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Rolle rückwärts bei G8? Hessens CDU plant für Gymnasien die Wahlfreiheit

WIESBADEN. Knatsch bei Schwarz-Gelb: In der G8-Diskussion führt Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die neue FDP-Ministerin Beer vor. Sie will prüfen, dabei scheint alles entschieden. Schulpraktiker warnen vor Änderungen am System. 

Forderte eine weitere Entschlackung der Lehrpläne - und erntete Widerspruch von seiner Bildungsministerin: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Foto: Armin Kübelbeck / Wikimedia Commons

Forderte eine weitere Entschlackung der Lehrpläne - und erntete Widerspruch von seiner Bildungsministerin: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Foto: Armin Kübelbeck / Wikimedia Commons

Die Regierungspartner CDU und FDP in Hessen gehen Nachbesserungen an der umstrittenen verkürzten Gymnasialzeit G8 unterschiedlich an. Während die neue FDP-Kultusministerin Nicola Beer am Donnerstag in Wiesbaden von einer Prüfauftrag mit offenem Ergebnis sprach, legte sich die Union weitgehend darauf fest, für alle Gymnasien die Wahlfreiheit zwischen kurzer oder langer Schulzeit bis zum Abitur (G8 oder G9) zu eröffnen. Starttermin könnte mit Beginn des übernächsten Schuljahres im Sommer 2013 sein.

Im schulpolitischen Ausschuss des Landtags verlangte die Opposition Aufklärung über den Vorschlag, den Ministerpräsident Volker Bouffier überraschend beim CDU-Landesparteitag in Darmstadt gemacht hatte. Bislang hatte die Union die 2004 eingeführte achtjährige Gymnasialzeit bis zum Abitur verteidigt, die viele Schüler und Eltern als großen Leistungsdruck empfinden.

Bouffiers Vorstoß sei nur für die Opposition neu, betonte der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Hans-Jürgen Irmer. «Wir haben eine ziemlich klare Vorstellung, weil wir das Thema seit Monaten intern diskutieren.» Beer konnte nur sagen, sie sei seit 21 Tagen im Amt. Seit zwei Wochen prüfe eine Arbeitsgruppe des Ministeriums, wie G8 verbessert werden könne. Ihre Mitarbeiter sollten ohne Denkverbote arbeiten können und genügend Zeit bekommen, um dann im Herbst Vorschläge zu machen.

Die Gymnasien sollten dieselbe Wahlfreiheit erhalten wie die Kooperativen Gesamtschulen (KGS), listete Irmer die CDU-Vorstellungen auf. Das gelte logischerweise für alle Schulen. Nach Bouffiers Äußerungen hatte auch zur Debatte gestanden, die Wahl zwischen G8 und G9 auf Gymnasien mit dem Status einer Selbstständigen Schule zu begrenzen. An großen Gymnasien könne auch daran gedacht werden, beide Bildungsgänge gleichzeitig anzubieten, erklärte Irmer.

Als erster im Ausschuss nannte der CDU-Mann August 2013 als möglichen Starttermin für die Änderung. Beer ergänzte später: «Wenn wir das in dieser Legislaturperiode hinbekommen wollen, ist der 1. August 2013 der einzige Zeitpunkt.»

Beim Umfang des Unterrichtsstoffes für die Gymnasiasten widersprach Beer dem Ministerpräsidenten, der eine weitere «Entschlackung» der Lehrpläne gefordert hatte. «Wir müssen die Lehrpläne nicht noch mehr entschlacken, sondern wir müssen die entschlackten Vorgaben anwenden», sagte Beer.

CDU nähert sich den Grünen an

Mit Nachdruck verwies sie darauf, alle Stellschrauben für eine Erleichterung zu nutzen – eine bessere Verteilung des Unterrichts im Wochenstundenplan, mehr Ganztagsbetreuung. «Man muss genau hingucken, wo die Befürchtungen der Überforderungen herkommen.» Grundsätzlich gebe sie G8 den Vorzug. Das sah Irmer genauso: «G8 hat sich bewährt. Die Anmeldezahlen an den Gymnasien sprechen dafür.»

Parteipolitisch nähert sich die CDU mit ihrem Vorschlag der Wahlfreiheit den Grünen an. Die SPD will zurück zu einer sechsjährigen Mittelstufe mit G8 als einer Option. Sie kritisierte den «Schlingerkurs» der Regierung in dieser Frage. «Die Eltern haben ein Recht darauf, nicht von dem ‚Einen hü und von der Anderen hott‘ zu hören», sagte die Abgeordnete Heike Habermann.

In der wiederaufgeflammten Schuldiskussion lehnen Schulleiter leichtfertige Änderungen am System ab. «Wir warnen vor einer Rückkehr zu G9. Definitiv», sagte die Vorsitzende der Landesdirektorenkonferenz, Elisabeth Waldorff von der Wiesbadener Niemöller-Schule, der dpa. «In Hessen ist eine einigermaßen vernünftige Einführung der G8 gelungen.» Derzeit mache der erste Jahrgang nach nur zwölfjähriger Schulzeit Abitur. «Dieser Jahrgang ist weit davon entfernt, schlechter zu sein als früher.» dpa

(21.6.2012)

Zum Bericht: „Hessen: Bouffier ruft bei G8 neue Schuldebatte hervor“

Ein Kommentar

  1. Wahlfreiheit ist gut. Gemeinsam kann man dann von den Erfahrungen lernen.

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