Anzeige


Startseite ::: Thema des Tages ::: Anlässlich der Fußball-WM: Ein Quiz zum Thema Brasilien

Anlässlich der Fußball-WM: Ein Quiz zum Thema Brasilien

GÜTERSLOH. Brasilien rückt in den nächsten Wochen durch die Fußball-WM in den Fokus der Weltöffentlichkeit – und das Land, immerhin die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat weitaus mehr zu bieten als Sport. Die WM nehmen wir zum Anlass, mit einem Quiz das Thema Brasilien näher zu beleuchten – nutzbar auch als spielerische Einheit im Unterricht, ob im Fach Erdkunde oder zum Thema Medienkompetenz. Alle notwendigen Informationen können Mitspieler aus dem unten angefügten Text ziehen, der dem Brockhaus Wissensservice entnommen ist. Zu den Lösungen kommen Sie hier. Hier gibt es weitere Informationen zum Brockhaus Wissensservice – und einen Gratis-Probezugang für Schulen.

Wahrzeichen von Rio: Zuckerhut bei Nacht. Fotos. Kalytha / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Wahrzeichen von Rio: Zuckerhut bei Nacht. Fotos. Kalytha / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

1. Der Name Brasilien kommt …
A) vom rot färbenden Brasilholz
B) vom Namen der Tochter des ersten Governeurs, Brasilia
C) von der Kaffeesorte Brasil
D) aus dem Portugiesischen – „Brasilia“ bedeutet „Land Gottes“

2. Das gelbe Viereck, ein Rhombus, in der Flagge Brasiliens steht für
A) … den Diamantenreichtum des Landes
B) … das Werk von Dom Vicente de las Casas, einem berühmten Geografen
C) … die ungefähre Form des Landes nach der ersten Welle der portugiesischen Kolonisation
D) … einen traditionellen Schild der indigenen Ureinwohner

3. Die größten Säugetiere in Brasilien sind …
A) Elefanten
B) Riesenotter
C) Tapire
D) Süßwasserwale

4. Das Durchschnittseinkommen in Brasilien beträgt pro Jahr …
A) 1.340 US-Dollar
B) 25.659 US-Dollar
C) 10.720 US-Dollar
D) 125.650 US-Dollar

5. Die schwerste Schlange der Welt ist die …
A) Abgottschlange
B) Anakonda
C) Klapperschlange
D) Sumpfnatter

6. Die häufigsten Ausfuhrgüter Brasiliens sind:
A) Diamanten
B) Eisenerz und andere Rohstoffe
C) Kaffee und Kakao
D) Fußballspieler

7. Im Jahr 1654 kam es in Brasilien zur Vertreibung …
A) … der Niederländer als Kolonialmacht
B) … der indigenen Stämme aus dem Küstengebiet
C) … der Briten, die das Land hatten erobern wollen
D) … des letzten Inka-Königs

8. Die Hauptstadt von Brasilien ist
A) Rio de Janeiro
B) São Paulo
C) Brasília
D) Bahia

9. Der erste Kaiser von Brasilien hieß …
A) Peter I.
B) Fritz I.
C) Heinz I.
D) Edmondo I.

10. Im Jahr 2010 gelangte erstmals ins Präsidentenamt:
A) eine Frau
B) ein Mann deutscher Herkunft
C) ein Kandidat mit indigener Abstammung
D) ein Über-80-Jähriger

Aus dem Brockhaus Wissensservice:

Stichwort: Brasilien

Brasilien umfasst als fünftgrößtes Land der Erde die östliche Hälfte (47 %) des Kontinents; grenzt im Norden an Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana, im Osten an den Atlantischen Ozean (rund 7 400 km Küstenlänge), im Süden an Uruguay, im Westen an Argentinien, Paraguay, Bolivien und Peru sowie im Nordwesten an Kolumbien.

Der Brockhaus Wissensservice bietet zum Stichwort Brasilien zahlreiche Informationen. Screenshot

Der Brockhaus Wissensservice bietet zum Stichwort Brasilien zahlreiche Informationen. Screenshot

Nach der Verfassung vom 5. 10. 1988 (mehrfach modifiziert) ist Brasilien eine föderative Republik mit Präsidialregime. Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutive ist der Präsident; er steht der Regierung vor und ernennt die Mitglieder des Kabinetts. Der Präsident wird auf 4 Jahre direkt gewählt (einmalige Wiederwahl möglich). Erzielt im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit, kommt es zwischen den beiden erstplatzierten Kandidaten zur Stichwahl.

Die Nationalflagge besteht aus grünem Tuch mit einem gelben Rhombus (Symbol für den Diamantenreichtum) in der Mitte. Darin eine blaue Himmelsscheibe mit dem Abbild des südlichen Sternenhimmels; die Zahl der Sterne entspricht der Zahl der Verwaltungseinheiten. Der Bogen trägt den Schriftzug »Ordem e Progresso« (Ordnung und Fortschritt).

Brasilien gliedert sich in 26 Bundesstaaten und einen Bundesdistrikt, der die Bundeshauptstadt Brasília umfasst. Jeder Gliedstaat verfügt über eine eigene Verfassung und ein eigenes Parlament, an der Spitze steht jeweils ein direkt gewählter Gouverneur. Seit Mai 1985 ist die freie Bildung politischer Parteien verfassungsmäßig garantiert.

Auf der Basis der Verfassung ist das Bildungswesen föderal strukturiert. In der Bildungsverwaltung werden drei Ebenen unterschieden: Gemeinden, Bundesstaat und Bund. Die Primarbildung befindet sich in der Verantwortung der Gemeinden, die Sekundarstufe in der Verantwortung von Gemeinden und Bundesstaaten, für die Universitäten ist der Bund zuständig. Die Organisation des öffentlichen Schulwesens wurde 1996 per Gesetz grundlegend verändert. Das Bildungssystem umfasst die Grundbildung mit der frühkindlichen Bildung und Erziehung, der achtjährigen Primarstufe (7−14 Jahre), mit der die Schulpflicht erfüllt wird, sowie eine dreijährige Sekundarstufe, die Voraussetzung für die Zulassung zur Hochschuleingangsprüfung ist. Daran schließen sich verschiedene Formen der Hochschulbildung an. Es gibt circa 2 000 Hochschuleinrichtungen, davon über 180 Universitäten (mehrheitlich in privater Trägerschaft). Der Besuch der öffentlichen Bildungseinrichtungen ist kostenlos, private Anbieter müssen die Anforderungen des Staates erfüllen. Die öffentlichen Ausgaben für Bildung stellen (2009) 5,6 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Alphabetisierungsrate bei Erwachsenen (15-Jährige und älter) beträgt 90 %, regional weist sie große Unterschiede auf.

Brasilien besteht aus drei großen Landschaftsräumen: dem vom Amazonas und seinen Zuflüssen durchströmten Amazonastiefland, dem nördlich davon gelegenen Bergland von Guayana und dem im Südosten gelegenen Brasilianischen Bergland. Das ganze Gebiet bildete bis ins Mesozoikum einen Teil (Brasilia) des alten Südkontinents (Gondwana) und gehört zu den stabilen Krustenzonen der Erde. Brasilien hat daher keine Vulkane und wird von Erdbeben kaum betroffen.

Den größten Teil des Landes nimmt das Brasilianische Bergland ein, das im Südosten seine größten Höhen erreicht und dort mit einem Steilabfall zur Atlantikküste abbricht. Nach Süden und Südwesten ist es vorwiegend als Stufenland ausgebildet und geht als Hügelland in das von großen Haffen begrenzte Küstentiefland und das Binnentiefland des La-Plata-Flusssystems über. Landeinwärts nach Norden senkt es sich mit ausgedehnten Hochflächen (Planaltos, Chapadas) allmählich zum Amazonastiefland ab (Amazonien). Im äußersten Norden hat Brasilien Anteil am Bergland von Guayana, einem Rumpfgebirge mit weiten Hochflächen und isolierten Inselbergen, das schroff zum Amazonastiefland abfällt und geologisch sowie im Relief dem Brasilianischen Bergland gleicht. Hier erhebt sich an der Grenze zu Venezuela mit dem Pico da Neblina (2 994 m über dem Meeresspiegel) der höchste Berg Brasiliens.

Der ganze Norden des Landes gehört dem Stromgebiet des Amazonas an, der Süden mit den Oberläufen von Paraguay, Paraná und Uruguay dem La-Plata-System, der Osten kleineren, direkt in den Atlantik mündenden Flusssystemen (Rio São Francisco, Rio Parnaíba). Die meisten Flüsse sind wasserreich, aber (mit Ausnahme des Amazonas) wegen vieler Stromschnellen selbst in den Unterläufen kaum schiffbar. Bedeutende Wasserfälle sind die Iguaçufälle (60–80 m) an der argentinischen Grenze und die Paulo-Afonso-Fälle (84 m) des Rio São Francisco.

Obwohl Brasilien größtenteils im Bereich der Tropen liegt, unterscheiden sich der Norden, Nordosten, Mittelwesten, Südosten und Süden unter klimatischen Gesichtspunkten stark voneinander.

Der Norden mit dem Amazonastiefland als zentraler Landschaft hat tropisches Regenwaldklima mit Temperaturen um 27 °C, Jahresniederschlägen von 2 000 mm bis 4 000 mm und einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 % im Tiefland. Zur Küste hin kann eine Trockenzeit auftreten, jedoch reichen auch hier die Niederschläge für das Wachstum des tropischen Regenwaldes aus. Im Bergland von Guayana herrscht ein Savannenklima mit Trockenzeit im Winter, das auch typisch für den größtenteils im Brasilianischen Bergland gelegenen Mittelwesten ist. Dort liegen die mittleren täglichen Tiefst- und Höchsttemperaturen bei 17 °C beziehungsweise 28 °C, die Jahresniederschläge nur noch bei 1 600 mm. In der südlich der Amazonasmündung gelegenen nordöstlichen Küstenregion herrscht tropisches Savannenklima. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 23 °C und 30 °C, die Jahresniederschläge liegen bei 1 250 mm mit einer einfachen Regenzeit im Herbst, fallen jedoch so unregelmäßig, dass es v. a. im Regenschatten der Gebirge in weiten Landesteilen immer wieder zu Dürrekatastrophen kommt. Im Küstenraum um Salvador gibt es, unter dem Einfluss der landeinwärts wehenden Passate, ein Gebiet mit tropischem Regenwaldklima und entsprechender Vegetation. Im Südosten macht sich schon ein Jahresgang der Temperatur bemerkbar (zwischen 18 °C und 27 °C), bei Jahresniederschlägen von 1 460 mm (Trockenzeit im Winter); das Klima ist warmgemäßigt. Der Süden hat subtropisches, feuchtgemäßigtes Klima, das (bei etwas höheren Temperaturen) demjenigen Mitteleuropas ähnlich ist. Es herrscht ein Jahreszeitenklima mit Temperaturen zwischen 14 °C und 23 °C und gelegentlichen Schneefällen; die Jahresniederschläge liegen hier bei 1 330 mm.

Die Vegetation Brasiliens gliedert sich in mehrere Großräume. Der tropische Regenwald der Amazonasregion (Hyläa) überzieht im Norden einen großen Teil des Tieflands mit sehr unterschiedlichen Baumarten sowie zahlreichen Epiphyten und Lianen. Teile dieses Gebietes stehen ständig unter Wasser, hier wachsen besondere, an den feuchten Lebensraum angepasste Palmenarten. In trockeneren und etwas lichteren Wäldern kommen u. a. Parakautschuk-, Kakao- und Paranussbaum vor. Der Küstenwald  im Nordosten des Landes ist durch Mangroven und Kokospalmen gekennzeichnet, die Caatinga durch in der Trockenzeit laubabwerfende Bäume, Kakteen und Flaschenbäume. Im Atlantischen Regenwald (Mata Atlǎntica) im Südosten und in Bahia befinden sich nur noch Restbestände des tropischen Küstenwaldes (circa 5 % der ursprünglichen Fläche), durch Erweiterung von Plantagen und Weiden ist er hochgradig gefährdet. Im Süden schließt sich subtropische Vegetation mit laubabwerfenden Bäumen und Araukarienwäldern an. Der Süden ist das traditionelle Gebiet der großen Plantagen und Viehzuchtbetriebe, mit Höhengrasländern (Campos limpos) und immergrünen Nadelwäldern (ursprünglich v. a. aus Araukarien). Savannen- und Steppenvegetation überwiegen im Mittelwesten, in einer Übergangsform aus lichten, niedrigen, in der Trockenzeit laubabwerfenden Wäldern und offenem Grasland (Campos cerrados); daneben gibt es noch weite Sumpfgebiete (u. a. das Pantanal), die durch verschiedenste Grasarten sowie zur Regenzeit durch ausgedehnte Schwimmpflanzenteppiche gekennzeichnet sind. Im Mittelwesten wird die Agrarerschließung des Landes (mit großflächigen Rodungen) besonders ehrgeizig vorangetrieben; ähnliche Entwicklungen vollziehen sich seit den 1990er-Jahren im nördlichen Grenzraum von Brasilien, insbesondere im Bundesstaat Roraima.

Ebenso vielfältig wie Landschaft, Klima und Vegetation ist auch die Fauna Brasiliens, das zu den artenreichsten Ländern der Erde gehört; kein anderes Land bietet z. B. so vielen Arten von Süßwasserfischen und Schmetterlingen Lebensraum. Besonders Amazonasbecken und Pantanal gehören faunistisch zu den Mannigfaltigkeitszentren der Erde. Wenngleich der tropische Regenwald vergleichsweise arm an Großsäugern ist, kommen in Brasilien doch insgesamt circa 600 Säugetierarten vor, darunter über 50 Affenarten, die sich, wie auch viele andere Arten, überwiegend in der Kronenschicht der Bäume aufhalten und nur schwer und selten zu beobachten sind.

Typische Raubtiere sind Jaguar, Puma und Ozelot ebenso wie der Riesenotter des Amazonasgebietes und des Pantanals oder der im Süden vorkommende Mähnenwolf. Die größten Säuger sind die zu den Unpaarhufern gehörenden Tapire. Nagetiere haben mit Arten wie Pakarana und Aguti beachtliche Größen erreicht, die Capybara (oder Wasserschwein) ist mit bis zu 50 kg und 1,3 m Länge das größte Nagetier der Welt. Die auf Südamerika beschränkte Ordnung der Nebengelenktiere ist mit Faultieren, Ameisenbären und Gürteltieren vertreten. Bemerkenswert sind auch die Amazonas-Flussdelfine, eine von zwei »echten« Süßwasserarten unter den Walen.

Außerordentlich artenreich ist die Vogelwelt mit über 1 600 Arten, von denen beispielsweise Kolibris, Tukane und Nandus typische Gruppen sind. Zahlreiche farbenprächtige Papageien, insbesondere Aras, gehören heute zu den stark gefährdeten Arten. Zur artenreichen Reptilienfauna (circa 500 Arten) zählen u. a. Krokodile wie die auf Südamerika beschränkten Kaimane, zahlreiche wasserbewohnende Schildkröten, wie z. B. die Arrau-Schildkröte, Echsen, von denen die Leguane am artenreichsten vertreten sind, und bekannte Schlangen: Die Abgottschlange (Boa constrictor) z. B. gehört ebenso zu den Riesenschlangen wie die eng ans Wasser gebundene Anakonda (schwerste Schlange der Welt). Zu den Grubenottern gehört der hochgiftige Buschmeister. Bekannte Amphibien sind die farbenprächtigen, aber hochgiftigen Baumsteigerfrösche, deren Hautsekrete u. a. von den Indianern zur Herstellung von Pfeilgiften genutzt werden.

Zur ungewöhnlich reichen Fischfauna des Amazonasbeckens gehören neben vielen anderen auch aus der Aquaristik bekannte Panzerwelse, Zahnkarpfen und v. a. Salmler wie die bekannten Neonsalmler, Skalare und die berüchtigten Piranhas. Zitteraale können Stromschläge bis zu 800 V erzeugen.

Unüberschaubar ist die Zahl der Wirbellosen, mit Spinnentieren (z. B. Vogelspinnen, Skorpione) und Insekten, die sich überwiegend in den Kronendächern der Wälder aufhalten. Die Mehrzahl, besonders der Insektenarten des Amazonasbeckens, dürfte bis heute der Wissenschaft noch nicht bekannt sein.

Brasilien ist das bevölkerungsreichste Land Südamerikas. Nach statistischen Angaben überwiegen mit etwa 54 % der Bevölkerung Weiße, 39 % sind Mischlinge (Mulatten, Mestizen, Cafusos), 6 % Schwarze. Die indigenen Völker (rund 730 000) leben in kleinen Gruppen v. a. im Amazonasgebiet (südamerikanische Indianer) und sind in ihrer Existenz bedroht.

Mit Beginn der Kolonialzeit wanderten Portugiesen nach Brasilien ein. Seit Ende des 16. Jahrhunderts bis 1850 wurden 4–5,5 Mio. schwarzafrikanische Sklaven ins Land verschleppt. Im 19. Jahrhundert kam es zu umfangreicher Einwanderung, zunächst von Deutschen und Italienern, die an der wirtschaftlichen Erschließung des Südens führenden Anteil hatten (Blumenau), dann von Polen u. a. Osteuropäern, Arabern (Syrern und Libanesen) sowie Japanern. Die Einwanderung (1818–1963 rund 5,5 Mio. Menschen, davon 1,63 Mio. Italiener und 310 000 Deutsche) ist seit den 1960er-Jahren stark zurückgegangen. Derzeit sind nur knapp 0,7 % der in Brasilien lebenden Menschen im Ausland geboren.

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte ist mit 23 Einwohnern je km2 gering, doch ist die Verteilung sehr ungleichmäßig. In den Küstenstaaten einschließlich Minas Gerais leben auf 36 % der Fläche rund 87 % der Gesamtbevölkerung; die höchste Bevölkerungsdichte haben die Staaten Rio de Janeiro und São Paulo sowie im Nordosten der Küstenstreifen von Pernambuco und Paraíba. Weite Gebiete des Landesinneren sind dagegen nahezu unbewohnt, in Amazonien leben nur rund 7 % der Gesamtbevölkerung. Der Anteil der städtischen Bevölkerung nahm zwischen 1960 und 2010 von 45 % auf 87 % zu.

Das Bevölkerungswachstum in Brasilien geht seit den 1970er-Jahren kontinuierlich zurück. Die Bevölkerung wächst nur noch um (2013) 0,8 %. Die Geburtenrate beträgt 1,5 %, zeigt jedoch deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie zwischen den einzelnen Regionen. Das Durchschnittsalter liegt bei 30,3 Jahren, die Lebenserwartung bei 73 Jahren (Männer 69,5; Frauen 76,7 Jahre). Von den Einwohnern sind (2013) 24,2 % jünger als 15 Jahre, 7,3 % sind älter als 65 Jahre.

Zwischen der Oberschicht der Großgrundbesitzer und Unternehmer sowie der ständig wachsenden ländlichen und städtischen Unterschicht (Favelas) entwickelt sich allmählich ein Mittelstand (Unternehmer im landwirtschaftlichen Bereich, kleine Kaufleute und Handwerker, Facharbeiter sowie v. a. Angestellte im sekundären und tertiären Sektor der städtischen Ökonomien), besonders schnell im Südosten. Ein starkes Sozialgefälle besteht außerdem nach wie vor zwischen dem hoch industrialisierten Südosten und dem Nordosten, der zu den ärmsten Gebieten Lateinamerikas gehört.

Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit. Eine Staatsreligion besteht nicht; alle Religionsgemeinschaften sind rechtlich gleichgestellt. Traditionell nimmt jedoch die katholische Kirche als die größte Glaubensgemeinschaft eine herausgehobene Stellung im öffentlichen Leben ein. – Rund 68 % der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an, etwa 20 % verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften. Die Pfingstkirchen, die weiterhin besonders stark im Wachsen begriffen sind, bilden mit rund 13 % die größte Gruppe; allein die größte Pfingstkirche Lateinamerikas (Assembléia de Deus do Brasil) hat über 11 Mio. Mitglieder (rund 6 % der Bevölkerung). Die restlichen rund 7 % entfallen auf andere protestantischen Kirchen (besonders Adventisten, Baptisten, Lutheraner, Presbyterianer). Ebenfalls rund 7 % der Brasilianer geben an, keiner Religion anzugehören. Erwähnenswerte kleinere religiöse Traditionen in Brasilien sind mit rund 1,7 % der Spiritismus (Kardecismus) sowie die afrobrasilianischen Religionen mit rund 0,4 % Anteil an der Bevölkerung.

Zu den religiösen Minderheiten gehören orthodoxen Christen, Anglikaner, Muslime, Buddhisten und Juden. Die Wurzeln der jüdischen Gemeinschaft (Zentren: São Paulo, Rio de Janeiro, Pôrto Alegre) reichen geschichtliche in das 17. Jahrhundert zurück. Eine Besonderheit des religiösen Lebens sind die in ganz Brasilien präsenten afrobrasilianischen Religionen (Candomblé, Macumba, Umbanda, Xango) sowie der v. a. innerhalb der gesellschaftlichen Mittel- und Oberschicht verbereitete europäische Spiritismus (Kardecismus). Die vorkolonialen indianischen Religionen haben sich (partiell) unter der indigenen Bevölkerung erhalten.

Brasilien hat den höchsten Industrialisierungsgrad aller lateinamerikanischen Länder und ist (2011) die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. In Verbindung mit den vielfältigen und reichlich vorhandenen Bodenschätzen kann Brasilien als typisches Schwellenland bezeichnet werden. Das Bruttonationaleinkommen (BNE) je Einwohner beträgt (2011) 10 720 US-$.

Brasilien besitzt viele Bodenschätze, die erst zu einem geringen Teil erschlossen sind; v. a. im Amazonasbecken wurden reiche Lagerstätten entdeckt. Die Weiträumigkeit des Landes und die immer noch unzureichende Verkehrserschließung stehen einer raschen Nutzung entgegen. Die Erschließung erstreckt sich auf mehr als 60 mineralische Rohstoffe, v. a. auf Zinnerz, Eisenerz, Gold, Manganerz, Bauxit, Chrom, Diamanten, Erdöl, Erdgas und Kalkstein. Erdöl liegt im Bergbau wertmäßig an erster Stelle. Zentren der heimischen Erdölförderung sind die Bucht von Bahia, Tucano sowie Carmópolis und v. a. die Offshoregebiete vor Rio de Janeiro.

Der Anteil des Tourismus am BIP ist mit weniger als 1 % relativ unbedeutend. Die multikulturelle Gesellschaft sowie die vielseitigen Naturräume mit der artenreichen Fauna und Flora des Regenwaldes und den zahlreichen Stränden machen Brasilien jedoch zu einem beliebten Urlaubsziel. Im Duchschschnitt der letzten Jahre besuchen rd. 5 Mio. Gäste jährlich das Land. Die Mehrheit der Besucher kommt aus Argentinien (rund 20 %) und aus den USA (13 %); ca. ein Drittel aus Europa. Zu den Hauptzielen gehören u. a. Rio de Janeiro (mit Karneval), die Hauptstadt Brasília, São Paulo, Salvador und die Strände Bahias, die Iguaçu-Fälle, Amazonien und das Pantanal.

Die Einfuhren betragen (2012) 223,1 Mrd. US-$ (2009: 127,7 Mrd. US-$); die Ausfuhren betragen (2012) 242,6 Mrd. US-$ (2009: 153,0 Mrd. US-$). Hauptimportgüter sind chemische Erzeugnisse (23,3 %), Maschinen (14 %), Erdöl (13,8 %) und Elektronik (6,8 %); Hauptausfuhrprodukte Eisenerz und andere Rohstoffe (26,1 %), Nahrungsmittel (22,2 %), Erdöl (10,7 %) und Maschinen (6,5 %). Wichtigste Handelspartner sind China, die USA, Argentinien, Deutschland und Japan.

Wichtigster Pfeiler des Verkehrssystems ist der Straßenverkehr, der in weiten Landesteilen durch die natürlichen Gegebenheiten (z. B. tropisches Klima mit starken Regenfällen) erheblich erschwert wird, zumal von dem 1,6 Mio. km langen Straßennetz nur rund 13 % asphaltiert sind. Im Süden und Südosten, in Teilen des Ostens sowie im Nordosten gibt es ein dichtes Straßennetz. Die größte Bedeutung kommt den asphaltierten Fernstraßen zu, die von Rio de Janeiro und São Paulo ausgehen und die Brasília mit den einzelnen Landesteilen verbinden, sowie den Fernstraßen, die Amazonien erschließen. Der öffentliche Personenverkehr wird überwiegend mit Überlandbussen abgewickelt, eine zunehmende Rolle spielt auch der nationale Flugverkehr (2009: 58,4 Mio. Passagiere). Der Eisenbahnverkehr hat lediglich in den Ballungszentren Bedeutung. Das Luftverkehrsnetz erstreckt sich über das ganze Land. Größte internationale Flughäfen sind die Flughäfen von São Paulo (Guarulhos), Rio de Janeiro (Galeão) und Brasília.

Geschichte: Der Portugiese P. A. Cabral erreichte am 22. 4. 1500 in der Nähe des späteren Bahia die brasilianische Küste und nahm sie am 1. 5. für Portugal in Besitz. Anfangs nutzten die Portugiesen Brasilien nur als Stützpunkt und zur Gewinnung des rot färbenden Brasilholzes, das dem Land seinen Namen gab. Um den Kolonialbesitz vor dem Zugriff anderer Mächte zu schützen, entschloss sich König Johann III. zur systematischen Besiedlung und entsandte Martim Afonso de Sousa (* 1500, † 1564), der 1532 São Vicente gründete. Danach suchte die Krone die Kolonisation mithilfe privater Initiativen voranzutreiben und verlieh das in 15 Gebietsstreifen (portugiesisch capitanias, »Kapitanate«) eingeteilte Land mit lehnsherrlichen Rechten an Personen adeliger Herkunft (portugiesisch donatários, »Beschenkte«). Da die Kolonisation unter den Donatários stagnierte, kam 1549 Tomé de Sousa (* 1503, † 1579) als königlicher Generalgouverneur nach Brasilien und gründete São Salvador da Bahia (heute Salvador), wo die portugiesische Kolonialverwaltung dann bis 1763 ihren Sitz hatte. Bei der Besiedlung der Küstenzonen wurden die kriegerischen Indianer versklavt oder ins Landesinnere verdrängt, wo viele von ihnen Opfer der Sklavenjagden der berüchtigten Bandeirantes von São Paulo wurden. Durch diese Raubzüge wurde der portugiesische Machtbereich weit über die im Vertrag von Tordesillas (1494) festgelegte Grenze zur spanischen Kolonisationszone hinaus ausgedehnt. Die Personalunion zwischen Portugal und Spanien (1580–1640) setzte Brasilien den Angriffen der Niederländer aus, die 1630 Pernambuco eroberten. Unter Johann Moritz von Nassau, 1636–44 Generalgouverneur der westindischen Handelskompanie in Brasilien, erreichte der niederländische Kolonialbesitz in Brasilien seine größte Ausdehnung, bevor es 1654 zur endgültigen Vertreibung der Niederländer kam.

An der Südgrenze Brasiliens, am Río de la Plata, umkämpften Spanien und Portugal das Gebiet des heutigen Uruguay. Im Vertrag von Madrid (1750, bestätigt 1777 im Vertrag von San Ildefonso) wurden die Grenzen des modernen Brasilien festgelegt. Die wirtschaftliche Erschließung des Landes beschränkte sich zunächst auf den Anbau tropischer Nutzpflanzen wie Zuckerrohr und Baumwolle durch die ins Land gebrachten Sklaven aus Afrika. Gold wurde 1695 von Bandeirantes in Minas Gerais, dann in Mato Grosso (1719) und Goiás (1723) gefunden. Seit 1730 wurden auch große Diamantenvorkommen entdeckt. Der portugiesische Staatsmann Pombal setzte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zahlreiche Reformen ins Werk, um Verwaltung, Wirtschaft und Verteidigung Brasiliens zu verbessern. Durch die Verlegung der Hauptstadt nach Rio de Janeiro 1763 trug man der gestiegenen Bedeutung des Südens Rechnung.

Kaiserreich: Als der portugiesische Hof vor den napoleonischen Truppen 1807 nach Brasilien flüchtete, wurde Rio de Janeiro vorübergehend die Hauptstadt des portugiesischen Reiches. Die liberale Revolution von 1820 nötigte Johann VI. zur Rückkehr nach Lissabon, während sein Sohn Peter (Pedro) als Regent in Brasilien zurückblieb. Als die verfassunggebenden Cortes in Lissabon Brasilien in eine Kolonie zurückverwandeln wollten, stellte er sich unter dem Einfluss der Brüder Andrada e Silva  an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung. Auf der Höhe von Ipiranga bei São Paulo rief der Prinzregent am 7. 9. 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens aus und wurde am 1. 12. als Peter I. zum Kaiser gekrönt. Portugal erkannte die Unabhängigkeit 1825 an. Außen- und innenpolitische Misserfolge sowie zahlreiche Konflikte mit dem Parlament und den führenden Schichten im Land zwangen Peter I. am 7. 4. 1831 zur Abdankung zugunsten seines fünfjährigen Sohnes Peter II., der ab 1840 selbstständig die Politik leitete. Unter seiner Herrschaft stabilisierte sich die innenpolitische Lage. Die starke europäische Einwanderung und der Aufschwung des Kaffeeanbaus stärkten die Bedeutung des Südens. 1851 half Brasilien, den argentinischen Diktator J. M. Rosas zu stürzen, 1865–70 besiegte Brasilien im Bund mit Argentinien und Uruguay den paraguayischen Diktator F. S. López. Größtes innenpolitisches Problem wurde die Sklaverei. Schon 1831 war der Sklavenhandel verboten, 1850 die Sklaverei eingeschränkt worden; 1871 wurden die Kinder von Sklaven für frei erklärt. Die extremen Abolitionisten forderten aber das totale Sklavereiverbot. Durch die »Lei áurea« (das »goldene Gesetz«) vom 13. 5. 1888 wurde schließlich die Sklaverei entschädigungslos abgeschafft, aber auch das Ende des Kaiserreichs eingeleitet. Die betroffenen Pflanzer, bis dahin eine der wichtigsten Stützen der Monarchie, wechselten ins Lager der Republikaner, das sich durch Uneinigkeit in der Frage der Thronfolge sowie Unruhen in den Reihen der Streitkräfte stark vergrößert hatte. Ein Aufstand der Garnison von Rio de Janeiro am 15. 11. 1889 besiegelte das Schicksal der Monarchie. Die Republik wurde ausgerufen, und die kaiserliche Familie ging ins Exil nach Europa.

Anfänge der Republik und Zeit der Diktatur: Eine konstituierende Versammlung beschloss am 24. 2. 1891 die neue Verfassung der Vereinigten Staaten von Brasilien. Die ersten beiden Präsidenten waren Militärs. Die innenpolitische Lage und die durch die Zerrüttung der Staatsfinanzen beeinträchtigte ökonomische Entwicklung stabilisierten sich erst seit den Präsidenten P. J. Moraes Barros (1894–98) und M. F. de Campos Sales (1898–1902). In der auswärtigen Politik, die Baron do Rio Branco (1902–12) als Minister leitete, wurden zahlreiche Grenzfragen mit den Nachbarstaaten meist zugunsten Brasiliens geregelt. Erfolge beim Kaffee-Export, infrastrukturelle Verbesserungen sowie die Anfänge der Industrialisierung während des Ersten Weltkrieges begünstigten die Wirtschaft Brasiliens. Die Wirtschaftsdepression der Nachkriegsjahre beendete den Exporthandelsboom und verursachte finanz- und innenpolitische Krisen, in denen die Armee, getragen durch die reformorientierte Leutnantsbewegung (»tenentismo«), an politischem Einfluss gewann. An der Spitze einer Aufstandsbewegung gelangte 1930 G. D. Vargas an die Macht. Über die zwei Verfassungen von 1934 und 1937 (1937: Errichtung des »Estado Novo«, deutsch Neuer Staat, mit autoritärem Regierungssystem auf korporativer Basis) entwickelte er eine persönliche Diktatur. Aufstände der Kommunisten (1935) und der faschistischen »Integralisten« (1939) wurden niedergeschlagen, die Parteien 1937 verboten. Nach anfänglicher Subventionierung der Kaffeeproduktion unterstützte Vargas Industrialisierung und Diversifikation der Agrarproduktion und versuchte, die Lage der unteren Schichten durch soziale Reformen zu verbessern. Im Zweiten Weltkrieg trat Brasilien (1942) auf die Seite der »Anti-Hitler-Koalition« (Truppeneinsatz in Italien). 1945 war Brasilien Mitbegründer der UNO, 1948 der OAS.

Die Entwicklung 1945–1985: Die Opposition gegen Vargas‘ diktatorische Regierung führte 1945 zu seinem Sturz. Unter dem gewählten, 1946–51 amtierenden Präsidenten General Eurico Gaspar Dutra (* 1885, † 1974) wurde mit der Verfassung von 1946 wieder ein demokratisches Regierungssystem eingeführt. 1950 wurde Vargas durch Wahl erneut Präsident (Amtsantritt 1951). Er verfolgte ein wirtschaftsnationalistisches Programm, drosselte ausländische Investitionen, förderte den Ausbau der brasilianischen Industrie (1953 Gründung der staatlichen Erdölgesellschaft Petrobrás) und unterstützte die Landwirtschaft. 1954 beging er, unter massiven politischen Druck geraten, Selbstmord. Sein Nachfolger wurde Vizepräsident Joao Café Filho (* 1899, † 1970; September 1954 bis November 1955).

Präsident J. Kubitschek de Oliveira (1956–61) legte den Schwerpunkt auf die Förderung ausländischer Investitionen sowie die Erschließung Innerbrasiliens (Bau der neuen Hauptstadt Brasília). Sein Nachfolger Jânio Quadros (* 1917, † 1992; Januar–August 1961), der die hohe, durch die ehrgeizige Entwicklungspolitik seines Vorgängers beschleunigte Inflation durch ein Sparprogramm bekämpfen wollte, löste mit seinem Rücktritt eine Krise aus. Nach einer durch Intervention der Militärs vorgenommenen Beschneidung der Befugnisse des Präsidenten zugunsten des neu geschaffenen Amtes des Ministerpräsidenten (Parlamentarismus) konnte der bisherige Vizepräsident, der sozialreformerisch eingestellte João Goulart (* 1918, † 1976), die Präsidentschaft antreten. 1963 ließ er durch ein Plebiszit diese Verfassungsänderung rückgängig machen. Gegen seine Dekrete über Landreform und Verstaatlichung von Erdölraffinerien sowie seine Forderung nach Aufhebung des Wiederwahlverbots für einen amtierenden Präsidenten bildete sich eine Oppositionsfront, die ihn 1964 stürzte.

Während der folgenden zwei Jahrzehnte bestimmte die militärische Führung den Präsidenten aus ihren Reihen. Mit mehreren »institutionellen Akten« errichteten die Militärs ein autoritäres Herrschaftssystem; dabei wurden zahlreiche Personen verhaftet, vielen Politikern die politischen Rechte entzogen (u. a. Kubitschek, Quadros, Goulart), das lockere, aus der Vargaszeit stammende Parteiengefüge durch ein staatlich dekretiertes Zweiparteiensystem ersetzt (1965) und die Opposition unterdrückt. General H. Castelo Branco, 1964–67 Präsident, führte unter Politikern und Beamten ein großes Revirement durch, erhöhte die Steuern zur Sanierung der Staatsfinanzen und förderte ausländische Investitionen. Marschall Arthur da Costa e Silva (* 1902, † 1969) sah sich als Präsident (1967–69) längeren Streiks, Studentenrevolten und einer erstarkten politischen Opposition gegenüber. Durch die institutionelle Akte Nummer 5 (13. 12. 1968) wurden die diktatorischen Vollmachten des Präsidenten erweitert. Der Präsident General Emilio Garrastazu Médici (* 1905, † 1985; 1969–74) bekämpfte terroristische Aktivitäten mit großer Härte und forcierte die wirtschaftliche Erschließung des Amazonasbeckens. Unter seinem Nachfolger General E. Geisel (1974–79) begann eine Auflockerung des autoritären Regierungssystems (Aufhebung der institutionellen Akte Nummer 5 am 1. 1. 1979). Die Amtszeit von General Joao Baptista de Oliveira Figueiredo (* 1918, † 1999; 1979–85) stand im Zeichen wirtschaftlicher Rezession, wachsender Auslandsschulden und hoher Inflationsraten. In der Innenpolitik setzte Figueiredo den Demokratisierungsprozess fort: Er lockerte die Zensurbestimmungen, gestattete die Rückkehr exilierter Oppositionspolitiker und ließ eine freiere Bildung politischer Parteien zu.

Neueste Entwicklung: Ein Wahlmännergremium bestimmte 1985 Tancredo de Almeida Neves (* 1910, † 1985) zum Präsidenten; Krankheit verhinderte seinen Regierungsantritt, sodass Vizepräsident J. Sarney zunächst interimistisch die Amtsgeschäfte führte und nach Neves‘ Tod (22. 4. 1985) Präsident wurde. In einer Verfassungsreform wurde 1988 das Präsidialsystem festgeschrieben (Direktwahl des Präsidenten). Unter dem Druck des Internationalen Währungsfonds suchte Sarney die hohen Auslandsschulden abzubauen (Währungsreformen 1986 und 1989). Die Präsidentschaftswahlen 1989 gewann der Kandidat des neu gegründeten rechtskonservativen Partido da Reconstrução Nacional (PRN, deutsch Partei des Nationalen Wiederaufbaus), Collor de Mello (Amtsantritt März 1990). Seine Bemühungen um Sanierung der Wirtschaft hatten nur vorübergehend Erfolg. Die dringend notwendige Agrarreform, für deren Verwirklichung sich Mitte der 1980er-Jahre die Landlosenbewegung Movimento dos sem Terra (MST) gebildet hatte, blieb jedoch aus. Seit Mai 1992 war der Präsident Vorwürfen der Bestechlichkeit und der Verletzung der Amtspflichten ausgesetzt; nach Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens trat er am 29. 12. 1992 zurück. Die Nachfolge übernahm Vizepräsident Franco. Seinem Wirtschaftsminister F Cardoso gelang es Mitte 1994, die Inflation zu stoppen (»Plano Real« für einen umfassenden Umbau von Wirtschaft, Verwaltung und Sozialsystem; 1. 7. 1994: Einführung der neuen Währung Real). Dieser Erfolg trug dazu bei, dass Cardoso (Sozialdemokratische Partei) die Präsidentschaftswahlen 1994 gewann (Amtsantritt 1. 1. 1995). Er setzte sein Reformprogramm fort (u. a. Lockerung der Staatsmonopole), erreichte aber in der Sozialpolitik kaum Fortschritte, v. a. die Landreform kam kaum voran. Als Reaktion darauf verstärkten sich die Proteste der »Landlosen«, die sich in – zum Teil von der Militärpolizei brutal bekämpften – Landbesetzungen und Massendemonstrationen äußerten (1996/97). Mit einer Verfassungsänderung ermöglichte Cardoso seine Wiederwahl 1998. Während sich die Wirtschaft im Laufe des Jahres 1999 rasch erholte, konnte das Problem der Landreform nicht gelöst werden. Bei der Präsidentschaftswahl 2002 siegte nach einer Stichwahl am 27. 10. 2002 der Mitbegründer der Arbeiterpartei (PT) und ehemalige Gewerkschaftsführer L. I. Lula da Silva, der von einem Mitte-links-Bündnis unterstützt wurde. Damit übernahm Anfang Januar 2003 erstmals ein sozialistischer Politiker das Amt des Staatspräsidenten. Die Jahre 2003 und 2004 standen im Zeichen großer Anstrengungen zur Abwendung einer drohenden Inflation. Die einsetzende ökonomische Gesundung erfolgte auf Kosten des sozialen Bereiches (13 % Arbeitslosigkeit, Rentenreform). Proteste der Landlosen- und Indigenenbewegung fanden 2003 und in der ersten Hälfte 2004 statt. Eine Radikalisierung dieser Proteste konnte durch einen Agrarreformplan abgewendet werden, der von August bis Oktober 2004 unter Beteiligung der Protestierer aufgestellt und verabschiedet wurde und ab Mitte 2004 zu greifbaren Ergebnissen führte. Bei Fortschritten in der Sozialpolitik und in der Wirtschaft konnte Lula da Silva Ende 2004 eine für Verfassungsreformen ausreichende parlamentarische Mehrheit durch den Beitritt von Oppositionspolitikern (PMDB) zur Regierungskoalition konsolidieren. Während sich die Wirtschaft des Landes 2005 weiterhin auf einem stabilen Wachstumspfad befand, erlebte die Regierung von Lula da Silva ihre erste große Krise. Ein Korruptionsskandal zwang fast die komplette Führung seiner Arbeiterpartei zum Rücktritt und beschädigte das Image des Präsidenten als »sauberer« Politiker. Trotzdem wurde er am 29. 10. 2006 in einer Stichwahl mit 60,8 % der Stimmen im Amt bestätigt. Bei den Wahlen zum Senat und Abgeordnetenhaus schnitt der PT trotz der Korruptionsaffären überraschend gut ab. Für den PT wurden 83 Abgeordnete gewählt, die Zentrumspartei PMDB erreichte als größte Partei eine Fraktionsstärke von 89. Außerdem wurden 27 Gouverneure und die Parlamente der Bundesstaaten gewählt. Auch hier konnte der PT seine Position ausbauen. Für Lula da Silva sprachen neben seinem Charisma auch die Wirtschaftsdaten und eine leichte Abschwächung der sozialen Gegensätze während seiner Amtszeit.

Die EU und Brasilien vereinbarten am 4. 7. 2007 eine »strateg. Partnerschaft«. Im selben Jahr erhielt Brasilien den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-WM 2014. in der zweiten Jahreshälfte 2008 wurde das Land von der internationalen Finanzkrise eingeholt: Die Unterbrechung der internationalen Kreditströme erforderte ein verstärktes Eingreifen des Staates. Während das persönliche Ansehen des Präsidenten trotz vieler innernpolitischen Skandale ungebrochen blieb, schmälerten die anhaltenden sozialen Probleme das Renommee der Regierung. Kriminalität und Unsicherheit in den großen Städten nahmen zu, die Drogenbanden konnten wie in Mexiko durch Polizei und Militär de facto nicht mehr kontrolliert werden. Auch im Gesundheitswesen zeigten sich erhebliche Mängel. Mitte November 2008 kamen bei den schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten weit mehr als 100 Menschen ums Leben, 80 000 wurden obdachlos. Einen großen Erfolg für Diplomatie und Außenpolitik bedeutete am 2. 10. 2009 die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2016 nach Rio de Janeiro. Die brasilianische Wirtschaft konnte sich 2009/10 überraschend schnell von den Folgen der internationalen Finanzkrise erholen. Im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen am 3. 10. 2010 erreichte kein Bewerber die absolute Mehrheit der Stimmen. Den Stichentscheid am 31. 10. 2010 konnte D. Rousseff, die Kandidatin der regierenden Arbeiterpartei, mit 56 % der Stimmen für sich entscheiden. Sie setzte sich gegen den PSDB-Kandidaten José Serra (* 1942) durch, auf den 44 % der Stimmen entfielen. Damit wurde erstmals eine Frau ins Präsidentenamt gewählt. Die Rousseff unterstützenden Parteien erreichten bei den Parlamentswahlen sowohl im Abgeordnetenhaus wie im Senat eine deutliche Mehrheit der Sitze. Am 1. 1. 2011 legte D. Rousseff im Kongress ihren Amtseid als Präsidentin ab. Mitte Januar 2011 kamen bei einer Naturkatastrophe mehr als 500 Menschen ums Leben. Heftige Regenfälle hatten nördlich von Rio de Janeiro zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Im Juli 2011 startete D. Rousseff eine Antikorruptionskampagne gestartet, nachdem mehrere Mitglieder ihres Kabinetts unter entsprechenden Verdacht geraten waren. Am 2. 8. 2012 begann vor dem Obersten Bundesgericht der größte Korruptionsprozess in der Geschichte des Landes. 37 frühere Minister, Parlamentarier, Unternehmer und Banker standen nach sieben Jahren Ermittlungen vor Gericht. Sie wurden der Korruption, Veruntreuung, Geldwäsche, des Betrugs und der Bandenbildung angeklagt. Insbesondere ging es um monatliche Zahlungen bzw. Zuwendungen an Abgeordnete (der sog. Mensalão) während der Amtszeit des ehemaligen Staatschefs Lula da Silva, gegen den auch Ermitlungen aufgenommen wurden. Innenpolitische Auseinandersetzungen gab es 2012 besonders in Fragen der Umweltschutzgesetzgebung, v. a. in Bezug auf den Schutz des tropischen Regenwaldes. Aus Protesten gegen Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr entwickelten sich im Juni 2013 landesweite Großdemonstrationen gegen Korruption und soziale Missstände sowie gegen die hohen Kosten der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Spiele 2016. Dabei kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und der Polizei.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*