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Nationaler Bildungsbericht: Nur mühsam schreitet die Inklusion in der Bildung voran

BERLIN. Die Schüler mit Behinderung standen in diesem Jahr im Mittelpunkt des Nationalen Bildungsberichts. Bei ihrer Integration in Regelschulen gibt es erste Erfolge. Vielen gehen die Reformen zu langsam voran.

 Es ist eine Mammutaufgabe für alle: Die Inklusion – die von einer UN-Konvention geforderte gemeinsame Bildung von Schülern mit und ohne Behinderung – ist auch in Deutschland seit fünf Jahren «geltendes Recht». Doch mit der Einlösung dieses Anspruchs hapert es noch, wie der neue am Freitag vorgestellte Nationale Bildungsbericht von Bund und Ländern belegt. Behinderte Kinder sind häufig – wie auch Schüler aus armutsgefährdeten, bildungsfernen Elternhäusern oder Migrantenfamilien – vom Bildungserfolg ausgegrenzt.

In den Kitas funktioniert die Inklusion schon recht gut. Mehr als zwei Drittel der behinderten Kinder besuchen inzwischen gemeinsam mit nicht-behinderten Gleichaltrigen Krippen und Kindergärten. Doch mit zunehmendem Alter nimmt die Integrationsquote der behinderten Schüler deutlich ab: In den Grundschulen sind es noch 44 Prozent, in den Klassen fünf bis zehn nur noch 23 Prozent.

Werbeplakat der Aktion Mensch zum Thema Inklusion. Foto: Aktion Mensch

Werbeplakat der Aktion Mensch zum Thema Inklusion. Foto: Aktion Mensch

Dass sich der alle zwei Jahre vorzulegende Bildungsbericht diesmal mit dem Schwerpunktthema Bildungschancen für Behinderte befasste, war ausdrücklicher Wunsch der Kultusminister. Sie sehen sich derzeit zwischen allen Stühlen. Klassische Sonderschulen kämpfen um ihren Erhalt, die Lehrerschaft ist gespalten. Vielerorts wenden sich Eltern offen gegen einen gemeinsamen Unterricht ihrer Kinder mit Behinderten. Und auch die Eltern jener Kinder sind zweigeteilt. Die einen wollen einen Platz für ihr Kind mit «sonderpädagogischem Förderbedarf» in einer «normalen» Schule notfalls vor Gericht erstreiten, die anderen setzen nach wie vor auf getrennten Unterricht in einer Förderschule.

Die Kultusminister setzen bei der Umsetzung der Inklusion und dem Abbau von Sonderschulen auf Behutsamkeit – nicht nur aus finanziellen Gründen, weil viele Schulen für einen inklusiven Unterricht noch gar nicht ausgestattet sind. Lehrerorganisationen wie GEW und VBE sowie Behindertenverbänden geht es dagegen viel zu langsam voran. Sie fordern ein beherzteres Engagement der Schulpolitik.

Bundesweit sind 493 000 Kinder und Jugendliche als behindert eingestuft. Das sind 6,6 Prozent aller Schüler. 40 Prozent davon gelten in Deutschland als «lernbehindert». In vergleichbaren Staaten gibt es diese Kategorie gar nicht. Als «Langsamlerner» werden sie schon seit vielen Jahren an ganz normalen Schulen unterrichtet.

Die Forderung nach völligem Verzicht auf Förderschulen ist nach den Worten des Entwicklungspsychologen Marcus Hasselhorn «ein Weg, das Kind mit dem Bade auszuschütten». Hasselhorn ist Sprecher der Autorengruppe des Bildungsberichts.

Dabei steigt die absolute Zahl der Jugendlichen, denen sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert wird – trotz allgemeinem Schülerrückgang. Dabei geht es auch um zusätzliche Lehrerstellen und mehr Geld. Das Autorenteam kritisiert einen Mangel an Personal, dass für die Inklusion gut ausgebildet ist. Karl-Heinz Reith und Ursula Mommsen, dpa

Ein Kommentar

  1. mehrnachdenken

    Der Link stammt von “klexel” auf http://www.4teachers.de – sehr empfehlenswert!!

    Hier erfahren wir, was eigentlich hinter dem Inklusionsgedanken in Deutschland steckt. Bitte auch die Kommentare lesen!

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-fleischhauer-ueber-inklusion-an-schulen-a-975644.html

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