STUTTGART. Baden-Württembergs neuer Kultusminister Andreas Jung (CDU) hat angekündigt, angehende Lehrkräfte künftig über die Sommerferien hinweg bezahlen und damit eine seit Jahren kritisierte Praxis beenden zu wollen. Der Philologenverband Baden-Württemberg begrüßt den Vorstoß bereits als „starkes Signal für mehr Wertschätzung“. Allerdings ist bislang weder die Finanzierung gesichert noch eine politische Entscheidung gefallen. Aus dem Finanzministerium kommen deutliche Hinweise auf fehlende Spielräume im Landeshaushalt. Damit steht die zentrale Frage weiter im Raum: Wird aus der Ankündigung tatsächlich Regierungspolitik?

Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) hat die Ankündigung von Kultusminister Andreas Jung (CDU) begrüßt, die Sommerferien-Arbeitslosigkeit von angehenden Lehrkräften zu beenden. In einer Pressemitteilung spricht der Verband von einem „starken Signal für mehr Wertschätzung und für die Attraktivität des Lehrerberufs“. Die geplante Verlängerung des Referendariats um zwei Monate greife eine langjährige Forderung des Verbands auf.
„Dass der neue Kultusminister diese unhaltbare Praxis direkt zu Beginn seiner Amtszeit anpackt, ist ein wichtiges und überfälliges Zeichen der Wertschätzung für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen“, erklärte die PhV-Landesvorsitzende Martina Scherer. Jedes Jahr seien rund 4.000 ausgebildete Lehrkräfte nach dem Ende ihres Vorbereitungsdienstes zunächst arbeitslos geworden, obwohl viele wenige Wochen später in den Schuldienst übernommen würden.
Tatsächlich gehört Baden-Württemberg seit Jahren zu den Bundesländern, die Referendarinnen und Referendare nach dem Ende des Vorbereitungsdienstes zum 31. Juli aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Wer bereits eine Stelle für das neue Schuljahr hat, erhält dennoch erst mit Beginn des Schuljahres wieder Bezüge. Gewerkschaften und Berufsverbände kritisieren diese Praxis seit Langem.
Ob die angekündigte Änderung tatsächlich kommt, ist allerdings noch offen. Wie der SWR berichtet, rechnet das Land bei einer Weiterbeschäftigung der jährlich rund 4.000 Absolventinnen und Absolventen mit Mehrkosten von etwa 11,5 bis 15 Millionen Euro. Nach Angaben des Senders verweist das grün geführte Finanzministerium darauf, dass für den Haushalt 2027 kaum finanzielle Spielräume für zusätzliche Ausgaben zu erwarten seien. Notwendige Mehrausgaben müssten demnach innerhalb der jeweiligen Ressortetats gegenfinanziert werden.
„Heute wird versprochen und morgen wird entlassen. Grüne und CDU spielen mit jungen Leuten, statt sie ernst zu nehmen“
Hinzu kommt, dass Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) nach SWR-Angaben für den Bildungsbereich andere Schwerpunkte gesetzt hat. Vorrang habe demnach das geplante beitragsfreie letzte Kita-Jahr. Auch Kultusminister Jung selbst räumte laut SWR ein, die Finanzierung der bezahlten Sommerferien müsse im Gesamtkontext des Landeshaushalts dargestellt werden.
Damit könnte sich der Jubel des Philologenverbands als verfrüht erweisen. Denn bislang liegt lediglich eine politische Absichtserklärung des neuen Kultusministers vor. Weder gibt es einen Kabinettsbeschluss noch eine gesicherte Finanzierung. Ob die Ankündigung umgesetzt werden kann, wird letztlich von den anstehenden Haushaltsverhandlungen innerhalb der grün-schwarzen Landesregierung abhängen. Die Opposition zeigt sich skeptisch. Wie der SWR berichtet, erklärte SPD-Fraktionschef Sascha Binder: „Heute wird versprochen und morgen wird entlassen. Grüne und CDU spielen mit jungen Leuten, statt sie ernst zu nehmen.“
Bereits im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU wurde festgehalten: „Um den Lehrerberuf im Land noch attraktiver zu machen, prüfen wir die Bezahlung angehender Lehrkräfte in den Sommerferien zwischen Vorbereitungsdienst und Antritt ihrer ersten Dienststelle.“ Eine verbindliche Zusage enthält diese Formulierung allerdings nicht. News4teachers
Sommer, Sonne, Arbeitslosigkeit: Land entlässt Referendare in den Ferien (trotz Lehrkräftemangel)









Wird niemand überraschen, der das politische Geschehen in Bund und Ländern schon länger verfolgt.
Wenn man nach der Wahl von der Wirklichkeit umzingelt wird, zeigt man oft ziemliche Flexibilität. .
Scheint aber auch Leute zu geben, denen es schon reicht, wenn im Wahlkampf Dinge versprochenen werden. Ob die dann bei Regierungsbeteiligung auch umgesetzt werden scheint denen nicht besonders wichtig zu sein.