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Beauftragter: Schulen sollen viel mehr gegen Missbrauch tun – Kritik von Lehrerverbänden

KÖLN. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, meint: Schulen tun noch viel zu wenig gegen sexuellen Missbrauch. Die Lehrerverbände geben ihm teilweise recht, üben aber auch Kritik.

Will die Schulen in die Pflicht nehmen: Johannes-Wilhem Rörig. Foto: www.rieken-fotografie.de / Unabhängiger Beauftragter

Will die Schulen in die Pflicht nehmen: Johannes-Wilhem Rörig. Foto: www.rieken-fotografie.de / Unabhängiger Beauftragter

Rörig fordert ein wesentlich stärkeres Engagement der Schulen gegen sexuellen Missbrauch. «Schutzkonzepte müssen dringend integraler Bestandteil des Schulalltags werden», sagte Rörig zum Auftakt des 10. Kinderschutzforums in Köln. Die Empfehlungen, die der Runde Tisch «Sexueller Kindesmissbrauch» 2011 gegeben habe, seien bisher «bei weitem noch nicht flächendeckend» umgesetzt worden.

In jeder Klasse säßen durchschnittlich ein bis zwei Kinder, die schon einmal missbraucht worden seien. Leider passiere es immer noch, dass sich ein solches Kind einem Lehrer anvertraue, und dieser ihm nicht glaube. Um Übergriffe in der Schule selbst zu verhindern, müssten klare Regeln aufgestellt werden – «Beispiel: Fotografierverbot im Dusch- und Umkleidebereich», sagte Rörig.

Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagte dazu: «Er hat in vielen Punkten recht, aber wir müssen auch mal sehen, dass wir seit Pisa die Frage des Erziehungsauftrags deutlich zurückgestellt haben hinter die kognitive Entwicklung.» Seitdem drehe es sich in der Schule ganz vorrangig um die Vermittlung und das Abfragen von Wissen. «Die Schulkonferenz müsste einen Weg finden, dass es nicht mehr darum geht: Wer ist die beste Schule, weil sie tolle Projekte macht? Sondern: Wer hat das beste Präventionskonzept?»

Ohne zusätzliche Ressourcen könnten die Lehrer diese Aufgabe nicht bewältigen, sagte Hocke: «Wenn ich als Fachdidaktiker in Deutsch und Geschichte ausgebildet bin, dann ist es doch schwierig, sozialpädagogische Tätigkeiten auszuüben.»

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, erinnerte daran, dass die große Mehrzahl der Missbrauchsfälle nicht in der Schule stattfinde, sondern in der Familie. Die Schule könne vor allem dabei helfen, Kinder stark zu machen. Auch müssten Lehrer sehr genau hinschauen, um vielleicht einen Missbrauchsfall zu erkennen, wobei dies in der Praxis sehr schwierig sei. «Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, dass es häufiger vorkommt, dass Lehrer von Kindern auf Missbrauch angesprochen werden und ihnen dann nicht geglaubt wird», sagte Meidinger. dpa

Zum Kommentar: Schulen als Problemlöser – jetzt auch beim Thema Missbrauch?

2 Kommentare

  1. „Schutzkonzepte müssen dringend integraler Bestandteil des Schulalltags werden“ sagt wohlklingend und populistisch dieser Herr Rörig. Na klar, das wäre eine wichtige Sache, aber leider hat es eine lange Tradition, dass die Damen und Herren Politiker aller Couleur alle gesellschaftlichen Probleme und allen in der Gesellschaft anfallenden „Müll“ den Lehrern vor die Füße kippen mit dem selbstverständlichen Auftrag um Bewältigung, und zwar dies ohne irgendeine Entlastung von anderen Dienstpflichten und ohne jegliche Unterstützung. Die Schule muss das eben alles einfach so nebenbei leisten. Und zum Dank dürfen sich die Lehrerinnen und Lehrer dann auch noch als „faule Säcke“ titulieren lassen.

    • Christian Möller

      Jeder Beauftragte sieht sein Gebiet als Nabel der Welt und versucht, ihm medial oder sonstwie Aufmerksamkeit und Priorität zu verschaffen.
      Der Schule alles aufs Auge zu drücken und sich und seiner Aufgabe damit Beachtung und Anerkennung zu verschaffen, ist zum beliebten Sport für „Experten“ geworden.

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