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Wirbt Kretschmann vergeblich? CDU lehnt Schulfrieden ab

STUTTGART. Die Chancen auf einen Schulfrieden in Baden-Württemberg schwinden. Die CDU setzt in einem Gegenentwurf zu grün-roter Schulpolitik auf Angebotsvielfalt. Die werde nicht nur den unterschiedlichen Schülerleistungen gerecht, sondern könne auch das Schulsterben abbremsen. Die Gemeinschaftsschule bewirke das Gegenteil – so heißt es in einem aktuell präsentierten Konzept der Christdemokraten. SPD-Landeschef Nils Schmid hält am geplanten Zwei-Säulen-System im Schulwesen fest, ist aber bereit, mit der Opposition über die Ausgestaltung zu reden.

Hat an der Schulpolitik derzeit wohl nicht viel Freude: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Grüne NRW / flickr (CC BY-SA 2.0)

Hat an der Schulpolitik derzeit wohl nicht viel Freude: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Grüne NRW / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die CDU-Fraktion setzt weiter auf eine ausdifferenzierte Bildungslandschaft. Neben den bisherigen Haupt-, Werkreal- und Realschulen soll es eine weitere Art von Realschule sowie Schulverbünde und verstärkt Verbundschulen geben. Die CDU ist überzeugt, damit mehr Schulstandorte retten zu können als Grün-Rot. «Das ist eine Chance für den ländlichen Raum», sagte der Schulexperte Georg Wacker in Stuttgart. Flexibilität und Vielfalt sei die Antwort auf rückläufige Schülerzahlen, nicht das seiner Meinung nach starre grün-rote Korsett.

Das Gymnasium bleibt nach dem CDU-Konzept als eigenständige Schulart bestehen. Wie die unter Grün-Rot eingeführte Gemeinschaftsschule in das Konzept eingebettet werden sollte, ist noch unklar. Wacker forderte die Landesregierung aber auf, ihre «ideologischen Scheuklappen» abzulegen und einen Qualitätsvergleich zwischen Gemeinschaftsschulen und anderen weiterführenden Schulen zuzulassen. Mit der von Grün-Rot eingeführten Gemeinschaftsschule gehe ein «drastisches» Schulsterben einher.

Kernpunkt des Konzepts ist die auch vom CDU-Landesverband jüngst vorgeschlagene Orientierungsstufe in den Klassen fünf und sechs der weiterführenden Schulen außer dem Gymnasium. Nach ihr sollen die Schüler eine zweite nicht verbindliche Bildungswegeempfehlung erhalten. Diese kann Richtung Haupt- und Werkrealschulabschluss oder Mittlere Reife gehen. Wie von Grün-Rot vorgesehen, wollen auch die Christdemokraten den Hauptschulabschluss nach der neunten Klasse der Realschule ermöglichen. Doch müsse die «differenzierte Realschule» einen eigenen Bildungsgang zur Vorbereitung darauf anbieten.

Die erste Empfehlung der Lehrer nach Klasse vier soll ebenfalls nicht obligatorisch sein, aber nach intensiver Beratung der Eltern entstehen. Die aufnehmenden Schulen sollen – anders als nach dem von Grün-Rot initiierten Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung – den Vorschlag der Grundschule erfahren.

Nach den Worten Wackers ist das Konzept mit dem von der Koalition geplanten Abbau von 11.600 Lehrerstellen nicht zu realisieren. Die CDU will die Standorte von Haupt-/Werkrealschulen und eventuell Realschulen in regionalen Verbünden erhalten. Bei der Zahl von 70 Verbundschulen aus Werkreal- und Realschulen unter einem Dach ist aus CDU-Sicht noch Luft nach oben.

Nach den Worten von CDU-Fraktionschef Peter Hauk soll das mit Schulträgern, Experten, Eltern und Lehrern erarbeitete und von der Fraktion einstimmig verabschiedete Papier bis Ende kommenden Jahres ganz fertig sein. Dann werde es als Grundlage für den Wahlkampf 2016 dienen. Die Suche nach einem Schulfrieden zwischen Regierung und Opposition ist aus seiner Sicht falsch. Denn unterschiedliche Vorstellungen der Parteien zu wichtigen Themen seien Merkmal der Demokratie.

SPD-Landeschef Schmid gibt allerdings sein Werben um die CDU nicht auf: «Ich schlage vor, dass wir uns auf ein Zwei-Säulen-Modell der Schullandschaft in Baden-Württemberg verständigen», so schrieb er nun in einem Brief an CDU-Landeschef Thomas Strobl. Die eine Säule bestehe aus dem grundständigen Gymnasium, die andere aus der Gemeinschaftsschule sowie aus der Real- und Werkrealschule/Hauptschule. Es könne aber über die Ausgestaltung gesprochen werden, zum Beispiel über die Rolle von G8 und G9 an den allgemeinbildenden Gymnasien und die Weiterentwicklung der Schularten in der zweiten Säule.

Schmid hatte den im Landtag vertretenen Parteien Mitte Oktober Gespräche zur Beilegung der Auseinandersetzungen in der Bildungspolitik vorgeschlagen. FDP und Grüne sagten zu. CDU-Landeschef Strobl zögert hingegen. Er befürchtet nach eigenen Worten, dass es sich nicht um ein ernsthaftes Angebot, sondern um eine «parteitaktische Finte» handelte. Schmid betonte nun, ihm gehe es um Gespräche ohne ideologische Scheuklappen. dpa

Zum Bericht: Realschulen wollen keine Gemeinschaftsschulen werden

 

Ein Kommentar

  1. Ich nahm (von außen) das BW.-Bildungssystem früher immer als besonders gut und erfolgreich wahr.
    Da ist es verständlich, dass die CDU sich in so eine Totalumkrempelung von Grünrot nicht einbinden lässt. Sie befürchtet wohl, dass ihr Schulsystem in Rekordzeit gegen die Wand gefahren wird. In 9 Jahren wird man mehr wissen …

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