FRANKFURT / ODER. Ein 14-jähriger Schüler wird vor einer Oberschule von einer Gruppe Jugendlicher zusammengeschlagen und getreten – selbst als er bereits am Boden liegt. Andere Jugendliche filmen den Angriff, statt einzugreifen. Die Polizei ermittelt gegen zehn Kinder und Jugendliche, die Politik reagiert mit Forderungen nach Konsequenzen bis hin zu möglichen Abschiebungen. Zugleich rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Schulen, Polizei und Jugendhilfe solche Gewalttaten verhindern können – zumal auch andere Städte mit Jugendgewalt zu kämpfen haben.

Tritte gegen das Gesicht, Fausthiebe und filmendes Publikum: Nach Bekanntwerden einer brutalen Attacke von Jugendlichen gegen einen 14 Jahre alten Schüler (News4teachers berichtete) herrscht im brandenburgischen Frankfurt (Oder) tiefes Entsetzen. «Was einem jungen Menschen hier in Frankfurt (Oder) angetan wurde, macht mich fassungslos», schrieb Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) bei Instagram. Es schmerze, solche Gewalt mitansehen zu müssen. «Niemand sollte so etwas durchmachen müssen.»
Aktuell ermittelt die Polizei nach eigenen Angaben gegen zehn Tatverdächtige. Bei ihnen handelt es sich um Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, die deutscher, polnischer, russischer und syrischer Nationalität sind. Ihnen wird unter anderem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
Brandenburgs Sozialminister und ehemaliges Stadtoberhaupt, René Wilke, drohte mit drastischen Konsequenzen für die Tatverdächtigen. «Wer für Unsicherheit in unserem Land sorgt, kann sich nicht auf die Unsicherheit in seinem Herkunftsland berufen», schrieb der SPD-Politiker auf Instagram. Er sei bereit, die neuen «Möglichkeiten zur Aberkennung eines Schutzstatus oder zur Aufenthaltsbeendigung konsequent auszuschöpfen».
Video mit entsetzlichen Szenen
Mehrere Jugendliche hatten am Mittwoch in Frankfurt (Oder) vor einer Oberschule auf einen Schüler eingetreten und ihn geschlagen. «Der Junge wies Gesichtsverletzungen auf», schrieb ein Polizeisprecher. Die Schwere der Verletzungen ließ er offen.
Ein Video, das der Polizei vorliegt und das den Angriff zeigen soll, offenbart die Dimension der Gewalt. Zu sehen sind etwa zehn Jugendliche, die einen anderen Jungen zunächst bedrängen und dann auf ihn einschlagen und treten, auch gegen den Kopf. Auch als ihr wehrloses Opfer zu Boden geht, lassen sie nicht von ihm ab. Die Polizei hält das Video für authentisch.
Doch was meint Minister Wilke, wenn er nun bleiberechtliche Konsequenzen androht? Es gebe im Aufenthaltsrecht Änderungen, sagte der Minister. Basis sei die Frage, ob etwa Syrien oder Afghanistan sichere Herkunftsländer seien. Daraus könne sich eine Aberkennung des Schutzstatus ergeben. Bei einer Prüfung werde schließlich auch die persönliche Situation des Betroffenen in Betracht gezogen. Wenn «da schon Straftaten und ein Sozialleistungsbezug für einen längeren Zeitraum» bestünden, wirke sich das nicht positiv aus.
Was könnte auf Tatverdächtige zukommen?
«Man wird sich die Fälle im Detail anschauen müssen», so Wilke. «Für Jugendliche gilt, dass da auch Urteile ergehen können.» Diese könnten, wenn die Jugendlichen nicht mehr minderjährig sind, zu Abschiebungen führen. Auch wenn es sich um eine Familie handele, die Rahmenbedingungen aufweise, «die nicht für besondere Integration sprechen und auf dieses Verhalten des Jugendlichen befördernd wirken, dann ist das ein Ausgangspunkt».
Wilke machte in seinem Post deutlich, wie tief ihn die Aufnahmen von dem Angriff «erschüttert» hätten. Es mache betroffen und wütend. «Niemand schaut weg», schrieb Wilke. «Alle schauen genau hin. Und das sollten die Täter auch wissen.» Frankfurts OB Strasser kündigte an, die richtigen Konsequenzen ziehen zu wollen.
Polizei stellt Tatverdächtige in Schule
Die Polizei reagierte umgehend, nachdem das Opfer den Vorfall gemeldet hatte, und nahm einen Teil der Tatverdächtigen noch während des laufenden Schulunterrichts fest. Man habe mit «der dringend gebotenen Entschlossenheit» gehandelt, sagte ein Polizeisprecher.
«Wir reden im Moment über einen Einzelfall, der sehr drastisch ist», sagte ein Sprecher der Stadt Frankfurt (Oder). Dennoch seien Sicherheitsgespräche mit Polizei und Ausländerbehörde anberaumt worden. Die betroffene Oberschule, vor der der Jugendliche angegriffen wurde, und die Schule, auf die mehrere der mutmaßlichen Täter gehen, wollten sich auf Anfrage nicht äußern.
«Dieses Ausmaß an organisierter Jugendgewalt hatten wir bisher in Frankfurt (Oder) nicht», sagte Oberbürgermeister Strasser laut einer Mitteilung. Man plane nun, «im Zusammenspiel von Polizei, Staatsanwaltschaft, der Ausländerbehörde, weiteren städtischen Ämtern, Schulen und der Schulsozialarbeit diesen Überfall» aufzuarbeiten. Das erste Gespräch soll am 27. Oktober stattfinden.
Zwei weitere Minister melden sich zu Wort
Innenminister Jan Redmann (CDU) hob in einer ersten Reaktion auch auf die Nationalität der Tatverdächtigen ab. «Lösungen finden wir nur, wenn wir die Tatsachen klar benennen, und dazu gehört auch die Herkunft der Tatverdächtigen», sagte er laut einer Mitteilung seines Ministeriums. «Sie erklärt nichts und entschuldigt nichts. Wer sie aber verschweigt, verspielt das Vertrauen der Menschen.»
Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) forderte mehr gesellschaftliche Gegenwehr. Umstehende Schüler hatten den Gewaltexzess untätig auf Kameras festgehalten. «Schutz vor Gewalt fängt nicht erst in der Schule an, jeder von uns ist gefordert», schrieb Hoffmann. «Wer Gewalttaten beobachtet, darf nicht wegschauen, sondern muss sofort Hilfe holen.»
Das Problem der Jugendgewalt ist in mehreren Brandenburger Städten ein Thema. Der Landtag beschäftigte sich damit in einer Aktuellen Stunde. In Potsdam sorgten zuletzt mehrere Angriffe für Entsetzen. In Cottbus kam zuletzt nach Gewaltattacken sogar Sicherheitspersonal an mindestens einer Schule zum Einsatz. Schüler wurden aus Sicherheitsgründen von der Schule genommen. News4teachers / mit Material der dpa
Erfreulich: Jugendgewalt geht insgesamt zurück – an Schulen besonders deutlich










Klar, das passt natürlich wieder, wenn Schüler*innen mit Migrationshintergrund über die Stränge schlagen wird es hier breitgetreten. Aber vom Drogenring der „biodeutschen“ RichKids hört man nichts. Passt ja nicht in unsere rechte Weltanschauung. Gerade wir Pädagog*innen sollten uns schützend vor unsere geflüchteten Gäste stellen.
Es geht hier um Gewalttäter, nicht um „geflüchtete Gäste“. Hier sollte der Staat alle Möglichkeiten des Rechts ausschöpfen, unabhängig von Herkunft und Religion!
„Schutz vor Gewalt fängt nicht erst in der Schule an,“
Wow, aber dort hört er schon irgendwie auf. Sowohl auf dem Schulgelände und im Schulgebäude als auch außerhalb des Schulgeländes ist der Schutz nicht wirklich gewährleistet.
Was bei uns in den letzten zwei Wochen vor den Herbstferien los war, geht auf keine Kuhhaut.
Und wer ist „außerhalb des Schulgeländes“, wie im vorliegenden Fall zuständig. Nein, es sind nicht die Lehrer…