MÜNCHEN. Die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder sehen in Olympischen Spielen eine große Chance für Deutschland. Sie sprechen von Bewegung, Teamgeist, Zusammenhalt und einer neuen Leistungskultur. Doch während für Olympia Milliarden von Euro mobilisiert werden sollen, fehlt vielerorts das Geld für moderne Schulgebäude, ausreichenden Sportunterricht und messbare Fortschritte im Bildungssystem. Wer von Leistung spricht, sollte zunächst mal bei den eigenen Hausaufgaben anfangen. Ein Kommentar von News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek.

Die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder haben eine neue gemeinsame Leidenschaft entdeckt: Olympia. Mit einer eigens verabschiedeten Erklärung stellt sich die 16-köpfige KMK-Bildungsministerkonferenz hinter eine deutsche Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele.
Die Ausrichtung sei eine „einmalige Chance“, heißt es, um nachhaltige Impulse für Sport, Bildung und die Gesellschaft zu setzen. Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz (BMK), Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler), spricht von einem „Aufbruchsignal“, von einer neuen Begeisterung für Bewegung und von einer positiven Leistungskultur.
Das klingt gut. Wer wollte bestreiten, dass Sport wichtig ist? Wer würde etwas gegen Teamgeist, Fairness, Durchhaltevermögen oder körperliche Bewegung einwenden? Tatsächlich haben die Ministerinnen und Minister recht, wenn sie auf die pädagogischen Potenziale des Sports verweisen. Gerade in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche sich immer weniger bewegen, wären mehr Sportangebote dringend notwendig.
Nur drängt sich eine Frage auf: Warum zeigen die Kultusminister bei Olympischen Spielen plötzlich einen Ehrgeiz, den man in der Bildungspolitik seit Jahren vermisst?
Olympische Spiele verschlingen regelmäßig Milliardenbeträge. Die Sommerspiele in Paris kosteten nach Angaben des französischen Rechnungshofs den Staat rund 6,6 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte floss in Infrastruktur. Die Winterspiele von Mailand und Cortina werden auf knapp sechs Milliarden Euro geschätzt. Wirtschaftlich profitiert hat vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC), das offenbar bis zu fünf Milliarden Euro pro Event einnimmt. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung vieler Austragungsorte, dass die versprochenen langfristigen Effekte häufig überschaubar bleiben und für die viele der errichteten Anlagen erst mühsam neue Nutzungen gefunden werden müssen.
„Jeder neu gebaute oder grundlegend sanierte Schulcampus wäre für die Zukunft des Landes vermutlich wertvoller als manche olympische Wettkampfstätte“
Deutschland sitzt auf einem gewaltigen Investitionsstau im Bildungsbereich. Allein der Sanierungsbedarf bei Schulgebäuden wird inzwischen auf rund 65 Milliarden Euro geschätzt. Tausende Schulen kämpfen mit maroden Gebäuden, kaputten Toiletten, undichten Dächern, fehlender Digitalisierung und einem Mangel an modernen Lernräumen. Viele Kinder lernen in Gebäuden, die längst nicht mehr den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entsprechen.
Wie wäre es also, wenn die Politik das olympische Motto „höher, schneller, weiter“ einmal konsequent auf die Bildung anwenden würde?
Jeder neu gebaute oder grundlegend sanierte Schulcampus wäre für die Zukunft des Landes vermutlich wertvoller als manche olympische Wettkampfstätte. Jede moderne Schule, in der Schülerinnen und Schüler motiviert lernen und Lehrkräfte ungestört arbeiten können, wäre ein nachhaltiger Beitrag für kommende Generationen. Da wäre doch jeder Schulneubau locker ein Feuerwerk und eine Flaggenparade wert.

Und Medaillen? Die ließen sich ebenfalls vergeben: für hervorragende Schülerleistungen, für besonderes Engagement von Lehrkräften, für Schulen, denen es gelingt, Kinder erfolgreich zum Abschluss zu führen oder soziale Benachteiligung abzubauen.
Auch beim Thema Sport lohnt ein Blick auf die Realität des deutschen Bildungssystems. Die Bildungsminister beschwören die Kraft der olympischen Bewegung, während vielerorts Sportstunden ausfallen, weil Hallen fehlen oder Lehrkräfte nicht verfügbar sind. Von einer täglichen Sportstunde für alle Schülerinnen und Schüler kann in Deutschland keine Rede sein. Wer Bewegung wirklich fördern will, müsste zuerst die Voraussetzungen dafür schaffen.
Bemerkenswert ist auch das Bekenntnis der Kultusminister zum Leistungsgedanken, den Olympia angeblich befördern soll. Die BMK-Präsidentin spricht von einem „stärkeren Mindset einer positiven Leistungskultur“. Nichts gegen einzuwenden. Nur wäre es überzeugender, wenn die Bildungsminister dieses Mindset zunächst mal auf ihre eigene Arbeit anwenden würden.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) versucht seit Monaten, die Länder auf konkrete bildungspolitische Ziele festzulegen – etwa auf eine Halbierung der Schulabbrecherquote bis zum Jahr 2035. Doch die Landeskultusminister*innen scheuen verbindliche Zielmarken bislang auffällig konsequent. Dabei wäre genau das Ausdruck einer echten Leistungskultur: klare Ziele formulieren, Fortschritte messen, Erfolge sichtbar machen und Misserfolge benennen.
Stattdessen bleibt die Bildungspolitik häufig im Ungefähren. Man spricht über Chancen, Potenziale und Visionen. Messbare Verpflichtungen hingegen werden vermieden. Verständlich: Wo es keine Ziele gibt, kann am Ende auch niemand Rechenschaft über das Ergebnis verlangen.
Vielleicht könnten sich die Kultusminister tatsächlich etwas von erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern abschauen. Diese treten nicht an mit dem Versprechen, irgendwann vielleicht besser zu werden. Sie setzen sich konkrete Ziele, lassen ihre Leistungen messen und müssen sich am Ergebnis beurteilen lassen.
Olympische Spiele braucht Deutschland dafür nicht. Was es braucht, ist mehr Ehrgeiz in der Bildungspolitik. News4teachers
Neuer Pisa-Schock: Deutschlands Schüler schneiden so schlecht ab wie nie










Ihr Essay klingt schön, und wenn die Welt vernünftig und weitsichtig wäre, würde man Ihnen Recht geben. Doch das ist nicht so, und den wichtigsten Faktor haben Sie nicht berücksichtigt. Vermutlich weil keiner der Politiker, der den Leistungsgedanken beschwört, darüber spricht: Olympia, WM und wie diese Sport Events alle heißen, kosten nicht nur, sondern – wenn auch nicht für die Bürger der Austragungsorte, da wird Soziales eher gestrichen – bringen viel Geld ein..
Durch Olympische Spiele werden in einem Vierjahreszyklus Milliardenbeträge umgesetzt. Allein das Internationale Olympische Komitee (IOC) nimmt in diesem Zeitraum über 12 Milliarden US-Dollar ein. Für die Ausrichterstädte liegen die wirtschaftlichen Effekte oft im Bereich von 6 bis 18 Milliarden Euro. Die Einnahmen sind:
– Medien- und Übertragungsrechte
– Exklusive globale Sponsoren (wie Coca-Cola, Visa, Toyota oder Omega) zahlen jeweils dreistellige Millionenbeträge
– Nationale Sponsoren
-„Ticketing:“ Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten für die Wettkämpfe.
-Lizenzprodukte: Der Verkauf von offiziell lizenzierten Merchandise-Artikeln und Maskottchen.
– “ Hospitality“ : Unterkünfte und VIP Pakete
Übertragen Sie das auf eine Bildungsoffensive, dann wird sie auch in Angriff genommen.
Für das Maskottchen habe ich schon eine Idee. “ Schleichi“ , eine niedliche Schnecke, für jedes Bundesland in einer anderen Ausführung und Größe…