
Der Anteil der Schülerinnen und Schüler ohne gesicherten Abschluss hat sich in Niedersachsen in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Im Sommer 2025 verließ fast jeder zehnte Absolvent (9,5 Prozent) die allgemeinbildenden Schulen mit weniger als einem Hauptschulabschluss – das waren mehr als 7.400 Schülerinnen und Schüler. 2024 lag die Quote noch bei 8,7 Prozent, im Jahr 2016 waren es 5,4 Prozent.
Ministerium: Nicht gleichzusetzen mit Schulabbrechern
Das geht aus einer Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der CDU im Landtag hervor. Das Ministerium betont, dass die Zahl der Absolventen mit weniger als dem Hauptschulabschluss nicht gleichbedeutend sei mit Schulabbrechern. In der Statistik erfasst würden auch Schülerinnen und Schülern, die – etwa, weil sie erst kurz in Deutschland seien und ihre Sprachkenntnisse noch nicht reichten – auf eine Berufsschule wechselten, ebenso wie Abgänger mit dem Abschluss der Förderschule Lernen oder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf in der geistigen Entwicklung.
«Es ist wichtig festzuhalten, dass dieser Anteil keinesfalls gleichzusetzen ist mit einer Angabe über Abbrüche von Bildungsbiografien», erklärt das Ministerium. In der Regel verblieben die betroffenen Jugendlichen über die Berufsschule oder eine Ausbildung weiterhin im Bildungssystem.
«Wir lassen kein Kind zurück»
Niedersachsen bewege sich mit den Zahlen bundesweit im Mittelfeld. Aber: «Wir nehmen diesen Anstieg sehr ernst – und akzeptieren ihn nicht», sagte eine Sprecherin von Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). «Jeder junge Mensch ohne gesicherten Schulabschluss ist einer zu viel.» Entscheidend sei: «Wir lassen kein Kind zurück.»
Auch der Weg über die Berufsschule könne zudem noch zu einem allgemeinbildenden Schulabschluss führen. So hätten im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre mehr als 3.800 Schülerinnen und Schüler pro Jahr den Hauptschulabschluss an einer berufsbildenden Schule erworben.
CDU sieht wachsendes Problem
Der CDU-Bildungspolitiker Christian Fühner konstatiert derweil ein «wachsendes Problem». Er wirft der Kultusministerin vor, weder einen klaren Überblick über die Ursachen noch einen wirksamen Plan zum Gegenzusteuern zu haben. «Frau Hamburg bleibt zentrale Antworten schuldig, während die Zahlen weiter steigen», sagte Fühner. «Wir wollen die Zahl der Schulabbrecher deutlich reduzieren – dafür braucht es frühzeitige Förderung, klare Leistungsanforderungen und gezielte Unterstützung für Schulen vor Ort.»
In Niedersachsen gehen fast 900.000 Kinder und Jugendliche auf eine allgemeinbildende Schule. Prognosen zufolge wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler bis 2034 auf mehr als eine Million anwachsen.
Mehr Schulabgänger ohne Abschluss – Kultusministerium kennt die Ursachen nicht









Der Anstieg der Zahlen hat vermutlich viele Ursachen:
– die Schließung der Schulen während der Coronazeit und die unzureichende Aufarbeitung der damit in Zusammenhang stehenden Folgen ist mit Sicherheit eine Ursache für den signifikanten Anstieg der Anzahl der Schülerinnen und Schüler die keinen qualifizierten Bildungsabschluss erreichen. Denn eine Evaluierung der Lernrückstände hat es in dieser Form nie gegeben, geschweige denn eine strukturierte Aufarbeitung der entstandenen Lernrückstände.
– Die Anzahl der sonderpädagogischen Überprüfungsverfahren hat sich seit Einführung der „inklusiven Schule“ nahezu verdoppelt. Eine konzeptgesteuerte Entwicklung der inklusiven Schule steht nach wie vor aus. Man beschränkt sich hier auf Ressourcensteuerung des unzureichend vorhandenen Fachpersonals. Ein Entwicklungsplan? Eine Ergänzung der bisherigen Erfassung der Unterrichtsversorgung in eine Schulversorgungsstatistik? Fehlanzeige…man will es gar nicht so genau wissen…
– die Berufsschulen, die für Schülerinnen und Schüler die letzte Möglichkeit ist, innerhalb ihrer Schulpflicht noch einen qualifizierten Bildungsabschluss zu erwerben, auch für Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf die die allgemeinbildenden Schulen ohne mindestens einen Hauptschulabschluss verlassen. Um die Teilhabe dieser Schülergruppe zu gewährleisten und zu unterstützen werden den BBS keine Zusatzbedarfe zugewiesen, die Schulen können sie im Einzelfall bei den RLSB beantragen…
Aus meiner Sicht ist das Problem hausgemacht und die Politik wirkt dem nicht entschieden entgegen, ob ein Wechsel der Regierungspartei da zu besseren Ergebnissen führt. Man weiß es nicht, ich habe da wenig Hoffnung.
Im Beitrag fehlen Ausführungen zu den Ursachen. Woran liegt es?
Der gleiche Grund wie die letzten Jahrzehnte?
Ich meine natürlich, heute ist das alles komplett anders und die Schüler*innen passen nicht zu unseren Schulen 😉
Wird verschiedene Ursachen haben, aberzum Beispiel blieben im Jahr 2014 ohne ESA 3586 SuS mit deutscher Staatsangehörigkeit, 659 ohne deutsche Staatsangehörigkeit.
Im Jahr 2024 dann 4134 deutsch zu 2749 nicht-deutsch.