DÜSSELDORF. Franziska Wenzel, Sonderpädagogin an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen, beschäftigt sich in ihrer Arbeit intensiv mit der Frage, wie Kindern ein gelingender Start in die Schule ermöglicht werden kann. Besonders der Übergang von der Kita in die Grundschule steht dabei im Mittelpunkt – eine Phase, die für viele Kinder mit Vorfreude, aber auch mit Unsicherheiten verbunden ist. Mit ihrem Projekt der „Vorschulpost“ (das sie im folgenden Gastbeitrag vorstellt) zeigt sie, wie sich dieser Übergang mit einfachen, alltagsnahen Mitteln beziehungsorientiert gestalten lässt.

Vorschulpost – Wie wir den Übergang von der Kita in die Grundschule begleiten
Wenn Kinder von der Kita in die Grundschule wechseln, erleben viele diesen Schritt mit großer Neugier – aber auch mit Unsicherheit. Neue Räume, neue Menschen und neue Erwartungen müssen bewältigt werden. An unserer Grundschule haben wir deshalb ein kleines Projekt entwickelt: die „Vorschulpost“. Vorschulkinder erhalten bereits vor der Einschulung regelmäßig Post von der Schule mit kleinen Aufgaben, Ideen oder Forscherimpulsen.
Übergänge als pädagogische Aufgabe
Die Gestaltung des Übergangs zwischen Kita und Grundschule wird seit vielen Jahren als gemeinsame Aufgabe beider Institutionen verstanden. Forschungsergebnisse zeigen, dass ein gelingender Übergang insbesondere dann unterstützt wird, wenn Kinder bereits vor dem Schuleintritt positive Erfahrungen mit der zukünftigen Lernumgebung machen können und erste Beziehungen zu den neuen Bezugspersonen aufbauen.
Dabei geht es weniger um eine frühzeitige Vermittlung schulischer Inhalte als vielmehr um emotionale Sicherheit, Orientierung und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Kinder profitieren besonders dann, wenn sie aktiv am Übergangsprozess beteiligt werden und sich als kompetent erleben können. Genau an diesem Punkt setzt die Idee der Vorschulpost an.
Die Idee der Vorschulpost
Kinder, die im folgenden Schuljahr eingeschult werden, erhalten bereits mehrere Monate vor der Einschulung regelmäßig Post von der Schule. Die Briefe enthalten kleine Aufgaben, Rätsel, kreative Impulse oder Forscherideen, die die Kinder zu Hause ausprobieren können.
Die Inhalte sind bewusst niedrigschwellig gestaltet und lassen sich ohne besondere Materialien umsetzen. Ziel ist es nicht, schulische Inhalte vorwegzunehmen, sondern Neugier, Freude und Selbstvertrauen zu stärken.
Die Kinder können beispielsweise:
- kleine Beobachtungsaufgaben lösen
- Bilder gestalten oder malen
- einfache Experimente ausprobieren
- Fragen nachgehen, die zum Nachdenken anregen.
Durch diese regelmäßigen Impulse entsteht bereits vor der Einschulung eine erste Verbindung zwischen den Kindern und der Schule.
Die Briefe werden an unserer Schule nicht nur von Lehrkräften vorbereitet. Auch Schülerinnen und Schüler der Grundschule beteiligen sich daran. Sie helfen dabei, die Vorschulpost zusammenzustellen und auszutragen. Auf diese Weise übernehmen sie Verantwortung für die zukünftigen Schulanfänger und erleben sich selbst als Teil einer unterstützenden Schulgemeinschaft. Gleichzeitig entsteht so bereits vor der Einschulung eine erste Verbindung zwischen den Kindern der Schule und den zukünftigen Erstklässlern.
Beziehung entsteht schon vor dem ersten Schultag
Ein zentraler Gedanke des Projekts ist der Aufbau von Beziehung und Vertrautheit. Kinder erleben Schule zunächst häufig als abstrakte und unbekannte Institution. Durch die Vorschulpost wird Schule bereits im Vorfeld als ein Ort wahrgenommen, der sich für sie interessiert und sie einlädt, aktiv zu werden.
Viele Kinder bringen ihre bearbeiteten Aufgaben später stolz zur Einschulung mit oder berichten von ihren Erfahrungen. Dadurch entstehen erste Gespräche über Schule im familiären Alltag.
Solche positiven Vorerfahrungen können dazu beitragen, Unsicherheiten zu reduzieren und Vorfreude auf den Schulbeginn zu entwickeln. Studien zur Übergangsgestaltung zeigen, dass frühe positive Erfahrungen mit Schule einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Bewältigung des Übergangs leisten können.
Niedrigschwelligkeit als wichtiger Faktor
Ein wesentliches Anliegen bei der Entwicklung des Projekts war es, einen Zugang zu schaffen, der für alle Familien möglich ist. Die Aufgaben sind deshalb so gestaltet, dass sie unabhängig von sprachlichen oder materiellen Voraussetzungen bearbeitet werden können.
Alltagsmaterialien reichen in der Regel aus, und viele Aufgaben lassen sich gemeinsam mit Eltern oder Geschwistern umsetzen.
Gerade für Kinder aus Familien, die mit schulischen Anforderungen weniger vertraut sind, kann dieser niedrigschwellige Zugang eine wichtige Brücke darstellen. eteiligungsorientierte und alltagsnahe Formen der Übergangsgestaltung gelten daher als besonders wirksam.
Zusammenarbeit mit Kindertageseinrichtungen
Die Vorschulpost wird auch in Kooperation mit den umliegenden Kindertageseinrichtungen genutzt. Einige Kitas greifen einzelne Aufgaben in ihren Gruppen auf oder sprechen mit den Kindern über die erhaltenen Briefe. So entsteht eine Verbindung zwischen den beiden Bildungsorten, die den Übergang für die Kinder zusätzlich unterstützt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kita und Grundschule wird in der Übergangsforschung als wichtiger Faktor für gelingende Bildungsbiografien beschrieben.
Kleine Impulse mit großer Wirkung

Die Erfahrungen aus der bisherigen Umsetzung zeigen, dass bereits einfache Impulse eine große Wirkung entfalten können. Kinder begegnen der Schule mit größerer Neugier, fühlen sich angesprochen und erleben sich selbst als aktiv Beteiligte in diesem Übergangsprozess.
Die Vorschulpost verdeutlicht, dass Übergangsgestaltung nicht zwangsläufig umfangreiche Programme erfordert. Oft können bereits kleine, kontinuierliche Impulse dazu beitragen, Kindern Sicherheit zu geben und ihnen einen positiven Start in die Schule zu ermöglichen.
Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um gelingende Bildungsübergänge kann eine niedrigschwellige und beziehungsorientierte Gestaltung des Übergangs einen wichtigen Beitrag leisten.
Inzwischen gehört die Vorschulpost fest zu unserem Übergangskonzept. Viele Kinder kommen zur Einschulung bereits mit einer ersten Vertrautheit mit ihrer neuen Schule – und genau das war das Ziel. News4teachers









An meiner vorherigen Schule hätte das gut funktioniert, an der Schule meiner Kinder stand eines Sonntagmorgens die zukünftige Klassenlehrerin vor der Tür und übergab meinen höchst erfreuten Sohn persönlich einen Brief…..Waren beides Landschulen mit festen und kleinem Einzugsgebiet….
An meiner jetzigen Schule sieht das deutlich anders aus. Die Kinder kommen nicht aus einem Umkreis von ein paar Straßen, z.T. Wohnen Sie sehr prekär……wir haben ca 10 Kitas, in die die Kinder gehen…..
Natürlich bekommen die Kinder auch Post von der Klassenlehrerin mit Button und allem Zipp und Zapp…..aber persönlich wird da nichts vorbeigebracht……