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Rechtschreibung mangelhaft? Rat kritisiert die Lehrer

MANNHEIM. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat den Umgang mit der Orthografie kritisiert. Mit ihr werde „nachlässig verfahren“ – auch in den Schulen, stellt der Vorsitzende, der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair, fest.

Die Rechtschreibreform sorgt offenbar auch heute noch für Verwirrung. Foto: Claudia-Hautumm / pixelio.de

Die Rechtschreibreform sorgt offenbar auch heute noch für Verwirrung. Foto: Claudia-Hautumm / pixelio.de

In dieser Haltung sei mit eine Ursache dafür zu sehen, dass ungefähr zwanzig Prozent eines Jahrgangs der 15-Jährigen als Analphabeten gelten müssten. Zehetmair bezieht sich dabei auf einen Ländervergleich des Institutes zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen von 2009, bei dem 19,6 Prozent der Zehntklässler mit ihrer Rechtschreibung nicht die in den KMK-Standards formulierten Erwartungen erfüllte. Dies sei ein Zustand, der nicht hingenommen werden dürfe. Erforderlich sei  es daher, dass die Rechtschreibung eine stärkere Rolle in Schule und Lehrerausbildung einnehme.

Der Rat wisse um die Schwierigkeiten, die in der Vermittlung von Rechtschreibung lägen: Didaktisch an die jeweiligen Jahrgangsstufen angepasste Konzepte seien rar, oftmals werde der betreffende Sachverhalt eins zu eins aus dem amtlichen Regelwerk in die Schulbücher kopiert. Doch das sei nicht im Sinne der Ersteller: „Das amtliche Regelwerk ist von seiner Anlage her mit einem Gesetzestext vergleichbar, der für die einzelnen Benutzergruppen adäquat aufbereitet werden muss“, erklärte Zehetmair. Der Verband der Schulbuchverlage, VdS Bildungsmedien, zeigte sich über die Vorhaltungen irritiert. Dass die Verlage schlicht „copy and paste“ betrieben, könne er sich nicht vorstellen, sagte der Geschäftsführer Andreas Baer. Zudem sitze der Verband doch selbst im Rat für deutsche Rechtschreibung – und dort sei eine solche Kritik nie aufgekommen.

VBE: „Lehrer halten sich an die Vorgaben“

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg wies die Kritik des Rats an den Lehrern zurück. „Lehrer halten sich an die Vorgaben der Bildungspläne“, sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand. Wenn der Rat etwas verändern wolle, müsse er bei den Lehrplänen ansetzen. Außerdem sei in der Gesellschaft noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit richtiges Schreiben nicht nur in der Schule wieder als wertvoll angesehen werde. Zurzeit sei die Rechtschreibung – insbesondere bei Kurznachrichten (SMS), in Chaträumen und Online-Foren – nicht einmal zweitrangig, sondern völlige Nebensache. Erst bei Bewerbungsschreiben greife man dann sicherheitshalber zum Duden.

Offensichtlich hat die Rechtschreibung zumindest unter angehenden Lehrern auch nicht mehr den Stellenwert wie ehedem. Bei einem Aufnahmetest an der Pädagogischen Hochschule Salzburg zeigten 20 Prozent eklatante Mängel – die Hälfte davon mussten zur Nachschulung, die andere Hälfte wurde gleich aussortiert. „Das ist bestürzend. Die jungen Leute tauschen sich heute in völlig anderer Form aus. Im Internet, per SMS, in Facebook schreiben sie sehr viel – ein Gemisch aus Abkürzungen, Mundart und Dialekten. Das ist weit entfernt von jeder sprachlichen Kompetenz und Richtigkeit“, so zitiert der ORF den Rektor der Pädagogischen Hochschule, Josef Strampl.

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