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Amoklauf von Newtown heizt Diskussion ums Waffenrecht an – auch in Deutschland

BERLIN. Nach dem Amoklauf von Newtown ist in den USA eine hitzige Diskussion um eine Verschärfung des Waffenrechts entbrannt, die auch in Deutschland aufflammen dürfte. «Wir stehen in der Pflicht, das Risiko für den Waffenmissbrauch durch Kinder und Jugendliche so weit wie möglich zu verringern», meint etwa die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD). Sie fordert seit Längerem:  Das Waffenrecht in Deutschland muss weiter verschärft werden.

Dürfen Sportwaffen bald nicht mehr zu Hause gelagert werden? Foto aus dem Waffenmuseum Suhl: pilot_micha / flickr (CC BY-NC 2.0)

Dürfen Sportwaffen bald nicht mehr zu Hause gelagert werden? Foto aus dem Waffenmuseum Suhl: pilot_micha / flickr (CC BY-NC 2.0)

Jede Waffe weniger bedeute ein Stück mehr Sicherheit, sagte Altpeter auf einer unlängst stattfindenden Tagung in Bad Boll. Da Waffenrecht Bundesrecht sei, sei hier in erster Linie die Bundesregierung gefragt.  Die Ministerin sprach sich laut Mitteilung dafür aus, in den Satzungen der Schützenverbände die Voraussetzungen für einen Verbandsausschluss zu schaffen, wenn Waffen und Munition nicht ordnungsgemäß aufbewahrt würden. Die Fachtagung wurde von der Evangelischen Akademie zusammen mit dem Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden veranstaltet. Beim Amoklauf von Winnenden und Wendlingen waren im März 2009 insgesamt 15 Menschen erschossen wurden. Der Täter richtete sich selbst.

Auch das Aktionsbündnis fordert eine Verschärfung des Waffenrechts, konkret: die Waffen von Sportschützen zentral zu lagern. «Wenn diese Forderung von 2009 umgesetzt worden wäre, wären heute einige Menschen mehr am Leben», heißt es. Seit dieser Bluttat seien 24 Menschen in Deutschland durch legale Pistolen und Gewehre zu Tode gekommen. Viele dieser Morde hätten nach Ansicht des Aktionsbündnisses verhindert werden können, wenn Schützenvereine die Waffen ihrer Mitglieder umfassend gesichert hätten.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth verwies unlängst auf eine Übermacht der «Waffenlobby in Deutschland», die einen effektiven Schutz verhindere. «Die tödlichen Knarren müssen endlich raus aus den Privatwohnungen, weil sie ein echtes Sicherheitsrisiko sind.»

„Versagen eines Einzelnen nie auszuschließen“

Der Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes, Jürgen Kohlheim, hält die Aufbewahrung zu Hause hingegen für die beste Lösung. «Wenn wir, was immer wieder gefordert wird, Schusswaffen und Munition in Schützenhäusern aufbewahren wollten, dann würde dort ein Munitionsdepot entstehen.» Dies sei viel gefährlicher und anfälliger für Einbrüche. Auch eine Verschärfung des Waffenrechts lehnte der Verband ab. «Ich glaube nicht, dass wir mit weiteren strengen Vorschriften das Versagen eines Einzelnen in irgendeiner Form ausschließen können», sagt Kohlheim.

Allerdings hat der Deutsche Schützenbund (DSB) beim Institut für Sportwissenschaft der Universität Würzburg eine Studie in Auftrag gegeben, die die Wirkung des Schießsports auf Kinder und Jugendliche untersuchen soll. Dabei soll durch psychologische Tests und Online-Interviews herausgefunden werden, inwieweit die Aggressions- und Emotionsregulation der Nachwuchsathleten durch das Sportschießen verändert wird. «Diese Studie ist für unseren Verband und unseren Sport von großer Bedeutung», erklärte Kohlheim. «Es ist gut und richtig, dass wir auf drängende gesellschaftliche Fragen fundierte und vor allem wissenschaftlich belastbare Antworten erhalten – diese gibt es bislang noch nicht», so Kohlheim weiter.

Bis Ende 2013 werden die Würzburger Wissenschaftler den viertgrößten Spitzensportverband des Landes einer eingehenden sportpädagogischen Evaluation unterziehen. Im Mittelpunkt soll dabei die Bildungsarbeit des DSB auf allen seinen Verbandsebenen stehen. Die Debatten in der Öffentlichkeit über den Wert dieses Sports seien der Auslöser für ein solches Forschungsprojekt gewesen, meinte Professor Harald Lange, Leiter des Instituts in Würzburg. «Wir haben uns gefragt, wie die Schützenvereine mit dem Thema umgehen: Betreiben sie Gewaltprävention? Wie bilden sie ihre Trainer aus? Was setzen diese davon um? Und was passiert eigentlich mit Kindern, die das Sportschießen erlernen?» News4teachers / mit Material von dpa

(3.10.2012, aktualisiert am 15.12.2012)

 

 

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