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Ist Niedersachsen das erste Bundesland, das G8 kippt?

HANNOVER. Nach den bayerischen Philologen machen nun auch die niedersächsischen Druck gegen G8: Sie fordern eine Abkehr vom sogenannten Turbo-Abitur – und zwar schon zum 1. August. Tatsächlich könnte Niedersachsen das erste Bundesland werden, das die Reform komplett kippt.

Niedersachsen könnte das erste Bundesland sein, das aus G8 im  Regelfall wieder G9 macht. Foto: 4028mdk09 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Niedersachsen könnte das erste Bundesland sein, das aus G8 im Regelfall wieder G9 macht. Foto: 4028mdk09 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Lehrer, Eltern und Schulleiter haben die Landesregierung aufgefordert, noch in diesem Jahr das Abitur nach 13 Jahren wieder einzuführen. Das olympische Motto schneller, höher, weiter gelte nicht für die Schule, betonte der Vorsitzende des niedersächsischen Philologenverbandes, Horst Audritz. Kinder müssten wieder Zeit für gründliches Lernen, für Aktivitäten außerhalb des Unterrichts und für die Persönlichkeitsentwicklung bekommen. Die Mängel des Turbo-Abiturs seien inzwischen so deutlich, dass auch Vertreter der Hochschulen und Wirtschaftsverbände für eine Rückkehr zur längeren Schulzeit plädierten, sagte Audritz.

Die Landesregierung hat ein Expertengremium eingesetzt, das verschiedene Vorschläge für eine Reform des Abiturs erarbeitet. «Die Prämisse ist, Stress und Druck zu reduzieren», sagte die Sprecherin von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), Susanne Schrammar. «Das Niveau soll natürlich gehalten werden.» In Kürze werden die Experten die Ergebnisse ihrer Beratungen vorstellen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte kürzlich erklärt, dass Manches für neun Jahre Gymnasium spreche.

Das 2011 in Niedersachsen eingeführte Turbo-Abitur funktioniere nicht, sagte Dieter Stephan, Vorsitzender der Niedersächsischen Direktorenvereinigung. Mittlerweile wechselten mehr als 40 Prozent aller Jungen und Mädchen nach der Grundschule aufs Gymnasium, die mittleren und schwächeren Schüler dürften nicht über die verkürzte Schulzeit abgehängt werden. «Die Politik sollte jetzt nicht den Fehler machen, ein Turbo-Abitur light einzuführen», warnte Stephan mit Blick auf die Diskussion um weniger schriftliche Arbeiten.

Den Eltern geht es vor allem darum, ihre Kinder in den Klassen 8 bis 10 vom Nachmittagsunterricht zu entlasten. «Dafür gibt es einen Weg, ohne dass neue Schulbücher angeschafft werden müssten», betonte der Vorsitzende des Verbands der Elternräte, Klaus Plein. Nach dem Modell des Philologenverbandes könnte die wöchentliche Pflichtstundenzahl ab Jahrgang 7 von derzeit 32 bis 34 auf 30 Stunden reduziert werden. Für die dann wiedereinzurichtende 11. Klasse blieben dann 29 Stunden. Besonders begabte Schüler sollen demnach weiterhin das Abitur nach achtjähriger Gymnasialzeit ablegen können. Dies sei durch das Überspringen von Klassen möglich. Zudem könnten «Sprinterklassen» eingerichtet werden, die den Stoff von Jahrgang 10 und 11 in einem Jahr bewältigen. dpa

 

 

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