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Ferien im Kloster – Grundschüler auf den Spuren der Mönche

NORDHORN. Ferienfreizeiten für Kinder gibt es viele. Aber wer verbringt sie schon in einem Kloster? In Nordhorn haben jetzt 21 Grundschüler eine Woche in den historischen Gemäuern von Kloster Frenswegen verbracht – mit Klostergeist und Geländespielen.

Das Kloster Frenswegen in Nordhorn; Foto: Heribert Duling/Wikimedia Commons

Das Kloster Frenswegen in Nordhorn; Foto: Heribert Duling/Wikimedia Commons

Das Kloster Frenswegen in Nordhorn ist mehr als 600 Jahre alt. Wer hinter den Flügeln der altehrwürdigen Backsteingebäude Mönche vermutet, liegt aber falsch. Die gibt es dort schon seit 1803 nicht mehr. Stattdessen tummeln sich jetzt Kinder in den Gemäuern – zumindest in diesem Sommer. Die achtjährige Tilda zum Beispiel sitzt im Skriptorium und rätselt über einer Liste mit griechischen Buchstaben. «Wo ist das H?», fragt sie. Sie will «Hallo» im griechischen Alphabet schreiben. «Das H gibt es nicht», entgegnet Jonas neben ihr. Er mal mit einer Feder seinen Namen auf Pergament.

«Schreiben macht Spaß», sagt Tilda. Auch Freundin Celina findet das Schreiben toll. Überhaupt mache der Aufenthalt in dem alten Gemäuer Spaß. «Wenn man über die Treppen geht, knarzt das so.» Und abends habe auch kurz der Klostergeist in ihrem Zimmer vorbeigeschaut. Hatte sie Angst? – «Nö».

21 Kinder im Grundschulalter machen eine Woche lang Urlaub in dem ehrwürdigen Kloster. Ordensleute leben seit Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr dort. Inzwischen wird der mittelalterliche Gebäudekomplex von einer gemeinsamen Stiftung des Fürsten von Bentheim und Steinfurt als Besitzer, des Kreises Grafschaft Bentheim und der reformierten Kirche betrieben. Kloster Frenswegen ist heute Heimat einer ökumenischen Bildungsstätte.

Dieses Jahr bietet das Kloster die Ferienfreizeit erstmals an. Die Idee sei vor allem, Kindern aus armen Familien, die sich einen Urlaub nicht leisten können, Ferien zu bieten, sagt Pastorin Christa Olearius. Dank Spendeneinnahmen von einem Benefizkonzert, das der Lionsclub organisierte, blieb die Freizeit bezahlbar.

Die Kinder kommen zwar alle aus Nordhorn und Umgebung, übernachten aber trotzdem in dem alten Haus – in einer Klosterzelle. «Die Kinder reagieren schon ehrfurchtsvoll, wenn sie die alten Gemäuer betreten», erzählt Olearius.

Fünf Tage bleiben die maximal zehn Jahre alten Grundschulkinder hier. Fünf Tage ohne Fernsehen und Computer, aber dafür mit Basteln, Spielen im Gelände und am Wasser sowie einer Nachtwanderung. Und in dieser Zeit machen sie eine kleine Zeitreise, denn sie sollen das Kloster kennenlernen, das Gebäude und die Geschichte.

«Die Kinder sollen etwas über das Kloster erzählen können», sagt Olearius. Viele Nordhorner hätten das Kloster noch nie betreten. Vielleicht bringen nun die Kinder ihre Eltern in die mittelalterliche Anlage.

Jetzt will Olearius erst einmal mit einer kleinen Gruppe einen kleinen Eckturm besteigen. «Wir gehen jetzt wie die Mönche ganz still die Treppe hoch und sagen kein Wort», versucht die Theologin die aufgeregten und unruhigen Schüler in Zaum zu halten.

Zuvor hatten die Kinder bereits ein Ordensgewand angelegt und das Gelübde der Augustiner-Chorherren – Armut, Keuschheit und Gehorsam – kennengelernt. Außerdem erkundeten sie mit einem Kompass und einem Puzzle die 1996 neu aufgebaute Klosterkapelle. Wer weiß nämlich schon, dass in einer Kirche der Altar immer nach Osten ausgerichtet ist?

Ein paar Kinder haben auch Heimweh. Tina zum Beispiel. Sie ist zum ersten Mal von zu Hause weg und sitzt still beim Mittagessen im Speisesaal. Die Achtjährige rührt weder die Lasagne noch den Wackelpudding an – sie vermisst ihre Mama. Nach dem Essen aber tobt das Mädchen plötzlich über den Innenhof und spielt fröhlich mit ihren Freundinnen. ELMAR STEPHAN, dpa

(17.8.2012)

Ein Kommentar

  1. Klingt interessant.

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