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Facebook: Kontrolle ist gut, aber Vertrauen muss sein

Ein Kommentar von Nina Braun

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: www.bildungsjournalisten.de

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: www.bildungsjournalisten.de

DÜSSELDORF. Der Verhaltenskodex des Missbrauchsbeauftragten wirkt verständlich und notwendig – auf den ersten Blick.

Nach den Fällen, die in den vergangenen Jahren ans Licht gekommen waren, musste neben der formalen Aufarbeitung wie Entschädigungszahlungen auch im Bereich des täglichen Umgangs etwas passieren. Die Unsicherheit ist groß, wie etwa der Fall des kürzlich in Passau suspendierten Lehrers zeigt, der über Facebook offenbar harmlose Nachrichten an seine Schülerinnen geschrieben hat.

Einige Regeln des Verhaltenskodex sind völlig einleuchtend: Dass man als Pädagoge nicht unbedingt mit seinen Schützlingen in die Sauna geht und bei sportlichen Hilfestellungen nicht die Geschlechtsteile berührt, ist sowieso den meisten klar. Dass der Kodex dies jetzt noch mal klarstellt, erleichtert das Vorgehen gegen diejenigen, die diese Grauzone bisher für ihre Zwecke ausnutzten.

Geht es aber um den Kontakt bei Facebook oder den Besuch von Kindern in den Privatwohnungen von Lehrern wirkt der Kodex reichlich bürokratisch und an der Lebenswelt vieler vorbeigehend. Lebt doch eine gute Pädagogik auch von dem persönlichen Kontakt zwischen Betreuer oder Lehrer und Schülern. Vertrauen zwischen Lehrern und Schülern gehört zu einer funktionierenden Schulkultur einfach dazu. Wie das etwa bei Facebook funktionieren kann, zeigen zahlreiche Beispiele. Und dazu gehört es eben auch, dass die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf auch mal verschwimmen und etwa eine Klasse seinen Lehrer auch mal zu Hause besucht. Darüber hinaus ist für Kinder aus schwierigen Elternhäusern der Lehrer häufig die einzige Ansprechperson, wenn es um persönliche Probleme geht. Dass solche Fürsorge auch in Zukunft nicht unter Verdacht steht, dafür sollte, trotz aller gebotenen Vorsicht, gesorgt sein.

(14.5.2012)

Zum Bericht: Missbrauchs-Beauftragter verbietet Lehrern Facebook mit Schülern

Ein Kommentar

  1. Danke für diesen Kommentar.
    Er deckt sich genau mit meiner Meinung!

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