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Die etwas anderen Fächer: Lehrer für Astronomie und Chinesisch

GREIFSWALD. Deutsch, Erdkunde, Sport und Geschichte sind typische Fächer fürs Lehramtsstudium. Aber es geht auch ganz anders: Wie wäre es mit Sorbisch? Oder mit Astronomie? Chinesisch ist ebenfalls eine Überlegung wert – und erhöht die Chancen auf eine Lehrerstelle.

Thema im Astronomieunterricht: eine Sonnenfinsternis. Foto: LLacertae/Flickr (CC BY 2.0)

Thema im Astronomieunterricht: eine Sonnenfinsternis. Foto: LLacertae/Flickr (CC BY 2.0)

Es gibt Schulfächer, die kennt jeder. Andere klingen eher ungewöhnlich: Astronomie zum Beispiel, Plattdeutsch, Chinesisch, Schwedisch, Sorbisch oder Darstellendes Spiel. Wer Lehrer werden möchte und sich nicht auf Standards wie Deutsch und Erdkunde festlegt, kann unter Umständen gerade mit solchen scheinbar exotischen Schulfächern punkten. iele Möglichkeiten, das etwas andere Fach zu belegen, gibt es bei den Fremdsprachen: Dänisch auf Lehramt lässt sich sogar in Freiburg im Breisgau studieren, Niederländisch beispielsweise in Köln und Oldenburg, Sorbisch in Leipzig. Noch ganz frisch ist Chinesisch für angehende Lehrer in Tübingen. Offizieller Start ist zum kommenden Wintersemester. «Neben Göttingen sind wir bundesweit die ersten», sagt Prof. Achim Mittag vom Lehrstuhl für Sinologie.

Bundesweit gebe es knapp 65 Schulen, an denen Chinesisch als Schulfach unterrichtet wird. «Und darüber hinaus viele, die das als AG anbieten.» Für die Absolventen des Studiengangs sieht Mittag «ganz wunderbare Chancen». Die Zahl der Schulen, die Chinesisch anbieten möchten, nehme zu. «Dem steht vor allem entgegen, dass es keine Lehrer gibt.» Gerade nach den ersten Absolventenjahrgängen würden sich die Schulleiter die Finger lecken.

Chinesisch ist in Tübingen ein bivalenter Studiengang. Das heißt, man belegt zwei Schulfächer, zum Beispiel Chinesisch und Deutsch. Eine Begrenzung der Studienplätze gibt es nicht, Sprachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. «Ein Semester an der Peking Universität ist allerdings Pflicht.» Die Studenten lernen Mandarin – die am meisten gesprochene Sprache der Welt, wie Prof. Mittag betont.

Ole Hruschka unterrichtet an der Uni Hannover Darstellendes Spiel. An manchen Schulen ist das ein eigenes Fach. «Innerhalb Deutschlands ist das allerdings total unterschiedlich», räumt Hruschka ein. Das Studium in Hannover zielt auf den Unterricht in der Oberstufe. Angehende Lehrer studieren es neben einem zweiten Unterrichtsfach wie Deutsch, Englisch oder Spanisch – oder als drittes Fach. Audem Lehrplan stehen unter anderem Theaterpädagogik und Theatergeschichte. Die Zahl der Bewerber ist allerdings größer als die der Plätze – das Nadelöhr ist ein Auswahlverfahren. Dafür sind die Aussichten nicht schlecht: «Ich weiß von keinem unserer Absolventen, der keine Stelle bekommen hätte», sagt Hruschka.

Astronomie für Lehramtsstudenten gibt es in Tübingen und in Halle-Wittenberg. Dort ist es ein Ergänzungsfach für Studenten in Physik, Mathe und Geografie. Als eigenes Unterrichtsfach gibt es Astronomie vor allem an Schulen in Ostdeutschland. «In anderen Bundesländern gibt es aber Arbeitsgemeinschaften und Kurse in der Oberstufe», sagt Helmut Grätz vom Institut für Physik der Uni Halle-Wittenberg. Die Studenten dort wählen Astronomie als drittes Fach und schließen es mit einem Zertifikat ab. Derzeit sind 37 Lehramtsstudenten immatrikuliert. In Bundesländern, in denen das Fach unterrichtet wird, sei der Bedarf an Lehrern nicht gedeckt. Wer sich mit Astronomie um eine Stelle bemühe, habe deshalb oft bessere Karten. «Die Schulleiter sind gegenüber solchen Initiativen fast immer sehr aufgeschlossen.»

Auch an der Uni Greifswald gibt es Lehramtsfächer, die an anderen Hochschulen als exotisch gelten würden: Schwedisch, Norwegisch und Dänisch. Abwegig ist das nicht: «In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehr als 20 Schulen, an denen Schwedisch unterrichtet wird und etwa 600 bis 700 Schülerinnen und Schüler, die es lernen», erläutert Prof. Christer Lindqvist vom Institut für Skandinavistik. Norwegisch und Dänisch spielen eine kleinere Rolle. «Schwedisch ist mit Abstand Nummer eins.»

Wer eine der Sprachen in Greifswald auf Lehramt studieren will, belegt es als drittes zusätzliches Fach. Die Kombination Deutsch und Geschichte gebe es wie Sand am Meer, sagt Lindqvist. «Aber Norwegisch dazu, das ist ein Farbtupfer und kann später ein Pluspunkt sein.» Und ein Beweis für besondere Motivation: «In der Regel sind das sehr gute Studierende, die den Kopf für ein drittes Fach freihaben.»

Kaum ein Absolvent dürfte ausschließlich wegen seiner Kenntnisse in einer skandinavischen Sprache eingestellt werden. Aber wenn an einer entsprechenden Schule ein Lehrer für Deutsch und Geschichte gesucht wird und er gleichzeitig auch Norwegisch oder Schwedisch unterrichten könnte, kann das den Ausschlag geben. Um riesige Zahlen geht es nicht: «Wir haben 48 Studenten, die Schwedisch auf Lehramt studieren», sagt Lindqvist, «in Norwegisch sind es 12, in Dänisch 1 – das ist immerhin genauso viel wie in Physik.»

Platt als Zusatzqualifikation

Plattdeutsch spielt heute im Alltag keine große Rolle mehr. «Aber bis ins 16. Jahrhundert wurde in Norddeutschland alles in Latein oder in Mittel-Niederdeutsch geschrieben», erklärt Prof. Michael Elmentaler von der Uni Kiel. Sprich: «op Platt». Und es gibt eine Reihe von Universitäten, die Niederdeutsch auch fürs Lehramt anbieten, Rostock etwa, Flensburg, Oldenburg oder Münster – und Kiel. Das kann für Studenten interessant sein, die Geschichte studieren und Quellen aus dem Mittelalter verstehen wollen oder für Anglistikstudenten, die sich mit Sprachgeschichte beschäftigen. «Viele unserer Studenten haben aber auch einfach das Gefühl, es gehört zu ihrer regionalen Identität dazu.» Niederdeutsch ist in Kiel ebenfalls ein Ergänzungsfach. «Für die Absolventen ist das eine Zusatzqualifikation», sagt Elmentaler. «An den Schulen wird das oft positiv wahrgenommen, auch viele Eltern schätzen das.» Zumindest im Rahmen des Deutschunterrichts oder von Arbeitsgemeinschaften gibt es Platt im Unterricht an vielen Schulen.

Und davon ganz abgesehen: Auch in punkto Small-Talk-Tauglichkeit dürften Fächer wie Astronomie, Schwedisch, Sorbisch oder Darstellendes Spiel bei jeder Studentenparty Aufmerksamkeit erregen. Mehr jedenfalls als Deutsch und Erdkunde. ANDREAS HEIMANN, dpa

(20.5.2013)

Zum Bericht: „Protest: Angehende Gymnasiallehrer fürchten Arbeitslosigkeit“

 

 

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Astronomie hatte ich noch in der 10. Klasse. Ich fand’s interessant. Wenn die Kinder in Grenzregionen die Sprache des Nachbarlandes (als 2. Fremdsprache!) lernen (eher als ein Kann und weniger als ein Muss), fände ich das gut und sinnvoll und mehr als nur eine Geste guter Nachbarschaft.

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