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Abgelehnt im Schuldienst? Waldorfschulen werben um arbeitslose Junglehrer

STUTTGART. Angehende junge Lehrer, die im kommenden Schuljahr nicht in den staatlichen Schuldienst übernommen werden, können an einer der 232 Waldorfschulen in Deutschland eine Alternative finden. Jährlich seien dort 600 Stellen zu besetzen. Auf diese Möglichkeit macht der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) aufmerksam – angesichts der Tatsache, dass in vielen Bundesländern ein Teil der Referendare keine Planstelle finden kann.

Ein wichtiges Element im Waldorf-Unterricht: die musisch-künstlerische Erziehung. Foto: g.pleger / flickr (CC BY-SA 2.0)

Ein wichtiges Element im Waldorf-Unterricht: die musisch-künstlerische Erziehung. Foto: g.pleger / flickr (CC BY-SA 2.0)

So müssten allein in Bayern nach Angaben des Kultusministeriums an den Gymnasien knapp 80 Prozent der Bewerber mit einer Absage rechnen, an den Realschulen sogar 90 Prozent. In Presseberichten werde schon von neuen Zeiten der Massenarbeitslosigkeit bei den Lehrern gesprochen, so heißt es in einer Erklärung.

„Junge Lehrer, die eine sinnvolle Aufgabe suchen und gern selbständig gestalten möchten, sind bei uns an der richtigen Stelle“, betonte Henning Kullak-Ublick vom Vorstand des BdFWS. Ähnlich wie in den skandinavischen Ländern gebe es an den Waldorfschulen einen Rahmenlehrplan, der viel Gestaltungsfreiheit für den eigenen Unterricht biete.

Die Waldorfpädagogik knüpfe an den individuellen Fähigkeiten der Schüler an und ermögliche es ihnen, ohne Noten- und Leistungsdruck zu lernen. Das Ideal der Waldorflehrer, Erziehung als Kunst zu betreiben, beinhalte die Verpflichtung, Unterrichtsbedingungen zu schaffen, innerhalb derer die Schüler alle ihre Talente entwickeln können. Durch die Einbeziehung von Kunst, Sprache, Theater, Bewegung und Musik werde die kognitive, emotionale und den Willen fordernde Entwicklung der Schüler ganzheitlich gefördert. Zur Mitarbeit motivierte Eltern, ein Kollegium, das sich selbst verwalte und regelmäßig über grundlegende pädagogische Fragen austausche sowie die weltweite Verbreitung der Waldorfpädagogik seien weitere Vorteile, die junge Lehrer zur Mitarbeit motivierten.

„Waldorflehrer finden auf unterschiedlichsten Wegen zu ihren Schulen“, erklärte Kullak-Ublick. Das breite pädagogische Angebot der Ausbildungsstätten für die Waldorflehrerbildung biete für Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen und Voraussetzungen eine Weiterbildung entweder zum Waldorfklassenlehrer, zum Fach- oder Oberstufenlehrer.

Informationen zu den Fortbildungsmöglichkeiten zum Waldorflehrer und freie Stellen finden sich auf der Homepage des BdFWS, zu der es hier geht.

 

4 Kommentare

  1. Den Schülern, die an einer Waldorfschule Abitur machen, muss man gratulieren:

    Klassengrößen von bis zu 40 Schülern, Inklusion von Grund auf, bis Klasse 8 nur ein Lehrer für nahezu alle Fächer, nach 10 Schuljahren sind die ersten mit Haupt- / Realschulabschluss weg, nach 12 Schuljahren die mit dem Waldorfabschluss (ähnlich zur Fachhochschulreife). Im 13. Schuljahr kloppen die sich dann den Abiturstoff rein, also mindestens 2-3 (!) Schuljahre in etwa 8 Monaten. Man kann also festhalten, dass die Abiturienten faktisch mindestens 2 Schuljahre gegenüber G8-Gymnasien zurück liegen. Die sozialen Lerneffekte sind sicherlich nicht verkehrt, an Eurythmie muss man aber glauben.

    Als Lehrer braucht man viel Idealismus, die Philosophie dahinter muss man zumindest akzeptieren. Die Bezahlung ist die gleiche für alle, egal ob Grundschule oder Abiturlehrer, aber mit etwa EUR 3000,- brutto (Vollzeit) im Monat deutlich schlechter als im Regelschuldienst. Wie gut sich Waldorf im Lebenslauf macht, wenn man gerne wieder zurück in den Regelschuldienst wechseln möchte, kann ich aber nicht beurteilen.

    • Dann muss noch bedacht werden, dass der Unterricht musisch-künstlerisch gestaltet wird. Inwieweit wird der Unterricht von R. Steiners antroposophischen Weltanschauung bestimmt? Muss eine Lehrkraft dahinter stehen?
      Unterrichtet eine Lehrkraft auch in inklusiven Klassen alleine?

      • Es gibt tolerante Schulen, bei denen man Steiners Ansichten zwar kritisieren darf, aber tendenziell positiv gegenüber sehen muss. Radikalere Kollegien gibt es sicherlich auch.

        Der „normale“ Unterricht ist in den „normalen“, d.h. Regelschulfächern auf Gesamtschulniveau, aber mit einem gewaltigen Leistungs- und Motivationsspektrum innerhalb der Klasse. Für ein Teamteaching gibt es kein Geld, daher auch die großen Klassen. Die Waldorfschulen nehmen alles und jeden auf, weil das Land nur etwa 2/3 des Regelschulgeldes pro Schüler an die Waldorfschulen überweist.

  2. In inklusiven Klassen gibt es genauso Teamteaching, wie an anderen Schulen auch.
    Ein Waldorflehrer beschäftigt sich in der waldorfpädagogischen Ausbildung selbstverständlich mit der von Rudolf Steiner entwickelten Anthroposophie, insbesondere den Inhalten zur Erziehung des Kindes. Wer nicht dahinter stehen kann, sollte also nicht an einer Waldorfschule unterrichten. Diese Inhalte sind aber nicht Bestandteil des Lehrplans, sondern geben den Lehrern nur Methoden an die Hand, um ihren Unterricht im Sinne einer „Erziehungskunst“ zu gestalten.

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