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Der Wald als Klassenzimmer: Kindern fehlt Bezug zur Natur

LEUPOLDISHAIN. Es soll Kinder geben, die in einer Rinderherde die Lila Kuh vermissen. Selbst Schulkinder offenbaren manchmal große Lücken, wenn es um Tiere und Pflanzen geht. Sachsens Schulkinder sollen möglichst viel über ihre Heimat wissen und dabei auch Lehrstunden in der Natur erhalten. Aus diesem Grund verbessert der Freistaat die Ausbildung sogenannter Waldpädagogen.

Eine entsprechende Vereinbarung zwischen den Ministerien für Umwelt und Kultus wurde in Leupoldishain der sächsischen Schweiz unterzeichnet. Im dortigen Walderlebniszentrum können Mädchen und Jungen auf spielerische Weise den Wald kennenlernen. Knapp 20 Männer und Frauen erhielten bei dieser Gelegenheit ihre Zertifikate als Waldpädagogen. Damit gibt es in Sachsen nun 40 von ihnen. Weitere sind in der Ausbildung.

Heimische Produkte - wie Äpfel - sollen in Schulen und Kindergärten aufgetischt werdern, fordern Politiker. Foto: Olle Svensson / Flickr (CC BY 2.0)

Bei vielen Kindern in Sachsen, die in der Stadt aufwachsen, bestehen große Wissenslücken mit Hinblick auf die Natur. So wüssten nur wenige, dass man Äpfel pflücken kann. Foto: Olle Svensson / Flickr (CC BY 2.0)

„Viele Kinder wissen nicht mehr, dass man Äpfel pflücken kann. Für sie kommen Äpfel nur aus dem Supermarkt“, schildert Waldpädagogin Stefanie Blaß eine Erfahrung aus ihrer Tätigkeit und verdeutlicht gleichzeitig die Notwendigkeit ihrer Arbeit. Forstmitarbeiter Ralph Billwitz hat ähnliches erlebt: „Das Schnitzel stammt nicht vom Schwein, sondern von der Kühltheke“, berichtet er von der Erfahrungswelt vieler Mädchen und Jungen, die vor allem in der Stadt aufwachsen. Während früher Eltern und Großeltern bei der Vermittlung solchen Wissens eine bedeutende Rolle spielten, seien die Älteren heute meist genauso ahnungslos wie ihre Kinder, ist sich Umweltminister Frank Kupfer (CDU) sicher. Er sieht in den Schülern der Waldschule deshalb „Botschafter“, die auch die eine oder andere Unkenntnis bei den Eltern ausmerzen können.

Der Unterricht in der Waldschule ist ein freiwilliges Angebot und nicht an den Schulbetrieb gekoppelt. Vielmehr können sich Erzieherinnen mit ihren Kita-Kindern oder Lehrer mit ihren Schulklassen bei den Waldpädagogen anmelden. Gleiches gilt für Vereine oder Institutionen, die eine solche Fortbildung wünschen. Die Waldpädagogen haben meist Forstwissenschaft oder eine ähnliche Disziplin studiert und holen sich bei der knapp zweijährigen Ausbildung nun pädagogisches Wissen. Sie arbeiten entweder als Freiberufler oder sind bei Unternehmen angestellt; etwa beim Sachsenforst.

"Draußenschule" heißt, einmal in der Woche mit den Schülern nach draußen zu gehen. (Foto: twicepix/Flickr CC BY-SA 2.0)

Unterricht in der Waldschule ist ein freiwilliges Angebot für Erzieherinnen und Lehrer. (Foto: twicepix/Flickr CC BY-SA 2.0)

„Mal raus aus dem Klassenzimmer und in die Natur einzutauchen – das ist etwas ganz Wunderbares. Unser Wald steckt voller Geheimnisse, die es zu erkunden gilt“, sagt Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU), die als frühere Biologielehrerin selbst „vom Fach“ ist. Auch Kurth sieht bei „Stadtkindern“ besonderen Nachholbedarf. Ralph Billwitz – beim Leipziger Forstamt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig – nennt einen weiteren Grund: Die Lehrpläne sind vollgestopft und Kinder aus einer Stadt wie Leipzig brauchen viel Zeit, um erstmal einen Wald zu erreichen. Dennoch hält Kurth ein eigenes Fach Naturschutz für wenig sinnvoll. Das Thema strahle auf viele Fächer aus und lasse sich beispielsweise auch in Deutsch und Mathematik behandeln. Naturschutz als Fach würde eher zu einem „Schubladendenken“ führen, ist sich die Ministerin sicher. dpa

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