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Deutscher Schulleiterkongress – zuerst im Fokus: Inklusion, Sprechtraining und Führungsstil

DÜSSELDORF. Heute beginnt in Düsseldorf der Deutsche Schulleiterkongress, mit 2000 Teilnehmern die bundesweit größte Veranstaltung ihrer Art. Am Tag vor der offiziellen Eröffnung nutzten viele Besucher bereits ein sogenanntes Pre-Workshop-Angebot. Die Themen: unter anderem Inklusion, Sprechtraining und Führungsstil.

Der Deutsche Schulleiterkongress findet in der Messe Düsseldorf statt. Foto: Messe Düsseldorf / Tillmann

Der Deutsche Schulleiterkongress findet in der Messe Düsseldorf statt. Foto: Messe Düsseldorf / Tillmann

Ein bisschen erinnert die Situation an eine Unterrichtsstunde: Die Psychologin Britta Bayer steht vor gut besetzten Sechser-Gruppentischen, stellt Fragen und fordert die Anwesenden zur Teilnahme auf. Die zeigen das typische Schülerverhalten, sind eher etwas zurückhaltend, melden sich nur vereinzelt zu Wort. Dabei sitzen an den Tischen gar keine Schüler, sondern Schulleiter, die den dritten Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf nutzen, um sich in einem von sieben Workshops weiterzuentwickeln.

„Situatives Führen – den Führungsstil am Einzelnen orientieren“ heißt das vierstündige Angebot, das über 40 Schulleiter angezogen hat. Die Stimmung ist gut, locker. Dafür sorgen wohl auch die Fallbeispiele, die gemeinsam besprochen werden. „Man erkennt einige Kollegen wieder“, verrät Ingo Stein, seit einem halben Jahr stellvertretender Schulleiter an einer Berufsbildenden Schule in Niedersachsen. Einer der Fallbeispiele ist Herbert Steilmann, 46 Jahre alt und spät in den Beruf eingestiegen. Steilmann ist kompetent und bei Kollegen beliebt, hat allerdings Probleme mit den Schülern und ihren Eltern. Ihm wird vorgeworfen, aus reinem Vergnügen schlechte Noten zu verteilen und sehr streng zu sein.

Britta Bayer will von den Schulleitern wissen, wie sie mit so einer Lehrkraft umgehen würden? Nur zögernd kommen Rückmeldungen. „Vielleicht liegt es an der fehlenden pädagogischen Kompetenz?“, schlägt eine Teilnehmerin vor. „Man müsste ihn begleiten“, wirft ein anderer ein. „Ja genau, ihn anleiten und führen“, stimmt Bayer zu und verrät, dass das Beispiel eigentlich auf einer jungen Berufsanfängerin beruhe. Die hatte kurz nach ihrem Referendariat direkt eine eigene Klasse bekommen, wurde aber von den Eltern nicht ernst genommen. „Beim ersten Elternabend hat ein Vater Sie gefragt, seit wann denn auch Kinder unterrichten dürften“, erzählt Bayer. Diese abschätzige Haltung hätten nicht nur die Eltern der jungen Lehrerin entgegen gebracht, sondern sie hätte sich auch im Verhalten der Schüler gezeigt. „Sie wurde in dieser Situation allein gelassen vom Schulleiter. Ihre Unsicherheit hat sich dann in Strenge umgeschlagen.“

Ebenfalls aus der Praxis berichten eine Etage darüber drei Schulleiterin im Workshop „Viele Wege führen zur Inklusion“. Annette Berg von der Hamburger Grundschule Langbargheide, Christina Lang von der Ketteler-Grundschule in Bonn-Dransdorf und Kathrin Voigt von der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule im brandenburgischen Birkenwerder haben das geschafft, was vielen Schulen noch bevorsteht: Sie haben erfolgreich den Weg zur Inklusion beschritten und erhielten dafür den Jakob Muth-Preis für inklusive Schule. Inklusion – „das ist jetzt das große Thema überhaupt und eine riesen Herausforderung“, sagt Ute Lehms, Grundschulleiterin aus Brandenburg und eine von rund 30 Teilnehmern des Workshops. Sie ist auch gekommen, um zu erfahren, welche Hürden auf dem Weg zur Inklusion warten. Die brandenburgische Schulleiterin Voigt erinnert sich vor allem an die vielen Vorurteile und Ängste, die aufkamen, als die Regine-Hildebrandt-Schule mit der Förderschule vor Ort fusionierte. „Lehrer und Eltern befürchteten den Niedergang des Bildungssystems“. Die Entwicklung des Unterrichts sei ein weiterer schwerer Schritt gewesen. „Er musste so umgestellt werden, dass er wirklich allen Schülern gerecht wird.“ Eine Mammutaufgabe, die auch die anderen Schulleiter kennen, viele nicken zustimmend.

Von der konzentrierten Stille des Inklusions-Workshops ist die Gruppe von Reinhard Pede weit entfernt. Der freiberufliche Sprechtrainer übt mit den Schulleitern, wie sie ihre Stimme richtig und schonend einsetzen können. „Die Kompensation von laut ist nicht leise, sondern Rüssel“, sagt Pede. Leise zu sprechen sei kein Problem, solange die Vokale o, u, ö und ü deutlich ausgesprochen werden würden. Das bedeutet, dass die Lippen beim Sprechen dieser Vokale nach vorne geschoben werden und einen Rüssel bilden. Nicht jeder kann sich bei diesem Anblick ein Lachen verkneifen. Dafür sorgt immer wieder auch Sprechtrainer Pede, der locker durch die Übungen führt und der tatkräftig zur guten Stimmung beiträgt. „Machen sie den Rüssel nur in der Öffentlichkeit, nicht privat. Sonst wundern sich die Leute nur, ob Sie noch Nachrichtensprecher werden wollen.“ ANNA HÜCKELHEIM

Zum Bericht: Querdenker erwünscht – Maffay und Kelly beim Schulleiterkongress

 

 

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