Start Nachrichten Schüler mit E-Scootern: Unfallzahlen steigen – mit zum Teil dramatischen Folgen

Schüler mit E-Scootern: Unfallzahlen steigen – mit zum Teil dramatischen Folgen

23
Anzeige

BERLIN. E-Scooter gehören für viele Jugendliche längst zum Alltag – und damit auch zum morgendlichen Bild vor Schulen. Sie versprechen unkomplizierte Mobilität und ein Stück Selbstständigkeit, doch gerade junge Fahrerinnen und Fahrer tragen ein erhebliches Risiko: Die Zahl der Unfälle steigt deutlich, besonders häufig verunglücken 15- bis 17-Jährige. Fachleute warnen zudem vor schweren Kopfverletzungen und einer weiteren Folge, die weniger unmittelbar sichtbar ist. Wer selbst kurze Wege mit dem Scooter zurücklegt, verzichtet auf Bewegung, die Kindern und Jugendlichen ohnehin zunehmend fehlt.

Unfallträchtig. Foto: Shutterstock

Vor vielen Schulen in Deutschland zeigt sich jeden Morgen dasselbe Bild: Aus allen Richtungen kommen Jugendliche auf E-Scootern angebraust, mal allein, mal verbotenerweise zu zweit. Manche fahren auf einem Leihfahrzeug, andere haben längst ihren eigenen Scooter. Bei vielen jungen Leuten ist er aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Doch so lässig eine Fahrt darauf wirken mag, die potenzielle Gefahr sollte man nicht unterschätzen. Nicht nur die Unfallzahlen steigen. Fachleute sehen auch andere gesundheitlichen Risiken. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Trend:

Wieso sind E-Scooter bei jungen Leuten so beliebt?

1,4 Millionen E-Scooter gab es laut dem Statistischen Bundesamt 2023 in privaten Haushalten. Die Beliebtheit dürfte laut dem Mobilitätsexperten Sören Groth vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund inzwischen weiter zugenommen haben. Dazu kommen nach seinen Angaben etwa 200.000 Leihscooter, die überwiegend in Großstädten unterwegs sind.

Dass die Gefährte gerade bei Jugendlichen angesagt sind, liegt ihm zufolge daran, dass sich E-Scooter in diesem Alter gut eignen, den persönlichen Aktionsradius zu erweitern und mobil zu werden. E-Scooter seien für junge Leute das ideale Verkehrsmittel, um zu lernen, sich selbstbestimmt in der Umgebung zu bewegen und die noch kleine Welt um sie herum zu erkunden.

«Den Jugendlichen ist ein cooles Design wichtig, sie schwitzen dabei nicht, fahren vielleicht – unerlaubterweise – auch mal mit dem besten Freund oder der besten Freundin eng umschlungen.» Allerdings nutzten junge Leute heutzutage eine breite Palette an Verkehrsmitteln. E-Scooter seien aktuell eine Art Hype-Objekt. «Morgen könnten auch wieder bestimmte Fahrräder bei Jugendlichen auf der Eins stehen», meint Groth.

Wie groß ist das Unfallrisiko mit dem E-Scooter?

Schaut man auf die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten in Deutschland, machten 2025 die, an denen ein E-Scooter-Fahrer beteiligt war, laut dem Statistischen Bundesamt nur einen geringen Anteil aus. Allerdings registrierte die Polizei demnach im vergangenen Jahr fast 16.500 E-Scooter-Unfälle – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von rund 38 Prozent.

Nicht nur der starke Anstieg beunruhigt Fachleute wie Unfallforscherin Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sondern auch das Alter der Betroffenen. «Am meisten verunglücken tatsächlich die 15- bis 17-Jährigen», sagt sie. Mehr als die Hälfte der Verunglückten sei jünger als 25 Jahre.

Jüngere fahren häufiger mit einem Leih-Scooter, wie eine GDV-Befragung ergeben hatte. Im Gegensatz zu Menschen, die einen eigenen E-Scooter besitzen, sind diese nach Einschätzung von Zeidler weniger geübt im Umgang, tragen seltener Helm und halten sich oft weniger an die geltenden Regeln.

Eine aktuelle, im Fachjournal «Scientific Reports» veröffentlichte Studie aus Großbritannien bestätigt den Alterstrend und vergleicht zudem das Unfallrisiko mit anderen Gefährten: E-Scooter-Fahrer ziehen sich bei Unfällen demnach deutlich häufiger Kopfverletzungen und Schädigungen innerer Organe zu als Motorrad- oder Fahrradfahrer. Demnach ist das relative Risiko für ein Schädel-Hirn-Trauma bei E-Scooter-Unfällen 3,45-mal höher als bei Motorradfahrern und 1,74-mal höher als bei Radfahrern.

Auch das Risiko für Verletzungen innerer Organe (1,46-mal höher) und Gefäßtraumata (3,24-mal höher) übersteigt das von Motorradfahrern deutlich, während das Risiko für Knochenbrüche im Vergleich geringer ausfällt. Das berechneten die Forscher auf Basis von Daten des nationalen Traumaregisters (aus dem Zeitraum 2020 bis 2022) und Berichte eines Leihanbieters aus 18 Städten in England und Wales (aus dem Zeitraum 2020 bis 2024).

Was sind die Ursachen für Unfälle mit dem E-Scooter?

«Was wir bei den E-Scooter-Fahrern beobachten, ist, dass sie gemessen an der Fahrleistung mehr Fehler machen als Radfahrende», sagt Unfallforscherin Zeidler. Der häufigste sei, dass diese die Fahrbahn falsch benutzten oder verbotenerweise auf dem Gehweg fahren würden. Außerdem komme es häufiger vor, dass der Fahrer oder die Fahrerin Alkohol getrunken habe.

Gefährlich wird es auch, wenn zwei – oder sogar drei – Leute gleichzeitig mit dem E-Scooter fahren. Das Problem: Diese haben laut Zeidler eine ganz andere Fahrdynamik, als man es von Fahrrädern gewohnt ist. Diese haben kleinere Räder, die Stabilität ist schlechter. Dazu kommt ein vergleichsweise hohes Gewicht.

Dadurch kann es schneller wackelig werden, wenn man Bordsteinkanten überfährt, Hindernissen ausweichen oder plötzlich bremsen muss. Und noch wackeliger wird es mit mehreren Fahrgästen.

Seitlich abspringen? «Bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h, die man ja mit einem Scooter fahren kann, kommt es dann im Zweifel erst recht zum Sturz», sagt Zeidler. Entsprechend hoch sei der Anteil der Alleinunfälle. 16 der 33 Menschen, die 2025 in der Folge von E-Scooter-Unfällen starben, verunglückten der Statistik zufolge ohne Beteiligung anderer.

Welche Verletzungen sind typisch?

Bei Stürzen mit dem E-Scooter brechen sich viele der Fahrer oder Fahrerinnen nach den Erfahrungen von Professor Rainer Wirtz von den Bezirkskliniken Schwaben die Arme oder Hände. «Die andere große Gruppe ist die mit Kopfverletzungen, weil die meisten keinen Helm tragen.»

Darüber hinaus kann es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie bei E-Scooter-Unfällen zu Verletzungen des Bauchraums und Knochenbrüchen im Rumpfbereich kommen. Oft sind die Unfälle demnach schwer und ein Teil der Betroffenen muss stationär im Krankenhaus bleiben.

Bei schweren Schädel-Hirn-Traumata seien die Folgen dramatisch, sagt Wirtz. «Das unterbricht oft Lebensläufe. Das sind in allererster Linie jüngere Menschen, die aus der Ausbildung oder der Schule herausgeholt werden und häufig nicht mehr an ihre vorherige Laufbahn anknüpfen können.»

Das Risiko eines schweren Unfalls wird aus seiner Sicht bei den E-Scootern oft unterschätzt. «Die stehen an jeder Ecke herum und erinnern an die Tretroller, die man als Kind benutzt hat», meint er. «Dass etwas passieren kann, ist da nicht im Bewusstsein.»

Was bedeutet das für Fußgänger?

Die Fußgängerlobby Fuss e.V. sieht E-Scooter, die auf Gehwegen fahren eindeutig als Gefahr. Gerade Kinder und alte Leute könnten den Gefährten nicht schnell genug ausweichen, betont Sprecher Roland Stimpel. «Das heute chaotische E-Scooter-Fahren muss dringend zivilisiert werden.»

Der Verein fordert deshalb hohe Geldbußen für das Fahren auf dem Gehweg – ähnlich wie in Frankreich von 135 Euro. Das Verwarngeld sei aber gerade von 15 auf viel zu geringe 25 Euro erhöht worden, kritisiert Stimpel. Das Mindestalter sollte auf 15 Jahre angehoben werden und ein Kenntnisnachweis wie beim Mofa verpflichtend sein. «Wir wollen E-Scooter nicht pauschal verbieten», sagt er. «Richtig genutzt können sie durchaus nützlich sein.»

Welche Folgen könnte der E-Scooter-Trend noch haben?

Fachleute wie der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, Prof. Ingo Tusk, befürchten, dass die E-Scooter, die überall in der Stadt herumstehen, dazu verleiten, sich noch weniger zu bewegen. «Da werden selbst die kleinen Wege nicht mehr zu Fuß gemacht.»

Bedenklich findet er das vor allem, weil immer mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig seien. Neben gezieltem Sport seien deshalb kleine Aktivitäten im Alltag wichtig – wie Treppensteigen, zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren, sagt der Chefarzt für Sportorthopädie und Endoprothetik an den Frankfurter Rotkreuz-Kliniken.

Der Bewegungsmangel im Alltag wirke sich zudem negativ auf die motorische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen aus, hat Tusk beobachtet. «Es gibt viele, die nicht mehr Radfahren oder schwimmen können.»

Wie lässt sich die Unfallgefahr senken?

«Wir müssen die Jugendlichen befähigen, am Straßenverkehr sicher teilnehmen zu können», sagt Zeidler. «Da sehen wir einen ganz großen Nachholbedarf.» Der Fahrradführerschein in der Grundschule vermittle nur das Basiswissen fürs Radfahren und reiche nicht. Zudem kämen bei Jugendlichen andere Themen dazu, wie riskanteres Fahren, Alkoholkonsum oder Handynutzung im Verkehr. Die Expertin plädiert deshalb für eine Verkehrsausbildung in der weiterführenden Schule.

Die deutsche Verkehrswacht bietet bereits seit 2019 E-Scooter-Trainings an. «Hier geht es nicht nur darum, Verkehrsregeln zu vermitteln, sondern die Fahrenden in ihrem Risikobewusstsein und ihrer Fahrkompetenz zu stärken sowie rücksichtsvolles Verhalten im Straßenverkehr zu fördern», erklärt Sprecherin Elisabeth Fitzke. Die Plattform Scootskills bündelt zudem seit Juli Informationen und Angebote, damit man passende Trainings in der Umgebung finden kann oder etwa Schulen selbst solche auf die Beine stellen können. News4teachers / Von Irena Güttel, dpa

Dinslaken ist kein Einzelfall: Zahl an Schulwegeunfällen steigt – auch tödliche

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
23 Kommentare
Realist
1 Monat zuvor

Die Expertin plädiert deshalb für eine Verkehrsausbildung in der weiterführenden Schule.“

Auf diesen Satz habe ich gewartet.

Die Gesellschaft schafft sich genau wie mit den (a)sozialen Medien ein Problem, dass sie weder angemessen regulieren (Altersbeschränkungen) noch die Regel angemessen durchsetzen will (Kontrollen, Strafen).

Also kippt man das Problem wieder einmal den Schulen zur Bearbeitung vor die Füße: Und schon hat man wieder seinen Universalsündenbock, wenn es nicht funktioniert: „F.. S…, könnten sich doch einmal etwas anstrengen!“

Warte auf die „Empfehlungen, Handreichungen“ der „Experten“ von ihren gemütlichen Homeoffice-Schreibtischen, die uns dann wieder erklären wollen, wie wir unseren Job zu machen haben.

DienstnachVorschrift
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Naja, wir haben Verkehrserziehung an einen externen Träger ausgelagert. Das ist kaum Aufwand für die Schule.

wombatlover
29 Tage zuvor

Ich bin es leid, dass mein Dienstherr schon darauf baut, dass wir Lehrer alles für die Schüler tun. Da muss nicht noch jeder Sprecher von jeder Gruppierung meinen, wir seien für die banalsten Dinge verantwortlich. Die Kinder und Jugendlichen haben auch Eltern. Und wenn jetzt wieder das Argument kommt, dass viele von denen das nicht wollen oder können, dann müssen halt Bedingungen geschaffen werden, dass sie es lernen und müssen. Aber uns tolle Ratschläge geben, wie keinen prüfungsrelevanten Unterricht bei Hitze zu machen. Es ist erst der erste Schultag um und ich brauche schon eine Retailtherapy.

Klara
29 Tage zuvor

Wer finanziert das?

vhh
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Noch ein Grund mehr für das Fach ‚Alles für das sich niemand zuständig fühlt‘ , mit dem schönen Namen ‚Lebenspraxis‘ o.ä. Erste Hilfe, Wiederbelebung, Steuern, Versicherungen, Gesetze, Börse, Rollerfahren, Ernährungskunde….alles was angeblich in der Schule nicht vorkommt. Wer die Stunde abgibt? Sicherlich nicht Sport (Gesundheit!), Musik/Kunst (musische Basis!), Hauptfächer und NW (bei den vorhandenen Defiziten nicht vertretbar), Religion (nie nicht und niemals), aber da gibt es doch GL/Geschichte/Politik usw… Ach, die sollen schon die Demokratie retten? Dann kommt das auch noch in das neue Fach und wenn das nicht reicht, werden es eben zwei Wochenstunden .
Übrigens fahren meine 14jährigen gerne zu dritt, ohne Helm, in Schlangenlinien die Bundesstraße entlang. Mit 16 dann mit dem Roller in der Mittagspause Vollgas den Flur im ersten Stock entlang…Ja, man hätte viel zu erzählen, wenn jemand zuhören würde.

Tigrib
30 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Meine Kids, auf ihr Fahrverhalten angesprochen, meinten: „Die Polizei guckt ja eh weg!“
Neulich im Fernsehbeitrag über steigende Unfallzahlen gab es auch nur gaaaanz nette mündliche Verwarnungen.
Tja…

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

„Die Gesellschaft schafft sich genau wie mit den (a)sozialen Medien ein Problem, dass sie weder angemessen regulieren (Altersbeschränkungen) noch die Regel angemessen durchsetzen will (Kontrollen, Strafen).“
Stimmt. Autos abschaffen, dann müssen Sie den Grundschülern die lästigen Schilder nicht mehr beibringen 😀

Na ja
30 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ja, sehr gerne, so, wie mittlerweile einige fahren☹️
Ich würde mir grundsätzlich mehr Kontrollen wünschen. In den Niederlanden ist Autofahren so viel entspannter.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Ja, das ist erneut eines von vielen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen, die nun die Schulen zu richten haben, wer sonst? Eltern vielleicht? Die sind doch stolz wie Bolle, wenn ihr Spross schon mit „E“ unterwegs ist. Die Denkprozesse beschränken sich fast nur noch auf Konsum, Materialismus, Darstellung und fälschliche Selbsterhöhung durch Besitz.
jWir haben eh schon einen beträchtlichen Anteil an Bewegungsarmut, aber es kommt immer noch etwas dazu. Den Kampf gegen Übergewichtigkeit und Koordinationsschwächen müssen dann die Spoortlehrer wieder aufnehmen………

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Um eine Lanze für die Scooter zu brechen, früher empfand ich sie als ausschließlich sinnlos, inzwischen sehe ich, dass sie Menschen eine Mobilität und Bewegungsfreiheit geben.

Betone bei jeder Abfahrt und bei jedem Elterngespräch die Risiken und hoffe, dass nichts passiert, ich FORDERE allerdings bessere Gesetze, die sich nicht am Bürohengst auf „den letzten 100 Metern“ oder whatever orientieren, sondern an Jugendlichen und Autolose, die nicht durch eine Buslinie abgedeckt werden

Der Leser
29 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wissen Sie, was noch Mobilität gibt? Zwei gesunde Füße. Der Fußbhs fährt nämlich immer.

laromir
1 Monat zuvor

Wie wäre es denn mal damit, dass man genau wie bei einer Vespa, einen Führerschein machen muss, damit man sie Dinger ab 15 oder so fahre darf? Wer ohne fährt und erwischt wird, ist für den Führerschein erst mal einen Weile gesperrt, oder Bußgeld, oder schon mal ein paar Punkte. Könnte man sich vieles ausdenken. Die Polizei muss sich dazu nur mal nach der Schule hinstellen und rauswinken.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

„Dass die Gefährte gerade bei Jugendlichen angesagt sind, liegt ihm zufolge daran, dass sich E-Scooter in diesem Alter gut eignen, den persönlichen Aktionsradius zu erweitern und mobil zu werden. E-Scooter seien für junge Leute das ideale Verkehrsmittel, um zu lernen, sich selbstbestimmt in der Umgebung zu bewegen und die noch kleine Welt um sie herum zu erkunden.“
Erklärt mir bitte mal, warum man diesen „persönlichen Aktionsradius“ nicht auch mit dem Fahrrad (nein, nicht E-Bike) oder Tretroller erweitern kann, warum muss mittlerweile alles Akku betrieben sein? Und selbstbestimmt bewegen sich die Jugendlichen nicht, meiner Meinung nach eher fremdbestimmt. nd offenbar vergessen sie oft alle Regeln im Straßenverkehr, so rücksichtslos, wie da oft gefahren wird. Eine wahrlich grandiose Lernerfahrung.
Als Sportlehrer sehe ich noch eine ganz andere Problematik, nämlich die, dass es ganz uncool geworden ist, sich zu bewegen. Schon Kinder bekommen E-Fahrzeuge. Was soll das werden? Wenn man schon die Übergewichtigen auf ihren Pedelecs sitzen sieht, weiß man, wohin die Reise geht. Nein, man bewegt sich nicht mehr, jede Anstrengung wird vermieden. Die Konsequenz wird sein, dass die Zivilisationskrankheiten noch mehr zunehmen, der Bewegungsapparat noch mehr verkümmert.
Dazu kommen jetzt die Unfallzahlen, der Unreife der Nutzer geschuldet oder der Tatsache, dass man seine Fähigkeiten überschätzt und das Fortbewegungsmittel alles andere als beherrscht.
Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie unser Land diese millionenfachen Akkus erstens mit Strom versorgen, zweitens entsorgen möchte, natürlich alles sehr umweltfreundlich. Dafür darf man aber dann keine Plastiktrinkhalme mehr benutzen, weil die ja das Riesenproblem sind.
Dieses ganze unreflektierte „Must-Have“ ist eine unerträgliche Entwicklung, offenbar schalten immer weniger Leute ihr Hirn ein.

Steißtrommler
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Evolutionsbooster!

Jerunda
30 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Wie hat sich eigentlich der Aktionsradius von Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten so entwickelt? Gibt es dazu Studien? Welche Rolle spielen dabei die Öffis (auch die Preise), die Medien und die Ganztagsangebote?

Pit2020
28 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

@Teacher Andi

„Als Sportlehrer sehe ich noch eine ganz andere Problematik, nämlich die, dass es ganz uncool geworden ist, sich zu bewegen. Schon Kinder bekommen E-Fahrzeuge. Was soll das werden? Wenn man schon die Übergewichtigen auf ihren Pedelecs sitzen sieht, weiß man, wohin die Reise geht. Nein, man bewegt sich nicht mehr, jede Anstrengung wird vermieden. Die Konsequenz wird sein, dass die Zivilisationskrankheiten noch mehr zunehmen, der Bewegungsapparat noch mehr verkümmert.“

Wenn man schon die Übergewichtigen unbedingt herausstellen muss (Muss man???), sollte man das selbst hinterfragen: Was genau bringt das jetzt?
Da ich kein Sportlehrer bin, frage ich das ernsthaft.
Aber vermutlich kann man als Sportlehrer die Lage aus vielen Perspektiven betrachten (Vielleicht auch mal „skinny fat“ bei Menschen jeden Alters mit bedenken? Für alle Nicht-Sportlehrer lässt sich das gut und seriös googeln z.B. bei den Ernährungs-Docs auf ARD.)

Wohin die Reise geht …?
Mit Verlaub: Da finde ich etwas aussagekräftiger als die Meinung 1 Sportlehrers (Ihre) die Ergebnisse der Arbeit u.a. des Sportmediziners der Medizinischen Hochschule Hannover (es gibt auch andere Mediziner, die sich damit schon befasst haben, vgl. Text unter dem Video):
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/e-bike-fahren-so-gesund-ist-es-fuer-koerper-und-psyche,ebike388.html
Hier wird auch über Zivilisationskrankheiten und E-Bike-Nutzen (und Nutzung) gesprochen.

Als Kritikpunkt würde ich noch gelten lassen, dass Kinder und Jugendliche wahrscheinlich meistens (!) den „Kick“ der Motorkraft nutzen würden – aber diese Motorkraft könnte man bei E-Bikes für Jugendliche vermutlich technisch stark reduzieren und bei Kinderrädern verbietet sich ein Motor ohnehin aus Sicherheitsgründen.

Teacher Andi
27 Tage zuvor
Antwortet  Pit2020

Fahren Sie wieder runter, ich wollte damit nur ausdrücken, dass die E-Mobilität schon in jungen Jahren genutzt wird und dieses Verhalten beibehalten wird. Bewegungsmangel, zusammen mit falscher Ernährung, führt nun mal zu Übergewicht, das man nur mit Anstrengung und Selbstdisziplin reduzieren kann.
Der verlinkte Beitrag überzeugt nicht gerade, es geht hauptsächlich auch um die Tatsache, dass Radfahren gesund ist, und solange man das noch kann, sollte man auch kein Pedelec fahren. Und die Wenigsten nehmen das Pedelec, um die strecke zur Arbeit statt mit dem Auto zurückzulegen. Leider fahren schon jüngere Leute ohne körperliches Handicap Pedelec, weil es bequem ist, und ältere Leute, die E-Bikes fahren, sind oft vorher nie so richtig Rad gefahren oder haben sich sonst sportlich betätigt und sind eigentlich überfordert mit dem Gerät. Man sollte schon einmal am Tag etwas außer Puste kommen, um sein Kreislaufsystem zu mobilisieren, zügig Treppen steigen, schnelles bergauf Walken, Fahrradfahren auch mit Steigungen. Wer macht das von den Pedelec-Fahrern? Das wäre eine interessante Studie. Mit einem Pedelec kommt man nicht außer Atem, außer der Akku ist leer.
Die vielen Unfälle sprechen zudem noch eine ganz besondere Sprache. Sie sind meist zu schnell unterwegs und können bei Gefahr nicht schnell genug bremsen oder kommen aus der Kurve, alles schon erlebt. Bei den E-Rollern ist es genau dasselbe Problem, und diese Kinder und Jugendlichen werden sich wahrscheinlich kaum jemals sportlich betätigen in unserer eh schon bewegungsarmen Welt.

Pit2020
26 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

@Teacher Andi

„Fahren Sie wieder runter“.
Ohne (technische) Hilfsmittel. 😉

Teacher Andi
25 Tage zuvor
Antwortet  Pit2020

Mehr ist zu meiner ausführlichen Antwort nicht zu sagen? Na dann, gibt mir eigentlich Recht.

GriasDi
1 Monat zuvor

Einführung eines Führerscheins, dann sind die Fahrschulen sofort zur Stelle, da sich dann Geld verdienen lässt, oder die Prüfungsabnahme an den Schulen, um deren Etat aufzubessern. Alles, was kein Geld einbringt, wird auf die Schulen abgewählt.

GriasDi
1 Monat zuvor

abgewälzt sollt das heißen

Joachim Schwarz
30 Tage zuvor

Fahrrad mit Helm. Unsere zuarbeitenden Grundschulen bereiten dementsprechend vor. Wir als weiterführende Schule bereiten nicht auf andere Verkehrsmittel vor. Den B-Führerschein unterrichten wir ja auch nicht. Da sind die Eltern gefragt.

Teacher Andi
30 Tage zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

Beim Skifahren mit Helm hat man bemerkt, dass die Skifahrer noch schneller und rücksichtsloser fahren, da sie sich sicher fühlen. Der Mensch ist das Problem, nicht die technische Errungenschaft. Leider nimmt das Zusammenspiel in der Gesellschaft und die gegenseitige Rücksicht immer mehr ab, die Gründe sind komplex, aber vor allem auch in der manipulativen Arbeit der sozilaen Netzwerke zu finden, welche die Menschen isoliert und ein Dazugehören nur dadurch suggeriert wird, dass man alles konsumiert, was auf den Markt geworfen wird. Die Roller sind ein Ausdruck dessen, einen Nutzen sehe ich darin nicht.
Und die Schulen sollen diese verquere Geisteshaltung mal wieder richten?