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„Redet immer nur über Inklusion“: Henris Mutter übt scharfe Kritik an Kultusminister Stoch

KÖLN. In der Diskussion über den Fall des elfjährigen Henri, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam, hat Prof. Matthias Grünke vom Kölner Zentrum für Inklusionsforschung davor gewarnt, den Jungen um jeden Preis aufs Gymnasium schicken zu wollen: „Die Inklusion ist wichtig, aber es ist eine große Herausforderung“, sagte er in der Sendung „stern TV“.  Henris Mutter griff derweil den baden-württembergischen Kultusminister Stoch an.

Gerät im Fall Henri unter Druck: Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Foto: Staatskanzlei Baden-Württemberg

Gerät im Fall Henri unter Druck: Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Foto: Staatskanzlei Baden-Württemberg

Dass das Gymnasium die Aufnahme des Jungens ablehnt, könne er nachvollziehen, sagte der Professor für Heilpädagogik im Studiogespräch. Denn: „Beim Schulgesetz in Baden-Württemberg ist es so, dass das Gymnasium den Bildungsauftrag hat, Kinder und Jugendliche mit der entsprechenden Begabung zur Studierfähigkeit zu führen – und das sagt erst einmal nichts über eine Behinderung aus. Wenn aber Lehrer sagen, wir haben nicht die Möglichkeit, jemandem wie Henri das zu ermöglichen, was dem gesetzlichen Bildungsauftrag entspricht, hat das was mit Verantwortung zu tun“, so Grünke.

Diese Entscheidung kann Henris Mutter, Kirsten Ehrhardt, nicht verstehen: „Das Pikante ist, dass das Gymnasium in Walldorf körperbehinderte Kinder gerne nehmen möchte, aber Henri nicht. Das heißt, es gibt A- und B-Behinderte“, sagte Ehrhardt in der Studio-Diskussion. Aber: Ein solcher Unterschied dürfe nicht gemacht werden. Scharfe Kritik äußerte Erhardt auch am baden-württembergischen  Kultusminister Andreas Stoch (SPD): „Wir machen etwas, das ab nächstem Schuljahr im baden-württembergischen Schulgesetz stehen soll. Und da ist ein Minister, der sich das alles anguckt, immer nur über Inklusion redet, aber jetzt kommt es das erste Mal zum Schwur – und er schweigt. Das geht nicht.“

Stern TV hatte zuvor über den Fall Henri und das Für und Wider der Inklusion berichtet: Der Junge mit Down-Syndrom hatte trotz seiner geistigen Beeinträchtigung eine normale Grundschule besucht, und seine Eltern wollen nun erreichen, dass er auch auf ein reguläres Gymnasium wechselt. Die Lehrerkonferenz der Schule in Walldorf lehnt das allerdings ab. Zwar werden dort körperlich behinderte Kinder aufgenommen, weil sie „zielgleich“ unterrichtet werden und somit das Abitur anstreben. Für eine weiterführende Inklusion – also die Aufnahme von geistig behinderten Kindern, die „zieldifferenziert“, das heißt, nach eigenen Zielen unterrichtet werden – sei die Schule aber nicht ausgestattet, heißt es. Der Kultusminister hat nun angekündigt, selbst zu entscheiden, ob Henri aufs Gymnasium darf oder nicht. ots

Zum Kommentar: Die Grenzen der Inklusion: Der Fall Henri wird zum Politikum

Zum Bericht: Kultusminister Stoch warnt: «Fall Henri» nicht zum Symbol hochstilisieren  

3 Kommentare

    • Kann es sein, dass Sie diesen Beitrag an falscher Stelle gepostet haben? Ihr Beitrag führt lediglich zu dieser gleichen Seite zurück… *grübel*

      • mehrnachdenken

        Sie wissen doch bestimmt, wie es gemeint ist! Ja, ich habe mich da vertan, und ich werde die Sache umgehend korrigieren. Leider können die Beiträge hier nicht gelöscht werden wie z.B. bei 4teachers.

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