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Lehrer fordern eine Klassenlehrerstunde – für Kampf gegen Mobbing

STUTTGART. Bei Mobbing unter Schülern stoßen Lehrer oft auf eine Mauer des Schweigens. Pädagogen hätten gern mehr Zeit für Problemfälle. In Baden-Württemberg wurde die Forderung jetzt laut. Doch das Kultusministerium ist gegen eine feste Klassenlehrerstunde.

In Deutschland war einer Umfrage zufolge schon jeder sechste Schüler Opfer von Cybermobbing (Symbolfoto). Foto: Erin Maray / flickr (CC BY-NC 2.0)

In Deutschland war einer Umfrage zufolge schon jeder sechste Schüler Opfer von Cybermobbing (Symbolfoto). Foto: Erin Maray / flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing an Schulen kommt nach Meinung der Lehrergewerkschaften viel zu kurz. Lehrer hätten zu wenig Zeit, um Fällen von Schikane, Drohungen oder Attacken nachzugehen. «Der Stundenplan ist so eng getaktet, dass das, was die Schüler belastet, leider oft unter den Tisch fällt», beklagte Michael Gomolzig vom Lehrerverband VBE. «Dafür, wie sich die Schüler fühlen, bleibt kaum Zeit.» Häufig kämen nur Hänseleien ans Licht, bei schwerwiegenden Fällen vertrauten sich viele Schüler niemandem an. «Da stößt man ganz schnell auf eine Mauer des Schweigens, sowohl beim Opfer als auch beim Täter.»

In den Stundenplänen fehle eine feste Klassenlehrerstunde, in der auch Mobbingfälle ein Thema sein könnten. «Es müsste eine Stunde in der Woche sein, die genauso ihren Platz hat wie Deutsch und Mathe», forderte Gomolzig. Solche Stunden könnten auch die Qualität des Unterrichts insgesamt verbessern. Meist werde zwar nicht im Unterricht gemobbt, sondern eher nachmittags und mit Vorliebe über das Internet. «Die Schüler machen sich da fertig, weil sie sich nicht gegenüberstehen», sagte er. Die Atmosphäre im Klassenraum könne das aber trotzdem vergiften: «Solange etwas unausgesprochen im Raum ist, leidet auch der Unterricht.»

Auch ein Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW sagte: «Eine Klassenlehrerstunde könnte nicht alles lösen, wäre aber ein Schritt in die richtige Richtung.» Das Klima an Schulen würde sich dadurch nachhaltig verbessern.

Das Kultusministerium sieht aber keinen Bedarf für eine zusätzliche Klassenlehrerstunde. Prävention sei ein grundlegender Bestandteil des Erziehungs- und Bildungsauftrags der Lehrer, sagte eine Sprecherin. Schulen hätten die Möglichkeit, das Thema in ihrem Lehrplan zu verankern. «Für dessen Umsetzung steht ungefähr ein Drittel der Unterrichtszeit zur Verfügung. Eine zusätzliche Lehrerstunde ist daher nicht nötig.»

Auch die Schulsozialarbeit entlaste Schulen beim Thema Mobbing, betonte die Sprecherin. Es gebe sie bereits an mehr als jeder zweiten Schule. Gomolzig ist das noch zu wenig. «An vielen Schulen sind sie nur wenige Stunden in der Woche oder mehrere Schulen müssen sich einen Sozialarbeiter teilen», kritisierte er.

Die Förderung von verantwortungsbewusstem und sozialem Verhalten bekommt in den weiterentwickelten Bildungsplänen laut Ministerium wesentlich mehr Gewicht: Der Themenkomplex «Prävention» solle als durchgängiges und fächerübergreifendes Leitprinzip verankert werden.

FDP-Generalsekretär Patrick Meinhardt forderte, Mobbingprävention müsse eine Querschnittsaufgabe sein, die sich in vielen Fächern widerspiegele – «im IT-Unterricht genauso wie in Religion und Ethik, in Deutsch – genauso wie im Gemeinschaftskunde-Unterricht». Vor allem in Ganztagsangeboten müsse es dafür mehr Zeit und Aufmerksamkeit geben. Wichtig sei, dass das Thema Mobbing in der Ausbildung von Lehrern und Erziehern verstärkt vorkomme und es entsprechende Fortbildungsangebote gebe.

Das Ministerium verweist vor allem auf das Präventionskonzept «Stark.Stärker.Wir», das Gewalt und Mobbing an Schulen vorbeugen soll. Im Schuljahr 2012/2013 habe dessen flächendeckende Einführung begonnen, rund 500 Schulen hätten ihr Interesse bekundet. «Das ist nichts, was man von heute auf morgen verordnen kann», sagte die Sprecherin. «Die Schulen sind frei, was die Ausgestaltung angeht. Man muss ihnen auch Zeit geben.» Gomolzig kritisierte, Anti-Mobbing-Programme an Schulen seien zwar sinnvoll, blieben aber ein Tropfen auf den heißen Stein. dpa

Zum Bericht: Bildungsministerin Wende warnt vor Mobbing an Schulen

 

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