FRANKFURT/MAIN. Eine Grundschullehrerin aus dem Rhein-Main-Gebiet wird im Unterricht angegriffen, bedroht und beleidigt. Was sie im ZDF schildert, ist kein Einzelfall, sondern verweist auf ein wachsendes Problem im Schulalltag. Neue Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen, dass Gewalt gegen Lehrkräfte in Deutschland deutlich zugenommen hat. Die Ursachen? „Es ist sehr deutlich auch eine Erziehungsfrage“, sagt der Sozialpsychologe Prof. Andreas Zick.

Sie kniet sich vor einen Schüler, versucht ihn zu beruhigen. Die Situation ist angespannt, das Kind aufgebracht. Dann greift es nach einer Schere. „Ich habe mich vor den Schüler gekniet, um ihn zu beruhigen (…). Er hat dann ausgeholt mit der Schere“, berichtet die Grundschullehrerin, die anonym bleiben möchte, gegenüber dem ZDF.
Die junge Frau, die anonym bleiben möchte, unterrichtet im Rhein-Main-Gebiet. Gewalt, sagt sie, sei längst Teil ihres Berufsalltags. „Gewalt ist ein ganz elementarer Faktor.“ Immer wieder müsse sie Prügeleien zwischen Kindern schlichten. Doch es bleibe nicht dabei. „Ich bin sowohl von Kindern als auch von Eltern bereits körperlich, verbal, massiv angegriffen worden.“
Einmal habe eine Mutter sie vor der Schule angespuckt, nachdem sie ein Schulbuch in Rechnung gestellt hatte. In einem anderen Fall sei ein Vater wütend in den Klassenraum gestürmt und habe ihr mit erhobener Faust gedroht. Nur das Eingreifen eines Kollegen habe die Situation entschärft.
Besonders eindrücklich schildert sie einen Vorfall aus einer vierten Klasse. Ein Schüler sei mit einem selbstgebauten Schlagstock erschienen, „einen großen Stock mit Nägeln beschlagen“, und habe angekündigt, seine Lehrerin töten zu wollen. Die Idee dazu habe er aus einer Fernsehserie übernommen.
„Es ist psychisch extrem belastend“, sagt die Lehrerin. Die Gewalt komme zu einer ohnehin hohen Arbeitsbelastung hinzu, verstärkt durch Personalmangel und schwierige Lernvoraussetzungen vieler Kinder. Sozialpädagogische Unterstützung fehle. Viele Schülerinnen und Schüler brächten Wut aus ihrem familiären Umfeld mit in die Schule.
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Ein Rückgang im Jahr 2021 auf 564 Fälle wird im Zusammenhang mit pandemiebedingten Schulschließungen gesehen. Seit der Rückkehr zum Regelbetrieb steigen die Zahlen wieder an. Auch im Bereich schwerer Gewaltkriminalität ist eine Zunahme zu verzeichnen. 2015 registrierte die Polizei 268 entsprechende Fälle, 2024 waren es 557.
Zu diesen Delikten zählen unter anderem schwere und gefährliche Körperverletzung, Raub oder Geiselnahme. Erfasst werden nur Taten, die im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen. Angriffe außerhalb dieses Kontextes fließen nicht in diese Kategorie ein.
Parallel zu den statistischen Entwicklungen verweisen Fachleute auf strukturelle Ursachen. Der Bielefelder Konfliktforscher Prof. Andreas Zick sieht einen engen Zusammenhang zwischen familiären Erfahrungen und schulischem Verhalten. „Wenn Kinder und Jugendliche wahrnehmen, dass Aggression und Gewalt bei den Eltern eine Möglichkeit ist, den Alltag zu bewältigen und eine Möglichkeit ist, zu kommunizieren und gemeinsam die Beziehung zu regulieren.“ Daraus folge: „Es ist sehr deutlich auch eine Erziehungsfrage.“
„Migration ist dann ein Faktor, wenn wir Menschen haben, die mit einer höheren Akzeptanz von Gewalt und Aggression in die Gesellschaft kommen“
Zick beschreibt gegenüber dem ZDF zudem eine Verschiebung im sozialen Umgang unter Kindern und Jugendlichen. Gewalt sei direkter und intensiver geworden. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch die digitale Kommunikation. „Wenn wir Gewalt und Aggression an Schulen sehen“, erklärt er, „ist ein ganz zentraler Faktor Social Media.“ Dort entstehe eine eigene Dynamik – „eine parallele Schulkultur, die die Schule auch nicht in den Griff kriegt.“ Mit Blick auf den Einfluss von Einwanderung differenziert Zick: „Migration ist dann ein Faktor, wenn wir Menschen haben, die mit einer höheren Akzeptanz von Gewalt und Aggression in die Gesellschaft kommen. Das heißt, zu Beginn eines Einwanderungsprozesses spielt das eine größere Rolle.“
Die betroffene Lehrerin bestätigt diese Beobachtungen aus ihrer Praxis. Konflikte entstünden häufig nicht erst im Klassenzimmer. Aggressive Stimmung im Klassenchat, Beleidigungen und gezielte Provokationen wirkten wie eine Vorbereitung auf reale Auseinandersetzungen. Sie spricht von einem „Vorglühen“ für spätere Gewalttaten.
Auch soziale Faktoren spielen aus ihrer Sicht eine Rolle. Viele Kinder kämen aus wirtschaftlich belasteten Familien, lebten in prekären Verhältnissen oder hätten eingeschränkte Sprachkenntnisse. Eltern seien oft überfordert. Schule werde so zum Ort, an dem sich gesellschaftliche Spannungen bündeln. Unterstützung durch die Institution Schule erlebt sie nur begrenzt. Maßnahmen zur Prävention oder zur Deeskalation seien nicht ausreichend vorhanden. Konsequenzen für übergriffiges Verhalten würden aus ihrer Sicht nicht konsequent umgesetzt.
Die persönlichen Folgen: Die Lehrerin hat begonnen, Kampfsport zu trainieren, um sich im Ernstfall verteidigen zu können. Gleichzeitig denkt sie darüber nach, die Schule zu wechseln. News4teachers









Die Szene mit dem Schlagstock stammt aus ” The Walking Dead”, FSK 18. Wenn ein Viertklässler so etwas anschauen kann, sind die Eltern in Verantwortung.
Hilft der Kollegin leider auch nicht weiter
TOLL! Für nur 25,99 Euro sollen sich die Lehrer und Erzieher professionelle Hilfe in Form von Arbeitsblättern selbst kaufen?
Wäre es nicht das mindeste, wenn der Dienstherr diese Materialien jedem Lehrer kostenlos zur Verfügung stellt, wenn er schon keine besseren Ideen hat!
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Aber das muss es Ihnen doch wohl wert sein. Keine 30 Eronen bei dem astronomischen Gehalt plus mega Pension (wenn verbeamtet, sonst halt Pech gehabt) und dann stellt man sich für so einen Kleckerbetrag an … die deutsche Mehrheit kann es nicht fassen.
Ich finde nicht, dass es “sehr deutlich eine Erziehungsfrage” ist. Ich finde, es eher ein gewandeltes Bild des Lehrers in unserer Gesellschaft. Es sind ja ganz oft schon die Eltern, die sich “nichts gefallen lassen” und um halbe Punkte in Klassenarbeiten mit dem Lehrers streiten usw.-usf. Der Lehrer ist nicht mehr die Respektperson, die er mal vor 50 Jahren oder so war. Er ist angreifbar (theoretisch gemeint), fehlerhaft, ein Dienstleister……. Das muss man auch nicht alles schlecht finden. Er ist ein Mensch eben und kein “Gott” mehr (ähnlich wie die “Götter in Weiß”).
Aus Migrantenfamilien erfahre ich eigentlich eher noch mehr Respekt und Achtung vor mir als Lehrer. Da hat man noch das alte Klischee im Kopf wie bei uns vor 50 Jahren. Je nachdem natürlich aus welchem Kulturkreis eine Familie kommt. Es sind eher die “Deutschstämmigen”, die alles in Frage stellen und jeden Respekt vor dem Lehrer verloren haben.
Ja, das mit dem mehr Respekt liegt i.d.R. dann aber an der Tatsache, dass du ein Mann bist … die Kulturkreise, die hier als problematisch angesprochen werden, sehen in deinem Geschlecht schon mal den grundsätzlichen Respektsvorteil … frag diesbezüglich mal bei weiblichen Lehrkräften nach … die berichten von anderen Erfahrungen.
Man kann auch nicht von “die Migranten” reden. Da bekommt man nämlich je nach Kulturkreis und Einstellung sehr unterschiedlich viel Respekt erwiesen. Von “Danke für ihren Unterricht” bis “Digga, was willst du” ist alles dabei. Und von der “Lehrer rat immer Recht” bis zu “ey, ich werde hier nur diskriminiert” ist ebenfalls alles dabei. Migranten sind ja nun keine homogene Gruppe. Kann man so pauschal wohl nicht sagen.
Ich frage mich, ob nicht inzwischen auch im Olymp über zunehmende Respektlosigkeit geklagt wird.
Klar, immer dann, wenn das Fußvolk/ zur Gattung “der gemeine Lehrer” Gehörende wagen, Anweisungen, Entscheidungen …. anzuzweifeln 🙂
Erziehungsfrage? Es scheinen dies vermehrt die Auswirkungen einer seit 1968 andauernden gesellschaftlichen Transformation zu sein, die durch verschiedene andere Komponenten – Zuwanderung aus anderen/fremden Kulturen mit mangelndem Integrationsvermögen sowie stetige Überforderung der zuständigen staatlichen Stellen verstärkt wurden. Es sind diese Entwicklungen EU-weit zu beobachten, die auf einen zunehmenden ” Schmelztiegel ” hindeuten, politisch gewollt – auch dafür gibts gute Gründe- , allerdings wurden die Voraussetzungen völlig ” in s Blaue” vernachlässigt. Schliessen spielt Erziehung natürlich eine grosse Rolle, allerdings, sie kann nur gelingen, wenn nicht permanente Überforderung gegeben ist.
Aber da die betreffenden Eltern es offensichtlich nicht schaffen, ihre Kinder im Sinne des Gemeinwohls zu erziehen, und man sie ja nicht dazu verpflichten kann, müssen das wohl die Kitas und Schulen übernehmen.
Sarkasmus off, Frustration on
Für nur 25,99Euro kann sich doch jeder Lehrer, zu seinem persönlichen Schutz, die Sammlung mit Arbeitsblättern zur Gewaltprävention kaufen. So viel Geld wird doch jeder für seine eigene Sicherheit investieren können. 🙂 Das hilft gaaaanz sicher!
Das kommt darauf an, wie viele Seiten das Buch hat, wie schwer es also ist. Mit der digitalen Variante hat man eher schlechte Karten (, es sei denn, man liest es auf dem Dienstlaptop.)
🙂
Man kann ja dann noch ein paar Nägel ins Buch kloppen und es an einen Stock binden. Dann hat man im Ernstfall Chancen… Man glaubt es manchmal alles einfach nicht mehr…
Erziehungsfrage? Lese ich da etwa Elternverantwortung? Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich warte auf den Kommentar eines bestimmten Foristen…
Eine SisyphosArbeit! Ein Teil der Gesellschaft forciert Gewalt. Eine Partei macht das z.T. ganz unverfroren.
Die gleichen Menschen fordern dann u.a. Lehrer auf, etwas gegen die Gewalt zu unternehmen. Ein perfides Spiel, in dem die Kinder wie die Lehrer nur verlieren können. Wer es offen anspricht, wird angegriffen. Das gehört zum Spiel/zur Strategie.