
Die Bundesregierung soll sich nach dem Willen mehrerer Bundesländer Vorstößen zur Aufweichung der Schulpflicht in Deutschland entgegenstellen. Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hamburg brachten dafür im Bundesrat einen entsprechenden Antrag ein, über den nun zunächst in den Ausschüssen der Länderkammer weiter beraten wird. Hintergrund sind Forderungen der AfD zur faktischen Abschaffung der Schulpflicht, aktuell im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt.
In ihrem Wahlprogramm setzt sie sich für eine «Bildungspflicht statt Schulzwang!» ein und für eine Wahlmöglichkeit für Eltern zwischen Schul- und Hausunterricht, was bundesweit Kritik auslöste. «Der Bundesrat bekennt sich ausdrücklich zur allgemeinen Schulpflicht als unverzichtbare Grundlage eines leistungsfähigen, gerechten und integrationsstarken Bildungssystems in Deutschland», heißt es in dem Entschließungsantrag der drei Länder.
Die Bundesregierung solle Vorhaben entgegentreten, «die geeignet sind, die allgemeine Schulpflicht als tragendes Prinzip des deutschen Bildungssystems zu schwächen». Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) bezeichnete die Schulpflicht im Bundesrat als Errungenschaft: «Die Schulpflicht abzuschaffen, legt die Axt an etwas, was Deutschland über Jahre erfolgreich geprägt hat.»
«Durchsichtiges Unterfangen»
Mit deutlichen Worten hat sich auch Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) gegen den Vorstoß der AfD gewandt. «An diesem Grundfundament auch unseres Staates zu rütteln, halte ich für eine gefährliche Entwicklung», betonte Prien in München, wo die Kultusminister im Rahmen der KMK tagen. Es sei eine ungeheuer wichtige Errungenschaft unseres sozialen Rechtsstaates, dass Kinder unabhängig vom sozialen Milieu oder ihrer Herkunft gemeinsam lernen könnten und auch in den Schulen Bildung und Erziehung genössen, um damit einen erfolgreichen Bildungs- und Lebensweg beschreiten zu können.
Die Bedeutung dieser Errungenschaft könne man gerade in einer Einwanderungsgesellschaft, in der viele Kinder und Jugendliche die Unterstützung der Schulen besonders bräuchten, nicht hoch genug schätzen, sagte Prien. Schule sei aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt von entscheidender Bedeutung – etwa für die Frage, wie man miteinander auch über soziale Milieus hinweg noch ins Gespräch komme.
Prien betonte: Nachdem es in allen Bundesländern verfassungsrechtlich geschützt die Möglichkeit gebe, für seine Kinder Schulen in freier Trägerschaft und somit ganz alternative Modelle der Beschulung zu wählen, sei der AfD-Vorstoß «ein durchsichtiges Unterfangen». News4teachers / mit Material der dpa
AfD will Schulpflicht faktisch abschaffen – Juristen warnen vor Angriff auf demokratische Bildung









„Die Schulpflicht abzuschaffen, legt die Axt an etwas, was Deutschland über Jahre erfolgreich geprägt hat.“
KÖNNTE es sein, dass Rechtsextreme etwa nicht am Erfolg eines freien, demokratischen Deutschlands interessiert sind?
Naja, wenn die Bildungszwang anstelle von Schulpflicht fordern, werden Mieten bald sinken, die Wirtschaft wachsen, Parallelgesellschaften sich integrieren und junge Menschen sozialer, fleißiger und bessere Lernende…
Für Wähler*innen der Rechtsextremen ist der Schwachsinn offenbar gut genug (augenroll)
Das Thema hat lediglich einen Kommentar bekommen… der übliche Forist… ohne einen grünen Daumen.
Parallel hat das n4t-Thema
„A13 für Grundschul-Lehrkräfte:
Philologen pochen auf Besoldungsabstand – und fordern für Gymnasial-Lehrkräfte nun A14“ bislang insgesamt 238 Kommentare bekommen.
Woran liegt es?
Ich kann verstehen, dass gerade reflexartig gegen die Abschaffung der Schulpflicht argumentiert wird, weil dieser Vorschlag von der AFD kommt und alle ahnen, was deren Intention ist.
Ich würde mir allerdings wirklich wünschen, wenn die Schulpflicht tatsächlich nicht mehr so springend wäre. Für neurodivergente oder hochbegabte SuS ist Schule nicht geeignet. Unsere Schulen sind dafür nicht ausgelegt. Und die Aussage, man könne ja auf Alternativen ausweichen ist ein Hohn, denn es gibt flächendeckend keine Alternativen. Wie viele Schulen für Hochbegabte gibt es denn? Wo sollen denn sehr intelligente Autisten hin, wenn Gymnasien keine Ahnung oder Sonderregeln für diese haben? Es gibt einfach keine passenden Schulen. Webschulen wären eine Alternative, aber diese sind nicht gewollt und nur für SuS, die schon von der Schulpflicht befreit wurden. Alle müssen erst durch einen langwierigen, leidvollen und zeitrsubenden Prozess durch. Das darf so nicht sein. Für diese wäre es sehr hilfreich, wenn es die Option Homeschooling gäbe.
Und wer soll das Homeschooling mit diesen Superausnahmen machen? Kündigt Papa seinen Job und bildet sich fort?
Den langweiligen geforderten Schul-Unterricht schafft doch ein Hochbegabter mit links, Hausaufgaben sind schnell erledigt und dann kann er immer noch nach Gusto homeschooling betreiben.
Schule ist mehr als Pauken und Wissenserwerb. Man sollte auch lernen, mit anderen Menschen und mit vorgegebenen Strukturen auskommen zu können und dass sich nicht alles nur um einen selbst dreht, dass man ein Teil von etwas ist.
Homeschooling ist in Deutschland aufgrund der strikten Schulpflicht prinzipiell verboten.
In vielen anderen Ländern ist es jedoch legal oder sogar weit verbreitet. Die gesetzlichen Regelungen reichen von völliger Freiheit bis hin zu strenger behördlicher Kontrolle.
Länder mit Homeschooling-Freiheit: In diesen Ländern haben Eltern das Recht, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, ohne dass dies an hohe bürokratische Hürden geknüpft ist:
– Vereinigte Staaten (USA): Weltweiter Vorreiter. Homeschooling ist in allen 51 Bundesstaaten legal, wobei die Auflagen stark variieren. Staaten wie Texas oder Montana haben kaum Vorschriften.
– Kanada & Australien: Beide Länder haben etablierte, teils staatlich unterstützte Homeschooling-Programme.
– Vereinigtes Königreich: In England, Wales und Schottland ist die „Education Otherwise“ (Bildung auf andere Weise) gesetzlich verankert. Eltern müssen den Unterricht nicht einmal offiziell genehmigen lassen.
– Österreich & Dänemark: Hier gilt keine strikte Schulpflicht, sondern eine „Bildungs- oder Unterrichtspflicht“. Kinder müssen zu Hause (oder extern) gebildet werden, aber es besteht keine Pflicht zum physischen Schulbesuch.
Weitere europäische Länder:
In Ländern wie
– Belgien,
– Frankreich (mit strengeren Auflagen seit 2022),
– Italien,
– Norwegen,
– Polen und
– Tschechien
ist der Heimunterricht unter bestimmten Auflagen ebenfalls erlaubt.
Länder mit strengen Auflagen:
In einigen Staaten ist Homeschooling möglich, erfordert aber eine offizielle Genehmigung durch das Bildungsministerium:
– Island: Eltern müssen beim Ministerium einen detaillierten Lehrplan einreichen.
– Neuseeland: Familien benötigen eine offizielle Freistellung der Bildungsbehörde, um zu Hause unterrichten zu dürfen.
So sieht die Welt da draussen aus.
Man kann doch sein Kind zusätzlich zu Hause unterrichten. Verbietet einem niemand. Wenn es einem so wichtig ist, kann man es doch machen.
Die Länder, die ich da aufgezählt habe, die praktizieren ihre eigene Bildungspolitik. Keines davon lebt in einer Diktatur und alle diese Länder haben auch ihre hochgebildeten Menschen, z. B. Ärzte, Juristen, Wissenschaftler, Manager.
Wenn ich solche Nachrichten lese, wie hier über Brandenburg https://www.google.com/amp/s/www.news4teachers.de/2026/06/wow-lehrermangel-so-gross-dass-die-anerkennung-von-abschluessen-bedroht-ist/%3ffbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQKNjYyODU2ODM3OQABHmGja0K0tNngJM4VE6Qo8WY9BoF0vyDnSjxRO0fh6-5EpMxlVRtivel9_513_aem__ewmgZ_R2yBLdAzfD37dDw&=1, möchte ich gern wissen, warum wird es an der Präsenzpflicht gehalten? Nur aus erzieherischen Gründen? Wenn es keine Garantie gibt, dass die Schulpläne eingehalten werden, warum müssen Kinder so einen „Service“ trotzdem benutzen?
Es geht doch nicht um mehr Bildung, sondern um diese Zeitverschwendung in Schule für Hochbegabte oder um nervensystemüberreizende Bedingungen für Neurodivergente. Viele landen im Burnout – nicht wegen Leistungsüberforderung, sondern wegen Reizüberflutung.
Ich rede von der Option, falls es keine passende Schule gibt und das Kind sich langweilt. Und homeschooling nachmittags zusätzlich halte ich für nicht richtig. Intelligent bedeutet nicht fleißig. Warum sollte man zusätzlich die Freizeit aufgeben.
Ja, Schule ist mehr als Pauken und Wissenserwerb, aber für neurodivergente SuS ist es ein Albtraum – alles zu viel: zu viele Menschen, Lärm, Gerüche, Struktur, zu wenig Pausen etc
Es passen nicht alle da rein!
Uh, wenn das Rainer liest … Machen Sie sich mal auf was gefasst.
Ich bringe mal einen gewagten Gedanken ein … Achtung Achtung … Bisschen (mit)denken erlaubt.
Warum ist man jetzt so wehement gegen eine Bildungspflicht [weil sie jemand politisch fordert] ?
Und wie würde man dem denn am besten entgegnen?
Also wenn man beispielsweise gegen die AfD ist, aber gar nicht gegen eine Bildungspflicht – könnte man selbst eine gute Bildungspflicht einführen, bevor die AfD dazu Möglichkeit hätte/hat.
Ist aber kein Interesse daran.
Wenn man gegen eine Bildungspflicht generell ist, dann müsste man eben zeigen, dass eine Präsenzpflicht/Schulpflicht gut läuft. Also mal Ressourcen bilden und geben.
Ist aber kein Interesse daran.
Tjo … Und jetzt?
Wie kann man denn einer AfD besser diesbezüglich entgegnen als mit „Bildung“ und „einem funktionierenden System“ [gerne als Schulpflicht – ggf. ehrlicherweise aber als Bildungspflicht aufgrund Mangel und Versagen des Staates] .
Die Lösungen wären also durchaus logisch und „da“.
Warum macht man das denn nicht?
– Faktisch will man keine Bildungspflicht. Das hat ja auch Gründe. Mitunter, weil man sich sonst eingestehen müsste, dass das „aktuelle Bildungssystem“ eben ausgedient hätte und man zu wenig „Invest“ gab. Also „Fehlpolitik“. Wer meldet sich freiwillig?
– Faktisch will man der AfD natürlich weder thematisch irgendwo recht geben, noch ihnen „zuspielen“ [was man aber macht … Naja, lernt man einfach nicht drauß].
Zwischmühle also.
Kurzum: Ihr [Politiker, Regierung] habt die großte Fürsorgeverantwortung und Macht, dass man ein funktionierendes und ressourcenreiches System [gegen die AfD] diesbezüglich macht. Ihr seid der AG, der Staat, die Politiker und trägt die Mitverantwortung. Handelt. Handelt mit Ressourcen.
Zeigt, dass die AfD keine „Kritikanker“ bekommt.
Das ist und bleibt der effektivste Weg gegen eine AfD. Sogar bei genügend Ressourcen der effektivste Weg gegen eine Bildungspflicht oder sogar rein des „Wunsches“ diesbezüglich.
Sollte man doch langsam wirklich mal checken …
Es geht gar nicht um „Bildungspflicht“ „gut/böse“. Es geht gar nicht um einen ehrlichen Diskurs. Es geht gar nicht darum, ob dies aktuell der bessere Weg ist/wäre.
Und das ist ein Teilproblem dessen.
Es ist politisch absolut egal für wen „das geeignet“ ist. Es geht darum, was es für einen selbst [Politiker, Staat] bedeutet. Und was man verlieren könnte.
Darum geht es. Und das sollte man wirklich sich mal bewusst machen und klar aussprechen finde ich.
Doch nicht so? Dann: Beweisen. Stellt die Rahmenbedingungen!
Bitte Schulpflicht und Bildungspflicht nicht in einen Topf werfen. Das sind zwei unterschiedliche Dinge.
Ach, das Ganze ist sowieso eine Kolibri-Diskussion. Wer hat schon realistisch die Möglichkeit, sein Kind, seine Kinder (alleine) zu Hause zu beschulen?
Das ist ein taktischer Winkelzug der AfD, um diejenigen einzufangen, die ihre Kinder nicht guten Gewissens auf eine öffentliche Schule schicken wollen, teils bereits um die Angst der körperlichen Unversehrtheit der Kinder wegen und teils, weil in signifikant vielen Schulen kein ordentlicher Unterrichtsbetrieb mehr stattfindet.
Da wird lediglich Salz in die von Ihnen beschriebene Wunde gestreut.
Letztlich ist es auch das Gegenteil einer faschistisch, diktatorischen Agenda, weil Faschismus auf Kollektivismus, Konformität und Gleichschaltung ausgerichtet ist.
Das verwechseln Sie mit dem Sozialismus. Faschismus ist sozialdarwinistisch – Survival of the Fittest. Und da passt ein Abbau des Sozialstaates (wozu auch das Schulrecht für Kinder gehört) wunderbar hinein.
„Der deutsche Verfassungsschutz betrachtet Sozialdarwinismus als wesentliches ideologisches Element der Neonazi-Szene, neben Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Antipluralismus. Wie in ihrem historischen Vorbild, dem Nationalsozialismus, gehe es um eine ‚Volksgemeinschaft‘, die Schwächere ebenso ausschließt, wie Menschen anderer Kulturen.“ Gerne hier nachlesen: https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/214188/was-ist-sozialdarwinismus/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich verwechsle da gar nichts. Aber ja, auch in kommunistischen Diktaturen war das so. Das haben die gemein.
Ansonsten, Hitlerjugend und so sagt Ihnen was? Oder diverse andere Neonazi-Organisationen, die verboten worden sind.
Das sozialdarwinistische Element dient zur Abgrenzung der Gemeinschaft.
Wenn diktatorische Regime irgendetwas nicht wollen, dann dass da Leute in ihrem stillen Kämmerlein irgendetwas machen, worauf der Staat keinen Zugriff hat und dazu gehört Homeschooling.
„Es ist politisch absolut egal für wen „das geeignet“ ist. Es geht darum, was es für einen selbst [Politiker, Staat] bedeutet. Und was man verlieren könnte.“
Da haben Sie vermutlich recht.
Eigentlich erstaunlich, dass die AfD, die es ja so mit den deutschen Traditionen hat, diese allerdeutscheste Tradition, nämlich die allgemeine Schulpflicht seit über 100 Jahren, abschaffen möchte.
Ist es wahr, dass die Schulpflicht in ihrer jetzigen strengen Form durch die Nationalsozialisten eingeführt wurde?
Wie ist Schulpflicht in Österreich geregelt? Ich lese zu beidem unterschiedliches im Netz, wer kennt sich aus?
Die allgemeine Schulpflicht wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1919 durch die Weimarer Reichsverfassung bundesweit einheitlich verankert. Die Geschichte ihrer Einführung verlief jedoch in mehreren historischen Stufen über Jahrhunderte hinweg.
Einige Fürstentümer hatten sie schon im 17.. Jahrhundert.
In Österreich gibt es eine Bildungspflicht, keine Schulpflicht.