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Immer mehr Einser-Abiturienten: „Intelligenz-Explosion“?

DÜSSELDORF. Die Zahl der Abiturienten mit der Abschlussnote 1,0 hat sich in Nordrhein-Westfalen innerhalb von sechs Jahren mehr als verdreifacht. Sie sei in den Jahren 2007 bis 2013 von 455 auf 1659 gestiegen, teilte die Landtagsfraktion der CDU in Düsseldorf mit. Dies gehe aus Antworten der Landesregierung auf zwei Kleine Anfragen der CDU hervor.

Sind die Schüler besser geworden - oder wurden die Anforderungen gesenkt? Illustration: Gabor / Wikimedia Commons

Sind die Schüler besser geworden – oder wurden die Anforderungen gesenkt? Illustration: Gabor / Wikimedia Commons

Der CDU-Abgeordnete Stefan Berger warf der rot-grünen Landesregierung vor, die Qualität des Abiturs und des Studiums aufs Spiel zu setzen. «Entweder haben wir seit fünf Jahren eine Intelligenz-Explosion im Land oder das Schulministerium hat besonders seit 2010 die Anforderungen beim Zentralabitur aus politischen Erwägungen deutlich gesenkt», so Berger.

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) wies die Vorwürfe zurück: «Die CDU interpretiert die Ergebnisse sehr einseitig und lässt völlig außer Acht, dass es an den Gymnasien in diesem Jahr den Doppeljahrgang gibt, also deutlich mehr Schülerinnen und Schüler das Abitur gemacht haben.» Der bundesweite Trend zu besseren Ergebnissen sei eher auf eine gestiegene Leistungsbereitschaft der Schüler zurückzuführen. «Darüber sollten wir uns freuen, statt von einer Entwertung des Abiturs zu sprechen.»

Löhrmann will sich an diesem Donnerstag ausführlich zu den Ergebnissen des diesjährigen Zentralabiturs äußern.

Zum Bericht: „NRW-Zentralabitur: Schülerproteste gegen Mathe-Klausur“

 

3 Kommentare

  1. Das ist doch in jedem Bundesland so ob CDU/CSU- oder SPD-geführt. Alle sonnen sich in den angeblich so guten Leistungen. Dass eine erhebliche Niveauminderung in allen Bundesländern damit einhergeht schreibt niemand.

  2. Ich vermute eher, die guten Noten sind der Wettbewerbssituation geschuldet, der sich Schulen heutzutage ausgesetzt fühlen. Da verlangt man dann eben einfach etwas weniger für gute und beste Noten und schon steht man in der Öffentlichkeit gut da. Wer denkt noch daran, dass ein Gut eigentlich bedeutet, die Leistung wurde im vollem Umfang erfüllt und ein Sehr-Gut eigentlich noch mehr als „nur 100%“ sein soll?!

  3. Wie kann es nur zu diesem auffälligen Anstieg besonders guter Abschlüsse kommen?
    Wenn alle Fachkolleginnen und -kollegen an den inhaltlichen Planungen beteiligt werden und ihre Arbeitsergebnisse offenlegen müssen, kann es meiner Erfahrung nach nicht zu einem inflationär hohen Anteil von guten Ergebnissen kommen. An einer Schule habe ich das gemeinsame Handeln kennen und schätzen gelernt.
    Zu Beginn des Schuljahres legt bspw. die Fachleitung in Deutsch den Arbeitsplan – primär orientiert an den Rahmenrichtlinien – für das Schuljahr vor. Dort stehen dann die zu vermittelnden Inhalte. Vieles ist verbindlich, einiges fakulativ.
    Anschließend werden die Termine für die Klassenarbeiten festgelegt. Alle Klassen eines Schuljahres schreiben an einem Tag x dann eine Arbeit. Im Fach Deutsch sind es z.B. pro Halbjahr zwei Diktate und zwei Aufsätze gewesen. Alternativ ist für einen Aufsatz auch eine Grammatikarbeit geschrieben worden. Für jede Arbeit ist dann ein Entwurf von einer Lehrkraft vorgelegt worden, der im Fachgremium besprochen wurde. Dazu gehörte auch die Offenlegung der Bewertung. Für einen Aufsatz betraf das den Bewertungsbogen mit den entsprechenden Kriterien und die Punkteverteilung. Bei der methodischen Vorgehensweise hat es keinerlei Einschränkungen gegeben. Die Ergebnisse einer Klassenarbeit sind in einem Übersichtsbogen eingetragen worden, der auch von der Schulleitung eingesehen wurde.
    Übrigens, einigen Nutzern kommt das Geschilderte evtl. zu starr vor, und sie fragen sich, ob bei so einer Vorgehensweise nicht die einzelne Lernausgangslage „auf der Strecke bleibt“. Ich kann Sie beruhigen. Wir haben prima Ergebnisse erzielt, und unserer Empfehlung (HS/RS/Gymn.) folgten die meisten Erziehungsberechtigten. Zudem war unsere Prognose für die weiterführenden Schulen offensichtlich so treffsicher, dass es nur ganz wenige SchülerInnen nicht auf den von uns empfohlenden Schulen schafften.
    Es ist klar, dass bei so einem transparenten Vorgehen besonders abweichende Zensuren nach oben oder unten sofort auffallen, sodass dann ggf. auch nachgefragt werden darf oder sogar muss. In vielen Jahren ist das aber an der Schule niemals geschehen. Was ich dargestellt habe, betrifft die Orientierungsstufe in Niedersachsen (5./6. Schuljahr), die 2004 abgeschafft wurde.
    Gut, dieses Beispiel bezieht sich auf den laufenden Unterricht. Es ist mit Sicherheit nicht 1:1 auf das Abitur übertragbar. Zumal dann, wenn die Aufgaben zentral vom Kultusministerium gestellt werden.
    Schließlich kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie in den sehr heterogen Lerngruppen in den Gesamt- oder Gemeinschaftsschulen überhaupt schriftliche Überprüfungen organisiert werden. Wenn dann noch jedes Kind sein eigenes Pensum absolviert (individuelles Lernen), sind derartige Überprüfungen doch schon fast unmöglich. Nun gut, bald gibt es evtl. kaum noch Noten.

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