Start Tagesthemen Brutale Schulattacke: Polizei geht zu Verdächtigen nach Hause (und ermahnt Eltern)

Brutale Schulattacke: Polizei geht zu Verdächtigen nach Hause (und ermahnt Eltern)

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FRANKFURT/ODER. Nach der brutalen Attacke auf einen 14-Jährigen vor einer Schule in Frankfurt (Oder) nimmt Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) auch die Eltern der mutmaßlichen Täter in die Pflicht. «Man hat Verantwortung für seine Kinder», erklärte er. Die Polizei sucht deshalb gezielt das Gespräch mit den Erziehungsberechtigten. Der Fall steht nicht allein: In Potsdam beschäftigen wiederholte Angriffe durch Jugendgruppen die Ermittler, in Cottbus mussten Schulen wegen anhaltender Gewalt sogar Sicherheitsdienste einsetzen und einzelne Kinder gesondert unterrichten. 

Polizeibesuch (Symbolbild.) Foto: Shutterstock / Matthias Roehe

Nach der brutalen Attacke von Teenagern auf einen 14-Jährigen vor einer Schule in Frankfurt (Oder) geht die Polizei zu den mutmaßlichen Tätern nach Hause und redet mit deren Eltern. «Sie spricht mit den Erziehungsberechtigten, die sind der erste Ansprechpartner und wir erwarten, dass auch da eine Reaktion erfolgt», sagte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) im RBB. «Man hat Verantwortung für seine Kinder, und wenn Kinder Straftaten begehen, erwarte ich auch von den Eltern, dass sie entsprechend handeln.»

Allgemein gelte: «Täter müssen Konsequenzen spüren, und zwar gerade jugendliche Täter sehr schnell», so Redmann. Natürlich werde auch geprüft, ob es die Möglichkeit von Abschiebungen gebe. Im Vordergrund stehe momentan das akute Handeln: «Wir machen jetzt erst mal Repression, dass die Gewalt aufhört.»

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Mutmaßliche Täter aus dem Schulunterricht mitgenommen

Etwa zehn Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren hatten am Mittwoch vor einer Oberschule auf den Schüler eingetreten und ihn geschlagen – auch gegen den Kopf und als er bereits am Boden lag. Ihre Taten hatten sie gefilmt und das Video über das Internet verbreitet, was breite Bestürzung und Fassungslosigkeit auslöste.

An Tag darauf nahm die Polizei einen Teil der Tatverdächtigen während des laufenden Schulunterrichts fest. Man habe mit «der dringend gebotenen Entschlossenheit» gehandelt, so ein Polizeisprecher. Die Teenager seien in Gewahrsam genommen und erkennungsdienstlich behandelt worden, sagte der Innenminister.

Aktuell geht die Polizei nach eigenen Angaben von zehn Tatverdächtigen aus. Bei ihnen handelt es sich um Kinder und Jugendliche mit deutscher, polnischer, russischer und syrischer Nationalität. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung und Raub vorgeworfen.

Die Gewalttat in Frankfurt (Oder) ist nicht der einzige Fall von Jugendgewalt, der die Sicherheitsbehörden in Brandenburg derzeit beschäftigt. In Potsdam und im angrenzenden Berliner Stadtgebiet ermittelt die Polizei nach mehreren Angriffen durch Jugendgruppen. Ende September sollen etwa 15 bis 20 Personen in Berlin-Wannsee drei Jugendliche unvermittelt attackiert haben. Ein 17-Jähriger verlor nach Polizeiangaben zeitweise das Bewusstsein. Ein 18-Jähriger wurde mit dem Kopf gegen ein geparktes Auto geschlagen und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Auch in Potsdam kam es zuletzt zu Übergriffen. Anfang Oktober wurden bei einer Attacke drei junge Menschen verletzt, einer davon schwer am Kopf. In einem weiteren Fall sollen mehrere Jugendliche zwei Teenager gezwungen haben, ein Schulgelände zu verlassen. In einem nahegelegenen Park wurde einer der Betroffenen geschlagen, anschließend sollen beide bedroht worden sein. Die Polizei prüft mögliche Zusammenhänge zwischen den Taten.

Die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe «Iuventus» geht inzwischen gegen mutmaßliche Täter im Potsdamer Stadtgebiet und an der Grenze zu Berlin vor. In dieser Woche wurden Haftbefehle gegen einen 15- und einen 17-Jährigen vollstreckt. Neun weitere Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren wurden erkennungsdienstlich behandelt. Die Stadt Potsdam hat zudem eine Taskforce Jugendgewalt eingerichtet, in der Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendhilfe und Stadtverwaltung ihre Maßnahmen abstimmen sollen.

Wie weit die Folgen wiederholter Gewalt für den Schulalltag reichen können, zeigt sich in Cottbus. Dort hatten insbesondere Vorfälle an der Regine-Hildebrandt-Grundschule und im Stadtteil Sachsendorf für erhebliche Unruhe gesorgt (News4teachers berichtete). Eltern wandten sich mit einem Brandbrief an die Verantwortlichen. Die Stadt reagierte unter anderem mit Sicherheitsdiensten an besonders betroffenen Schulen, verstärkter Präventionsarbeit und sogenannten Gefährderansprachen bei Familien. Zeitweise beschäftigten sich die Ermittlungsbehörden mit 50 bis 60 Personen, die an den Auseinandersetzungen beteiligt gewesen sein könnten.

Einzelne Kinder, die wiederholt durch Straftaten auffielen, wurden aus ihrem bisherigen Schulumfeld genommen und gesondert unterrichtet. Cottbus‘ Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) berichtete Mitte Oktober von ersten Teilerfolgen. Durch die verschiedenen Maßnahmen habe sich das Sicherheitsgefühl auf den Schulhöfen verbessert. Zugleich räumte er ein, dass die Probleme nicht kurzfristig zu lösen seien. News4teachers / mit Material der dpa

Brutaler Angriff auf Schüler: Politik diskutiert Abschiebungen und schulische Gewaltprävention

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