
PISA und weitere Studien zeigen seit einigen Jahren, wie es mit den Schulleistungen in Deutschland bergab geht. Die Auswirkungen werden auch am Ende der Schulzeit deutlich: Der Anteil der Schulabgänger ohne mindestens einen Hauptschulabschluss in der Tasche ist auf den höchsten Wert seit mehr als 20 Jahren gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt lag er im Schuljahr 2024/2025 bei 8,4 Prozent. Höher war der Anteil zuletzt 2002/2003 mit 8,9 Prozent.
In absoluten Zahlen verließen 65.000 Jugendliche im Schuljahr 2024/2025 die Schule ohne Abschluss, nach 62.000 im Vorjahr und 56.000 im Jahr davor – bei etwa 770.000 bis 800.000 Schulabgängern insgesamt. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren, im Schuljahr 2014/2015, lag die Quote bei 5,6 Prozent.
Das Bundesbildungsministerium äußerte sich besorgt. «Diese Zahlen müssen uns beschweren», sagte eine Sprecherin auf Nachfrage vor Journalisten in Berlin. Sie verwies auf politische Gegenmaßnahmen wie das sogenannte Startchancen-Programm. Darüber werden Schulen mit vielen Kindern mit Lernschwierigkeiten und aus Schülern ärmeren Familien extra gefördert. Eine Trendwende in der Bildung solle zudem ein neues Kita-Gesetz einleiten, über das der Bundestag am Freitag erstmals beriet.
Prien nennt frühkindliche Bildung «entscheidende Stellschraube»
Es sieht bundesweite Sprachtests in Kitas für vierjährige Kinder vor. Auch mathematische und soziale Fähigkeiten sollen erhoben werden, um im Bedarfsfall gezielt zu fördern, bevor Kinder in die Schule kommen. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) nannte das eine «entscheidende Stellschraube». «Wer die deutsche Sprache nicht erlernt bis zur Einschulung, wird große Schwierigkeiten haben, überhaupt im Bildungssystem anzukommen. Alles, was dann passiert, wird immer mehr zum Reparaturbetrieb», sagte sie dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2).
Auch der Deutsche Lehrerverband sieht Sprachprobleme als eine Ursache. «Wer die Sprache nicht beherrscht, verliert in der Schule oft den Anschluss; wer keine Perspektive sieht, verliert die Motivation», sagte Verbandspräsident Stefan Düll. Sprachförderung, Schulsozialarbeit und starke Netzwerke mit außerschulischen Partnern müssten deshalb zum Baustein eines ausgebauten Startchancen-Programms werden.
Grüne: Finanzierung stimmt hinten und vorne nicht
Im Bundestag kritisierten die Grünen aber eine aus ihrer Sicht fehlende finanzielle Unterstützung für die Länder, denn für die Pläne brauche es auch genug Personal. Für Kitas sind die Länder zuständig. Die Finanzierung stimme hinten und vorne nicht, sagte die Grünen-Bildungspolitikerin Anja Reinalter. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe eine große Kraftanstrengung für Bildung versprochen, wenn er das ernst meine, dürfe er nicht an der falschen Stelle kürzen.
Die schlechten PISA-Ergebnisse hatten zuletzt besorgte Reaktionen ausgelöst. Die 15-Jährigen in Deutschland hatten dabei so schwach abgeschnitten wie nie zuvor. Getestet worden waren Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Aber auch andere Vergleichstests bei jüngeren Schülerinnen und Schülern hatten in der Vergangenheit einen Abwärtstrend gezeigt. Merz hatte nach PISA gesagt, er wolle den Ländern ausdrücklich anbieten, noch einmal gemeinsam zu einer «großen Kraftanstrengung» zu finden, um die Situation der Bildung in Deutschland zu verbessern.
Experte wenig überrascht von den Zahlen
Der Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Prof. Kai Maaz, zeigte sich von den Schulabgängerzahlen nicht überrascht. «Wir sehen seit Jahren, dass mehr Jugendliche grundlegende Kompetenzziele verfehlen. Der Anstieg der Schulabgänge ohne Abschluss passt zu dieser Entwicklung», sagte er. Die 65.000 dürften aber nicht pauschal als Schulabbrecher bezeichnet werden. «Ein erheblicher Teil der Jugendlichen kommt aus Förderschulen; darunter sind auch junge Menschen, die ihren Bildungsgang erfolgreich abgeschlossen haben, aber keinen ersten allgemeinbildenden Schulabschluss erhalten.»
Schulen müssten früher und verlässlicher fördern können – besonders dort, wo viele Kinder unter schwierigen Bedingungen aufwachsen, forderte er. «Schulen mit vielen sozial benachteiligten Kindern brauchen bessere Bedingungen, um grundlegende Kompetenzen zu sichern.» News4teachers / Von Jörg Ratzsch, dpa










Das Hauptproblem sind die Sprachprobleme der Eltern.
Die sind zweierlei Natur.
Wir bieten zu wenig Anreize und zu wenig Unterstützung beim Lernen der Sprache.
Die Eltern haben zu wenig Interesse? Lust? Druck? die Sprache zu lernen und sich an Schule, Gesellschaft und Bildung zu beteiligen.
Eltern sind das Vorbild für ihre Kinder. Wenn die Eltern nicht vorleben wie wichtig es ist zur Schule zu gehen, zu lernen und in Kontakt zur Lehrkraft zu bleiben/zu sein wird es der Schüler niemals lernen. Von wem auch?
Ich habe Eltern, die kein Deutsch sprechen aber über offensichtlich mit KI geschriebene E-Mails wenigstens permanent Kontakt zu mir als Lehrkraft suchen und fragen, wie es läuft.
Andere Eltern habe ich in 4 Jahren vielleicht einmal gesehen.
Dreimal darf man raten welche Kinder in der Schule erfolgreich sind und welche Probleme haben und Ende des Jahres wohl keinen Abschluss schaffen werden.
Zusätzlich gibt es viel zu wenig Deutschkurse, vor allem weiterführende. In ländlichen Regionen sieht es mit dem Angebot teilweise ganz düster aus.
Wie haben das die Menschen nur vor 50 Jahren ohne Deutschkurse geschafft. Komisch…..
Gar nicht – weshalb man sie dann als Untermenschen behandelte. Gerne mal Günter Wallraff dazu lesen: https://www.kiwi-verlag.de/buch/guenter-wallraff-ganz-unten-9783462017335
„Er erlebte, wie Türken buchstäblich als »der letzte Dreck« angesehen und behandelt werden, gebraucht nicht nur als »Lückenbüßer« der wirtschaftlichen Konjunktur, sondern vor allem als Billigarbeitskräfte für jeden Zweck, für dreckigste und gefährlichste Arbeiten.“
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Indem sie (unter ungleich härteren Bedingungen der Informationsbeschaffung) Deutsch gelernt haben.
Und ihren Kindern gesagt haben, dass man in die Schule zu gehen und zu lernen hat. Statt im Einkaufszentrum/Bahnhof abzuhängen.
Und auf Leistung und Verbesserung fixiert waren statt auf Opfergejammer oder postmoderne Sexualidentitäten.
Und statt das damalige Gegenstück zum 1500-Eurodollar-Iphone zu kaufen (z.B. sehr teure Plattenspieler und Boxen) davon BÜCHER erworben haben, die ich als Kind noch gelesen habe. Als Bauarbeiter.
Und ihr Geld (bis zum Exzess) gespart haben, statt es auszugeben, weil sie einfach nicht glauben konnten, dass studieren „hier“ wirklich umsonst ist.
Und mit ihren Kindern gelesen haben.
Und TV im Übermaß (das war das „Handy der 80iger“) schlicht verboten haben, statt dem Gejammer der Kinder nachzugeben, weil man ja nicht böse autoritär sein darf.
Und wieder (und immer wieder und wieder) versucht haben in lokale soziale Beziehungen zu kommen, bis es bei meinem Opa mit einem Skatclub dann passte, da Karten keine große Sprachvoraussetzungen hatten – statt sich als beleidigte Leberwürste in „“““communities“““ zurückzuziehen, weil auf meine Großeltern als einfache Arbeiter in der BRD auch keiner „gewartet hatte“.
Und als die Leute im Skatclub dann merkten, dass meine Großeltern und später Eltern ok sind, sieh mal an, gab es keine Exklusionsprobleme mehr. Denn er neu dazukommt hat die Bringschuld!
Da einige dieser Bücher die komplette Karl-May-Reihe waren (heute wahrscheinlich übler, kolonialrazzizistischer Schund oder so, lol) erklärt das vielleicht, wieso ich zwar vieles verstehen, manches Gejammer oder Anspruchsdenken nur unter Aufbietung semi-professioneller Schauspielerei im Berufsalltag mit verständnisvollen Leerformeln erwiedern kann.
Und im Laufe der Grundschule dann sehr gut lesen lernte.
Und als eine böse-böse, „katzenartige“ Grundschullehrerin Marke „Mahlzahn“ mich autoritär „zwang“, zum Lesen noch Deutsch zu schreiben (was mir garnicht passte und mein Kompetenzselbstbild mal massiv erschütterte), da ging es dann aufwärts.
Heute würde sie wohl strafversetzt und auf sozialen Medien gedoxxt werden werden, lol.
Und dann bis heute prima hier klarkam und klarkomme.
Daher – an dieser Stelke nochmal „danke Frau Malzahn“.
„Indem sie (unter ungleich härteren Bedingungen der Informationsbeschaffung) Deutsch gelernt haben.“
Opas Märchenstunde. Wie viele türkischstämmige Schülerinnen und Schüler sind faktisch vom Bildungssystem aussortiert worden, weil es für sie keine angemessenen Sprachförderangebote gab?
Studie von 2009: „Eine neue bundesweite Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt, dass Einwander/innen mit türkischem Hintergrund schlechter integriert sind als andere Migrant/innengruppen. Der Studie zu Folge haben rund ein Drittel der Türkischstämmigen keinen Schulabschluss, nur 14 Prozent verfügen über Abitur. Unter den ‚einheimischen‘ Deutschen haben nur ein Prozent keinen Schulabschluss, 38 Prozent haben Abitur.“ Quelle: https://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/aktuelles/beitraege/sind-tuerken-in-deutschland-schlecht-integriert/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Haben sie?
Da gabs auch junge Menschen ohne Abschluss, wobei heute die Anforderungen für „einfache“ Arbeiten weiter steigen. Fahrstuhleffekt und so -___-
„Die 65.000 dürften aber nicht pauschal als Schulabbrecher bezeichnet werden. „
Sehe ich auch so. Vor allem da für die meisten die Schulkarriere längt nicht beendet ist, sondern in den Berufsschulen weitergeht und oft noch der ESA erreicht wird.
Laut Bildungsmonitor 2026 betrug z.B. die Erfolgsquote im BVJ je nach Bundesland zwischen 30,9% und 81,7%.
Wenn Sie keine konkreten Zahlen haben, wie viele den Abschluss noch machten, was soll man mit der Erfolgsquote anfangen? ^^
Für uns (anektodtische Evidenz) kann ich sagen, dass etwa 60% der SuS ohne Abschluss mindestens den ersten noch nachmachen.
Wie viele dieser Kids sind Ukrainer*innen?
Das interessiert mich, weil viele online einen ukrainischen Abschluss machen und bei uns nur die Schulpflicht erfüllen.
Ich kann das sogar nachvollziehen.
Nichtsdestoweniger sollte man bei den Ursachen differenzieren und nicht pauschal urteilen.
Warum ist das wichtig, zu wissen? Sind ukrainische Flüchtlinge anders?
Was haben Sie plötzlich gegen „interessiertes“ Nachfragen?
Sonst interessierte es Sie doch auch, wie viele Elternteile einen Migrationshintergrund haben? Was ist hier – für Sie – anders?
Meinen Sie 2002/2003? 😛
Alle schauen immer auf die Schule!
Dabei ist das Problem an den Unis doch viel schlimmer. Da gibt es Fächer, wo 80% der Studierenden die Uni ohne Abschluss verlassen.
Die Universitäten sollten ihre Lehre dringend reformieren: Individuelle Förderung, Inklusion und Heterogenität sind die Erfolgsrezepte, sagen zumindest Bildungswissenschaftler…
Genau – was gehen Schulen die Schüler an? (Spaß.) Herzliche Grüße Die Redaktion
«Wer die Sprache nicht beherrscht, verliert in der Schule oft den Anschluss; wer keine Perspektive sieht, verliert die Motivation», sagte Verbandspräsident Stefan Düll.
Eine total überraschende Erkenntnis. Das konnte man vor 50 Jahren natürlich noch nicht wissen 🙂
Aufs Schuljahr 2002/ 2003 bezogen ist es doch interessant – war für manche ja noch die gute alte Zeit vor 2015
„Laut dem Statistischen Bundesamt lag er im Schuljahr 2024/2025 bei 8,4 Prozent. Höher war der Anteil zuletzt 2002/2003 mit 8,9 Prozent.“
Ach, 2002/03 waren das bestimmt die Flüchtlinge schuld! Hm?
Ganztag? …
Inklusion? …
Na, irgendwie werden schon die Linksgrünversifften schuld gewesen sein! Kurs halten! 😛