verteilt Verbote, aber keine Lösungen. Von diesem Vorstoß erfuhren die Schulleitungen und Lehrkräfte aus der Presse. Nicht beantwortet wird jedoch die Frage, wer das Handyverbot im Schulalltag durchsetzen soll – angesichts von Unterrichtsausfall, Personalmangel und steigender Belastung! Der Minister scheint zu erwarten, dass Lehrkräfte wieder das Verbot umsetzen und damit entstehende Konflikte lösen müssen. Das ist verantwortungslos.“
Politische Rahmenvorgaben für die private Handynutzung im Schulalltag seien begrüßenswert. Aber Schulen bräuchten klare und praktikable Regeln, damit Unterricht und Pausen funktionieren. Ein pauschales landesweites Verbot ersetze jedoch kein pädagogisches Konzept – und es löse auch nicht die Ursachen problematischer Nutzung.
„Wenn der Kultusminister darüber hinaus für ein bundesweites Social-Media-Verbot für Kinder wirbt, muss er beim Kinder- und Jugendschutz ansetzen: bei Restriktionen für die Plattformen der Tech-Giganten, bei wirksamer Prävention und bei Unterstützung von Eltern. Schule kann begleiten – aber sie kann nicht die Versäumnisse im Jugendschutz kompensieren“, so Claudia Maaß.
Die GEW Sachsen fordert: verbindliche und ressourcengesicherte Medienbildung (konkret: Zeit, Fortbildung, Materialien), mehr Schulsozialarbeit und Präventionsangebote und praxistaugliche, rechtssichere Regelungen, die Schulen gemeinsam mit Eltern und Schülervertretungen vor Ort ausgestalten können – „statt reiner Symbolpolitik“. News4teachers / mit Material der dpa









Handyverbot bis Klasse 8 – der bildungspolitische Papiertiger des Jahres
Der Kultusminister kündigt also stolz an, das Handyverbot bis Klasse 8 auszuweiten. Ein Schritt, der ungefähr so mutig ist wie der Beschluss, ab morgen weniger Schokolade zu essen – aber nur montags. Die meisten Gymnasien haben das längst, aber gut, man kann sich ja auch mal mit dem Offensichtlichen schmücken. Politik lebt schließlich von Symbolen, und wenn man keine echten Lösungen hat, dann nimmt man eben die billigsten.
Ein Verbot bis Klasse 10 oder gleich bis 12? Das wäre natürlich zu konsequent. Und Konsequenz ist in der Bildungspolitik ungefähr so beliebt wie ein unangekündigter Vokabeltest. Stattdessen gibt’s Symbolpolitik light: ein bisschen Verbot hier, ein bisschen Pressemitteilung da, und fertig ist der große Wurf, der keiner ist.
Währenddessen sieht die Realität so aus:
Meine Neuntklässler verbringen jede Pause damit, sich in ihre Displays zu bohren, als würden sie dort die Lösung aller Weltprobleme finden. Und anschließend wundert man sich ernsthaft, warum in meinen MINT-Fächern Konzentration, logisches Denken oder abstrakte Problemlösung ungefähr so funktionieren wie ein Taschenrechner ohne Batterie. Die Kausalität liegt so offen auf dem Tisch, dass man fast drüber stolpert.
Kurzum:
Der Kultusminister verkauft eine Maßnahme, die vielerorts längst Standard ist, als großen Fortschritt – und die GEW kritisiert das als Symbolpolitik, während sie selbst seit Jahren nichts anderes betreibt als symbolische Empörung ohne praktische Folgen. Ein perfektes Duo: Die einen tun so, als würden sie handeln, die anderen tun so, als würden sie widersprechen – und beide produzieren exakt nichts.
Das Ergebnis:
Alle reden über Verbote, aber niemand löst das Problem.
Alle spielen Politik, aber keiner macht Bildung.
Und die Lernleistung? Die bleibt, wo sie ist: im freien Fall.
Find ich super. Ich bin großer Anhänger von wait till eighth. Das bekommen Eltern aber nicht hin, ich rede regelmäßig mit Müttern von Grundschülern, die sich durch sozialen Druck in der Schule dazu gezwungen sehen, ihr Kind ab Klasse 5 mit einem Smartphone auszustatten. Damit es kein Außenseiter ist.
Ein Handyverbot bis Kl.8 würde diese Eltern sehr entlasten, weil der soziale Druck aus der Schule wegfällt.
Kein Kind braucht vor Klasse 8 ein Smartphone. Im Gegenteil, es schadet. Die Argumente von smarterstartab14.de sind einfach besser als die von den Gegnern des Verbots.
Ich habe es übrigens durchgezogen beim ersten Kind und werde es auch bei Kind2 und Kind3 tun. Die Psyche meiner Kinder ist mir zu wichtig. Täglich muss ich mir in der Schule Folgen bei meinen Schülern ansehen…
Sagen Sie das bitte jenen Eltern, die ihren Zweijährigen vors Smartphone setzen, um “mal etwas Ruhe” zu haben. Andere überlassen die Erziehung sogar noch mehr diesem handlichen Gerät, das man in jedweder Situation zücken kann, um das Kind beschäftigen zu können.
Ja das wird witzig, ab 8. Klasse braucht man oft ein Bus/Bahnticket. Das Deutschlandticket ist ein digitales Ticket in vielen Nahverkehrsbereichen, d.h. ohne App kein Ticket. Dazu kommt, ohne App keine Infos bei Ausfall von Zügen/Bussen außerhalb der Zentren. Sorry, das Verbot ab der 5. Klasse passt nicht zur Lebenswelt der Schüler.
Das Deutschlandticket sollte für Jugendliche überall im Rahmen des Schülertickets vergünstigt angeboten werden. Dann ist es auf der Chipkarte mit drauf. Gar kein Problem. Wie haben wir nur damals überlebt ohne Apps, die uns über Ausfall von Bus und Bahn informiert haben?
I’m Artikel jedoch geht es nur um day Verbot von Handys in der Schule und nicht auf dem Schulweg.
Wie auch immer ein Smartphone in Kl.5 nur für die Busfahrt und mit keiner anderen App als die Busapp und die Möglichkeit die Eltern anzurufen, wäre ja überhaupt kein Problem. Das Problem ist der freie unregulierte Zugriff und Social Media (auch YouTube).
Enttäuschend.
Ich dachte, würde eine gewaltige Aufklärungsaktion angekündigt, dass Kleinkinder nicht mit Smartphones ruhig gestellt werden sollen.
Aber dann dümmeln wir halt weiter, ohne zu wissen, welche Effekte aktuelle Regelungen auf die älteren Jahrgänge haben – nicht, dass wir das vernünftig umsetzen (augenroll)