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Baden-Württemberg finanziert wieder Schulsozialarbeiter

STUTTGART. Die Landesregierung Baden-Württemberg steigt nach Ihrem Ausstieg 2005 wieder in die Finanzierung der Schulsozialarbeit ein. Die Städte nutzen die Mittel, um tatsächlich neue Mitarbeiter einzustellen.

Der Wiedereinstieg der Landes in die Finanzierung der Schulsozialarbeit hat einen Boom ausgelöst: Die Zahl der Vollzeitstellen im Südwesten hat sich von noch 690 Mitte 2010 auf derzeit 980 deutlich erhöht – und sie wird rasant weiter wachsen. «Schulsozialarbeit betrachten wir als Landesaufgabe, weil Schule mehr ist als Vermittlung von reinem Wissen, nämlich eine Lebenswelt, in der Kinder und Jugendliche viel Zeit verbringen», sagte Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Sozialarbeiter seien für Schüler leicht zugängliche Ansprechpartner. «Es ermöglicht schnelle Intervention und kann verhindern, dass sich soziale Probleme auf schulische Leistungen auswirken.»

Der hohen Nachfrage der Kommunen als Schulträger werde Rechnung getragen, indem die Landesmittel von derzeit 15 Millionen Euro jährlich von 2014 an auf 25 Millionen Euro erhöht werden. Die Stellen werden seit dem 1. Januar 2012 zu je einem Drittel vom Land, von den Jugendhilfe- und den Schulträgern finanziert. Die Kommunalverbände hatten diese Drittelfinanzierung seit Jahren gefordert. «Wir sind sehr zufrieden», sagte Bildungsdezernent Norbert Brugger vom Städtetag. Die Kommunen nutzten das Landesgeld nicht, um die eigenen Mittel für bestehende Stellen einzusparen, sondern sie setzten auf neue Mitarbeiter.

Für eine Vollzeitstelle werden Personalkosten von 50 000 Euro im Jahr kalkuliert, zu denen das Land 16 700 Euro beisteuert. Derzeit liegen so viele Anträge auf Förderung von Schulsozialarbeit vor, dass im Jahr 2013 mit 1190, im Jahr 2014 mit 1500 Vollzeitstellen gerechnet wird.

Altpeter sieht sich in der Pflicht, Schulsozialarbeit auch als Folge aus der Enquêtekommission «Jugend-Arbeit-Zukunft» weiterzuführen. Die alte schwarz-gelbe Landesregierung war zwar aufgrund der Empfehlungen der Kommission 1999 in die Mitfinanzierung der Schulsozialarbeit an den rund 4000 Schulen im Land eingestiegen, hatte sie zum Unmut der Kommunen 2005 aber wieder eingestellt. Nach Angaben Altpeters hatte das Land in diesem Zeitraum insgesamt 7,1 Millionen Euro in die Schulsozialarbeit investiert. Überdies ziehe Grün-Rot mit der Finanzierung der Schulsozialarbeit auch die Konsequenz aus dem Amoklauf eines Schülers an einer Winnender Schule im Jahr 2009.

Schulsozialarbeiter haben nach Überzeugung von Altpeter einen anderen Zugang zu den Schülern als Lehrer. «Die Kinder gehen mit ihren Problemen nicht zum Lehrer, sondern eher zu jemandem, der nicht so im schulischen Leistungsgefüge verankert ist.» Der Schulsozialarbeiter sei eine feste Anlaufstelle in der Schule. Er wisse, was sich jenseits des Unterrichts in Familie und in der Gruppe der Gleichaltrigen abspiele. Brugger ergänzt: «Die Arbeit der Schulsozialarbeiter setzt an der Schnittstelle zwischen Schule und Jugendhilfe an, stärkt die Sozialkompetenz und trägt zur Gewaltprävention bei.»

Insbesondere an Haupt- und Werkrealschulen sei der Bedarf groß, erläuterte Brugger. Auch der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung, die zu immer unterschiedlicheren Klassengemeinschaften führe, mache Schulsozialarbeit noch notwendiger. Der Verbandsexperte forderte, dass die Mitfinanzierung des Landes in einem Gesetz verankert wird.

Altpeter berichtete, die Erhöhung der Ausgaben für die Schulsozialarbeit sei bei den Haushaltsberatungen kaum auf Widerstand gestoßen. «Die Freigabe der Mittel ist auch erleichtert worden durch den Wegfall des Landeserziehungsgeldes.» Denn das Programm habe wie die zum 1. Oktober eingestellte Hilfe einen besonderen Fokus auf Kinder aus einkommensschwachen und belasteten Familien. dpa

(5.10.2012)

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