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Jetzt doch: G8 wackelt auch in Bayern – Seehofer will Gymnasialplan bis zur Sommerpause vorlegen

MÜNCHEN. Bayern Ministerpräsident Horst Seehofer, bislang nicht zu Änderungen an G8 bereit, will bis Mitte Juli den Plan der Staatsregierung für die Zukunft des bayerischen Gymnasiums vorlegen. «Bis zur Sommerpause» solle das Konzept stehen, kündigte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in München an. Eine Reform wird es aber frühestens im übernächsten Schuljahr 2015/16 geben. Schnelle Änderungen für das laufende oder das kommende Schuljahr schloss der CSU-Chef aus.

Würde das Thema G8 offenbar am liebsten schnell abräumen: Ministerpräsident Horst Seehofer. Foto: Paukner / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Würde das Thema G8 offenbar am liebsten schnell abräumen: Ministerpräsident Horst Seehofer. Foto: Paukner / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Aber: Ob das Gymnasium künftig ein achtjähriges, ein neunjähriges oder eine Zwischenlösung sein soll, ließ Seehofer offen. Auch eine Beibehaltung des G8 ist nicht ausgeschlossen: «Es ist möglich, dass wir zu dem Ergebnis kommen, das Jetzige ist das Bessere.»

Bisher war in der CSU die Rede davon, den Gymnasialplan bis zum Herbst zu präsentieren – das dauert Seehofer jedoch offenbar zu lang. Zum Schuljahr 2014/15 ändere sich «überhaupt nichts», betonte er. «Zum Schuljahresbeginn können wir nichts Neues einführen. Das ist objektiv ausgeschlossen.»

Anfang Juli wird auch das Volksbegehren für einen Parallelbetrieb von G8 und G9 starten. Die Freien Wähler wollen durchsetzen, dass es neben dem achtjährigen künftig auch wieder ein neunjähriges Gymnasium gibt. Das lehnt die CSU ab. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hält das für organisatorisch nicht machbar, da vor allem kleinen Gymnasien auf dem Land Räume und Lehrer für einen Parallelbetrieb fehlen.

Seehofer will aber in jedem Fall einen Plan vorlegen – auch wenn das Volksbegehren der Freien Wähler scheitert. «Die Schlussfolgerung, das Volksbegehren scheitert und deswegen wird dann nichts getan, wäre eine falsche», sagte der Ministerpräsident. «Wir machen uns völlig unabhängig von dem Volksbegehren.» FW-Chef Hubert Aiwanger spottete: «Seehofer macht Gymnasialpolitik nach dem Motto: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.»

Bevor Seehofer sich festlegt, will er ausführliche Gespräche führen. «Für manche ist G9 zu lang, und für andere ist G8 zu kurz», sagte er. Widerstand gegen eine Wiedereinführung des G9 kommt auch von großen Teilen der CSU-Fraktion. Seehofer klingt inzwischen schon wieder deutlich weniger G9-begeistert als noch vor wenigen Wochen.

Auch die Direktorenvereinigung der bayerischen Gymnasien beurteilt eine Rückkehr zum G9 sehr skeptisch. «Wir haben die Situation, dass die Mehrheit der Schüler mit dem G8 zurecht kommt, eine Minderheit kommt nicht zurecht», sagte deren Vorsitzender Karl-Heinz Bruckner nach einem Treffen mit Seehofer. Nun sei eine Lösung nötig, «damit auch die Minderheit mit dem Gymnasium zurecht kommt.»

Die Freien Wähler fordern von der CSU, sich schnellstmöglich festzulegen. Seehofer macht aber keine Anstalten, diesen Wunsch zu erfüllen: «Der Dialogprozess ist notwendig.» Wenn die Freien Wähler mit dem Volksbegehren Erfolg haben sollten, gibt es zwei Möglichkeiten.

Die erste Variante: Die CSU-Mehrheit im Landtag könnte das Volksbegehren annehmen. Das ist aber nach derzeitigem Stand ausgeschlossen, da die CSU den Vorschlag der Freien Wähler zum «schlechtestmöglichen» erklärt hat.

Wenn die CSU das FW-Konzept nicht übernimmt, kommt es nach einem erfolgreichen Volksbegehen zum Volksentscheid. Dann wären alle bayerischen Bürger aufgerufen, über das Gymnasium abzustimmen. Für diesen Fall plant Seehofer bereits vor, die CSU wird dann aller Voraussicht nach ihr eigenes Modell dagegen stellen. «Wenn es im Herbst zum Volksentscheid kommt, kann man dem etwas entgegen setzen», sagte er.

Im Landtag wurde am Donnerstag heftig über das Gymnasium gestritten. Die Debatte brachte wechselseitige Beleidigungen, aber keine neuen Argumente. Die Freien Wähler nannten Kultusminister Spaenle einen «Bruchpiloten» und eine «Gefahr für das Gymnasium». Die CSU konterte mit dem Vorwurf, die Freien Wähler seien die «Totengräber der kleinen Gymnasien». Anders als beim Volksbegehren gegen Studiengebühren stehen die Freien Wähler dieses Mal allein, Grüne und SPD unterstützen das Volksbegehren nicht. SPD-Bildungsexperte Martin Güll nannte es ein «totes Pferd». dpa

 

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